11.04.2019

Warum das Grazer Unternehmen Parkside ins Silicon Valley expandiert

Parkside ist eine auf User Experience Design und Software Engineering spezialisierte Agentur aus Graz. Zu den Kunden für individuelle Softwarelösungen zählen LinkedIn, PicMonkey, Wirecard und RideAmigos. Andreas Jaritz, VP Client Solutions, erläutert die Hintergründe zur Expansion ins Silicon Valley.
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Parkside
(c) Parkside
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Als österreichisches Design- und Coding-Unternehmen expandiert ihr dieses Jahr ins Silicon Valley. Warum habt ihr euch zu diesem Schritt entschlossen?

Unsere USA-Umsätze machen etwa zwei Drittel des Jahresergebnisses aus. Wir entwickeln seit Jahren individuelle High-end-Software und -Services mit und für US-Tech-Companies. Wir haben jedoch nach wie vor kein Office in diesem wichtigen Markt. Bislang generierten wir neues US-Business ausschließlich über Empfehlungen. Das spricht zwar für eine hohe Kundenzufriedenheit, aber darauf zu warten, bis das Telefon wieder klingelt, ist kein strategischer Ansatz. Daher gehen wir aktiv ins Valley.

Paradoxerweise erwarten wir uns damit auch eine Expansion am Heimmarkt Mitteleuropa. Wir wollen uns im Valley behaupten, um zu Hause mit unseren UX-Design- und Software-EngineeringErfahrungen mehr bewegen zu können. Mit unseren USA-Learnings, gemischt mit gesunden mittelständischen Ingenieurstugenden, können wir viele Challenges der Digitalisierung meistern.

Über Umwege ist auch LinkedIn einer eurer großen Kunden geworden. Wie wird sich hier die Zusammenarbeit entwickeln?

LinkedIn hat unseren Kunden, den Videotraining-Marktführer Lynda, gekauft. Wir haben erfolgreich viel Technologie für Lynda gebaut und genießen deren Vertrauen. So kamen wir mit LinkedIn in Kontakt und arbeiteten an deren EdTech-Projekten mit. Dass wir durch harte Arbeit und eine angenehme Fügung nun direkt mit einem der Top Player des Valleys in Businessverbindung stehen ist extrem wertvoll und wird uns weiterhin bei der Entwicklung von Parkside helfen. Wir hatten erst kürzlich ein LinkedIn-Team bei uns in Graz. So viel darf ich sagen.

Plant ihr, auch mit anderen dort ansässigen Corporates und Startups Partnerschaften zu bilden?

Auf jeden Fall. Ohne Partnerschaften stehen die Chancen schlecht. Kürzlich haben wir z.B. unter Federführung der Agentur Butchershop Creative aus San Francisco das World Greatest Internship ausgerufen. Aus über 1.000 Bewerbern haben wir zwei Interns ausgewählt, die bei sechs Agenturen weltweit in sechs Monaten ein Praktikum absolvieren. Aktuell loten wir weitere strategische Partnerschaften aus. Wir ziehen auch bewusst in einen Co-Working Space, um uns zu exponieren. Besonderer Support kommt von der Österreicher-Community vor Ort: Da gibt es allen voran die Open Austria, die sich hervorragend um österreichische Firmen kümmert. Wir tauschen uns aber auch mit Firmen und großartigen Leuten wie Oliver Huebler von MeisterLabs, Florian Dorfbauer von Usersnap, den i5invest-Leuten oder auch mit Alex Meyer von hackabu aus. Es ist wichtig, sich viel zu bewegen, um Hilfe zu bitten und sich fragen zu trauen. Jeder hilft gerne, das ist ein Mindset. Natürlich bieten auch wir immer unsere Hilfe an.

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Die diesjährigen Nominierten des
Die diesjährigen Nominierten des "Innovator of the Year" in der Kategorie Corporate Innovation | © brutkasten

Die Herausforderung ist bekannt: Corporates müssen KI-Anwendungen operativ ins Unternehmen bringen, um international wettbewerbsfähig zu bleiben, die Umsetzung ist aber vor allem aufgrund hoher Sicherheitsanforderungen alles andere als trivial. Nicht überall gelang bislang daher der Sprung aus der Pilotphase. Doch einige heimische Corporates stechen mit ihren erfolgreich umgesetzten KI-Projekten hervor.

Ihnen widmen wir heuer die Kategorie „Corporate Innovation“ des brutkasten Innovator of the Year. Wir haben fünf Corporate-Manager:innen nominiert, die dieses Jahr mit besonders erfolgreichen oder ambitionierten KI-Projekten unter ihrer Verantwortung aufgefallen sind.

Der Preis wird heuer zum 6. Mal vergeben. Am 5. November findet die feierliche Award Ceremony im Rahmen des brutkasten-Jahresevents Momentum im Wiener Palais Berg statt. Neben der Kategorie Corporate Innovation wird der Award dieses Jahr in den Kategorien Startups und Scaleups vergeben. Als Preis in allen drei Kategorien winkt jeweils ein brutkasten-Medienpaket im Wert von 4.100 Euro.


Die „Innovator of the Year“-Kategorie Scaleups wird durch BCG unterstützt.


Publikumsvoting zum Innovator of the Year | Kategorie „Corporate Innovation“

Nun ist, wie jedes Jahr, deine Stimme gefragt. Bis zum 1. November (23:59 Uhr) kannst du für deine:n Favorit:in abstimmen! Jede:r User:in hat pro Tag und Kategorie genau eine Stimme – es lohnt sich also, die eigene Community zu aktivieren.

(Hinweis: Bei mehrfacher Stimmabgabe pro Tag erfolgt zwar keine gesonderte Fehlermeldung im Voting-Tool, Mehrfachvotes werden vom System jedoch automatisiert erkannt und ausgefiltert).

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Michael Waupotitsch, VP Textile Recycling | Andritz

Michael Waupotitsch | (c) Andritz

Angesichts von weltweit 92 Millionen Tonnen Textilmüll jährlich hat der Grazer Technologiekonzern Andritz eine neue KI-Lösung für die Kreislaufwirtschaft präsentiert. Mit dem System „teXscan“ soll die Bewertung von Alttextilien laut Angaben des Unternehmens künftig zerstörungsfrei automatisiert werden. In nur einer Sekunde soll das System die Textilqualität auf Stoff-, Garn- und Faserebene bewerten. Darauf basierend empfiehlt die KI den jeweils optimalen Weiterverarbeitungsweg, vom Ring-Spinnen bis zum chemischen Recycling. Laut Michael Waupotitsch, Vice President Textile Recycling bei Andritz, soll diese prädiktive Analyse-Software eine Lücke in der großindustriellen Sortierung schließen und als Hebel für eine wettbewerbsfähige textile Kreislaufwirtschaft dienen.

Gerhard Dimmler, CTO | Engel

Gerhard Dimmler | (c) Engel

Unter dem Projektnamen “Inject AI” bringt der oberösterreichische Spritzgussmaschinen-Weltmarktführer einen KI-Assistenten direkt in die Spritzgießproduktion seiner Kunden. Der Engel Virtual Assistant (EVA) versteht und beantwortet nicht nur Fragen in natürlicher Sprache, sondern führt nach Freigabe auch Änderungen an der Maschinensteuerung kontrolliert selbst aus. Das System ist nicht nur für Neumaschinen verfügbar, sondern kann bei bestimmten Maschinentypen auch nachgerüstet werden. “Unser Ziel ist es, Anwenderinnen und Anwendern ein Werkzeug an die Hand zu geben, mit dem sie im Produktionsalltag effizienter arbeiten können”, sagt CTO Gerhard Dimmler.

Margit Kendler, CFO Greiner Packaging | Greiner

Margit Kendler | (c) brutkasten/Dervisevic

Greiner Packaging arbeitet mit drei KI-Fokusfeldern: Kundeninteraktion, Produktion und Verwaltung. In der Produktion ist KI am Ende der Linie im Einsatz, im Verpackungsbereich und in Richtung Lager. Intern gibt es wöchentliche Online-Runden für Best-Practice-Sharing, einzelne Kolleg:innen arbeiten bereits viel mit Agenten. Kendler treibt das Thema aus der CFO-Rolle und steht für einen Industriebetrieb mit 902 Millionen Euro Umsatz und fast 4.900 Mitarbeiter:innen.

Sulejman Ganibegović, CEO Keba Digital | Keba

Sulejman Ganibegović | (c) brutkasten/Dervisevic

Das Linzer Technologieunternehmen Keba zählt zu den globalen Spitzenreitern in mehreren Teilbereichen der Automatisierung. Seit diesem Jahr hat die Gruppe mit Keba Digital eine Software-Einheit mit KI-Fokus, die auch auf der Technologie des 2025 nach dessen Insolvenz übernommenen KI-Startups 7LYTIX aufbaut. Ziel von Keba Digital ist die Entwicklung industrietauglicher KI-Lösungen, die auch ohne Kopplung an Keba-Hardware vertrieben werden können. CEO Sulejman Ganibegović bringt Unternehmer- und Exit-Erfahrung mit und war bereits zuvor als Vice President Digital Business der Gruppe tätig.

Andreas Kranabitl, Geschäftsführer Spar ICS | Spar

Andreas Kranabitl | (c) Spar

Spar zeigt, wie KI im Handel konkrete Wirkung entfaltet. Die Absatzprognose der Spar ICS erkennt Muster darin, welche Artikel an welchem Tag in welchem Markt gekauft werden, bezieht das Wetter ein und steuert auf dieser Basis die Bestellmenge pro Filiale. Damit konnte Spar den Verderb von Obst und Gemüse im Jahresvergleich um 20 Prozent reduzieren. Andreas Kranabitl führt die IT-Gesellschaft der Spar Österreich-Gruppe seit 2009 und verantwortet die technologische Basis dieser Lösung. Er macht vor, wie ein Traditionsunternehmen KI im Kerngeschäft skaliert und dabei wirtschaftliche Effizienz mit einem messbaren Beitrag gegen Lebensmittelverschwendung verbindet.

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