29.04.2024
INTERVIEW

Babler im Interview: „Keinem Startup wird eine staatliche Beteiligung aufgezwungen“

SPÖ-Chef Andreas Babler sorgte kürzlich mit dem Vorschlag zu Startup-Beteiligungen über einen staatlichen "Transformationsfonds" für Aufsehen in der heimischen Startup-Szene. Im Interview beantwortet er einige Fragen dazu.
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SPÖ-Chef Andreas Babler | (c) Kurt Prinz
SPÖ-Chef Andreas Babler | (c) Kurt Prinz

Dass die SPÖ sich mit Themen im Bereich Startup-Politik exponiert, passiert selten. Entsprechend sorgte ein ZIB2-Interview mit SPÖ-Chef Andreas Babler (brutkasten berichtete) kürzlich durchaus für Überraschung in der Startup-Szene. Dort erläuterte er einen Vorschlag, wonach die Österreichische Beteiligungs AG (ÖBAG) zu einer „aktiven staatlichen Beteiligungs- und Energieholding“ umgebaut werden soll. Im Rahmen dessen soll ein mit 20 Milliarden Euro dotierter „Transformationsfonds“ sich im Sinne des Kampfs gegen den Klimawandel nicht nur an Industrieunternehmen, sondern auch an Startups beteiligen.

Babler fordert Fonds nach Vorbild des deutschen DeepTech & Climate Fonds

Konkret soll der Fonds bis zu 25 Prozent von Startups übernehmen und über Gewinnbeteiligungen Geld zurückspielen. Vorbild sei der deutsche DeepTech & Climate Fonds, wo es derartige Beteiligungen bereits gebe, sagte Babler. Diese stünden im Gegensatz zum aktuellen Fördermodell in Österreich, das „über Zinsen, Zuschüsse und verpuffte Investitionsförderungen“ laufe.

brutkasten stellte Andreas Babler dazu einige Fragen, die dieser schriftlich – und mitunter sehr knapp – beantwortete:


Die SPÖ ist in den vergangenen Jahren bei Startup-spezifischen Themen wenig aufgefallen. In der Startup-Community stößt sie mit Vorschlägen oftmals auf Kritik. Wie relevant ist das Thema für Sie?

EPU, KMU und damit Startups waren und sind für die SPÖ immer schon ein wichtiges Anliegen. Tragen sie nicht zuletzt zur notwendigen Vielfalt unserer Wirtschaft und damit zum Wirtschaftsstandort Österreich wesentlich bei.

Und sind Startup-Gründer:innen eine relevante Wähler:innengruppe für die SPÖ?

Ja natürlich. Mit meinem vorgeschlagenen Transformationsfonds richte ich mich etwa auch dezidiert an diese Gruppe.

Im Rahmen des vorgeschlagenen „Transformationsfonds“ soll es auch staatliche Startup-Beteiligungen geben. Nach welchen Kriterien sollte die Auswahl der Startups erfolgen?

Keinem Startup wird eine staatliche Beteiligung aufgezwungen. Es geht darum, das Fördermodell im Bereich der Klimawende von Zuschüssen auf Beteiligungen umzustellen. Die Kriterien für staatliche Beteiligungen richten sich nach dem deutschen Vorbild des DeepTech & Climate Fonds. Diese sehen u.a. einen langfristigen Veranlagungshorizont der Mitinvestor:innen vor sowie das Kriterium, dass die Startups zumindest das Potential zur Marktführerschaft in ihrem Bereich haben.

Es war von Beteiligungen in der Höhe von 25 Prozent die Rede – ist das ein konkreter Wert, ein Höchstwert oder eine Richtschnur?

Es ist der angestrebte Höchstwert, weil wir davon überzeugt sind, dass unternehmerische Entscheidungen im Unternehmen bleiben sollen. Der Staat soll nicht mitreden, wenn aber ein Startup erfolgreich ist, ist es den Steuerzahler:innen nicht zu erklären, dass das ganze Steuergeld weg ist und Gewinne nur noch in private Hände fließen.

Im ZIB2-Interview sprachen Sie davon, mit dem Fonds Einkünfte über die Abschöpfung von Gewinnen zu erzielen. Üblich im Risikokapital-Bereich sind Einkünfte über den Weiterverkauf von Anteilen, da Startups ihre Gewinne meist reinvestieren müssen und es lange bis zur Profitabilität dauern kann. Ist auch ein klassisches Venture-Capital-Modell angedacht?

Diese Venture-Capital-Initiativen gibt es ja bereits im Rahmen des Austria Wirtschaftsservice (aws). Diese sollen auch weitergeführt werden. Im Bereich der FFG-Förderungen der Klimawende wird aber das Instrument der Zuschüsse eingesetzt – dort wollen wir stärker, wie in Deutschland, Richtung Beteiligungen gehen.

In der heimischen Risikokapital-Szene wird seit Jahren ein staatlich besicherter „Dachfonds“ mit Geldern institutioneller Investoren wie Pensionskassen und Versicherungsgesellschaften gefordert, der breit gestreut und somit risikoarm in verschiedene Risikokapital-Fonds investiert. Wäre auch so ein Modell für Sie denkbar?

Man kann über alle Instrumente diskutieren. Am Ende geht es aber schon darum, dass wir wegkommen wollen von einem System, wo die Steuerzahler:innen immer die Verluste einfahren, aber bei Gewinnen immer nur die privaten Investoren Kassa machen.

Die aktuell am lautesten artikulierte Forderung aus der heimischen Startup-Szene ist jene nach einem Beteiligungsfreibetrag, also dass Startup-Investments bis zu einer gewissen Höhe von der Steuerbemessungsgrundlage abgezogen werden können. Wie steht die SPÖ dazu?

Steuerbegünstigungen für private Investoren, die in der Regel zu den Top 1 Prozent der Einkommens- und Vermögensverteilung zählen, sind keine Priorität der SPÖ.

Eine weitere große Forderung der Szene sind weitere Erleichterungen bei der Rot-Weiß-Rot-Karte für Fachkräfte. Wie ist Ihre Position dazu?

Wir brauchen natürlich in bestimmten Bereichen qualifizierte Zuwanderung. Gleichzeitig ist auch die Weiterqualifizierung von Menschen wichtig, die bereits in Österreich beim AMS gemeldet und arbeitssuchend sind.

Gibt es andere Startup-Themen, die Ihnen bei einer Regierungsbeteiligung wichtig wären, umzusetzen?

Das wichtigste Thema für Startups, aber auch für EPU und KMU – das zeigt auch der KMU-Monitor – sind bestens ausgebildete Fachkräfte. Wir brauchen einen großen Wurf in unserem Bildungssystem. Wir können nicht zulassen, dass ein großer Teil der Kinder die Schulen ohne Grundkompetenzen bei Sprachen und Mathematik verlässt.

Zuletzt: Was hätten Sie in der bald endenden Legislaturperiode im Bereich Startup-Politik anders gemacht?

Das lässt sich aus unserem Transformationskonzept gut ableiten. Damit werden Förderungen zielgerichteter eingesetzt und dafür gesorgt, dass Steuerzahler:innen durch den stärkeren Einsatz von Beteiligungsinstrumenten nicht immer nur die Verluste tragen müssen.

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Die Stadtwerke Klagenfurt versorgen die Region unter anderem mit Strom, Gas, Fernwärme, Wasser und verantworten den öffentlichen Personennahverkehr. © Stadtwerke Klagenfurt

Ob E-Mails, vertrauliche Kunden-Dokumente oder interne Richtlinien: Viele österreichische Unternehmen haben verstanden, dass der Einsatz von künstlicher Intelligenz unausweichlich wird, stehen allerdings vor der Herausforderung, KI sicher in die eigenen Arbeitsabläufe zu integrieren. Bei den Stadtwerken Klagenfurt entschied man sich bewusst gegen Standard-Lizenzen externer US-Hyperscaler und entwickelte stattdessen eine maßgeschneiderte Inhouse-Lösung: den „Stadtwerke GPT“, auch liebevoll „Susi-Sorglos“ genannt.

Die Vision: Ein DSGVO-konformer „Büro-Buddy“

Das Hauptziel war von Beginn an klar definiert: eine sichere Umgebung zu schaffen, in der Mitarbeiter:innen Bedenken bezüglich des Datenschutzes komplett ausräumen können. „Wir wollten unseren Mitarbeitern einen souveränen, DSGVO-konformen Chatbot anbieten, den sie komplett bedenkenlos nutzen können, wo sie personenbezogene Daten von Kunden reinkopieren und vertrauliche Dokumente hochladen können“, erklärt Peter Weratschnig, IT-Bereichsleiter der Stadtwerke Klagenfurt.

Neben der Chatbot-Funktion dient die KI als intelligenter „Büro-Buddy“. Über ein Retrieval-Augmented-Generation-System (RAG) wurden ca. 2.000 Seiten an internen Dokumenten, von Konzernrichtlinien bis hin zu IT-Anleitungen, eingebunden, um Fragen zu regulatorischen Vorgaben oder Systembedienungen direkt zu beantworten.

Der Gamechanger: Die Austria Wirtschaftsservice (aws)-Förderung

Das Projekt hat man nicht alleine umgesetzt, sondern entstand durch den Kontakt mit dem Wiener KI-Startup BReact, das 2022 von Raphael Fakhir und Nemanja Klincov gegründet wurde. Der entscheidende Impuls für die Realisierung lag in der Förderlandschaft. Denn das finanzielle Gesamtinvestment bewegte sich im fast sechsstelligen Bereich, erklärte Weratschnig im Interview.

Hier kam die IÖB-Toolbox-Förderung der Austria Wirtschaftsservice (aws) als entscheidender Beschleuniger ins Spiel. „Ohne diese Förderung hätten wir es nicht gemacht“, betont Weratschnig rückblickend. Die Förderung reduzierte das finanzielle Risiko für die Stadtwerke entscheidend und machte den Weg frei für die gemeinsame Entwicklung mit dem Startup.

Das Förderungsprogramm aws IÖB-Toolbox richtet sich an öffentliche Beschaffer und hat den Zweck, die Planung und Umsetzung von IÖB-Challenges als innovativem Instrument der Markterkundung, juristische und/oder technische Expertise für die Erstellung von Unterlagen für eine geplante Ausschreibung (Modul Prepare), sowie die Durchführung von innovativen Beschaffungen (Modul Transfer) zu ermöglichen. Damit sollen Anreize für eine verstärkte Innovationsnachfrage durch den öffentlichen Sektor gesetzt werden, insbesondere für Vorhaben mit positiven Beiträgen in den Bereichen Nachhaltigkeit und Digitalisierung.

Europäische KI-Architektur On-Premise

Auch technisch setzten die Partner auf digitale Souveränität: Als Sprachmodell dient ein Modell des französischen KI-Unternehmens Mistral, das Mitte des Jahres auch das Linzer Startup EmmiAI kaufte. Die Datenhaltung erfolgt laut Weratschnig ausschließlich On-Premise in eigenen IT-Systemen. Lediglich die reine GPU-Rechenleistung wird bei einem italienischen Anbieter angemietet. „Sobald das Modell nachdenkt, tut es das in dieser Infrastruktur ohne persistente Datenspeicherung. Danach sind keine Datenspuren außerhalb unseres IT-Systems zu finden“, erklärt der IT-Bereichsleiter. Das Resultat ist der angestrebte „Susi Sorglos“-Bot für den internen Arbeitsalltag.

Große Begehrlichkeiten & wertvolle Erkenntnisse

Nach der schrittweisen Bereitstellung als internes Web-Service stieß das Tool auf enormes Interesse in den Fachbereichen. Neben Fachfragen zu Richtlinien entstehen bereits Ideen für eigene Teil-Wissensdatenbanken oder interaktive Schulungsassistenten.

Gleichzeitig liefert das Projekt wertvolle Erkenntnisse für künftige KI-Initiativen. „Der Benefit aus unseren Lessons Learned ist fast ebenso hoch einzustufen wie das Tool an sich“, fasst Weratschnig zusammen. Seine zentralen Ratschläge an andere Unternehmen: Von Beginn an die eigene IT-Architektur und Lieferkette der Dienstleister genau prüfen sowie die Qualität der zugrundeliegenden Analog-Dokumente gründlich analysieren.


Disclaimer: Dieser Artikel ist im Rahmen einer Medienbeauftragung mit der Austria Wirtschaftsservice (aws) entstanden.

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