03.03.2025
E-MOBILITY

Alveri: OÖ-Mobility-Startup expandiert mit Ladeinfrastruktur nach NÖ

Als Partner für die Expansion konnte die Raiffeisenbank Region Sankt Pölten gewonnen werden. Wir haben mit Alveri-Geschäftsführer Ehsan Zadmard darüber gesprochen, was hinter der Kooperation steckt und wie die nächsten Wachstumsschritte aussehen.
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(c) Alveri

Mit seinen ambitionierten Plänen für ein eigenes Elektroauto sorgte das 2019 gegründete Startup Alveri bereits in der Vergangenheit für Schlagzeilen. Hinter dem Arbeitstitel „Falco“ stand die Idee, ein E-Fahrzeug „Made in Austria“ zu entwickeln. 2023 gab das Unternehmen allerdings bekannt, das man das Projekt auf Eis legt – und sich Alveri voll und ganz auf den Ausbau von Ladeinfrastruktur konzentriert (brutkasten berichtete).

Nachdem in Oberösterreich bereits erste Ladepunkte erfolgreich realisiert worden sind, folgt nun die Expansion nach Niederösterreich. Dafür hat sich Alveri die Raiffeisenbank Region St. Pölten als Partner an die Seite geholt.

Wie Alveri mit Raiffeisenbank kooperiert

„Wir bringen Infrastruktur, wir profitieren, dass wir die Flächen kriegen“, erklärt Alveri-Geschäftsführer Ehsan Zadmard die Idee hinter der Partnerschaften. So stellt die Raiffeisenbank die nötigen Parkplätze für die Ladestationen zur Verfügung, während Alveri die technische Umsetzung und den laufenden Betrieb übernimmt. Diese Zusammenarbeit soll eine Win-win-Situation sein: Die Bank kann ihren Kund:innen und Mitarbeiter:innen zukunftsfähige E-Mobilität vor Ort bieten und positioniert sich als innovativer Standortfaktor, während Alveri sein Ladenetz kontinuierlich ausbaut.

Die Ladeplätze stehen jedoch nicht nur für Kund:innen der Raiffeisenbank zur Verfügung, sondern sind öffentlich zugänglich. Laut Ehsan Zadmard werden im ersten Schritt sechs Standorte mit der neuen Ladeinfrastruktur ausgestattet und ausgebaut. Diese sollen bereits im ersten Quartal 2025 in Betrieb gehen.

Erste Schritte bereits in Oberösterreich

Bevor Alveri den Schritt nach Niederösterreich wagte, standen bereits in Ried im Innkreis (Oberösterreich) erste Ladestationen bereit. Auch dort kooperiert das Startup mit einer lokalen Raiffeisenbank, die ihre Flächen zur Verfügung stellt. Das Startup verfolgt zugleich eine klar regional ausgerichtete Strategie, die nach Abschluss der ersten Niederösterreich-Projekte weitere Bundesländer wie Kärnten ins Visier nimmt.

Neben dem Ausbau der Ladeinfrastruktur setzt Alveri auf die automatisierte „CHARdi“-Plattform, die vorrangig auf Flottenbetreiber, Logistikunternehmen und Parkflächenbesitzer zugeschnitten ist. Konkret handelt es sich dabei um einen mobilen Laderoboter, der bis zu 20 stationäre Stromzapfsäulen ersetzen soll.

Die Frage der Finanzierung

Um das Wachstum langfristig zu stemmen, braucht es Kapital – sowohl Eigen- als auch Fremdfinanzierung. Dass Banken wie Raiffeisen nicht nur Flächenpartner, sondern potenziell auch Finanzierungspartner sein könnten, liegt auf der Hand. Ob und wann hierzu konkrete Pläne kommuniziert werden, lässt Alveri jedoch noch offen.

Zadmard betont, dass Alveri bei der Finanzierung bewusst auf eine Mischung aus Eigenkapital und Fremdkapital setzt. „Wir wollen unser Wachstum nicht ausschließlich über Eigenkapital finanzieren“, erläutert er. „Vielmehr kombinieren wir eigene Mittel und Fremdkapital, um unsere Innovationen zügiger voranzutreiben und den Ausbau der Ladeinfrastruktur langfristig abzusichern.“


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Michael Dobersberger ist der "Startup-Wingman" im Silicon Valley. | © brutkasten

Das Silicon Valley ist nach wie vor das unangefochtene Epizentrum der globalen Tech-Welt. Ein Großteil des weltweiten Risikokapitals ist in der Region rund um San Francisco gebündelt. Für europäische Startups birgt der Markteintritt in den US-amerikanischen Raum jedoch erhebliche kulturelle wie strukturelle Hürden. Genau an dieser Schnittstelle setzt die Arbeit von Michael Dobersberger an. Brutkasten hat ihm einen Tag lang in San Francisco über die Schulter geschaut.

Michael Dobersberger im Gespräch mit brutkasten-Redakteurin Ann-Kathrin Salmen vor der Bay Bridge in San Francisco. © brutkasten

Ein Ökosystem für den Aufstieg

Als Co-Direktor der Initiative Open Austria, einem Joint Venture der Wirtschaftskammer Österreich und des Außenministeriums, fungiert Dobersberger als strategischer Sparring-Partner vor Ort. Während die WKÖ-AußenwirtschaftsCenter in New York und Los Angeles das operative Tagesgeschäft im Exportgeschäft abwickeln, konzentriert sich das AußenwirtschaftsCenter in San Francisco unter seiner Leitung auf spezialisierte Formate.

„Ich sehe meine Aufgabe darin, Startups ready für das Silicon Valley zu machen, damit sie einen gewissen Startvorteil gegenüber anderen europäischen Startups haben“, erklärt Dobersberger im Gespräch. Sein Aufgabengebiet umfasst gezieltes Startup-Coaching für den US-Markteintritt sowie Innovation Scouting für etablierte Großunternehmen. Die Nachfrage ist hoch: „Allein heuer habe ich schon über 260 Unternehmen in einem meiner Programme gehabt.“

Die Teilnehmer:innen des GOUSA Kickoffs im Silicon Valley. © Michael Dobersberger

Das Mindset: Ja, wenn … statt Nein, weil …

Die kulturellen Gräben zwischen europäischen und US-amerikanischen Entrepreneurship-Zugängen erlebt Dobersberger täglich. Während hierzulande Risiken oft im Vordergrund stehen, herrscht in Kalifornien eine ausgeprägte Optimierungskultur.

Den zentralen Unterschied im Denkansatz bringt Dobersberger pragmatisch auf den Punkt: „In den USA heißt es: ‚Es kann funktionieren, wenn …‘, während in Europa oft gesagt wird: ‚Das funktioniert nicht, weil …‘“. Es gehe keineswegs darum, kritische Einwände zu ignorieren, sondern Geschäftsideen konstruktiv zu bewerten und Chancen in den Mittelpunkt zu rücken.

Schnelligkeit und ein realistischer Blick auf Fehler

Ein entscheidender Erfolgsfaktor am US-Markt sei die Umsetzungsgeschwindigkeit. „Du musst nicht besser sein, du musst schneller sein“, betont Dobersberger. Wer rasch am Markt testet, gewinnt wertvolles Feedback und kann Mitbewerber überholen.

Ergänzt wird dieses Tempo durch den vielzitierten Umgang mit dem Scheitern, der jedoch häufig missverstanden werde. Fehler seien zwar Teil der Lernkurve, dürften das Unternehmen jedoch nicht ruinieren. „Fail fast, fail often – and keep the price to a minimum“, bringt es Dobersberger auf den Punkt. Das bedeutet übersetzt so viel wie: „Scheitere schnell, oft und halte die Kosten dabei auf einem Minimum.“

Präzision fordert der Experte auch beim Markenauftritt und Produktstart. Zu langes Perfektionieren im Stillen sei gefährlich: „Wenn du nicht irgendwann sagst: ‚Mein erstes Produkt war so peinlich‘, dann bist du zu spät an den Markt gegangen“, veranschaulicht er eindrücklich.

Ein Großteil von Dobersbergers Arbeit besteht darin, Menschen miteinander zu vernetzen. © brutkasten

Die Matrjoschka-Logik beim Pitchen

Auch in der Kommunikation rät Dobersberger zu einer radikalen Vereinfachung. Statt technischer Details müsse in den ersten Sekunden das zugrundeliegende Problem im Fokus stehen. Dobersberger nutzt dafür das Bild einer umgekehrten Matrjoschka-Puppe.

„Die erste Matrjoschka ist die wichtigste – das ist dein Why“, erklärt er. Ziel der ersten 40 Sekunden sei es nicht, das gesamte Produkt zu erklären, sondern Neugier zu wecken und Folgetermine zu sichern. Wer zu tief ins Technische abgleite, verliere das Gegenüber rasch.

Menschen investieren in Menschen

Zudem entscheide die Persönlichkeit des Gründerteams oft mehr als die Technologie selbst. Das Feedback internationaler Investor:innen zeichne hier ein klares Bild: „Die Investoren investieren zu 90 Prozent ins Team und zu zehn Prozent in die Technologie.“ Starken Gründerpersönlichkeiten traue man eher zu, Märkte zu erschließen und Geschäftsmodelle bei Bedarf anzupassen.

Mit diesem ganzheitlichen Ansatz, von der Schärfung der Story bis hin zur Vernetzung vor Ort, unterstützt Dobersberger heimische Gründer:innen dabei, im Silicon Valley nachhaltig Fuß zu fassen.

Dobersberger mit seinem ehemaligen indonesischen Diplomaten-Kennzeichen. Vor seiner Zeit in Amerika war er in Indonesien, Serbien und England tätig. © brutkasten
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