10.12.2025
VORSORGE

Alt werden ist nicht Teil des Businessplans

Viele Gründer:innen leben ohne fixes Einkommen, Pensionsversicherung oder Sicherheit – in einer Szene, die Risiko romantisiert. Kann das gut gehen?
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Søren Obling, David Mayer-Heinisch und Larissa Kravitz.

Dieser Artikel ist zuerst im brutkasten-Printmagazin von November 2025 “Verantwortung” erschienen. Eine Download-Möglichkeit des gesamten Magazins findet sich am Ende dieses Artikels.


100 Prozent Humankapital – so starten die meisten: mit viel Energie, wenig Schlaf und dem festen Willen, die Welt zu verändern. Null Prozent Finanzkapital – auch das ist üblich: keine Rücklagen, kaum Ersparnisse, aber Bock auf Risiko. Wer denkt da schon ans Altwerden?

80 Prozent Humankapital: Nach ein paar Jahren ist die Euphorie gedämpft; man ist müde, aber noch voller Tatendrang. Das Startup schreibt keinen Gewinn, das Gehalt kommt unregelmäßig. Doch dank Investments und Steueroptimierung läuft es irgendwie. Die Versicherungsbeiträge bleiben niedrig. Zwei Prozent Finanzkapital: Das muss reichen – vorerst.

„Altersvorsorge ist in der Startup-Szene kaum vorhanden. Die meisten denken gar nicht daran – und sind da wirklich schlecht aufgestellt“, sagt Larissa Kravitz, Gründerin des Finanzbildungsportals Investorella. Manche Gründer:innen investieren alles in ihr Unternehmen –und vergessen dabei sich selbst. „Viele lösen bestehende Vorsorgeprodukte auf, um Liquidität fürs Unternehmen zu schaffen. Das ist brandgefährlich“, erzählt Kravitz. Immer wieder sehe sie solche Situationen in ihren Workshops.

Das Humankapital schmilzt, das Finanzkapital fehlt. Aber die gute Nachricht zuerst: Es gibt Lösungen – einige davon kommen vom Staat, andere direkt aus der Startup-Szene.

Fehleinschätzung

Die Startup-Szene muss sich des Problems aber erst bewusst werden. David Mayer-Heinisch, Mitgründer des Wiener Wealthtech-Unternehmens froots, kennt das Muster: „Ich glaube, das ist die Schwierigkeit von sehr vielen Overachievern – sie schätzen ihre Zukunft wesentlich besser ein, als sie statistisch ist“, sagt er. „Jeder weiß, dass es ein Pensionsproblem gibt; jeder denkt: ‚Mich wird’s nicht betreffen!‘“ Auch bei ihm hat es gedauert, bis er das erste Mal über die Pension nachgedacht hat. Mayer-Heinisch hat zwar finanziell vorgesorgt – aber das große Wofür blieb lange unklar. Dass Gründer:innen so optimistisch in die Zukunft blicken, hat seiner Meinung nach aber auch einen Vorteil: Optimismus bringt Ideen und Innovation. Nur verdrängt er oft die unbequemen Fragen.

„Die meisten Menschen unter 40 beschäftigen sich kaum mit Pensionsvorsorge – und bei Gründer:innen ist das nicht anders“, ergänzt Søren Obling, Gründer des Wiener Insurtechs Finabro. Wie drastisch sich das äußert? „Ich habe noch nie mit jemandem über die Pension gesprochen – und das, obwohl das mein Thema ist!“, sagt Obling.

Keine Kompromisse

Kravitz rät Gründer:innen deswegen, von Anfang an etwas zur Seite zu legen – und bei der Vorsorge keine Abstriche zu machen: „Nutzt die Fintechs! Ein Freitagnachmittag reicht, um einen ETF-Sparplan einzurichten.“ Möglichkeiten gebe es genug.

Das entlastet nicht nur später, sondern auch im Alltag. „Ich glaube, dass man als Gründer:in sinnvollere Entscheidungen trifft, wenn man einen finanziellen Puffer hat – weil man langfristiger denken und rationaler handeln kann“, sagt Mayer-Heinisch. Er warnt auch davor, zu einseitig zu investieren. „Investieren sollte eigentlich ein Hedge sein; gegen das Risiko, dass das eigene Business nicht funktioniert – und kein Multiplikator desselben Risikos.“

Was passiert also, wenn ein ganzes Ökosystem vom Glauben an Wachstum lebt – und das Thema Alter darin keinen Platz hat?

Larissa Kravitz berät mit ihrem Finanzbildungsportal Investorella auch Startup-Gründer:innen. | © Nadine Studeny

Alles auf Wachstum

Viele Gründungsgeschichten beginnen mit Euphorie und Excel-Sheets, nicht mit Vorsorgeplänen. Am Anfang zählt Wachstum, nicht Absicherung. Genau das kann sich später rächen. Denn wer der Sozialversicherung nur den Mindestbeitrag zahlt, zahlt zwar heute weniger ein, bekommt morgen aber auch weniger raus. Wie viel gesetzlich später rauskommt, hängt einzig von drei Faktoren ab: der Anzahl an Versicherungsmonaten, dem zugrunde liegenden Erwerbseinkommen und dem Zeitpunkt des Pensionsantritts – ganz egal, ob jemand sein Geld als Startup-Gründer:in oder Angestellte:r verdient hat.

Die meisten Startup-Gründer:innen sind bei der SVS versichert, der Sozialversicherung der Selbständigen. Nur wer als Gesellschafter:in einer GmbH weniger als 49 Prozent hält oder als Kommanditist:in in einer KG nicht bloß Kapital gibt, sondern selbst mitarbeitet, fällt unter Umständen zur ÖGK, der Sozialversicherung der Angestellten.

Doch egal, ob SVS oder ÖGK – die Beitragsgrundlage richtet sich immer nach dem Einkommen. Bei Angestellten ist das ein fixer Betrag, bei Selbstständigen schwankt er oft stark. Weil es bei der ersten Meldung selten belastbare Einkommensprognosen gibt, setzt die SVS zunächst die niedrigste Beitragsgrundlage an: 2025 sind das rund 551 Euro im Monat. Zwar werden die Beiträge später mit dem Steuerbescheid angepasst, doch nur auf das Einkommen, das tatsächlich gemeldet wird. Wer also jahrelang geringe Gewinne ausweist oder gar Verluste schreibt, spart heute – und bezahlt das im Alter mit einer entsprechend kleinen Pension. Wie hoch die gesetzliche Pension von Gründer:innen ausfällt, lässt sich nicht sagen. Schon das System macht eine klare Zuordnung schwierig: Zustän- dig ist am Ende jener Versicherungsträger, bei dem in den letzten 15 Jahren vor der Pension die meisten Versicherungsmonate erworben wurden. Wer also zwischen 30 und 40 selbstständig ist und danach angestellt, scheint in der Statistik der Angestellten auf –nicht in jener der Selbstständigen.

Am Ende werden alle Versicherungszeiten und Einzahlungen zusammengerechnet. Wer früher selbstständig war und heute eine Alterspension bezieht, erhielt 2022 im Schnitt 23.963 Euro netto im Jahr. Ehemalige Angestellte kamen im selben Zeitraum auf durchschnittlich 25.156 Euro.

Wie viele Startup-Gründer:innen privat vorsorgen, weiß niemand. Manche könnten beträchtliche Summen in Aktien, Immobilien oder anderen Anlagen liegen haben, vielleicht sogar nach einem Millionen-Exit. Statistisch wahrscheinlich ist das aber nicht.

Der Traum vom Exit

Weltweit überleben nur 10 bis 20 Prozent aller Startups. In Österreich sieht es besser aus: Fast zwei Drittel der zwischen 2013 und 2015 gegründeten Startups waren Ende 2024 noch aktiv – weder insolvent noch verkauft, so der Austrian Startup Monitor 2024. Doch wirtschaftlich bleibt das Bild durchwachsen. Nur sechs Prozent der zwischen 2013 und 2015 gegründeten Startups schafften einen Exit. Und über alle Jahrgänge hinweg gilt: 38 Prozent der Startups in Österreich sind profitabel oder haben den Break-even erreicht. Das heißt aber auch: 62 Prozent arbeiten (noch) nicht kostendeckend. Für viele steht Wachstum klar vor dem Profit – aber wer sich selbst kein Gehalt zahlt oder nur minimale Gewinne ausweist, senkt damit auch die Beitragsgrundlage, auf der später die Pension berechnet wird.

Und selbst wenn am Ende der Verkauf gelingt, bleibt das Risiko hoch. „Ein Exit hängt nicht nur von deiner Leistung ab, sondern auch von Zinsen, Marktstimmung und Weltwirtschaft. Wer alles darauf setzt, spielt mit seiner Zukunft“, sagt Kravitz. Pandemie, Inflation, Lieferengpässe – all das konnte niemand vorhersehen, aber damit umgehen müssen jetzt alle.

Viele glauben, sie könnten in den letzten Jahren vor der Pension noch aufholen: mit hohen Auszahlungen oder einem gut bezahlten Corporate-Job. Doch das funktioniert nicht immer. Die Risiken? Krankheit, Burn-out, eine Firmenpleite. Kravitz warnt vor trügerischer Sicherheit: „Zwei Drittel aller Berufsunfähigkeiten sind heute psychisch bedingt. Und keine Qualifikation hilft dir, wenn du monatelang im Krankenhaus liegst.“ Oder wenn mit 60 schlicht die Energie fehlt, 40 Stunden pro Woche zu arbeiten. Plötzlich bleiben nur noch 30 Prozent Humankapital – und dann wird es eng.

Fehler im System

Das ist aber kein individuelles Versagen, sondern ein systemisches Problem. Steueroptimierung heißt in der Praxis: möglichst wenig Gewinn ausweisen. Wie viel eingezahlt wird, lässt sich bis zu einem gewissen Grad selbst steuern – mit Folgen. Und das gesetzliche System ist auf unternehmerische Brüche nicht vorbereitet.

Zudem setze der Staat kaum Anreize, selbst vorzusorgen, findet Mayer-­Heinisch. Während andere Länder ihre Bürger:innen mit steuerfreien Vorsorgeprodukten zum Investieren ermutigen würden, halte Österreich am Sparkonto fest. „Wir sparen uns arm“, sagt der froots-CEO.

David Mayer-Heinisch hat sich mit froots auf den langfristigen Vermögensaufbau spezialisiert. | © froots

Keine schlechte Wette

Dass es im Einzelfall trotz hohem Risiko funktionieren kann, zeigt Søren Obling, Founder des Wiener Insurtech-Startups Finabro. Der gebürtige Däne hat sich mit seinem Unternehmen selbst dem Thema Altersvorsorge verschrieben – und spricht offen über die Fehler, die viele am Anfang machen. „Ich habe in den Jahren, in denen ich gegründet habe, wenig verdient und entsprechend wenig eingezahlt“, sagt er. „Das war ein Risiko, das ich bewusst eingegangen bin.“

Mit dem Thema Pension hat sich der gebürtige Däne nämlich schon zuvor beschäftigt. Sein Fazit: „Es hat sich für mich am Ende gelohnt – obwohl meine Firma später in Konkurs gegangen ist. Unterm Strich war es trotzdem die richtige Entscheidung. Aber das weiß man natürlich vorher nie.“ Finabro musste Insolvenz anmelden, Obling gelang allerdings ein Buy-out der Finabro Deutschland GmbH und der geistigen Eigentumsrechte.

Søren Obling hat 2017 in Wien Finabro gegründet – und damit selbst hohes Risiko genommen. | © Finabro

Der Finabro-CEO rät Gründer:innen, sich frühzeitig mit dem System auseinanderzusetzen. „Wer erfolgreich ist, sollte sich ein Gehalt zahlen, das zumindest an die Höchstbemessungsgrundlage herankommt – sonst lässt man staatliche Ansprüche liegen.“ Dass die staatliche Pension trotz aller Kritik keine schlechte Wette ist, argumentiert Obling so: Die Rendite, die man derzeit rechnerisch aus den Einzahlungen bekommt, sei im Schnitt höher, als viele glauben.

Die gesetzliche Pension sei derzeit – bis zu einem gewissen Grad inflationsgesichert und staatlich garantiert – oft stabiler als private Anlagen. Ökonomisch ist das aber kein Renditevergleich im klassischen Sinn: Das Umlagesystem funktioniert nicht über Kapitalverzinsung, sondern über Umverteilung zwischen Generationen. Langfristig hängt die „Rendite“ also weniger von den Märkten ab – sondern davon, wie viele Junge später noch einzahlen. Auch das birgt ein gewisses Risiko.

Obling nennt das System ein „Pyramidenspiel, das die nächste Generation bezahlt“ – aber eines, das man als Gründer:in trotzdem nicht ignorieren sollte. Wer etwas einzahlt, profitiert; wer es ganz lässt, riskiert Altersarmut. „Startup ist kein Lifestyle“, sagt Obling. „Wenn man nach ein paar Jahren kein Geld verdient – weder mit der Firma noch als Gründer –, dann sollte man sich einen Job suchen.“ Die romantische Vorstellung vom ewigen Hustle könne am Ende teuer werden: „Profitabilität ist kein Widerspruch zu Idealismus. Sie ist die Voraussetzung, dass man langfristig weitermachen kann.“

Vom Humankapital zum Finanzkapital

Trotzdem findet Obling es „völlig legitim, alles in seine Leidenschaft zu investieren“. Wer das machen möchte, muss trotzdem nicht ganz auf Sicherheit verzichten: Selbstständige können bei der SVS freiwillige Höherversicherungen abschließen oder nachträglich Versicherungsmonate nachkaufen, um Lücken zu schließen. Die SVS verweist darauf, dass sich frühes Einzahlen besonders lohnt: Jede Einzahlung wirkt sich unmittelbar auf die spätere Pensionshöhe aus. Auch die Kombination mit privaten Vorsorgeformen sei sinnvoll, betont die Versicherungsanstalt, um „die Einkommenssituation im Alter zu stabilisieren“. Denn das System geht davon aus, dass Einkommen und Beiträge mit den Jahren steigen. Aber nicht alle Startups schaffen das.

Trotzdem investieren Gründer:innen am Anfang oft alles in sich selbst: Energie, Mut, Ideen. „Mit 20 hast du 100 Prozent Humankapital und null Prozent Finanzkapital – mit 65 ist es umgekehrt. Genau das muss man verstehen“, sagt froots-Gründer Mayer-Heinisch.


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Kasia Sadowska und Stephan Kreiger vom Founder Institute Austria beim Vibecoding-Hackathon in der AI Factory Austria AI:AT. (c) brutkasten

Rund 30 Leute sitzen an einem Abend Ende September vor ihren Laptops und arbeiten konzentriert. Der Schauplatz ist die AI Factory Austria AI:AT im sechsten Stock in der Karl-Farkas-Gasse, von hier blickt man auf eine Skyline, die in den vergangenen Jahren rundherum entstanden ist. Hier findet an diesem Abend der Vibecoding-Hackathon des Founder Institute Austria statt. Das Publikum ist bunt gemischt, nach Alter wie nach Background. Die Jüngsten seien Studierende um die 19 Jahre, sagt Kasia Sadowska, die das Austria-Chapter gemeinsam mit Stephan Kreiger leitet. Daneben sitzen erfahrene Berufstätige. Sie alle haben 60 Minuten Zeit, um aus einer Idee eine funktionierende App zu bauen.

„Wir überzeugen die Leute davon, dass es sehr einfach ist, alles zu bauen, was sie wollen, eine App oder eine Website, indem sie einfach in Worten beschreiben, was sie bauen möchten“, sagt Sadowska. Gebaut wird mit dem KI-Tool Lovable, danach pitchen alle ihr Ergebnis. Laut Eventbeschreibung winkt der besten Idee ein Platz im Bootcamp des Founder Institute.

Für Kreiger, Director des Founder Institute Austria, zeigt dieser Abend, warum sich sein Programm neu erfinden musste. „Klassische Accelerator-Programme funktionieren eigentlich nicht mehr wirklich gut“, sagt er. Bis vor Kurzem war das Founder Institute selbst noch einer. Genau aus diesem Grund hat es sich weiterentwickelt, zu einem Company Builder, wie es sich inzwischen auch offiziell nennt.

Ein erstes Produkt zu bauen, sei für ein Startup „jetzt nicht mehr die große Hürde“, erklärt Kreiger. Teilnehmer:innen kämen heute mit einer Idee ins Programm und hätten nach kurzer Zeit einen Prototyp, ein MVP und oft schon erste zahlende Kund:innen.

Rund 30 Teilnehmer:innen bauten in der AI Factory Austria AI:AT in Wien ihre Prototypen mit dem KI-Tool Lovable. | (c) Founder Institute Austria

Was bleibt, ist Branchenwissen

Was verkauft ein Programm wie das Founder Institute also noch, wenn das Bauen so einfach geworden ist? Kreigers Antwort: Erfahrung. „Man kann relativ viel jetzt an einem Nachmittag bauen. Was aber bleibt, ist wirklich tiefe Expertise in einem gewissen Bereich.“

Deshalb richtet sich das Programm in erster Linie an erfahrene Berufstätige mit zehn bis 15 Jahren im Job. Wer lange in einer Branche gearbeitet und dort immer wieder dieselben Probleme gesehen hat, soll nun selbst die Lösung bauen. Das Programm läuft online und berufsbegleitend.

KI unterstützt dabei in vielen Bereichen, etwa bei Produktentwicklung, Marktrecherche und Businessplan. Für die Pitch-Vorbereitung gibt es ein eigenes KI-Tool: Man wählt, ob man vor Business Angels, VCs oder Freunden und Familie pitcht. Das Tool unterbricht, stellt Zwischenfragen und bewertet am Ende die Idee.

Dazu kommen Mentor:innen, in erster Linie selbst Gründer:innen oder Investor:innen. Kreiger nennt etwa Ferdinand Dietrich, Mitgründer von Storebox, und Annu Gmeiner von xista Science Ventures. Auch Gregor Zehetner gehört dazu. Der Tapkey-Mitgründer baut sein neues Startup Fractionista allein mit Claude Code, laut Founder Institute sind es inzwischen über 70.000 Zeilen Code.

Der Preis: Gebühr, Equity und eine hohe Hürde

Umsonst ist das nicht. Teilnehmer:innen zahlen eine Eintrittsgebühr, laut Founder Institute derzeit 1.149 US-Dollar. Damit werden die laufenden Programmkosten gedeckt. „Wir haben nämlich keinen großen Sponsor im Hintergrund oder eine andere Organisation“, sagt Kreiger. Wer abschließt und tatsächlich gründet, gibt außerdem 2,5 Prozent Equity ab. Daran sind die Direktor:innen und die Mentor:innen beteiligt.

Beim Vibecoding-Hackathon des Founder Institute Austria hatten die Teilnehmer:innen 60 Minuten Zeit, um aus einer Idee eine App zu bauen. (c) brutkasten / Martin Pacher

Eine österreichische Gesellschaft gibt es nicht. Rechtlich ist das Founder Institute im Silicon Valley angesiedelt, Kreiger vergleicht das Modell mit einem Franchise. Abschließen ist dabei keine Formsache: Nach Angaben des Founder Institute schaffen weniger als 40 Prozent der Gründer:innen das Programm.

Auch der Hackathon gehört zu dieser Rechnung. Er ist kostenlos und offen für alle. Vor allem soll er zeigen, wie schnell man heute von der Idee zum MVP kommt. Kreiger sagt aber auch ganz offen, dass er für das Founder Institute ein Marketing- und Recruiting-Event ist.

Die Bilanz nach zwei Jahren

Das Founder Institute gibt es seit 2009, das Austria-Chapter startete im Herbst 2024. Seither hat das Wiener Team 27 Startups gelauncht, das jüngste erst eine Woche vor dem Hackathon. Viele davon kommen allerdings nicht aus Österreich, sondern etwa aus Frankreich, Benelux oder der Schweiz. Denn das Team betreut auch Frankreich und Benelux, wo es kein eigenes Chapter gibt. Das Headquarter habe ihnen diese Länder übertragen, „nachdem wir anscheinend eh einen gut genug Job machen“, so Kreiger.

Fünf der 27 Startups haben laut Kreiger österreichische Gründer:innen, eines davon ist als Delaware C-Corp in den USA gegründet. Sie arbeiten in MedTech, AdTech, EdTech und im Projektmanagement für Softwareentwicklung. Kennt man sie schon? „Nein, die sind noch nicht so groß“, sagt Kreiger. Die ältesten seien eineinhalb Jahre alt.

Auch das Chapter selbst ist nicht der erste Versuch. Laut Kreiger war das Founder Institute rund um 2020 schon einmal in Österreich aktiv, aber nur kurz. Für den Neustart ging das Headquarter auf Sadowska zu, die als Executive in mehreren Tech-Startups gearbeitet hat. Sie holte Kreiger für das operative Geschäft dazu. Er hatte zuvor am i²c der TU Wien sein erstes Startup gebaut. Und warum Wien? Ganz pragmatisch: Beide leben hier.

Die Hürde hat sich verschoben

Für das Ende des Abends rechnet Sadowska mit rund 20 Pitches. Bei der ersten Auflage im Juni in der ÖBB Open Innovation Factory waren es nach 60 Minuten 16. Abgestimmt wird über ein Voting-Tool, das ebenfalls mit Lovable gebaut wurde.

Ob aus den Prototypen des Abends Startups werden, entscheidet sich woanders. Das Founder Institute setzt darauf, dass sich die Hürde verschoben hat: weg vom Bauen, hin zur Frage, ob jemand ein Problem löst, für das Kund:innen zahlen. Ob diese These trägt, müssen die nächsten Batches zeigen.


Info:

Bewerbungsschluss für den Herbst-Batch des Founder Institute Austria ist der 6. Oktober, Programmstart der 21. Oktober. Bewerbung über fi.co/apply/austria.

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