25.07.2025
FUND OF FUNDS

Allocator One: So funktioniert der Fund of Funds aus Wien

Felix Staeritz und Michael Ströck haben 2023 Allocator One gegründet, einen Next Gen Fund of Funds, der "gezielt in die besten drei Prozent der First- und Second-Time-VC-Fonds" weltweit investiert und diese als Ankerinvestor unterstützt. Mit dem Vintage Fund 2025 setzen sie ihren systematischen Ansatz fort. Staeritz beschreibt das Modell als Plattform für Fondsmanagerinnen und Fondsmanager. Die Auswahlgespräche sieht er wie ein Date – es geht um Überzeugungskraft, Persönlichkeit und Investment-Track-Record.
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Michael Ströck und Felix Staeritz haben Allocator One gegründet | (c) Michael Ströck / brutkasten
v.l. Michael Ströck und Felix Staeritz haben Allocator One gegründet | (c) Michael Ströck / brutkasten

Mit dem Start des neuen Vintage Fund 2025 möchte Allocator One von Michael Ströck und Felix Staeritz seine Strategie fortsetzen, gezielt in junge Venture-Capital-Fonds zu investieren. Im Zentrum steht dabei die Unterstützung sogenannter „Generation I“-Manager – also Fonds in ihrer ersten Auflage, die sich auf neue Märkte und Technologien spezialisieren. Heuer wurden rund 12,8 Millionen Euro in sechs solcher Fonds investiert – 22 Millionen in 15 Funds im Vorjahr mit der Vorjahres-Auflage. Auch dieses Jahr sollen wieder ca. 25 Millionen investiert werden.

Allocator One unterstützt Fonds-Manager beim Start

„Wir unterstützen spezialisierte Fonds-Manager, die ihren ersten Fonds aufbauen wollen. Wir helfen ihnen, das Ganze administrativ und regulatorisch aufzusetzen und richtig zu strukturieren. Wir helfen damit sozusagen, in die Gänge zu kommen, damit der Fonds in der Lage ist, überhaupt zu existieren“, erklärte Staeritz bereits im September 2023.

Archiv: Allocator One: So funktioniert der neue Inkubator für VC-Fonds

Allocator One: Über 800 Fondsanfragen pro Jahr – zuletzt knapp 1.000 aus Gen 1 und 2

Heute ist es der Fall, dass Allocator One monatlich 50 bis 150 Fondsbewerbungen erhält – von denen etwa drei Prozent letztlich finanziert werden. Der Auswahlprozess dabei basiert auf Markt- und Technologietrends sowie der Einschätzung des Potentials der jeweiligen Manager. Begleitinvestoren in bisherigen Deals waren unter anderem Atomico, Bessemer, Index Ventures, Khosla und Kleiner Perkins. Auch große Institutionen wie der NATO Innovation Fund, die Weltbank und Isomer haben sich in verschiedenen Runden beteiligt.

Doch wie funktioniert der Fund of Funds der beiden Founder?: Als Ankerinvestor mit zehn bis 40  Prozent Fund-Share. Während Investor:innen in Venture Fonds im Allgemeinen zwei Prozent Management-Fee pro Jahr und 20 Prozent Gewinnanteil (“Carry”) zahlen, zahlt Allocator One jeweils nur die Hälfte davon, wie Staeritz betont. Diesen Vorteil geben die Allocator One-Fonds wiederum ihren Investor:innen weiter.

Zur Erklärung: Ein Venture-Capital-Fonds sammelt Geld von Investoren (Limited Partners, LPs) ein und investiert in Startups. Wenn Gewinne entstehen, bekommen die LPs zuerst ihr eingesetztes Kapital zurück. Danach wird der Gewinn zwischen LPs und GP aufgeteilt. Der GP bekommt meist 20 Prozent des Gewinns (Carry), die LPs die restlichen 80 Prozent. Im Fall von Allocator One wird ein Investor oder eine Investorin (LP) so gehandelt, als wenn er oder sie direkt investieren würde. Somit würden keine zusätzlichen Carry- oder Managementgebühren anfallen.

Allocator One als Anchor-Fund

Basierend auf Daten sieht Allocator One, wie Staeritz erklärt, mehr als 80 Prozent des globalen Marktes von First-Time Fund Managern. Diese Funds bewerben sich direkt auf der Website. In diesem Jahr hat Allocator One unter anderem auch z.B. in einen Synthetic-Reality-Fonds investiert, in dem auch Marc Andreessen und Tim Draper investiert sind. „Der wurde erst vor einigen Wochen ‚announced‘, wir waren der Ankerinvestor. Das ermöglicht es dem Fonds-Manager, sofort operativ tätig zu werden.“

Die Besonderheit bei Allocator One ist, dass die Fonds ein Ankerinvestment erhalten, aber auch einen Zugang zu einer globalen Community und die Möglichkeit über die eigens betriebene Infrastruktur – Infra One – ihren Fund aufzubauen und auch zu betreiben.

Investoren würden somit nicht nur Zugang zu einem nach den „Top drei Prozent gefilterten Dealflow von Spezialfonds“ erhalten, sondern auch über „Infra One“ die Transparenz zur Fondsentwicklung und den darunter liegenden Beteiligungen.

„Besser als der Markt“

„Allocator One funktioniert, weil wir Informations-Asymmetrien haben. Wir haben eine Brand aufgebaut und eine Community geschaffen, die gezielt die besten neuen Fondsmanager anzieht. Unsere technische Infrastruktur verarbeitet alle Daten. Wir haben einen eigenen Ledger gebaut, eigene Onboarding- und Reporting-Lösungen entwickelt, jede Information wird zentral erfasst — und wir betreiben viele der Fonds in die wir investieren sogar direkt auf unserer eigenen Infrastruktur. Das ist einzigartig im Markt“, präzisiert Ströck.

Kriterien aus 75 Parametern

Die Bewertung der Fonds, in die man investiert, basiert auf 75 verschiedenen Parametern, die in drei Dimensionen gruppiert sind. Dabei geht es vor allem darum, den Track-Record der Fondsmanager genau zu prüfen – also welche Erfahrungen und Erfolge sie schon hatten.

Auch wenn es der erste Fonds eines Managers ist, wird berücksichtigt, ob die Personen zuvor als Business Angels (BA) oder in anderen Fonds investiert oder mitgewirkt haben. So entstehe ein umfassendes Bild, das über den reinen Fonds hinausgeht und die tatsächliche Expertise und Erfolgschancen einschätzt.

„Wie ein Date“

Die Auswahl von Allocator One basiert dabei nicht nur auf Daten: Über 800 Bewerbungen wurden mit Referenzgesprächen und Co-Investoren aus vorangegangenen Investitionen geprüft.

„Es ist wie bei einem Date – man hat Fakten und Zahlen, aber auch Gefühl und Instinkt sind ein Muskel. Wenn etwas nicht passt, gibt es eine klare ‚Red Line'“, so der Founder weiter. So stelle man sicher, dass man nicht nur auf dem Papier, sondern auch menschlich die richtigen Partner und Talente finde.

Bisher sind über 60 LPs (Limited Partners) an der Seite von Allocator One. Besonders die Zusammenarbeit mit verschiedenen LPs in Österreich sei dabei sehr eng. Darunter: Peter Steinberger, Stefan Röhrig (MAM Group) oder Michael Ulrich von Einsimmo

„Infrastruktur für bessere Welt“

„Unser Ziel ist es, unseren Job diszipliniert und mit Sinn zu machen: Wir finanzieren Menschen, die konkrete Lösungen für eine bessere Welt vorantreiben. Für uns geht es nicht nur ums Geldverdienen, sondern darum, Kapital verantwortungsvoll einzusetzen. Wir bieten die Bühne für diejenigen, die mutig, qualifiziert und wirkungsorientiert genug sind, echte Veränderung zu gestalten“, erklärt Ströck.

Künftig möchte Allocator One mehr Familien und Unternehmen – wie etwa Henkel in Deutschland – gewinnen. „Was wir heute tun, können wir in den nächsten Jahren definitiv verfünffachen. Schritt für Schritt. Trotz allem sollten wir dankbar sein für das, was wir erreicht haben“, so der Founding Partner, der Allocator One als „Infrastruktur“ sieht, um die richtigen Themen in einer sich schnell veränderten Welt zu finanzieren, wie er sagt: „Natürlich ist Wachstum wichtig, aber Wertschätzung und das Bewusstsein für das Erreichte sind ebenso entscheidend.“

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Cyberhsell-CEO Mario Curvelo Carvalho | (c) Cybershell Technologies

Es ist das Zukunftsszenario schlechthin: Menschenleere Produktionshallen, gefüllt mit humanoiden Robotern, die unermüdlich arbeiten. Cybershell arbeitet daran, dass diese Vision einmal Realität wird. Das Deeptech-Startup entwickelt eine Außenschicht für humanoide Industrieroboter, die sie im Arbeitsalltag vor externen Einflüssen wie extremer Hitze, Stößen oder Chemikalien schützen soll. „Aktuell schauen die Roboter nicht so aus, als könnten sie z. B. neben einem Hochofen arbeiten“, sagt Gründer Mario Curvelo Carvalho. Cybershell soll das nun ändern. Die Idee wurde zuletzt beim Riz-up-Preis des Landes Niederösterreich in der Kategorie „Innovativ genial“ mit dem ersten Platz ausgezeichnet (brutkasten berichtete).

Cybershell ist ein „First of a kind“

Laut Curvelo Carvalho gibt es ein Produkt wie Cybershell noch nicht auf dem Markt. „Cybershell ist ein First of a Kind. Es gibt Hersteller, die Abdeckungen und so für Roboter machen. Aber es gibt unseres Wissens nach noch keinen Hersteller, der das im humanoiden Bereich macht“, sagt der Niederösterreicher. Dementsprechend schwierig seien manche Schritte für Cybershell, da es noch keine Referenzbeispiele gebe. „Ich komme mir manchmal vor wie wenn ich vor einem Dschungel mit einer Planierraupe stehe und mir dort erst meinen Weg ebnen muss“, sagt Curvelo Carvalho.

Erstmalige Versicherung einer Flotte

Laut dem Gründer ergibt sich durch seine Technik ein entscheidender Vorteil: Durch Schadensreduktion, Austauschbarkeit und standardisierte Betriebs- und Wartungsdaten gebe es eine bessere Grundlage für die Versicherbarkeit von humanoiden Robotern. „Die Versicherung hat das erste Mal die Möglichkeit, auf Daten zurückzugreifen und damit zu arbeiten. Damit können Versicherer Risiken, Schadenwahrscheinlichkeiten und mögliche Prämiengrundlagen besser bewerten“, erklärt der Founder und ergänzt: „Die Versicherungen sagen aktuell ‚Wir haben keine Werte, wir können hier nicht berechnen, wie hoch die Ausfallsrate ist und wie viel Schaden da wirklich auf uns zukommt.“ Doch bevor eine Flotte versichert werden kann, braucht Cybershell die notwendigen Zertifikate. An diesen werde gerade gearbeitet.

Modularer Aufbau

Das Startup setzt auf einen modularen Aufbau. Die Protektoren für z. B. Schultern, Arme und Beine sind getrennt abnehmbar und greifen nicht in Antrieb, Steuerungssoftware oder Sicherheitslogistik ein. „Es geht darum, die Downtime zu reduzieren. Wenn ein Roboter beschädigt wurde, dann wollen wir nicht, dass der ganze Roboter getauscht wird. Es soll einfach das beschädigte Modul werkzeuglos abgenommen werden und das neue Modul eingesetzt werden und nach 20 Minuten soll die Downtime vorbei sein“, erklärt Curvelo Carvalho. Die Außenschicht besteht aus fünf Layern, wobei jeder eine eigene Funktion hat und unterschiedlich anpassbar ist, je nachdem, wo der Roboter zum Einsatz kommt.

Das Patent als nächster Milestone

Das Unternehmen befindet sich aktuell noch vor der Gründungsphase und ist gebootstrappt. Gründen und die Suche nach Investoren machen laut Curvelo Carvalho erst dann Sinn, wenn die Firma das entsprechende Patent habe. Dafür müsse zuvor noch die Firma gegründet werden. Es läuft somit alles auf das Patent hinaus, noch im Herbst soll der Antrag gestellt werden. Förderungen hat Cybershell noch keine erhalten, jedoch hat das Startup bereits einen FFG-Patenscheck, also einen ersten Schritt in Richtung FFG-Förderung.

Eine Auswanderung in die USA stellt für Curvelo Carvalho aktuell keine Option dar. In Europa dauert zwar der Aufbau eines Unternehmens länger als in den USA, doch Cybershell habe hierzulande alles, was es für den Aufbau benötige. „Wir können hier vom Ökosystem, von den Inkubatoren und von den Förderungen profitieren. Cybershell muss ein niederösterreichisches Unternehmen werden. Das steht ganz groß auf unserer Flagge drauf“, sagt Curvelo Carvalho.

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