06.10.2022

Alfred Luger: Runtastic-Co-Founder wird neuer Partner bei Calm/Storm

Nach zwei Jahren und mehr als 50 Investments stellt sich der Super Early Stage-Investor Calm/Storm mit Alfred Luger als Partner neu auf.
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Alfred Luger im brutkasten-Talk zu seinem Einstieg als Partner von Calm/Storm Ventures | (c) brutkasten
Alfred Luger im brutkasten-Talk zu seinem Einstieg als Partner von Calm/Storm Ventures | (c) brutkasten

Mehr als 50 Investments in zwei Jahren – das ist die beachtliche Zwischenbilanz der Wiener Super Early Stage-Investmentgesellschaft Calm/Storm Ventures. „Das entspricht im Durchschnitt einem Deal alle 18 Tage“, sagt Gründer Lucanus Polagnoli. Das bedeute mittlerweile auch einen erheblichen Betreuungsbedarf im Portfolio. „Wir versuchen dieser Entwicklung Rechnung zu tragen, indem wir den Fokus nicht nur auf neue Investments, sondern auch auf das bestehende Portfolio legen“, sagt Polagnoli. Zu diesem Zweck holte er nun Runtastic-Co-Founder Alfred Luger an Bord. Der Co-Founder und bisherige Partner Michael Ströck hat Calm/Storm verlassen.

Alfred Luger von Beginn an als Fonds-Investor bei Calm/Storm dabei

„Mehr als 100 Co-Founder kann man nicht alleine lassen. Die muss man betreuen. Und genau das ist Alfred Lugers Vorliebe“, sagt Polagnoli. Luger, der erst Anfang des Jahres bei der Runtastic-Mutter Adidas aufgehört hat, hatte schon von Beginn an mit Calm/Storm zu tun und war schon in den ersten Fonds mit einem größerem Ticket investiert. Auch abseits davon ist er privat und vor allem mit den anderen Runtastic-Co-Foundern mit der Gesellschaft 8eyes als Startup-Investor aktiv.

„Hansi hat gesagt: Fredl, du hast grad eh nix zu tun“

„Lucanus und ich kennen uns seit vielen Jahren aus der Hansmen Group“, erzählt Luger nun dem brutkasten. Bei einem Closing Dinner sei man dann ins Gespräch gekommen. Polagnoli habe dabei über die aktuelle Situation bei Calm/Storm gesprochen. „Und der Hansi [Anm. Hansmann] hat gesagt: Fredl, du hast grad eh nix zu tun“, erzählt Luger. Wenig später sei die Zusammenarbeit besiegelt gewesen.

Damit hat Alfred Luger wieder einen operativen Job. Selektiv werde er auch weiter investieren und privat sowie über 8eyes als Business Angel tätig sein. Primär werde er aber nun das Calm/Storm-Portfolio betreuen. Dass Luger als Gründer ihn als Investment Professional ergänze, passe auch perfekt in die Philosophie der Investmentgesellschaft, ergänzt Polagnoli.

Kleiner Zusatzfonds investiert nur in Austrian Entrepreneurs

Der erste Fonds wird nun noch eine Zeit lang laufen. Dabei bleibe man auch beim Fokus auf Health und Wellbeing sowie üblichen Ticket-Größen von um die 150.000 Euro bei Erstinvestments mit Aussicht auf mehr in Folgerunden, sagt der Gründer. In einem zweiten großen Fonds werde man später vielleicht den Fokus auf „die Gesundheit des Planeten“ erweitern, jedoch im Preseed-Bereich bleiben, wo man einen ausgezeichneten Dealflow habe.

Zwischenzeitlich setzte Calm/Storm im Sommer jedoch einen weiteren kleinen Fonds auf. „Das ist ein Extra-Fonds mit einer kleineren Gruppe von Investoren, der Investments in Austrian Entrepreneurs tätigt“, erklärt Polagnoli. Dieser Austria Fonds habe nun mit einem Volumen von 4,5 Millionen Euro gestartet. „Es könnten aber auch noch zehn oder 15 werden“, so der Gründer.

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(v.l.) John Brady von poptop, Fußballprofi Thomas Müller als Star-Investor sowie Christian Bezdeka und Marcus Ihlenfeld von woom. (c) poptop

„Niederösterreich, es war schön. Aber ihr habt einfach zu wenige gute Leute.“ Mit diesem Satz, versehen mit einem Herz-Emoji, hat John Brady auf LinkedIn den Umzug seines Startups kommentiert. poptop hat den Mietvertrag für ein Büro in 1050 Wien unterschrieben, ab September 2026 arbeitet das Team dort. In dasselbe Büro zieht soundslikeaplan, das Programm der beiden poptop-Mitgründer Marcus Ihlenfeld und Christian Bezdeka.

poptop wurde 2023 von Ihlenfeld, Bezdeka und Brady gegründet und entwickelt Kindermöbel, darunter einen mechanisch höhenverstellbaren Kinderschreibtisch, der ohne Strom auskommt. Im zweiten vollen Geschäftsjahr lag der Umsatz bei mehr als zwei Millionen Euro, für 2026 peilt das Unternehmen sechs Millionen Euro und erstmals Profitabilität an. Seit 2025 ist Fußballprofi Thomas Müller, über eine siebenstellige Finanzierungsrunde, als Investor an Bord. Das Tagesgeschäft liegt von Beginn an bei Brady als CEO, Ihlenfeld und Bezdeka verantworten Produktvision und Design.

Bekannt sind die beiden vor allem durch woom: 2013 in einer Wiener Garage gegründet, ab 2015 von Klosterneuburg aus gewachsen und im Geschäftsjahr 2025 bei rund 149 Millionen Euro Umsatz. Aus der operativen Führung des Kinderfahrradherstellers haben sie sich 2022 zurückgezogen, seither sind sie dort Miteigentümer und im Beirat. Seit 2025 geben sie mit soundslikeaplan ihr Wissen an andere Gründer:innen weiter. Es ist das einzige der drei Unternehmen, das sie selbst operativ betreiben, und der Grund, warum sie beim Wiener Büro mit an Bord sind.

„Wenn du schnell sein willst, musst du im selben Raum sitzen“

Bisher waren die Teams auf zwei Standorte verteilt: Operations und Marketing von poptop in Traiskirchen, die Produktentwicklung gemeinsam mit dem soundslikeaplan-Team im 19. Wiener Gemeindebezirk. Was nach Arbeitsteilung aussah, sei in Wahrheit ein Effizienzproblem gewesen, heißt es in einer Aussendung: Meetings über zwei Standorte hinweg, Wege, die niemand fahren wollte, Entscheidungen, die zu lange dauerten. „Wenn du schnell sein willst, musst du im selben Raum sitzen. Punkt“, sagt Brady. Es sei der vierte Umzug in drei Jahren.

Zwölf Mitarbeiter:innen, doppelt so viele bis 2028

Den Wechsel nach Wien begründet Brady mit dem Personalbedarf. poptop wachse und brauche qualifizierte Leute, in Niederösterreich sei das schwieriger als nötig. „Niederösterreich hat uns gut behandelt. Aber der Talentpool in Wien ist um ein Vielfaches größer. Wenn wir das Team aufbauen wollen, das poptop in den nächsten Jahren braucht, führt kein Weg an einem zentralen Wiener Standort vorbei“, so der CEO.

Konkret zählt poptop nach eigenen Angaben aktuell zwölf Mitarbeiter:innen. Bis 2028 soll sich das Team verdoppeln, Schwerpunkte sind laut Brady Produktentwicklung sowie Marketing und Sales.

Auch woom hat Niederösterreich verlassen: Das Unternehmen übersiedelte im Februar 2024 von Klosterneuburg in den 19. Wiener Gemeindebezirk, 155 der 162 Beschäftigten wechselten mit. Der Grund war damals allerdings ein anderer, die Geschäftsführung führte Platzmangel an. Ihlenfeld und Bezdeka waren zu diesem Zeitpunkt bereits nicht mehr operativ tätig.

Ausgelagert wird die Endmontage, nicht die Produktion

In der Aussendung heißt es, Produktion und Fulfilment würden komplett ausgelagert. Auf Nachfrage von brutkasten präzisiert Brady das: Die Kernproduktion sei immer extern gelaufen, mit den bestehenden Zulieferern arbeite poptop schon bisher zusammen. In Traiskirchen habe das Unternehmen lediglich die Endmontage einzelner Produkte selbst gemacht, und die übernehmen künftig ebenfalls die Zulieferer. „Es geht also nicht um eine Verlagerung eigener Produktion, sondern um die Bündelung von Arbeitsschritten“, sagt der CEO.

Bis Ende Oktober sollen alle Produkte verkaufsfertig an den neuen Fulfilment-Partner Quivo gehen und von dort direkt zu den Kund:innen. Hinter Quivo steht die Wiener LOGSTA GmbH, deren Fulfilment-Center beim Flughafen Schwechat liegt. Die Logistik bleibt damit in Österreich. Parallel baut poptop laut Brady einen zusätzlichen Produktionspartner in Serbien auf, der bereits im Herbst starten soll. Damit stehe die Fertigung künftig auf zwei Beinen – Asien und Europa – und das Unternehmen werde lieferfähiger und flexibler.

Marcus Ihlenfeld begründet den Schritt in der Aussendung so: „Unsere Stärke liegt in Produktentwicklung und Marketing. Das [Anm. Fertigung] können andere besser. Und je früher man das akzeptiert, desto besser.“

Eine Stelle fällt weg

In Produktion und Fulfilment arbeiten nach Angaben von Brady aktuell zwei Personen, im Operations-Team zwei weitere. Eine Stelle im Fulfilment fällt bis Jahresende weg. Eine Person betreut künftig von einem externen Standort aus das gesamte Retourenmanagement und bleibt an Bord. Das zweiköpfige Operations-Team wechselt nach Wien und soll verstärkt werden, weil die Steuerung der externen Produktions- und Fulfilment-Partner mehr Gewicht bekommt. Den Standort Traiskirchen gibt poptop bis Ende Oktober vollständig auf.

Werkstatt und Schauraum ziehen mit

Die Produktentwicklungswerkstatt zieht mit und soll am neuen Standort mehr Platz bekommen. Prototypen sollen künftig direkt neben dem Büro gebaut, getestet, verworfen und neu gemacht werden. Dazu kommt laut Aussendung ein Schauraum, in dem Eltern und der Fachhandel die Produkte direkt am Standort testen können.

Für soundslikeaplan entsteht am neuen Standort außerdem ein eigener Schulungsraum. „Wir haben zehn Jahre lang jede Lektion selbst durchgemacht, mit allen Umwegen und Schmerzen“, sagt Christian Bezdeka. „Wenn wir anderen Gründern ein paar dieser Umwege ersparen können, ist schon viel gewonnen. Dafür brauchen wir einen Raum, in dem das persönlich passiert. Und den haben wir jetzt.“

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