02.12.2024
NEUER VORSTAND

Österreichisch-Israelische Handelskammer: Lifshitz und Ruschin nun Vizepräsidenten

Mit weXelerate-Chef Awi Lifshitz und Investor Benjamin Ruschin ziehen zwei bekannte Vertreter der heimischen Innovationsszene ins Präsidium der Österreichisch-Israelischen Handelskammer (AICC).
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Das neue AICC-Präsidium | (c) AICC
Das neue AICC-Präsidium | (c) AICC

Im Bereich Startups und Innovation ist Israel bekanntlich einer der weltweiten Spitzenreiter. Es verwundet also nicht, dass die Österreichisch-Israelische Handelskammer (AICC) sich gerade in diesem Bereich stark aufstellt. Der Verein verfolgt das Ziel, die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Österreich und Israel zu fördern – etwa mit Netzwerkveranstaltungen, Beratungen und der Vermittlung von Geschäftskontakten. Nun wurde der Vorstand neu gewählt und mit weXelerate-Chef Awi Lifshitz und Investor (Big Cheese Ventures) und WeAreDevelopers-Co-Founder Benjamin Ruschin zogen zwei bekannte Vertreter der heimischen Innovationsszene ins Präsidium ein.

Lifshitz und Ruschin werden neue Vizepräsidenten der AICC. Lifshitz soll mit seiner „umfassenden Erfahrung in der Innovationslandschaft und seinem Engagement für internationale Kooperationen wertvolle Impulse für die AICC“ bringen, Ruschins Know-how stärke „die Brücke zwischen österreichischen und israelischen Hightech-Unternehmen und Investoren“, heißt es in einer Aussendung.

„Die AICC bleibt ihrer klaren wirtschaftlichen Ausrichtung treu“

Präsident bleibt Gabriel Lansky, Rechtsanwalt und Partner der Kanzlei Lansky, Ganzger & Partner (LGP). Mit Science Park Graz-Geschäftsführer Martin Mössler ist ein weiterer Vertreter des heimischen Innovations- und Startup-Ökosystems neu im Präsidium. Investmentexperte Michael Wilnitsky von der Kathrein Privatbank wird Generalsekretär.

„Gemeinsam werden wir unsere Mission fortsetzen, die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Österreich und Israel zu stärken und weiter auszubauen“, kommentiert Präsident Lansky und betont: „Die AICC bleibt ihrer klaren wirtschaftlichen Ausrichtung treu und fokussiert sich ausschließlich auf die Förderung und Stärkung ökonomischer Beziehungen. Indem wir uns konsequent auf wirtschaftliche Inhalte konzentrieren und uns von rein politischen Themen distanzieren, gewährleisten wir, dass unser Verein eine neutrale und effektive Plattform für Unternehmen aus Österreich und Israel bleibt.“

Weitere AICC-Vorstandsmitglieder bzw. in Funktionen sind Julia Andras, Daniel Gros, Elitza Kavrakova, Eyal Bar-Zvi, Elad Gadot, Michael Pappe, Gili Perl, Gideon Tenner, Claus Pándi, Thomas Havranek, Maximilian Hammerschmied, Bernhard Vanas und Diana Hayat.

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EU-Exekutiv-Vizepräsidentin Henna Virkkunen bei ihrer Keynote "Europe's Tech Moment" auf der VivaTech in Paris. (c) Martin Pacher | brutkasten

Es ist ein Tag mit zwei Schauplätzen. In Évian-les-Bains geht am Mittwoch der G7-Gipfel zu Ende. Am Abschlusstag sitzen die Chefs der führenden KI-Konzerne, darunter Sam Altman (OpenAI), Dario Amodei (Anthropic), Demis Hassabis (Google DeepMind) und Arthur Mensch (Mistral), mit den Staats- und Regierungschefs bei einem Arbeitsmittagessen zu Frontier-KI, Infrastruktur und Souveränität. Mehrere hundert Kilometer entfernt, auf der VivaTech in Paris, liefern zwei EU-Kommissarinnen die europäische Antwort auf die Frage, ob der Kontinent eigene globale Tech-Champions bauen kann.

Souveränität als europäischer Gegenentwurf

Henna Virkkunen, Exekutiv-Vizepräsidentin für technologische Souveränität, verwies in ihrer Keynote „Europe’s Tech Moment“ selbst auf das G7-Treffen. Weltweit investierten Regierungen massiv in ihre technologische Führung, Europa müsse seine eigene Kapazität stärken, Technologien zu entwickeln, zu produzieren und einzusetzen. Rückenwind holt sie sich aus einem am selben Tag veröffentlichten Eurobarometer: Demnach stufen 79 Prozent der Europäer:innen Digitalpolitik als EU-Top-Priorität ein, 85 Prozent befürworten Investitionen in europäisch entwickelte Infrastruktur, 82 Prozent wollen weniger Abhängigkeit von Drittstaaten.

Untermauert ist diese Linie durch das European Technological Sovereignty Package, das die Kommission Anfang Juni vorlegte: mit dem CHIPS Act 2.0 für die Halbleiter-Wertschöpfungskette und dem Cloud and AI Development Act, der einen einheitlichen Souveränitätsrahmen für Cloud-Dienste schafft. Niemand dürfe einen „Kill-Switch“ über kritische Infrastruktur haben, so hatte Virkkunen die Stoßrichtung bei der Präsentation des Pakets zusammengefasst. Beim Risikokapital benannte sie das Gefälle: Auf die USA entfielen über 50 Prozent des globalen VC, auf China rund 40, auf Europa nur etwa fünf Prozent.

Fünf-Milliarden-Fonds gegen die Fragmentierung

Im Panel „Can Europe Build Global Champions?“ setzte Ekaterina Zaharieva, Kommissarin für Startups, Forschung und Innovation, auf Selbstbewusstsein. Europa habe die besten Deep-Tech-Talente und den größten Binnenmarkt, kranke aber an Fragmentierung. Dagegen verwies sie auf das 28. Regime, ein „europäisches Delaware“ für grenzüberschreitende Gründungen, und auf den Scaleup Europe Fund: fünf Milliarden Euro, seit Mai von EQT gemanagt, erste Investments im Herbst, gedacht, um Deep-Tech-Scale-ups in Europa zu halten.

Ekaterina Zaharieva auf der VivaTech 2026 | (c) VivaTech

Der Kontrapunkt eines Gründers

Den Kontrapunkt lieferte mit Jean-Charles Samuelian ein Gründer, der über sein Boardmandat bei Mistral mit der Runde in Évian verbunden ist, wo Mistral-CEO Mensch am Mittagstisch saß. Der CEO des Gesundheits-Scaleups Alan mag die Erzählung vom benachteiligten Europa nicht. Er habe nie gefragt, was Europa ihm geben solle, sondern wie er ein Problem löse. Wer ein echtes Kategorie-Produkt baue, finde auch Kapital, notfalls global. Das Defizit sei nicht mangelnder Ehrgeiz, sondern eine Kultur, die Risiko scheue, bis hin zum Einkauf.

Anknüpfungspunkte für Österreich

Für das heimische Ökosystem gibt es mehrere Anknüpfungspunkte. Die KI-Infrastruktur, die Virkkunen beschwört, hat in Österreich eine Adresse: Die AI Factory Austria (AI:AT), geführt von Advanced Computing Austria und dem AIT, ist seit Sommer 2025 in Betrieb, der Wiener Coworking-Hub seit Februar offen, ein KI-Supercomputer für Wien soll 2027 folgen. Der CHIPS Act 2.0 betrifft mit Standorten wie Infineon in Villach oder AT&S beim Advanced Packaging unmittelbar heimische Player. Und die Debatte um Spätphasen-Kapital spiegelt die hiesige Diskussion um einen Dachfonds und institutionelles Wachstumskapital.

Die eigentliche Frage: Kauft Europa seine Innovation?

Am Ende verschob Zaharieva die Frage von der Finanzierung zur Nachfrage: Es gehe nicht mehr darum, ob Europa Kapital für Skalierung finde, sondern ob es seine eigene Innovation auch kaufe. Der erste Kunde müsse oft die öffentliche Hand sein. Während in Évian über die großen Linien verhandelt wird, liegt die Antwort darauf bei den Einkäufer:innen.

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