15.06.2022

FinTech Week 2022: Diese AI-Use-Cases gibt es im Finanzbereich

Kürzlich fand die FinTech Week 2022 rund um das Thema “Leveraging Data & AI. Boosting Financial Services” statt. Um den Teilnehmer:innen Einblicke in reale KI- und Datenanwendungsfälle zu bieten, wurden die Use-Cases von Paysafe und SkyHive präsentiert.
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Georg Wenk Head of CRM und Data Science bei Paysafe Group und Petra Kuret, Head of Partnerships bei SkyHive (c) Screenshot: FinTech Week YouTube und LinkedIn. Montage: brutkasten
Georg Wenk Head of CRM und Data Science bei Paysafe Group und Petra Kuret, Head of Partnerships bei SkyHive (c) Screenshot: FinTech Week YouTube und LinkedIn. Montage: brutkasten
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Von FinTech über künstliche Intelligenz bis hin zur Nutzung von Data – im Rahmen der FinTech Week 2022, organisiert in Zusammenarbeit mit Accenture und AI Austria (vertreten als Applied AI Conference – AAIC), drehte sich alles um den Einsatz von Data und AI im Finanzdienstleistungssektor. Die Veranstaltung brachte nicht nur Banken und Versicherungen, die ihre ersten Schritte in Richtung digitale Transformation getätigt haben, zusammen. Die FinTech Week 2022 diente auch zur Förderung der Zusammenarbeit zwischen Startups und Großbetrieben.

Neben zahlreichen Fireside-Talks und Panel-Diskussionen schmückten auch einige Use-Cases das Programm. Nach dem Motto „Von der Theorie zur Praxis: Vertiefung in reale KI- und Datenanwendungsfälle“ gewährten die Startups Paysafe und SkyHive tiefe Einblicke in ihre Best Practices und Herausforderungen mit KI.

“SkyHive ist das Google des weltweiten Arbeitsmarktes”

“Viele Betriebe erkennen heute mehr denn je, dass ihr Geschäft am Abgrund steht, wenn sie die DNA ihrer Arbeitsplätze nicht grundlegend verstehen. Ob es sich nun um die große Resignation oder den Kampf um Talente handelt – sie müssen sich intern umsehen und erkennen, welche Ressourcen sie haben und brauchen”, erklärt Petra Kuret, Head of Partnerships bei SkyHive. Das 2017 gegründete Startup mit Hauptsitz in Vancouver konnte 2020 Accenture als Investor für sich gewinnen. SkyHive nutzt seine KI-Technologie und die Quanten-Arbeitsanalyse-Methode, um die Transformation und Adaptierung an den Arbeitsmarkt für Unternehmen zu erleichtern.

“Wir sind eine der fortschrittlichsten Re-Skilling-Plattformen, die auf die zugrunde liegende Technologie der Quantenarbeitsanalyse basiert. Sie können sich SkyHive als das Google des weltweiten Arbeitsmarktes vorstellen, das die Verschiebungen und Veränderungen bei Angebot und Nachfrage von Arbeitsplätzen und Qualifikationen erfasst”, erklärt Kuret weiter. Genau hier könne die Quantum-Work-Analyse des wachsenden Startups bestens eingesetzt werden, um Insights über die Fähigkeiten der Angestellten zu gewinnen, aber auch die Bedürfnisse der jeweiligen Funktionen im Betrieb zu erkennen. 

DNA der Belegschaft auf Qualifikationsebene erkennen

Als eines der globalen Echtzeit-Datensätze im Bereich des Human Capital Managements (HCM) sammelt die Plattform nicht nur Insights. SkyHive stellt sie auch der gesamten Unternehmensorganisation für die Wiederverwendung zur Verfügung. Mit 3 Billionen Kombinationen von Qualifikationsgraphen bilde das kanadische Startup die weltweit größte und leistungsfähigste Datenquelle für Arbeitsplätze, Qualifikationen und Ausbildung. Denn SkyHive verarbeitet täglich 20 Terrabyte an Rohdaten aus 150 Ländern. 

Somit soll ermöglicht werden, dass Unternehmen und Manager:innen eine Übersicht über die DNA ihrer Belegschaft bekommen. SkyHive-Kund:innen müssen hierfür vier Fragen beantworten: 

  • Welche Qualifikationen haben wir? 
  • Welche Qualifikationen brauchen wir? 
  • Welche Qualifikationslücken haben wir im Betrieb? 
  • Wie können wir diese Qualifikationslücke schließen? 

Mit diesem Ansatz soll eine flexible interne Mobilität in Unternehmen geschaffen werden, indem Mitarbeiter:innen neue Möglichkeiten innerhalb des Betriebes wahrnehmen können. Aus Arbeitgeber:innen-Sicht gehe es darum, Talente an sich zu binden, da die erhöhte Transparenz Angestellte nicht nur zum Engagement, sondern auch zur Weiterbildung motiviere.

Paysafe stellt bei FinTech Week 2022 Kundendienst-Roboter vor

Accenture unterstützt auch das Startup Paysafe aus der UK, das im Rahmen der FinTech Week seinen Kundendienst-Roboter “Robie” vorstellte. Obwohl Paysafe als Zahlungsdienstleister künstliche Intelligenz in verschiedenen Bereichen – zur Erkennung von Betrug und Geldwäsche sowie zur Datensegmentierung im Marketing – verwendet, wird Robie nur im Kundenservice eingesetzt. Denn mit dem Einsatz von KI im Kundenservice reduziert das FinTech-Startup nicht nur Kosten der manuellen Arbeit, sondern bietet seinen Kund:innen auch schnelle Antworten und Lösungen. 

Und das funktioniert so: Die Kundendienst-Anfragen werden über verschiedene schriftliche  Kanäle – E-Mails, Webformulare oder Chatbots – in Textform an einen Nachrichten-Sortierer weitergeleitet. “Wir haben festgestellt, dass die Texte selbst in der Regel nicht sehr aussagekräftig sind, weil sie kurz und nicht sehr klar sind. Wir brauchten zusätzliche Informationen, um auf automatisierte Weise herauszufinden, was sie brauchen”, sagt Georg Wenk, Head of CRM und Data Science bei Paysafe Group. Genau hier wird die Anfrage mit zusätzlichen Informationen der Kund:innen – aus Transaktionen, Kontostatus oder Fehlercodes – im Nachrichten-Sortierer ergänzt, wodurch das Thema und das Problem genauer identifiziert werden. 

50 Prozent der Anfragen werden richtig kategorisiert

Durch den Einsatz einer “Rule Machine”, die selbst nicht als KI operiert, werden weitere Kriterien definiert. Nach der Sicherstellung, dass eine automatisierte E-Mail zum definierten Thema besteht, wird diese ausgesendet. Es wird zudem ausdrücklich darauf hingewiesen, dass es sich um eine automatisierte E-Mail handelt und bei fortbestehen des Problems an eine Mitarbeitende des Kundendienstes weitergeleitet werden kann.

Dennoch liege der Nachrichten-Sortierer nur mit jedem zweiten Fall richtig, so Wenk. “Das scheint auf den ersten Blick nicht viel zu sein. Aber wenn dieser Prozentsatz mit dem des Zufallsgenerators verglichen wird – der nur bei zwei Prozent liegt – dann ist er tatsächlich sehr hoch. Das heißt aber nicht, dass wir alle unserer Kundendienst-Anfragen automatisiert abwickeln. Der Großteil wird immer noch von Menschen bearbeitet”.

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RNAnalytics, tecnet
© equity - (v.l.) Christian Laurer, Adriana González Palomo, Viktoria Enkmann, Hannes Burgstaller und Natalija Rajicic.

Mit einem SAFE (Simple Agreement for Future Equity) beteiligt sich tecnet equity am niederösterreichischen TechBio-Startup RNAnalytics. Das von Viktoria Enkmann und Hannes-Oliver Burgstaller gegründete Unternehmen ist im accent Makerspace in Tulln angesiedelt und entwickelt dort Lösungen für die Analyse von Lipid-Nanopartikeln – winzigen Transporthüllen, die Wirkstoffe wie RNA sicher in menschliche Zellen bringen sollen. Mit dem Investment möchte RNAnalytics die Weiterentwicklung seiner modularen Analyse-Toolkits sowie den Ausbau seiner integrierten Softwareplattform vorantreiben. Über die Höhe der Beteiligung wurde Stillschweigen vereinbart. Doch wie brutkasten erfahren hat, handelt es sich inklusive Förderungen um eine Summe im „höheren sechsstelligen Bereich“.

RNAnalytics: Analysen sehr aufwendig

RNA-basierte Medikamente haben durch neue Impfstoffe und Therapieansätze stark an Bedeutung gewonnen. Damit RNA im Körper überhaupt dort ankommt, wo sie wirken soll, braucht sie eine schützende Transporthülle. Dafür werden häufig sogenannte Lipid-Nanopartikel, kurz LNPs, eingesetzt.

Ob diese winzigen Partikel richtig funktionieren, muss während der Entwicklung eines Medikaments immer wieder überprüft werden. Entscheidend sei dabei, die Eigenschaften der Partikel genau zu verstehen, von ihrer Größe und Stabilität über die tatsächlich eingeschlossene RNA-Menge bis hin zu ihrem Verhalten in unterschiedlichen Zellen.

Diese Analysen seien heute oft aufwendig, erfordern teilweise teure Spezialgeräte und würden mangels einheitlicher Methoden nur eingeschränkt vergleichbare Ergebnisse liefern. „Das kostet Zeit und erschwert insbesondere kleineren BioTech-Unternehmen und Forschungslabors den Zugang zu einer Technologie, die für die Entwicklung neuer RNA-Therapien immer wichtiger wird“, liest man in der Aussendung.

Modulare Toolkits

RNAnalytics hat es sich daher zum Ziel gesetzt, diese Analysen einfacher und standardisierter zu machen. Dafür entwickelt das Unternehmen modulare Toolkits, die auf bereits vorhandener Laborausstattung eingesetzt werden können. Sie kombinieren validierte Messmethoden, Reagenzien und Referenzmaterialien und wollen Laboren damit einen „klar definierten Ablauf für die Untersuchung von Lipid-Nanopartikeln“ ermöglichen.

„Die SAFE-Finanzierung gibt uns in dieser frühen Phase die Möglichkeit, unsere Toolkits konsequent weiterzuentwickeln und parallel den Ausbau unserer Softwareplattform voranzutreiben. Mit tecnet equity haben wir dabei einen Partner an unserer Seite, der die Herausforderungen technologieintensiver Gründungen versteht“, sagt Enkmann, CEO von RNAnalytics.

RNAnalytics: Plattform in Entwicklung

Der Ansatz des Tullner Startups geht jedoch über einzelne Labortests hinaus, wie man mitteilt: Parallel zu den Toolkits entwickelt das Unternehmen eine Softwareplattform, in der die bei den Analysen entstehenden Daten zusammengeführt und automatisch ausgewertet werden können.

So entstehe ein umfassendes Bild der relevanten Qualitätsmerkmale eines RNA-Therapeutikums. Statt Messergebnisse aus unterschiedlichen Geräten und Tests einzeln auszuwerten, könnten Labore ihre Daten zentral verarbeiten, verschiedene Qualitätsparameter miteinander vergleichen und standardisierte Berichte erstellen. Die Kombination aus physischen Toolkits und Software soll damit einen bislang stark fragmentierten Analyseprozess in einen durchgängigen Workflow überführen.

„RNAnalytics setzt an einem sehr konkreten Problem in einem technologisch anspruchsvollen und stark wachsenden Bereich der Biotechnologie an. Besonders überzeugt uns der Ansatz, komplexe Laboranalytik durch standardisierte Toolkits zugänglicher zu machen und diese gleichzeitig in einer skalierbaren Softwareplattform zusammenzuführen“, erklärt Christian Laurer, Senior Investment Manager bei tecnet equity. „Die beiden Gründer:innen verbinden fundiertes wissenschaftliches Know-how mit einem klaren Verständnis für die Herausforderungen in der LNP-Analytik und einer überzeugenden Produktvision. Diese Kombination war für uns eine wesentliche Grundlage für das Investment in dieser frühen Phase.“

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