17.12.2025
KI-LANDKARTE

AI Landscape 2025: Insolvenzen und neue Akteure – „Core Tech“ als Gewinner

Die AI Landscape Austria ist wieder da. Diesmal mit rund 70 neuen Firmen. Clemens Wasner von EnliteAI erklärt die Karte, KI-Insolvenzen und die Unterschiede zum Vorjahr, die u.a. in einem technologischen Wandel begründet liegen.
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Clemens Wasner vor einem Symbolbild zu künstlicher Intelligenz
Clemens Wasner | Foto: Adobe Stock (Hintergrund), Enlite.ai

Mit der Veröffentlichung der AI Landscape Austria 2025 von Clemens Wasner liegt die neunte Ausgabe der Erhebung zum österreichischen KI-Ökosystem vor. Seit dem Start im Jahr 2017 hat sich der Markt kontinuierlich weiterentwickelt: Aus einer zuvor überschaubaren Anzahl spezialisierter Anbieter ist ein breit aufgestelltes Ökosystem entstanden, das heute nahezu alle Branchen und Unternehmensfunktionen abdeckt.

AI Landscape 2025: Tech-Shift veränderte die Landkarte

Im Jahresvergleich ist die Zahl der erfassten KI-Unternehmen netto um rund zehn Prozent gestiegen. Gleichzeitig weist die Landscape eine hohe Dynamik auf: Rund 30 der zuvor gelisteten Akteure wurden durch neue Unternehmen ersetzt.

Dass zuletzt mehrere AI-Unternehmen insolvent wurden, spiegelt sich auch in der Karte wider. Den wesentlichen Grund dafür sieht Wasner im technologischen Wandel der vergangenen Jahre. Viele dieser Firmen wurden vor rund einem Jahrzehnt oder zur Jahrtzehntenwende gegründet und basierten auf technologischen Ansätzen, die heute nicht mehr dem Stand der Technik entsprechen. Die Entwicklung eigener Sprachmodelle war für sie mit hohen Kosten verbunden – ein Aufwand, der durch den rasanten Fortschritt im Bereich Large Language Models (LLMs) in vielen Fällen obsolet geworden ist.

„Der technologische Shift hin zu LLMs hat den Markt grundlegend verändert. Unternehmen wie Cortical.io stehen beispielhaft für diesen Wandel: Technologien, die in der vorherigen Generation relevant waren, geraten unter Druck, wenn neue, leistungsfähigere Modelle verfügbar werden. Gleichzeitig steigt der Konsolidierungsdruck, da viele Anbieter sehr ähnliche Lösungen entwickeln“, präzisiert der KI-Experte.

© 2025 Clemens Wasner, supported by AI Austria.

Ein weiterer Unterschied zeigt sich zwischen venture-finanzierten und bootstrapped Unternehmen. „Venture-backed Firmen verfügen oft über weniger Spielraum. Wer etwa mehrere Millionen Euro in den Aufbau klassischer NLP-Technologie (Anm.: Natural Language Processing) investiert hat und dann feststellt, dass ein besseres Modell als API verfügbar ist, steht vor erheblichen Verlustbeträgen. Du hast Geld in den Sand gesetzt, für etwas, das du nicht mehr brauchst“, so Wasner weiter. „In solchen Fällen – wenn man nochmal nach Investorenkapital fragt – drohen Downrounds, besonders wenn man zwischen zwei Technologiegenerationen ‚gefangen‘ ist. Bootstrapped-Unternehmen hingegen können häufig agiler reagieren, gezielt M&A-Opportunitäten nutzen und auf gesunde Softwaremodelle setzen.“

„Core Tech“ als Gewinner

Neben der Insolvenzthematik ist in der AI Landscape 2025 zudem noch das starke Wachstum einzelner Verticals auffallend. PropTech wächst derzeit besonders stark – der Grund dafür bleibt Wasner jedoch unklar, wie er zugibt. Die Life Sciences seien hingegen seit jeher ein starker Bereich und ihr Wachstum stelle keine neue Entwicklung dar.

Im Bereich „Core Tech“ und horizontaler AI-Lösungen zeigt sich indes ein klarer Wandel. In der Vergangenheit gab es, dem Forscher nach, vergleichsweise wenige Unternehmen, die über reine Bilderkennung hinausgingen. Heute rücken Themen wie Dateninfrastruktur und Observability in den Fokus.

„Unternehmen adressieren Anforderungen, die es im klassischen Machine-Learning-Zeitalter so noch nicht gab“, erklärt Wasner. „Insgesamt ist der Core-Tech-Bereich stark gewachsen. Sie sind die Gewinner vom Tech-Shift, bei dem neue Werkzeuge und Basiskomponenten entstehen. Auffällig ist zudem auch der hohe technische Anspruch vieler Gründungen.“

Weiters finden sich sowohl im Customer-Service- als auch im Marketing-Bereich mehrere relevante Anbieter, wo unter anderem durch den Austausch des Tech-Stacks weiteres Wachstum erzielt werden konnte.

Entwicklung erinnert an SaaS-Boom

„Insgesamt erinnert die aktuelle Entwicklung in vielen Bereichen an den früheren SaaS-Boom: Kaum ein Thema kommt heute ohne KI-Bezug aus. Insgesamt handelt es sich um eine sehr positive Entwicklung. Früher gab es eine verkrustete Struktur mit wenigen Model- und Infrastruktur-Anbietern. Jetzt werden die Karten neu gemischt“, zeigt sich Wasner begeistert.

Als ein „neues“ und zusätzlich zentrales Thema unter den Unternehmen der AI Landscape 2025 gilt die digitale Souveränität. Diese wird zunehmend als eigenständiges Geschäftsmodell verstanden und klar von Konzepten wie dem bisherigen „Trustworthy AI“ abgegrenzt. Jene hätten bisher existiert, um (bloß) im Förder- oder Ethikkontext genannt werden zu können. Nun sei dies aber nicht – wie bisher gehandhabt – eine „patriotische Handlung“, die man nach außen darstellen könne oder „ethisch“ verkaufbar, sondern Grundvoraussetzung für KI-Unternehmen, wie Wasner erklärt.

„Datensouveränität ist ein hartes Business-Thema, das Skalierung erleichtert und zusätzlichen Mehrwert schafft. Auch international zeigt sich dieser Trend, etwa durch lokal gehostete LLMs in den USA. In Österreich wird dieser Ansatz ebenfalls stärker verfolgt, etwa durch Unternehmen wie Mimiro, Leftshift One oder durch Anbieter im Enterprise-GenAI- und Knowledge-Bereich.“

AI Landscape 2025: Wien dominiert

Regional setzt sich die Konzentration der heimischen KI-Szene in Wien fort. Die Hauptstadt vereint rund 65 Prozent aller AI-Unternehmen auf sich. Interessant ist zudem, dass die Plätze zwei und drei unter den KI-Standorten jährlich zwischen Linz und Graz wechseln. In der steirischen Landeshauptstadt wächst vor allem der Bereich „AI Health“ und „MedTech“, allerdings bislang nicht in einer Größenordnung, die zur Bildung eines eigenständigen nationalen AI-Clusters führt.

„Das ist seltsam“, meint Wasner. „Man hat Automotive-Cluster, Industrial-Cluster, aber keinen AI-Cluster. Andererseits ist das logisch, da KI ein Querschnittsthema ist, bedeutet jedoch aber auch, dass kein Bundesland Geld in die Hand genommen hat, um sich als AI-Standort zu positionieren. Trotz vorhandener Akteure und exzellenter Forschungseinrichtungen.“


Neue Struktur 2025

Aufgrund der stark gestiegenen Aktivität und der Vielzahl an Unternehmen lässt sich das gesamte KI-Ökosystem erstmals nicht mehr in einer einzigen Grafik abbilden. Für die Ausgabe 2025 wurde die AI Landscape daher in vier eigenständige Perspektiven gegliedert:

  • Startups & spezialisierte Unternehmen (bereits veröffentlicht)
  • Corporate Early Adopters
  • Service Provider & Consulting
  • Ökosystem (Investoren, Ausbildung, öffentlicher Sektor)

Die aktuell veröffentlichte Version konzentriert sich auf den Bereich Startups & Companies. Die weiteren Teilbereiche sollen in den kommenden Updates ergänzt werden.

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Das R-Space-Team mit Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (8. v.l.) © R-Space

Das 2021 gegründete NewSpace-Unternehmen R-Space schließt die Vorbereitungen für seine erste kommerzielle Satellitenmission ab. Wie das Startup bekannt gab, soll der Satellit „AT-Astra“ im Herbst 2026 an Bord einer Spectrum-Rakete von Isar Aerospace, die erst kürzlich 270 Millionen Euro einsammelten, vom norwegischen Weltraumbahnhof Andøya abheben. „Es zeigt, dass Österreich kommerzielle Satelliten eigenständig entwerfen, bauen und fliegen kann“, zeigt sich CEO Carsten Scharlemann stolz.

IOD (In-Orbit Demonstration) Satellit AT-Astra © R-Space

Ride-Share-Modell und Technologie-Tests

R-Space, das vor kurzem seinen neuen Firmensitz am Flughafen Wien bezog, bietet einen durchgängigen Service für sogenannte In-Orbit-Demonstrationen an, um die Wartezeit auf Tests im All zu verkürzen, ein Konzept, das bereits beim Firmenstart im Fokus stand. Beim aktuellen Erstflug werden Experimente von drei Kund:innen befördert.

Konkret testen die beiden österreichischen Unternehmen Enpulsion (flüssiges Indium-Metall für Antriebe) und SunBooster (mikrometeoritenresistente Solarmodule) ihre Technologien im Orbit. Ebenfalls mit an Bord ist ein kompakter Sternsensor zur Trümmererkennung des portugiesischen Partners Synopsis Planet. Durch dieses „Ride-Share“-Modell liege der Preis laut dem CEO „deutlich unter den anderen kommerziell angebotenen Services.“ Konkrete Zahlen nennt das Startup nicht.

Auslastung und Markthürden

Schwarze Zahlen schreibt das rund zehnköpfige Team derzeit noch nicht. Laut Scharlemann sei es dafür noch zu früh, da in den kommenden Jahren weiter in die Servicekette investiert werden müsse.

Die Nachfrage für Folgemissionen ist dennoch vorhanden: Für das Jahr 2027 plant R-Space bereits zwei weitere Satellitenstarts, deren Kapazitäten bereits zu zwei Dritteln ausgebucht sind. Mehr Starts wären theoretisch denkbar, scheitern aktuell jedoch an den unflexiblen Rahmenbedingungen der Raumfahrtindustrie. „Hierfür ist der Launcher-Markt zu langsam und unflexibel“, so Scharlemann. Raketenstarts müssten meist 12 bis 24 Monate im Voraus gebucht werden, kurzfristige Slots seien eine Seltenheit.

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