25.02.2026
ERÖFFNUNG

AI Factory Austria: Was der neue AI:AT Coworking Hub für KI-Startups bietet

Die AI Factory Austria hat mit dem AI:AT Coworking Hub in Wien eine neue zentrale Anlaufstelle für die heimische KI-Szene eröffnet. Wir waren vor Ort und haben uns angesehen, warum der dortige Zugang zu europäischen Supercomputern für Startups ein Gamechanger sein soll.
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(c) AIT/APA-Fotoservice/Krisztian Juhasz

Mit der Eröffnung des AI:AT Coworking Hubs in Sankt Marx bekommt die heimische KI-Szene eine neue zentrale Anlaufstelle. Die sogenannte AI Factory Austria fungiert dabei als unabhängiger Zugangspunkt für anspruchsvolle Projekte rund um Künstliche Intelligenz. „Wir schaffen damit ein wichtiges Angebot zur Beherrschung von KI-Technologien und der Umsetzung herausfordernder KI-Projekte und sichern für unsere Unternehmen, darunter viele KMU und Startups, den Zugang zu KI-Hardware und Kompetenzen“, so Innovationsminister Peter Hanke im Rahmen der Eröffnung.

Raum für Zusammenarbeit und Weiterbildung

Der Hub ist als Ort für gemeinsames Arbeiten und als Treffpunkt für Starups, Industrie, Forschung und Verwaltung gedacht. Gründer:innen stehen insgesamt 94 Coworking-Plätze zur Verfügung. Schon jetzt nutzen 67 Personen aus 28 verschiedenen Unternehmen das Angebot vor Ort.

(c) martin pacher / brutkasten

Neben den Arbeitsplätzen gibt es einen eigenen Trainingsraum. Dort finden Kurse für Einsteiger, aber auch hochspezialisierte technische Trainings statt. Seit dem Start der ersten Angebote im Juli 2025 wurden bereits mehr als 20 Trainings mit über 900 Teilnehmer:innen abgehalten und mehr als 40 Projekte begleitet. Hinter dem Projekt steht ein breites Bündnis, das vom AIT Austrian Institute of Technology und Advanced Computing Austria geleitet und durch ein österreichweites Konsortium umgesetzt wird.

(c) martin pacher / brutkasten

Zugang zu Supercomputern als „Gamechanger“

Welchen konkreten Nutzen das neue Zentrum für junge Unternehmen hat, zeigt das Startup AI Baseline. Das Team entwickelt KI-gestützte Architekturen zur automatisierten Dokumentenanalyse. Für Baseline bietet der Hub neben den Büroräumen vor allem ein Netzwerk, um sich mit anderen Startups in Österreich auszutauschen und Tipps zu teilen. Der größte Vorteil aus Sicht des Startups ist die technische Infrastruktur: Da die aufwendigen KI-Modelle des Startups enorm rechenintensiv sind, ist die mögliche Anbindung an den Supercomputer essenziell. Co-Founder und CTO Alexander Czech beschreibt gegenüber brutkasten diese Möglichkeit als „Gamechanger“ für sein Startup.

AI-Baseline Co-Founder und CTO Alexander Czech | (c) martin pacher / brutkasten

Internationale Vernetzung

Die Abendveranstaltung zur Eröffnung, zu der rund 300 Gäste kamen, zeigte auch, wie international das Projekt vernetzt ist. Nach einem Vortrag von Andreas Liebl von der appliedAI Initiative diskutierten Fachleute aus Wirtschaft, Forschung und Politik über Europas Zukunft in der KI. Zudem berichteten Gäste aus anderen europäischen Ländern, wie etwa aus der Slowakei und Slowenien, von ihren Erfahrungen mit ähnlichen Projekten. Um zu zeigen, wer den neuen Hub in Wien bereits nutzt, wurden am Abend neben Baseline auch noch weitere Startups wie anyconcept, Neoalp und Sinntelligence vorgestellt.

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Beyond Gravity Austria
© Beyond Gravity Austria/Canva - Kurt Kober, Geschäftsführer von Beyond Gravity Austria.

Beyond Gravity Austria (vormals RUAG Space Austria) zählt mit rund 57 Millionen Euro Umsatz (2025) und rund 250 Mitarbeitenden zu den größten österreichischen Weltraumtechnikunternehmen. Das Hochtechnologieunternehmen rüstet weltweit Satelliten und Trägerraketen mit Elektronik, Mechanik und Thermalisolation aus und hat eigenen Angaben nach eine Exportquote von rund 100 Prozent. Erst kürzlich hat der Weltraumzulieferer seine Produktionsfläche in Niederösterreich verdoppelt – brutkasten berichtete über den 4,5-Millionen-Euro-Ausbau.

Beyond Gravity: Navigationsempfänger für zwei NASA-Wettersatelliten

Nun wird die nächste Generation von US-Wettersatelliten mit Technologie aus Österreich ausgestattet. Beyond Gravity Austria liefert – wie man vermeldet – hochpräzise Navigationsempfänger für zwei NASA-Wettersatelliten, die ab 2032 für die US-Wetterbehörde NOAA ins All starten sollen. Gebaut werden die Satelliten vom US-Unternehmen Lockheed Martin in Colorado.

Die Navigationsempfänger aus Wien werden – so der Claim – die Position der Satelliten in rund 36.000 Kilometern Höhe mit einer Genauigkeit von weniger als 20 Metern bestimmen.

„Im Rahmen unseres ersten Vertrags mit Lockheed Martin werden wir Navigationsempfänger für zwei NASA-Wettersatelliten liefern. Je genauer die Position des Satelliten durch unseren Empfänger bestimmt wird, desto genauer sind die Wetter- und Umweltdaten“, sagt Kurt Kober, Geschäftsführer von Beyond Gravity Austria. Die Wettersatelliten namens GeoXO sollen die Vorhersage von Unwettern sowie die Überwachung von Umwelt- und Klimaphänomenen in der westlichen Hemisphäre deutlich verbessern.

Nicht die erste NASA-Partnerschaft

Beyond Gravity Austria lieferte schon mehrmals Technik für NASA-Satelliten, etwa einen Navigationsempfänger für den 2018 gestarteten NASA-Umweltsatelliten ICESat-2 oder Navigationsempfänger für den 2024 gestarteten Klimaschutzsatelliten PACE inklusive Thermalisolation für ein NASA-Instrument des Satelliten.

Die Wettersatelliten GeoXO (Geostationary Extended Observations) werden in einer geostationären Umlaufbahn über dem Äquator betrieben. In dieser Höhe von rund 36.000 Kilometern bewegen sie sich mit derselben Geschwindigkeit, wie die Erdrotation und können dadurch kontinuierlich dieselbe Region der Erde beobachten.

© zVg – Infografik zu den GeoXO-Wettermissionen.

„Unsere GEORIX-Empfänger bieten selbst in einer Entfernung von 36.000 Kilometern eine Positionsbestimmung mit einer Genauigkeit von weniger als 20 Metern. Damit setzen wir neue Maßstäbe für präzise Echtzeit-Navigation an Bord von Satelliten“, so Kober. Im Jahr 2023 wurde der erste GEORIX-Navigationsempfänger ins All geschickt; er bestimmt die Position des NASA-Klimainstruments TEMPO, das atmosphärische Gase (Ozon, Stickstoffdioxid und Formaldehyd) sowie Aerosole über Nordamerika misst.

Rund 30 Satelliten nutzen Navigationsempfänger von Beyond Gravity

Insgesamt nutzen derzeit etwa 30 Satelliten Navigationsempfänger von Beyond Gravity zur Positionsbestimmung. Die Empfänger kommen bei Satelliten von der niedrigen Erdumlaufbahn (LEO) bis zur geostationären Erdumlaufbahn (GEO) zum Einsatz, also in Entfernungen von etwa 1.000 Kilometern bis 36.000 Kilometern von der Erde. Alle weltraumgestützten Navigationsempfänger werden am österreichischen Standort von Beyond Gravity in Wien entwickelt und produziert.

Die GeoXO-Mission soll Bilder und atmosphärische Messungen der westlichen Hemisphäre der Erde und eine Echtzeit-Erfassung der Blitzaktivität liefern sowie kurzfristige Wettervorhersagen und Warnungen vor Extremwetter und Umweltgefahren unterstützen.

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