24.06.2025
KI-STANDORT

AI Factory Austria: Fahrplan für die nächsten Monate präsentiert

Mit der AI Factory Austria (AI:AT) will Österreich eine zentrale Rolle in der europäischen KI-Landschaft spielen. Das Zentrum der neuen Initiative ist ein Supercomputer, der an der TU Wien gebaut wird. In einer Pressekonferenz am heutigen Dienstag wurde der Fahrplan für die nächsten Monate nun präsentiert.
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Die AI Factory soll ein physischer Hub zur Stärkung des Innovationsstandortes Österreich werden. | Symbolbild, Foto: Adobe Stock

Bereits vor einigen Monaten wurde der Aufbau dieser neuen AI Factory Austria verkündet – im Juli soll das Projekt tatsächlich starten. Brutkasten hat bereits im März darüber berichtet. Der neue KI-Hub soll als One-Stop-Shop, Co-Working-Space und Community-Zentrum dienen und damit Forschung, Wirtschaft und Industrie branchenübergreifend vereinen.

Projekt steht in den Startlöchern

Bereits im Juli beginnt die Startphase – das Projekt befinde sich zu dem Zeitpunkt noch in der „Startup-Phase“ und wolle Mitarbeiter:innen anstellen, so heißt es in der Pressekonferenz. Im Rahmen des AIT-Events „Technology Talks“ gibt es im September ein Kick-off-Event. Erste Services sollen bereits im Oktober zur Verfügung stehen, ein Startup Accelerator folgt im Jänner 2026. Das Angebot umfasst Trainings, Informationen zu gesetzlichen Rahmenbedingungen und konkrete Unterstützung zur Entwicklung vertrauenswürdiger KI. Der Supercomputer soll ab Jänner 2027 betriebsbereit sein.

„Firmen und öffentliche Einrichtungen sollen hier leicht verständliche Informationen und niederschwellige Zugänge zu KI-Lösungen erhalten“, so Andreas Kugi, Scientific Director am AIT am heutigen Dienstag.

Niederschwelliges Angebot für Startups

Das Programm sei vor allem als niederschwellige Lösung für Startups und KMUs gedacht. Anwendungsfelder seien unter anderem im Biotech-Bereich, in der öffentlichen Verwaltung, Physik oder Entwicklung von neuen Werkstoffen, um nur Einige zu nennen. Insgesamt seien die Möglichkeiten aber beinahe grenzenlos, heißt es.

Besonders Startups seien gezielt dazu aufgerufen, sich für die Angebote zu bewerben – dies könne man direkt über die Website tun. Ideen können dann im Zuge des Programmes weiterentwickelt werden – mit Unterstützung von KI-Expert:innen. Auch eine Zusammenarbeit mit internationalen Firmen wie beispielsweise Meta sei vorstellbar.

Kofinanziert von EU und Bund

Für das Vorhaben werden 80 Millionen Euro in die Hand genommen. 40 kommen von der EU; 40 von der Republik Österreich. Das Vorhaben wird von ACA (Advanced Computing Austria) und dem AIT (Austrian Institute of Technology) koordiniert. Die Basis der technischen Infrastruktur bietet der bewährte Vienna Scientific Cluster.

Obwohl die AI Factory Austria ein außeruniversitäres Projekt ist, sind zahlreiche österreichische Unis an dem Projekt beteiligt. Neben AIT und ACA, einer Tochtergesellschaft von TU Wien, Universität Wien und dem Verein HPC Austria, sind die Unis Wien, Innsbruck und Linz, Universität für Bodenkultur (Boku), TU Graz beteiligt. Außerdem mit dabei sind das Institute of Science and Technology Austria (ISTA), die Akademie der Wissenschaften (ÖAW), der Hightech-Inkubator Inits und die EODC Earth Observation Data Centre for Water Resources Monitoring GmbH.

Das Projekt basiert auf drei strategischen Säulen: Ein High-Performance-Computing-Cluster (HPC) – mit angesetzten 50 Millionen Euro ist das der teuerste Teil des Projektes. Die zweite Säule ist der Aufbau moderner Software-Services. Die dritte Säule ist ein AI Factory Hub als physisches Innovations- und Community-Zentrum.

Österreich will wettbewerbsfähiger werden

Ziel der AI Factory Austria sei es KI-Drehscheibe im europaweiten Vergleich zu werden, sagte man in der Pressekonferenz. Doch ein weiterer, noch größerer Schritt am Weg zur Wettbewerbsfähigkeit Europas sind die sogenannten Gigafabriken. Erst kürzlich hat die Stadt Wien verkündet, sich als Standort für eine von fünf AI Gigafactories beworben zu haben (brutkasten berichtete). Für die AI Gigafactory sind fünf Milliarden Euro angesetzt, die zu 65 Prozent aus der Privatwirtschaft und zu 35 Prozent aus öffentlichen Mitteln finanziert werden sollen.

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Stefan Wierzbinski und Michal Lewandowski | (c) Walter Real Estate / Walter Group
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Der Corporate-Venture-Capital-Arm (CVC) WaVe-X der in Wiener Neudorf ansässigen Walter Group, investiert im Rahmen einer Zehn-Millionen-Euro-Finanzierungsrunde in den Berliner Energie- und Sanierungsexperten Fuchs & Eule. Angeführt wurde die Runde von GET Fund als Lead-Investor, daneben beteiligten sich weitere Partner wie PI Impact sowie die Bestandsinvestoren SET Ventures, Picus Capital und Realyze Ventures. Das 2021 gegründete Berliner Startup begleitet Eigentümer:innen von Wohn- und Gewerbeimmobilien durch künstliche Intelligenz und Datenanalysen bei der energetischen Sanierung.

„Ein generationsübergreifender Sanierungs-Superzyklus“

Bei seinen Investments konzentriere sich WaVe-X auf Unternehmen, die sich durch die „Bewältigung komplexer operativer und regulatorischer Herausforderungen nachhaltige Wettbewerbsvorteile erarbeiten“, erklärt Michal Lewandowski, Senior Investment Manager bei WaVe-X, gegenüber brutkasten. Er zeigt sich überzeugt, dass Fuchs & Eule einen „einzigartigen Zugang zu einem riesigen Markt“ biete, der aktuell von einem „generationsübergreifenden Sanierungs-Superzyklus in der DACH-Region“ angetrieben werde.

Forciert durch strenge nationale Vorgaben wie das deutsche Bundes-Klimaschutzgesetz und die EU-Gebäuderichtlinie (EPBD) stünden institutionelle Immobilieneigentümer unter immensem Druck. Dabei würden Objekten mit unzureichenden ESG-Ratings spürbare „Brown Discounts“ und gravierende Bewertungsrisiken drohen, warnt Lewandowski. Dass diese Risiken real sind, zeigen auch aktuelle Marktdaten des Branchenportals reduco.ai: Während energieeffiziente Gebäude der Klasse A zwischen 2021 und 2025 rund 13 Prozent an Wert gewannen, verloren unsanierte Objekte der Klassen G und H im selben Zeitraum rund 12 Prozent an Wert.

„Dieses Investment liegt unserer Muttergesellschaft sehr nahe“

Daraus ergebe sich ein operativer Nutzen für die gesamte Walter Group, erklärt Stefan Wierzbinski, Vorsitzender der Geschäftsführer von Walter Real Estate: „Dieses Investment liegt unserer Muttergesellschaft sehr nahe.“ Die „investmenttaugliche Energy Due Diligence“ von Fuchs & Eule sei für das große Wohnimmobilien-Portfolio von Walter Real Estate von großem Interesse. Die Gesellschaft sei in der Assetklasse Wohnen in Österreich, Deutschland und Dänemark investiert. Das Investment biete einen „skalierbaren Weg, um das Thema ESG-Compliance anzugehen“, die eigenen Assets zu optimieren und den Gebäudewert langfristig abzusichern.

Man habe WaVe-X bereits bei der Evaluierung des Startups mit der eigenen Expertise unterstützt und bestätigt, dass Fuchs & Eule ein „echtes Problem“ löse, mit dem sich auch Walter Real Estate im eigenen Portfolio beschäftige. Diese Partnerschaft sei jedoch „keine Einbahnstraße“, betont Wierzbinski. Neben der internen Nutzung der Plattform werde man das Team bei seiner anstehenden internationalen Expansion aktiv unterstützen: „Wir werden unser Real Estate Netzwerk und unsere Marktpräsenz einbringen, um Fuchs & Eule bei einem erfolgreichen Markteintritt in Österreich zu begleiten.“

Globale VC-Standards und strategischer Wissenstransfer

Auch über diesen Deal hinaus verfolgt WaVe-X große Pläne. Man habe bis heute „13 Investments an der Seite von weltweit führenden Investoren getätigt“ sagt Lewandowski. Dabei konzentriere man sich auf Verticals wie Logistics Tech, Manufacturing Tech, Proptech und Construction Tech. „Unser Mandat ist global; wir haben bereits in ganz Europa und den USA investiert. Unser Gesamtvolumen für Erstinvestments liegt im mittleren zweistelligen Millionenbereich“, so der Investment-Manager. Die initialen Ticketgrößen bewegten sich zwischen 200.000 Euro und zwei Millionen Euro, wobei das Ziel darin bestehe, ein finales Portfolio von rund 20 Unternehmen aufzubauen. Das Portfolio zeige bereits eine starke Dynamik; so habe das Portfoliounternehmen Dexory vor Kurzem erfolgreich seine Series-C-Finanzierungsrunde abgeschlossen.

WaVe-X sei dabei durch die Walter Group mit einem fixen Fondsvolumen ausgestattet. „Wir agieren nach marktüblichen Venture-Capital-Standards und suchen aus Sicht der finanziellen Rendite nach den vielversprechendsten Startups innerhalb des für die Walter Group relevanten Ökosystems“, erklärt Lewandowski. Bei der Konzeption der Struktur habe man gezielt die Best Practices und Setups führender europäischer CVC-Fonds einfließen lassen.

Und man habe weiterhin signifikantes Kapital zur Verfügung, um es in erstklassige Gründerteams in den Fokusbereichen zu investieren – unabhängig von deren geografischem Standort: „Unser Ziel ist es, die disruptiven Technologien zu finanzieren, die diese Branchen nachhaltig prägen.“ Gründer:innen biete man einen „einzigartigen Zugang zum tiefen Netzwerk und der operativen Erfahrung der Walter Group“, während man gleichzeitig modernste Innovationen und wertvolles Know-how aus den Startups zurück in die Gruppe bringe. „Anhand der aktiven Zusammenarbeit mit unserem aktuellen Portfolio sehen wir aus erster Hand, wie gut dieser Wissenstransfer funktioniert und wie sehr die Gründer die Partnerschaft mit der Walter Group schätzen“, so Lewandowski. „Wir werden dieses Modell konsequent weiter ausbauen und weiterhin global investieren.“

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