01.04.2020

Aeroficial Intelligence: Wie ein Grazer Startup mit AI die Luftfahrt effizienter macht

Das Grazer Startup Aeroficial Intelligence hat eine cloudbasierte Plattform entwickelt, die in Echtzeit Flugdaten analysiert und aufzeichnet, um Vorhersagen für unterschiedlichste Zwecke wie Rollzeiten oder Verspätungen zu ermöglichen. Der brutkasten hat mit Gründer Markus Stadlmair über die technologische Entwicklung gesprochen und welche Auswirkungen die Coronakrise für sein Startup hat.
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Aeroficial Intelligence
(c) Aeroficial Intelligence / AdobeStock
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Wer in diesen Tagen der Coronakrise auf Flight-Tracking-Tools wie Flightradar24 schaut, kann klar und deutlich erkennen, dass weltweit immer weniger Flüge stattfinden. Am Montag letzter Woche gab es im europäischen Luftraum laut Eurocontrol nur noch rund 6800 kontrollierte Flüge und damit weniger als ein Viertel eines vergleichbaren Tages im vergangenen Jahr. Keine einfachen Zeiten für die Luftverkehrsbranche.

Eines ist bereits gewiss: Der Kostendruck für Airlines wird auch nach der Krise weiter steigen. Die Devise lautet: Die Luftfahrt-Branche muss künftig noch effizienter werden. Die Lösung hierfür könnten “Performance-driven-decision-making”-Tools bringen, die mit Artificial Intelligence (AI) Prozesse in der Luft und am Boden weiter optimieren.

+++zum Fokus Channel: Artificial Intelligence +++

Grazer Startup Aeroficial Intelligence

An einem derartigen Tool arbeitet derzeit auch das Grazer Startup Aeroficial Intelligence rund um die drei Gründer Markus Stadlmair, Johannes Schuster und Julian Jank. Das Startup wurde 2018 gegründet und hat eine cloudbasierte Plattform entwickelt, die in Echtzeit Flugdaten analysiert und aufzeichnet, um Vorhersagen für unterschiedlichste Zwecke wie Rollzeiten oder Verspätungen zu ermöglichen.

Die Benutzeroberfläche | (c) Aeroficial Intelligence

Probleme erkennen

Wie Aeroficial Intelligence Co-Founder Markus Stadlmair gegenüber dem brutkasten erläutert, zielt die Analytics-Plattform und das sogenannte “Performance Cockpit”-Tool in erster Linie darauf ab, Ineffizienzen im Flughafenbetrieb zu erkennen. Diese können beispielsweise eine zu hohe Runway-Occupancy-Time oder lange Wartezeiten beim Enteisen von Flugzeugen umfassen. Zudem können über KPI-Dashboards maßgeschneiderte Berichte erstellt werden, um in weiterer Folge auf Basis der Daten Verbesserungsmöglichkeiten zu erarbeiten.

Die nötigen Daten

Die Plattform von Aeroficial Intelligence wird mit unterschiedlichsten Daten gefüttert. Dazu zählen auch Daten von ADS-B-Transpondern, die bei den meisten Verkehrsflugzeugen eingebaut sind und durch Antennen am Boden empfangen werden. Stadlmair erläutert, dass sein Startup bei einigen österreichischen Flughäfen bereits Test-Receiver in Betrieb hat, um die ADS-B-Daten zu empfangen.

Die Coronakrise bedeutet allerdings nicht, dass das Startup derzeit die Weiterentwicklung des Produktes komplett einschränken musste. “Natürlich betrifft uns die Coronakrise, allerdings haben wir in den letzten zwei Jahren einen großen Pool an Daten gesammelt und können mit diesen an unserer Software weiterarbeiten, um unseren Kunden nach der Krise in der Wideraufnahme des Flugbetriebs zu unterstützen”, so Stadlmair.

aws Preseed-Förderung und Finanzierungsrunde

Für die Entwicklung des bereits genannten “Performance Cockpit”-Tools hat das Startup eine aws Preseed-Förderung in Anspruch genommen, die im sechsstelligen Bereich lag. Zudem befindet sich das Startup derzeit in der Seed Finanzierungsrunde mit Investoren.

Stadlmair erläutert weiters, dass er gemeinsam mit seinem Team in engen Kundengesprächen mit Airlines, Flughäfen und Flugsicherungen ist. Mit unterschiedlichen Stakeholdern laufen bereits Testphasen, wobei das Produkt auf Grundlage der Kundenanforderungen weiterentwickelt wird. Aufgrund eines Non-Disclosure Agreements dürfen die Testkunden allerdings nicht genannt werden.

Dass die Software von Aeroficial Intelligence international bereits auf Anerkennung stößt, beweist die Auszeichnung mit dem “Galileo Masters Award”. Das Startup wurde im Herbst 2019 sogar zum “Overall Winner” dieses Wettbewerbs gewählt, der innovative Ideen mit Bezug auf Weltraumtechnologie aus ganz Europa auszeichnet.

Die weiteren Pläne

Als nächsten Schritt soll das Tool mit Hilfe von AI in Bezug auf „Vorhersagen“ weiterentwickelt werden. Dadurch soll künftig eine noch effektivere Planung und Ausführung von Prozessen in der Luft sowie am Boden gewährleistet werden. In Zeiten des zunehmenden Kostendrucks für Airlines ein unumgänglicher Lösungsansatz.


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*Disclaimer: Der Artikel ist in Kooperation mit dem Austria Wirtschaftsservice (aws) entstanden.

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Clark Parsons, CEO des European Startup Network | (c) Parsons

Macht es richtig oder macht es gar nicht“ – Mit diesen Worten brachte EU-Inc.-Mitinitiator Andreas Klinger im Vorjahr die Frustration des Startup-Ökosystems auf den Punkt. Begonnen hatte alles im Oktober 2024 mit einer Koalition europäischer Gründer:innen und Investor:innen, deren Petition zehntausende Unterschriften sammelte. Dann kam der Auftritt von Ursula von der Leyen in Davos, im März schließlich der Vorschlag der Kommission – der schon vor seiner Präsentation geleakt wurde und die Szene enttäuschte. In einem offenen Brief warnten EU-INC, Allied for Startups und das European Startup Network vor „27 verschiedenen Geschmacksrichtungen“ der neuen Rechtsform.

In den kommenden Tagen legt das Parlament seinen Bericht vor. Clark Parsons, CEO des European Startup Network, ist seit Beginn Teil dieses Prozesses. Im Interview spricht der ehemalige Gründer und heutige Investor über die 28. Rechtsform, den Widerstand von Gewerkschaften und Notaren – und über eine Chance, die Österreich gerade verschläft.


brutkasten: Warum ist eine EU Inc. so wichtig? Warum konzentriert ihr euch nicht eher auf den Kapitalmarkt oder andere Aspekte?

Der Kapitalmarkt ist die andere Hälfte des Themas, keine Frage. Aber EU Inc. ist aus ein paar Realitäten entstanden. Wir haben in Europa keinen Binnenmarkt für Startups und keinen für Kapital. Wenn Sie ein Tech-Unternehmen gründen, haben Sie 27 Mitgliedstaaten und rund 60 verschiedene Rechtsformen. In Wien mag es genügend Investoren im Ökosystem geben. Aber sind Sie in Bukarest oder Athen, gibt es sehr wenig Kapital. Viele europäische Gründerinnen und Gründer gründen deshalb nie in ihrem Heimatland – manchmal in Estland, manchmal in London, meistens in Delaware. Und die Ironie ist: Selbst Gründer aus Frankreich oder Deutschland gehen nach Delaware.

Warum ausgerechnet Delaware?

Weil es zum De-facto-Standard geworden ist. Jeder kennt es, jeder versteht es, es gibt einen langen Bestand an Rechtsprechung. Wachstumskapital ist in Europa schwer zu bekommen, also gehen Sie früher oder später in die USA – und dort sagen alle Investoren: „Es wäre viel einfacher, wenn du eine Delaware Inc. hättest, in die ich investieren kann, statt deine verrückte GmbH-Struktur verstehen zu müssen.“ Manche amerikanische Investoren kommen nie nach Deutschland, weil sie sich sonst zwei Tage lang beim Notar den Vertrag vorlesen lassen müssten – ein Kabuki-Theater, das außerhalb des deutschsprachigen Raums als verrückt gilt. Also haben Leute wie Andreas Klinger gefragt: Warum schaffen wir nicht etwas, das mit Delaware konkurriert?

Das ist die Idee des 28. Regimes.

Genau. Die Draghi- und die Letta-Berichte haben beide festgestellt: Wir sind nicht wettbewerbsfähig genug, und einer der Hauptgründe ist, dass wir keinen echten Binnenmarkt haben. Wir sind zu fragmentiert, und das schadet uns massiv. Beide griffen eine Idee auf, die Brüssel seit dreißig Jahren das 28. Regime nennt: ein Rechtsrahmen, der europaweit gilt. Sie registrieren einmal, es gibt ein Vehikel, das jeder kennt. Wir haben Roaming fürs Handy, unsere Bürger und Arbeitnehmer überqueren Grenzen problemlos – aber unsere Startups können das nicht. Das ist doch Wahnsinn.

Kritiker sagen, das sei ein Nischenthema. Nur für ein paar reiche Investoren.

Tech ist in Europa in einem Jahrzehnt von vier auf fünfzehn Prozent des BIP gewachsen. Das ist die nächste Ökonomie für Europa. Wenn Sie glauben, wir fallen hinter die USA und China zurück; wenn Sie wollen, dass alte Industrie überlebt, muss sie mit Robotik und KI modernisiert werden. Selbst wenn Ihr Hauptthema der Klimawandel ist: All das lösen Startups und Scaleups. Regierungen lösen das nicht, Gründerinnen und Gründer tun es. Sie schaffen Werte und Arbeitsplätze. Wenn Sie also nicht dafür arbeiten, dass man in Europa gründen und wachsen kann, dann beschweren Sie sich später nicht, dass Ihre Kinder keine Jobs haben. Das ist kein Nischenthema – es ist die Quelle, aus der alles fließt.

Und woran würde man messen, ob EU Inc. funktioniert?

An ziemlich einfachen KPIs. Wie viele EU Incs werden gegründet? Setzen unsere Gründer künftig eine EU Inc. auf statt einer deutschen GmbH oder einer englischen Limited? Aktuell überschreiten nur rund 18 Prozent unseres Investmentkapitals Grenzen. Und einen KPI, an den niemand denkt: Wie viele EU Incs werden von Menschen gegründet, die gar nicht in Europa sitzen? Amerikaner, Inder, Chinesen gründen in Delaware. Warum sollten sie nicht eine EU Inc. gründen – und damit sofort Zugang zu einem Markt von 450 Millionen Menschen haben? Für Beitrittskandidaten wie die Ukraine oder Montenegro, aber auch für die Schweiz, Norwegen oder das Vereinigte Königreich könnte das die Speerspitze wirtschaftlicher Integration sein.

Welche Rolle könnte Österreich dabei spielen?

Österreich hat sich lange als Westeuropas Tor nach Osteuropa verstanden. Das muss nicht verschwinden – im Gegenteil, es lässt sich mit einer EU Inc. stärken. Bislang war es vielleicht einfacher, in Wien Anwälte und Notare zu haben, die wissen, wie man am Balkan operiert. Wenn eine EU Inc. automatischen Zugang zu diesen Gründern gibt, könnt ihr euch als Tor nach Osteuropa neu erfinden. Wenn ein Wiener VC plötzlich leicht in ein Bukarester Team investieren kann, ohne einen Anwalt für 50.000 Euro zu bezahlen, der das rumänische System erklärt, dann nehmen wir enorm viel Reibung heraus. In Wien gibt es mehr Kapital als in vielen dieser Städte, direkte Flüge, juristische Kompetenz. Das ist eine echte Chance – und keine, über die man ein Märchen erzählen müsste.

Die Gewerkschaften fürchten, EU Inc. höhle Arbeitsrechte aus.

Das hat mit der Realität wenig zu tun. Es ist eine optionale Rechtsform – keine bestehende Form verschwindet. Und das Arbeitsrecht ist hier gar nicht drin: Stelle ich einen Deutschen an, gilt deutsches Arbeitsrecht, mit Kündigungsschutz und ab einer bestimmten Zahl mit Betriebsrat – immer dort, wo der Beschäftigte sitzt und arbeitet. Niemand wird betrogen. Man hatte Angst, ein Wirt in Tirol zahle dem Koch dann kein Gehalt, sondern nur Anteile. Ich dachte, es gibt einen Mindestlohn. Wenn Sie wollen, schreiben wir hinein, dass Mindestlohngesetze weiter gelten – kein Problem. Was mich wirklich verblüfft, ist der Kampf gegen Mitarbeiterbeteiligung. Karl Marx wollte, dass die Arbeiter die Produktionsmittel besitzen – und wir müssen hart darum kämpfen, die Beschäftigten zu bereichern.

Und die Notare, die auf Rechtssicherheit pochen?

Viele Mitgliedstaaten kommen ohne Notare im Prozess bestens zurecht. Niemand behauptet, estnischen Startups fehle Rechtssicherheit, obwohl man dort in zehn Minuten online gründet. Wir schaffen ja Kontrollen nicht ab – Artikel 14 erlaubt die Prüfung durch ein Gericht, eine zuständige Behörde oder einen Notar. Wir streichen nur den verpflichtenden Kanal, nicht die Kontrolle. Dass rigorose KYC- und Geldwäscheprüfungen online funktionieren, hat Wien mit Bitpanda längst gezeigt.

Gibt es einen Anreiz, die Notare an Bord zu holen?

Absolut. Staaten können Prüffunktionen delegieren – für den TÜV gehe ich zur DEKRA, nicht zur Stadt. Wenn österreichische oder deutsche Notare zu ihren Regierungen gingen und sagten: „Macht uns zum Teil dieser Zertifizierung innerhalb von zwei Werktagen“ – man würde sie mit offenen Armen empfangen. Sie könnten eine großartige Cottage-Industrie aufbauen, die Brücke zum Bankkonto oder zur Steuernummer sein. Ein österreichischer Notar könnte nach Dubai fliegen und sagen: „Gründet eine EU Inc., kommt nach Österreich, wir machen den One-Stop-Shop.“ Sonst übernehmen Stripe Atlas, Qonto und die Neobanks das Geschäft. Ich habe bloß noch keine einzige Idee der Notare gesehen, wie sie Teil der Lösung sein wollen. Sie sollten, ich wage es zu sagen, ein bisschen wie Startups denken.

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Aeroficial Intelligence: Wie ein Grazer Startup mit AI die Luftfahrt effizienter macht

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