14.01.2022

aer: Steirisches Startup möchte Einwegplastik bei Haushalts- und Körperpflege-Produkten den Kampf ansagen

Das im steirischen Lannach ansässige Startup aer rund um Gründer Michael Barteinstein hat wiederbefüllbare Reiniger und Handseife entwickelt und auf den Markt gebracht. Das Besondere: Durch wasserlösliche Pulvermischungen werden zudem Gewicht und 95 Prozent CO2 beim Transport eingespart.
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In Österreich verursachen die Produktion und Verbrennung von tausenden Tonnen Plastik jährlich rund vier Millionen Tonnen CO2. Das entspricht laut einer Analyse der Umweltschutzorganisation Greenpeace etwa dem Anderthalbfachen des Flugverkehrs. Ein Viertel der Emissionen entsteht durch Plastikverpackungen, die meist nur wenige Tage oder Wochen verwendet werden. Auch im Bereich der Haushalts- und Körperpflege fallen Unmengen an Plastikverpackung an. In der Regel werden Reinigungsmittel & Co noch immer in Einwegplastikverpackungen vertrieben.

aer wählt disruptiven Ansatz

Um Einwegplastikverpackungen bei Haushalts- und Körperpflege den Kampf anzusagen, verfolgt das steirische Startup aer rund um den österreichischen Gründer Michael Bartenstein einen völlig neuen Ansatz. Im Gegensatz zu konventionellen Produkten setzt das Startup auf wasserlösliche Pulvermischungen, die von den Endverbrauchern selbst in wiederverwendbaren Behältern zu Hause mit Wasser vermischt werden. Dadurch sollen nicht nur Einwegplastik, sondern auch CO2-Emissionen im Transport eingespart werden. Aktuell hat das Startup einen Bad, Küchen- und Glasreiniger sowie eine Handseife im Programm.

„Wir versenden nur wenige Gramm Pulver im Vergleich zu Kilos an Flüssigkeiten für bestehende, vorgefüllte Haushalts- und Körperpflegeprodukte. Dies führt zu 95 Prozent weniger CO2-Emissionen pro Sendung, die wir machen“, so Bartenstein über den ökologischen Impact von aer. Zudem verzichtet das Startup laut eigenen Angaben auf „schädliche Chemikalien und Tierversuche“. Sogar die Verpackung der Pulver-Sachets ist laut Bartenstein kompostierbar.

Entwicklung und Unternehmensgründung

Die Idee zu „aer“ kam Bartenstein – er ist Sohn des österreichischen Industriellen und ehemaligen Wirtschaftsminister Martin Bartenstein – im Zuge eines USA-Aufenthalts. Am US-amerikanischen Markt existieren bereits seit einigen Jahren ähnliche Konzepte, die den Gründer aufgrund der mangelnden Qualität damals allerdings nicht überzeugten. Zurück in Österreich und angetrieben ein Produkt auf den Markt zu bringen, das den hohen europäischen Konsumenten-Standards entspricht, tüftelte er gemeinsam mit einem Chemiker an einer Lösung.

2019 erfolgte schlussendlich die Unternehmensgründung der aer GmbH und mit Tobias Lehner kam nicht nur ein weiterer Mitstreiter, sondern auch CEO mit an Bord. Wie Barteinstein gegenüber dem brutkasten erläutert, agiere die aer Gmbh unabhängig der Barteinstein Holding, die zahlreiche Beteiligungen an Pharmafirmen hält. Die Firma sei laut Bartenstein aktuell aus eigenen Mitteln finanziert, wobei bislang ein niedriger sechsstelliger Betrag in die Entwicklung und Aufbau der Marke investiert wurde.

Als einen der größten USPs von aer definiert Bartenstein, dass die Pulvermischungen inhouse entwickelt und produziert werden. Dies verschaffe nicht nur Unabhängigkeit gegenüber externen Produzenten, sondern gewährleiste auch die nötige Qualitätskontrolle. Schlussendlich gilt es Produkte auf den Markt zu bringen, die nicht nur nachhaltig sind, sondern auch den Kundennutzen erfüllen.

Der Vertrieb & Aufbau der Marke

Wie Bartenstein weiters erläutert, vertreibt seine Firma die Produkte sowohl im B2B-Bereich über Händler als auch im B2C-Bereich direkt über den eigenen Webshop. Die Konfektionierung und der anschließende Versand erfolgt dabei im steirischen Lannach. Zudem befindet sich das Startup aktuell in Gesprächen mit größeren Drogerieketten und Lebensmitteleinzelhändlern.

Aktuell werden 90 Prozent des Umsatzes im B2B-Bereich erzielt und zehn Prozent im Direct-to-Consumer-Segment. Bis Ende 2022 soll dieses Verhältnis 50 zu 50 betragen. „Unser Ziel ist es, bis Ende des Jahres über das Online-Geschäft einen sechsstelligen Betrag zu erwirtschaften“, so Bartenstein.

Das weitere Wachstum möchte aer in erster Linie über den eigenen Cashflow erwirtschaften, ein VC-Investment für anorganisches Wachstum seht aktuell nicht im Raum. Als nächste große Herausforderung für 2022 sieht Bartenstein eine attraktive Direct-to-Consumer-Brand aufzubauen und die Sichtbarkeit der Marke zu erhöhen.


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kalkül
© kalkül - Michael Leister (links) und Lukas Weilguny (rechts) von kalkül.

Entstanden ist kalkül aus einem eigenen Problem. Lukas Weilguny und Michael Leister entwickeln als Selbstständige seit 2017 Software für Unternehmen. Als ihr damals genutztes Rechnungsprogramm nach einer Übernahme spürbar schlechter wurde, sahen sie sich nach Alternativen um und testeten mehr als zehn Buchhaltungsprogramme.

„Wir haben kein einziges gefunden, das wirklich einfach und gleichzeitig auf Österreich zugeschnitten war. Buchhaltung ist der langweiligste Teil im Alltag von Selbstständigen. Niemand will stundenlang eine Software lernen, nur um die erste Rechnung zu schreiben. Genau das ändern wir“, erinnert sich Leister.

kalkül: von 1.000 auf 10.000 Nutzer:innen

Also schufen sie 2023 eine eigene Lösung: Ihre Software, die von der we-dev e.U. betrieben wird, dient der Erstellung von Angeboten und Rechnungen, führt die Einnahmen-Ausgaben-Rechnung mit und deckt Mahnwesen und Zahlungsabgleich ab. Laut Unternehmen ist sie auf die österreichischen Steuervorgaben abgestimmt.

Im November 2024 zählte kalkül 1.000 Nutzer:innen, im Februar 2026 waren es 5.000. Seither hat sich die Zahl innerhalb von sieben Monaten noch einmal verdoppelt. Treibende Kraft hinter dem organischen Wachstum waren den Gründern zufolge persönliche Empfehlungen und die Sichtbarkeit in Suchmaschinen. Bezahlte Werbeanzeigen testen die Gründer erst seit Kurzem. Das Unternehmen ist eigenfinanziert und hat bis heute keine externe Finanzierung aufgenommen.

Allgemein wird der Markt für Rechnungssoftware im deutschsprachigen Raum von deutschen Anbietern dominiert. Österreich werde dort meist nur als kleines Nischenland mitgedacht. Besonderheiten wie Kleinunternehmerregelung, Einnahmen-Ausgaben-Rechnung, BAO-Aufbewahrungspflichten oder Verzugszinsen nach österreichischem Recht werden oft nur oberflächlich abgedeckt, sagen die Founder. Kalkül sei hingegen exakt für diesen Markt gebaut, inklusive Rechnern für Einkommensteuer, SVS-Beiträge, Gewinnfreibetrag und Abschreibungen.

Freemium-Modell

Um Selbstständige gerade zu Beginn zu entlasten, setzt kalkül auf ein Freemium-Modell: Kernfunktionen wie Angebote, Rechnungen, Mahnwesen und die Einnahmen-Ausgaben-Rechnung sind ohne Limits dauerhaft kostenlos. Ein Abo indes schaltet Zusatzfunktionen wie den automatischen Bankabgleich mit über 2.600 Banken frei. Der überwiegende Teil der 10.000 Nutzer:innen verwendet die Gratisversion, wie man mitteilt.

„Als wir das Abo eingeführt haben, gab es dafür wochenlang praktisch keine exklusiven Funktionen. Trotzdem haben Leute bezahlt, einfach um die Entwicklung zu unterstützen. Das war für uns das ehrlichste Feedback, das wir bekommen konnten“, sagt Weilguny.

Integrierte Registrierkassenlösung als nächster Schritt

Als nächsten großen Schritt kündigen die Gründer eine integrierte Registrierkassenlösung an. Parallel baut kalkül die Zusammenarbeit mit Steuerberatern aus: Enger Partner ist die Linzer Kanzlei Raml & Partner, die zwölffach als „Steuerberater des Jahres“ (in der Kategorie „Allrounder Oberösterreich“) ausgezeichnet wurde. Weitere Kooperationen sind geplant. Mittelfristig soll außerdem eine KI-gestützte Belegerkennung Ausgaben automatisch auslesen und kategorisieren.

Welche Funktionen zuerst kommen, entscheidet – laut Foundern – weitgehend die Community: Je häufiger ein Feature angefragt wird, desto weiter rückt es nach vorn. „Wir wollen das einfachste Rechnungsprogramm für Selbstständige in Österreich sein“, sagt Leister. „Mit 10.000 Nutzern sind wir ein gutes Stück weiter, aber bei 376.112 Ein-Personen-Unternehmen im Land haben wir noch viel vor uns.“

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