16.10.2025
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Klosterneuburger Startup LifeTaq gewinnt ACR Startup Preis 2025

Das Biotech-Startup LifeTaq aus Klosterneuburg und das Forschungsinstitut OFI entwickeln eine roboterbasierte Maschine, die Tierversuche in der Arzneimittelentwicklung überflüssig machen könnte. Bei der ACR-Enquete 2025 wurden sie dafür mit dem ACR Startup Preis ausgezeichnet – ein Erfolg, der zeigt, wie angewandte Forschung und Entrepreneurship zusammenwirken.
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Foto: ACR/APA Fotoservice/Leitner

Wie können Forschung und Wirtschaft gemeinsam dazu beitragen, Österreichs Innovationskraft zu stärken? Diese Frage stand im Zentrum der ACR-Enquete 2025, die am 15. Oktober in Wien stattfand. Rund 120 Gäste aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik waren gekommen, um die diesjährigen ACR-Awards zu feiern – von den Innovationspreisen über den Woman Award bis hin zum ACR Startup Preis, der heuer an ein Projekt ging, das Tierversuche künftig weitgehend ersetzen könnte.

Roboter statt Tierversuche

Ausgezeichnet wurden mit dem diesjährigen ACR Startup Preis die LifeTaq-Analytics GmbH aus Klosterneuburg und das Österreichische Forschungsinstitut für Chemie und Technik (OFI) für die Entwicklung einer roboterbasierten Maschine zur automatisierten Herstellung von 3D-Gewebemodellen. Die kompakte All-in-one-Lösung ermöglicht es, menschliche Gewebe unter kontrollierten und reproduzierbaren Bedingungen zu kultivieren – und schafft damit eine ethisch wie technologisch überlegene Alternative zu Tierversuchen.

Im Rahmen des Forschungsprojekts „AutoMTP – Automated Mass Tissue Production“, gefördert im „Austrian Life Sciences Programme“, wurde die Technologie in Kooperation mit Industrie- und Forschungspartnern entwickelt und für den Markteintritt vorbereitet. Die Maschine kann vollautomatisch menschliche Gewebemodelle herstellen, die Tierversuche in der präklinischen Forschung ersetzen sollen.

Kooperation mit dem OFI

Das OFI, eines der Institute im Netzwerk der Austrian Cooperative Research (ACR), unterstützte das Startup bei der Validierung der entwickelten Modelle. In mehrstufigen Tests verglichen die OFI-Forscher:innen die automatisiert hergestellten Gewebe mit kommerziell verfügbaren und manuell erzeugten Alternativen – mit überzeugenden Ergebnissen.

Manfred Taschner (LifeTaq) und Sanja Savic (OFI) | Foto: ACR/APA Fotoservice/Leitner

„Die Zusammenarbeit mit dem OFI war für uns entscheidend, um die Modelle nach internationalen Standards zu überprüfen und ihre Praxistauglichkeit zu belegen“, sagt Manfred Taschner, Geschäftsführer von LifeTaq, gegenüber brutkasten.

Mit dem Projekt adressieren LifeTaq und das OFI zentrale Herausforderungen der Arzneimittelentwicklung. Rund 90 Prozent aller Wirkstoffe scheitern in der klinischen Phase – mit enormen Kosten und Ressourcenverlusten. Humanbasierte Gewebemodelle wie jene von LifeTaq könnten künftig helfen, ungeeignete Substanzen schon früh zu erkennen und so Zeit, Kosten und Tierversuche zu sparen.

Forschung mit Wirkung

Seit 70 Jahren unterstützt die ACR kleine und mittlere Unternehmen bei Forschung und Entwicklung – als Brücke zwischen Wissenschaft und Wirtschaft. Das Netzwerk umfasst spezialisierte Institute, die KMU bei der Umsetzung innovativer Projekte begleiten und so anwendungsorientierte Forschung fördern.

Sektionschef im BMWET Florian Frauscher, ACR-Präsidentin Iris Filzwieser und WKO-Vizepräsidentin Angelika Sery-Froschauer im Eröffnungsgespräch mit Moderatorin Kristina Inhof | Foto: ACR/APA Fotoservice/Leitner

ACR-Präsidentin Iris Filzwieser betonte in ihrer Rede, wie wichtig es ist, den Mittelstand stärker in die Innovationslandschaft einzubinden: „KMU sind das Rückgrat unserer Wirtschaft. Nur wenn wir die richtigen Rahmenbedingungen schaffen, um sie an ihr volles Innovationspotenzial heranzuführen, wird sich Österreich als Wirtschaftsstandort behaupten können.“

Die Auszeichnung für LifeTaq und OFI steht damit exemplarisch für die Stärke dieser Kooperationen – praxisnah, innovationsgetrieben und mit hoher gesellschaftlicher Relevanz.

Weitere Preisträger:innen

Neben dem ACR Startup Preis wurden im Rahmen der Enquete auch der ACR Woman Award und drei Innovationspreise vergeben. Der Woman Award, powered by FFG, ging an Michéle Brugger-Hatzl vom Zentrum für Elektronenmikroskopie Graz, die mit neuen Mikroskopie-Methoden bisher unerschlossene Nanostrukturen sichtbar machte.

Preisträgerinnen und Preisträger der ACR Awards 2025 | Foto: ACR/APA Fotoservice/Leitner

Einen der ACR-Innovationspreise erhielten FreyZein FlexCo und V-Research für ihr Projekt TerraTech, das auf vollständig kreislauffähige Outdoor-Textilien auf Zellulose-Basis abzielt. Weitere Auszeichnungen gingen an die Klosterquell Hofer GmbH und das OFI für eine standardisierbare Methode zur Charakterisierung von Mikroplastik in Lebensmitteln sowie an das Österreichische Gießerei-Institut für die Digitalisierungsoffensive DiGiPro.

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DiLT Analytics
© DiLT Analytics

DiLT Analytics hat eine siebenstellige Finanzierungsrunde abgeschlossen. Sie setzt sich aus einem Equity-Investment von Noctua Science Ventures und einer Förderung der Austria Wirtschaftsservice (aws) im Rahmen des Programms Seedfinancing – Deep Tech zusammen. Mit dem Geld möchte das 2021 gegründete Spinoff der TU Graz sein Team ausbauen und FaciliMind, seine Software zur automatisierten Fehlerdiagnose in Heizungs-, Lüftungs- und Klimaanlagen, zu weiteren Betreibern großer Gebäudeportfolios bringen

DiLT Analytics: „Substanziell wachsen“

Noctua Science Ventures ist ein Wiener Deep-Tech-Fonds und ein Joint Venture von Speedinvest und den Technischen Universitäten Österreichs. Der Fonds investiert gezielt in Ausgründungen, deren Produkt auf langjähriger Forschung beruht.

„Die aws-Förderung ergänzt das Investment und ist auf genau diese Phase zugeschnitten: den Schritt von einer erprobten Technologie zu einem Produkt, das sich über viele Standorte hinweg ausrollen lässt“, heißt es per Aussendung. Um im Sinne des Programms aws Seedfinancing – Deep Tech als Deep Tech zu gelten, muss das Vorhaben auf einer „anspruchsvollen technologischen und wissenschaftlichen Herausforderung“ basieren und einen klaren Technologiesprung gegenüber bestehenden Lösungen oder rein inkrementellen Weiterentwicklungen ermöglichen.

„Mit Noctua Science Ventures haben wir einen Partner gefunden, der beides kennt: die technischen Herausforderungen eines Deep-Tech-Produkts und den Weg in die Kommerzialisierung. Für ein junges Spinoff ist das der Best Case. Dass parallel auch die aws-Förderung zugesagt wurde, bestätigt uns, dass FaciliMind und unser Team auf dem richtigen Weg sind. Jetzt geht es darum, substanziell zu wachsen“, sagt Theresa Kohl, CEO von DiLT Analytics.

Philipp Stangl, Managing Director von Noctua Science Ventures, ergänzt: „Von unseren vielen Gesprächspartnern erhielten wir ein sehr einheitliches Bild zu DiLT: ein glaubwürdiger, technisch differenzierter Ansatz, umgesetzt von einem Team, mit dem Immobilienprofis gerne zusammenarbeiten. Genau diese Kombination aus Forschungsvorsprung und starker Kundenorientierung ist es, wonach wir in der Pre-Seed-Phase suchen.“

2021 gegründet

DiLT Analytics wurde Ende 2021 von Franz Wotawa und Gerald Schweiger als Spinoff des Instituts für Softwaretechnologie der TU Graz gegründet und ging aus der Forschungsgruppe „Intelligent Systems“ hervor. Erstes größeres Projekt war „Inframonitor“, eine herstellerunabhängige IoT-Datenplattform für den Campus Inffeldgasse der TU Graz.

Seither ist DiLT an mehr als 20 Forschungsprojekten mit über 15 Partnern beteiligt, einige davon FFG-gefördert und gemeinsam mit österreichischen und europäischen Universitäten. Die Ergebnisse fließen über den Forschungszweig DiLT Research direkt in die Produktentwicklung. Geführt wird das Unternehmen heute von Theresa Kohl (CEO), Christopher Gray (Business Development & Strategy), Thomas Hirsch (CTO), Reinhard Pertschy (CPO) und Thomas Schwengler (Head of Software).

Die entwickelte Software FaciliMind analysiert Betriebsdaten von Heizungs-, Lüftungs- und Klimaanlagen, erkennt dabei versteckte Fehler und Optimierungspotenziale und liefert Technikteams eine nach Dringlichkeit sortierte Maßnahmenliste, so der Claim. Die Software von DiLT Analytics arbeitet herstellerunabhängig und lässt sich über ein einzelnes Gerät an die bestehende Gebäudeleittechnik anbinden. Dank eines knowledgegraphbasierten Softwarestacks soll sie das digitale Abbild komplexer Anlagen weitgehend automatisiert innerhalb weniger Tage statt monatelanger Handarbeit erstellen können. Zielgruppe sind Betreiber großer Gebäudeportfolios, etwa in der öffentlichen Hand, an Flughäfen sowie in Industrie und Gesundheitswesen.

DiLT Analytics erhielt Preise

Zu den Kunden zählen u.a. die Technischen Universitäten Graz und Wien, Bundesimmobiliengesellschaft (BIG), IG Immobilien Management GmbH und Industriekunden. 2025 wurde DiLT Analytics mit dem DREA Award und dem ÖGUT Umweltpreis ausgezeichnet. Und ist seit September 2026 nach ISO 27001 zertifiziert.

„Wissen über Anlagenbetrieb soll im Unternehmen bleiben“

Neben der Verstärkung des Teams und dem geplanten Rollout möchte DiLT Analytics künftig ein Übersetzungswerkzeug für den BACtwin-Standard als Open Source veröffentlichen und die Diagnose künftig auf weitere Technologien wie Wärmepumpen, Photovoltaik und Batteriespeicher ausweiten

„Ein Gebäudeportfolio überdauert seine Dienstleister und oft auch seine erfahrensten Mitarbeitenden“, sagt Kohl. „Unser Ziel ist, dass das Wissen über den Anlagenbetrieb im Unternehmen bleibt und dass Entscheidungen auf verifizierter Datengrundlage statt auf Bauchgefühl und Erinnerung beruhen.“

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