25.04.2019

Adam: Wiener Startup Acquedus will Controlling für Startups erleichtern

Startup-Portrait. Gründer Bernhard Frühlinger möchte mit seinem Startup Acquedus Controlling für KMU und Startups zugänglich und leistbar machen. Im Gespräch mit dem brutkasten erzählt der Founder vom Service "Adam", von den Problemen bei der Kundenakquise und warum der Begriff "Overhead" manchem Entrepreneur über den Kopf wächst.
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Adam, Acquedus, Controlling, Bernhard Frühlinger,Christian Löw, Christoph Haselmann
(c) Acquedus - Christian Löw, Bernhard Frühlinger und Christoph Haselmann möchten KMUs und Startups beim Controlling unter die Arme greifen.

Bernhard Frühlinger und sein Co-Founder Christian Löw haben in ihren früheren Jobs als Managementberater Finanzsysteme für Großunternehmen aufgebaut und dabei den Mehrwert von Controlling für Unternehmen erkannt. Eine Sache beschäftigte die Beiden dabei besonders. „Wir haben gemerkt, wie viel Aufwand in den sogenannten ‚Overhead‘ (Anm.: Buchhaltung, Faktura, Einkauf) fließt und wie wenig wertvolle Informationen zurückkommen“. Nicht zuletzt deswegen haben beide 2018 Adam entwickelt, um „modernes Controlling für KMUs und Startups effektiv nutzbar machen“, wie sie erklären.

+++ Marketingcontrolling: “Die meisten KPIs sind Kennzahlen-Wüsten” +++

Vergessen, warum man Unternehmer wurde

„Wir haben gesehen, wie Unternehmer zu Verwaltern wurden. Gelähmt und überfordert vom ‚Overhead‘ haben sie häufig vergessen, warum sie eigentliche Unternehmer geworden sind“, sagt Frühlinger. Mit Adam möchte es der Gründer nun Unternehmern erleichtern, sich auf die wichtigsten Kennzahlen für ihr Unternehmen zu konzentrieren.

„Wir geben ihnen gleichzeitig im regelmäßigen persönlichen Austausch mit ihrem Adam-Sparringspartner mehr Sicherheit für Entscheidungen“, so Frühlinger weiter. „Ein solcher Service war bisher nur Großunternehmen vorbehalten, weil Kleinunternehmen und Startups oft nicht die Mittel für eigenes Controlling haben“.

Hohes Honorar, aber wenig proaktive Hilfe

Dem Acquedus-Team (die Founder und Software-Experte Christoph Haselmann) ist es besonders wichtig darauf hinzuweisen, dass ihr Service zu einem monatlichen Fixpreis und ohne versteckte Kosten oder überraschende Honorarnoten verfügbar ist. „Besonders erschreckt hat uns auch, dass externe Dienstleister gesalzene Honorare abrufen, aber selten proaktiv helfen. Wir bieten unseren Kunden ein monatliches Abomodell in unterschiedlichen Ausbaustufen mit fixen Preisen für das regelmäßige ‚Reporting und Controlling‘ ab 39 Euro pro Monat. Für Spezialthemen, wie Planung oder ‚Product Costing‘, gibt es noch individuelle Zusatzpakete“, erklärt Frühlinger.

Probleme bei der Kundenakquise

Dabei muss Acquedus natürlich auch selbst mit typischen Startup-Herausforderungen zurechtkommen. Die Kundenakquise war besonders zu Beginn nicht immer einfach, wie Frühlinger ausführt: „Die größte Hürde war sicherlich die Marktansprache und zwar in dem Sinn, den Mehrwert unseres Services potenziellen Kunden verständlich zu machen. So seltsam das klingt, es hat einige Zeit gedauert, bis wir den Mehrwert präzise artikulieren konnten. Wir verkaufen schließlich keine Uhren oder Fernseher, sondern mit Adam einen Service, für den man den Nutzen häufig exakt für das jeweilige Kundenproblem darstellen muss. Sonst ist man gleich uninteressant. Das Repertoire dafür mussten wir uns erst aufbauen und lernen dabei täglich dazu“.

Drei Marketingschienen um Adam bekannter zu machen

Hinsichtlich Marketing verfolgt das Startup drei Schienen, um die Bekanntheit zu steigern. „Wir gehen aktiv Partnerschaften mit Steuerberatungen ein, über die wir unsere Services als Ergänzung zu deren Leistungsportfolio vermarkten. Steuerberatungen haben ein vertrautes Verhältnis zu ihren Klienten, da können wir mit unserem Controlling-Service sehr gut andocken“, erklärt Frühlinger.

Zusätzlich veranstaltet Acquedus für Interessenten auch kostenfreie und individuelle Mini-Workshops, in denen sie Teilnehmern die Potenziale für Controlling aufzeigen. „Schließlich ist das Thema geschäftsmodellspezifisch und muss nicht für alle passen. Außerdem bieten wir einen kostenfreien Testmonat an, um Adam kennenzulernen“, so der Gründer weiter. „Und für dieses Jahr planen wir explizit für Startups unsere Services über Partnerschaften mit Gründerzentren und Förderstellen zu vermarkten“.

„Probleme für jede Lösung“

Die bisherige Reise im Unternehmertum bezeichnet der Founder als turbulent. „Vieles ist neu und unbekannt und die Amplitude war sehr hoch. Daher ist unser wichtigstes Learning, dass wir als Team aufeinander aufpassen und uns immer aufeinander verlassen können müssen. Während konstruktive Kritik essentiell ist, sind manche Menschen per se negativ eingestellt. Wir halten es da aber mit Albert Einstein, der sagte, ‚halte dich von negativen Menschen fern. Sie haben ein Problem für jede Lösung‘. Für Zweifel und Differenzen, besonders untereinander, ist kein Platz.“, betont Frühlinger.

Investment erst bei vernünftiger Skalierung

Acquedus ist bisher bewusst eigenfinanzert und verfügt über einen strategischen Technologiepartner für Produktentwicklung, Betrieb und Mentoring: „Wir sind der Überzeugung, dass ein größeres Investment in unserem Segment erst dann Sinn macht, wenn das Geschäftsmodell soweit fundiert und erprobt ist, dass es vernünftig skaliert werden kann. Diesen Zustand planen wir Ende 2019 zu erreichen“, so der Founder.

Service-Ausbau und Zeitersparnis

Neben diesem Ziel gibt es noch weitere Meilensteine, die das Startup mit Adam erreichen möchte. Darunter Controlling-Service-Ausbau und die Integration weiterer Finanzprozesse, wie Finanzbuchhaltung und Cash-Management. „Damit können wir eine integrierte Financial-Management-Lösung anbieten, unseren Kunden Zeit in der Verwaltung abnehmen und noch aktuellere Informationen liefern. Wir wollen dabei nicht alles selbst bauen, sondern planen die Lösungen von anderen innovativen Unternehmen in diesen Bereichen mit unserer Lösung zu integrieren“, erklärt Frühlinger sein Vorhaben.

Langfristig möchte der Entrepreneur Adam als führenden digitalen Manager implementieren. „Wir wollen schließlich Unternehmer mit dem besten betriebswirtschaftlichen Rundum-Service versorgen, damit sie ihre Energie auf die Gestaltung ihres Unternehmens fokussieren können. Wir verstehen uns als Orientierungsgeber für Unternehmer und schaffen mit Adam Zeit und Wegweiser für die Erreichung ihrer Ziele“, so Frühlinger.

Stilblüten der Verwaltung in Österreich „zum Kopfschütteln“

Das heimische Startup-Ecosystem beurteilt der Gründer tendenziell positiv. „Österreich als Gründerland ist definitiv die richtige Entscheidung gewesen, auch wenn manche Stilblüten der Verwaltung zum Kopfschütteln sind. Aber wir beschweren uns nicht. Österreich hat viele großartige KMUs mit innovativen Produkten und gerade Wien hat eine immer lebendigere Startup-Szene und das Potenzial, Europas Startup-Hauptstadt zu werden. Dafür müssen wir aber gemeinsam noch die Rahmenbedingungen verbessern. Institutionen wie AustrianStartups leisten dabei großartige Arbeit“, meint Frühlinger.

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Die Gründer Rafael Schwarz und Philipp Linsbichler vor einem Sammelmodul | © Social Cycle

Jeder kennt es: Der Softdrink ist getrunken und übrig bleibt nur die leere Plastikflasche. Was soll man mit ihr machen? Wegwerfen und so Pfandsammlern die Arbeit erschweren oder doch bis zum nächsten Supermarkt gehen und dort die Flasche ordnungsgemäß retournieren? Genau diesem Problem nehmen sich die beiden Gründer von Social Cycle, Rafael Schwarz und Philipp Linsbichler, an. Sie haben ein System zum Pfandsammeln entwickelt, das herkömmliche Pfandringe ersetzen soll. Laut den Gründern ist es u.a. flexibler einsetzbar, sauberer und billiger.

Sammeln mit einer Röhre

Social Cycle setzt auf eine röhrenartige Konstruktion, in die leere Flaschen und Dosen gesteckt werden können. Ihr Sammelsystem ist wesentlich günstiger als herkömmliche Pfandringe. „Unser System kostet zwischen 79 und 99 Euro. Die Pfandringe kosten alleine in der Produktion schon 300 Euro, mit genau der gleichen Kapazität an Flaschen. Außerdem spart man sich die Montage“, sagt der Unternehmensberater. Die Sammelkonstruktionen von Social Cycle werden nämlich nur mit Schellen fixiert, was für zusätzliche Flexibilität sorge. „Du kannst dann einfach die Module z.B. vom Bahnhof abmontieren und dann bei einem Fest montieren“, erklärt Schwarz.

Zudem sei die Reinigung wesentlich einfacher als bei allen anderen Systemen am Markt. Weiters passen die Module laut dem Co-Founder besser ins Stadtbild als bisherige Sammelsysteme. „Wir haben auch das Feedback bekommen, dass es einfach viel besser im öffentlichen Raum ausschaut, was natürlich eins der größten Probleme bei den Pfandringen ist“, erklärt Schwarz.

So sehen die Sammelmodule von Social Cycle aus. | © Social Cycle

Wien als nächstes Ziel

Social Cycle ist bereits an über 150 Standorten in Österreich und Deutschland vertreten, unter anderem in Bregenz, Steyr und Kahl am Main. Nur in Wien fehlen noch jegliche Pfandsammelsysteme. Auf brutkasten-Anfrage erklärt das Büro des Wiener Klimastadtrats Jürgen Czernohorszky (SPÖ), dass Pfandsammelsysteme auch zur „Ablagerung sonstiger Abfälle“ verwendet würden, was zu höheren Reinigungskosten führe.

„Dabei haben wir eben unser System genau so entwickelt, dass es dieses Problem nicht gibt“, erklärt Schwarz. Ab September gebe es erneut Gespräche mit der SPÖ, den NEOS und den Grünen. Der 25-Jährige ergänzt: „Wir rechnen zu 100 Prozent mit einem positiven Ausgang. Wir sind wirklich überzeugt, dass es einfach eine perfekte Lösung auch für Wien ist.“

Dem Büro des Klimastadtrats sind Gespräche im Herbst nicht bekannt. Es erklärt, dass das Einwegpfand u. a. das Ziel verfolge, Getränkeverpackungen in den Recyclingkreislauf zurückzuführen. „Die Einführung von Pfandsammelbehältnissen würde diesem Grundgedanken entgegenstehen, da dadurch ein Anreiz entstehen kann, Pfandgebinde bewusst im öffentlichen Raum zurückzulassen und deren Rückführung auf Dritte zu verlagern“, ergänzt das Büro.

Präsenz in ganz Europa

Das im März 2026 gegründete Unternehmen finanziert sich mittels Bootstrapping. Investoren soll es keine geben. Als Kunden kommen für Social Cycle Städte, Gemeinden und Abfallverbände in Frage. Die Gründer wollen ihr Produkt durch konstantes Feedback verbessern und sich so gegenüber ihrer Konkurrenz durchsetzen. Dabei setzen sie auf Mundpropaganda, Medienberichte und die eigene Kommunikation z.B. mittels Mails. Schwarz und Linsbichler denken trotz langsamen Wachstums bereits an die nächsten großen Schritte. Das Startup soll u.a. nach Holland und Irland expandieren und seine Präsenz in Deutschland verstärken. Schwarz möchte mit dem Pfandsammelsystem auch in Hamburg und Berlin vertreten sein. „Unser Ziel ist es wirklich, dass unsere Module in die Infrastruktur eingebunden sind wie Mistkübel, in ganz Europa“, stellt der Co-Founder fest.

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