17.03.2022

So arbeitet die ABA bei Rot-Weiß-Rot-Karten und Co mit Startups zusammen

Was kann die österreichische Standortagentur ABA in- und ausländischen Unternehmen und insbesondere Startups bieten? Marion Biber, Head of Invest in Austria, und Margit Kreuzhuber, Head of Work in Austria, im Doppel-Interview.
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Marion Biber, Head of Invest in Austria, und Margit Kreuzhuber, Head of Work in Austria, im brutkasten-Interview | (c) ABA
Marion Biber, Head of Invest in Austria, und Margit Kreuzhuber, Head of Work in Austria, im brutkasten-Interview | (c) ABA

Die ABA (Austrian Business Agency) feiert dieses Jahr ihr 40-Jahr-Jubiläum. Mit Work in Austria wurde die ABA vor etwas mehr als zwei Jahren zur Standortagentur ausgebaut. Mit ihren drei Geschäftsbereichen Invest in Austria, Work in Austria und Film in Austria berät die ABA kostenlos internationale Unternehmen, Fachkräfte und Filmproduktionen bei Fragen rund um den Wirtschafts-, Forschungs- und Arbeitsstandort sowie Österreich als Drehort. Dabei werden diverse Unterstützungsleistungen angeboten. Die kürzlich präsentierte Jahresbilanz 2021 fiel positiv aus: Im Bereich Betriebsansiedlungen wurde etwa das zweitbeste Ergebnis in der 40-jährigen ABA-Geschichte erreicht – der brutkasten berichtete.

Im Interview erklären Marion Biber, Head of Invest in Austria, und Margit Kreuzhuber, Head of Work in Austria, welche Services ihre Abteilungen bieten, welche davon von Startups besonders häufig genutzt werden und in welche Richtung sich die ABA weiterentwickelt.


Was sind die wichtigsten Ziele von Invest in Austria?

Marion Biber: Das wichtigste Ziel ist es, den Wirtschaftsstandort Österreich im Ausland bekannter zu machen und internationale Unternehmen und Unternehmer von einer Ansiedlung hier zu überzeugen und bei der Gründung und Expansion in Österreich zu begleiten. Wir begreifen uns als One-Stop-Shop und wollen den Unternehmen den Einstieg hier so leicht wie möglich machen. Auch bereits hier angesiedelte Betriebe betreuen wir weiter. Sie können sich mit Fragen jederzeit an uns wenden. Und wir versuchen dafür zu sorgen, dass sich die internationalen Unternehmen noch stärker hier engagieren und zum Beispiel Forschungsprojekte in Österreich umsetzen oder unterstützen das lokale Management bei Argumentationen im Konzern für den Wirtschaftsstandort.

Den Bereich Betriebsansiedlung der ABA gibt es bereits seit 40 Jahren. Vor rund zwei Jahren ist „Work in Austria“ dazu gekommen. Warum gab es diese Erweiterung?

Marion Biber: Unser Eigentümer, das Bundesministerium für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort hat entschieden, uns zu einer Standortagentur auszubauen. Mit unseren drei Geschäftsbereichen sprechen wir jetzt internationale Unternehmen, internationales Fachpersonal und internationale Filmproduktionen an und holen sie nach Österreich. Der internationale Wettbewerb dreht sich eben nicht mehr nur um die besten Unternehmen, sondern auch um die besten Köpfe. Daher passt das gut zusammen. Vor allem die kostenlose Unterstützung bei der Rot-Weiß-Rot-Karte ist für uns sehr hilfreich, da bei einer Ansiedlung ja oft auch internationale Spitzenkräfte nach Österreich kommen.

Welche Services bietet Work in Austria heimischen Unternehmen konkret?

Margit Kreuzhuber: Wir unterstützen Unternehmen bei der Suche nach internationalem Fachpersonal und bewerben den Arbeitsstandort Österreich im Ausland. So tritt Österreich bei Spezialist:innen, aber auch schon bei Studierenden bestimmter Fachrichtungen international stark in Erscheinung und wird als Zielland noch attraktiver.

Work in Austria unterstützt viele Unternehmen im bekanntlich relativ komplexen Antragsprozess der Rot-Weiß-Rot-Karte, die inzwischen zu einem ziemlich emotionalen Thema wurde. Sollte der Vorgang aus ABA-Sicht vereinfacht werden?

Margit Kreuzhuber: Das Thema Verfügbarkeit von Fachpersonal ist klarerweise ein sehr emotionales Thema, weil der Unternehmenserfolg davon abhängt. Man sollte an allen verfügbaren Schrauben drehen, um die Situation zu verbessern. Es gibt konkrete Vorschläge der österreichischen Bundesregierung zum Thema Stärkung der internationalen Mobilität: es steht einiges dazu im Regierungsprogramm und es gibt auch darauf aufbauend einen Ministerratsvortrag. Die Vorschläge werden von uns unterstützt. Aber trotzdem braucht es auch im Vollzug eine individuelle Unterstützung und Hilfestellung für die Unternehmen, damit die Verfahren möglichst rasch und reibungslos abgewickelt werden können. Das sehen wir als unsere Aufgabe bei Work in Austria.

Was müssen Unternehmen zur ABA mitbringen, um die größten Erfolgsaussichten bei einem RWR-Karten-Antrag zu haben?

Margit Kreuzhuber: Idealerweise sollte man noch vor der Antragstellung zu uns kommen, damit wir gleich einschätzen können, wie erfolgsversprechend der Antrag ist. Da geben wir gerne einen reality check. Dann sehen wir uns gemeinsam an, ob die notwendigen Dokumente vollständig sind. Wir helfen beim Ausfüllen aller Unterlagen und unterstützen im gesamten weiteren Prozedere. Wenn wir merken, dass es mit einer Behörde Schwierigkeiten gibt, treten wir als Vermittler auf und versuchen den Prozess so reibungslos wie möglich mitzugestalten.

Es gibt inzwischen einige Player am Markt, die von privater Seite Hilfe bei einem RWR-Karten-Antrag anbieten. Ist das eine Konkurrenz zum Angebot von Work in Austria?

Margit Kreuzhuber: Wir sehen das absolut als Bereicherung. Wir begreifen uns als Partner für diese neuen Anbieter und kooperieren mit mehreren davon. Es gibt dabei eine klare Rollenverteilung. Wir versuchen generell bei den RWR-Karten-Verfahren eine Vogelperspektive einzunehmen. Die Verfahren sind sehr vielschichtig. Es hängt vom AMS, von den Aufenthaltsbehörden und von den Vertretungsbehörden im Ausland ab und wir wollen zwischen diesen Playern bestmöglich vermitteln, damit das Prozedere so rund wie möglich verläuft.

Marion Biber, Head of Invest in Austria, und Margit Kreuzhuber, Head of Work in Austria, im brutkasten-Interview | (c) ABA
Marion Biber, Head of Invest in Austria, und Margit Kreuzhuber, Head of Work in Austria, im brutkasten-Interview | (c) ABA

Welche weiteren Services von Work in Austria sind für Startups besonders relevant?

Margit Kreuzhuber: Ganz neu ist der „Immigration Guide“. Dort kann man sich selbst durch die Möglichkeiten der Arbeitskräfte-Einwanderung durchklicken. Man kann etwa in Erfahrung bringen, welche Rot-Weiß-Rot-Karte im konkreten Fall infrage kommt und welche Dokumente man für den Antrag braucht. Man wird auf sehr praktikable Art durch den gesamten Prozess durchgeleitet, was eine gute Basis für weitere Beratung schafft.

Wichtig sind auch unsere Services im Bereich Relocation, also Leben und Arbeiten in Österreich. Für die Entscheidung für ein Land ist es natürlich ausschlaggebend, wie die Rahmenbedingungen für die Familienangehörigen sind. Es gibt von uns einen Support für die Aufenthaltsgenehmigung der Familienmitglieder, aber auch für Themen wie Wohnung, Schulbesuch, Krankenversicherung und weitere Themen in dem Zusammenhang. Dabei kooperieren wir auch eng mit den Standortagenturen in den Bundesländern.

Ein weiterer wichtiger Service von uns ist die Bewerbung des Arbeitsstandorts Österreich im Ausland. Wir haben auch eine Jobbörse, die wir bei unseren Aktivitäten im Ausland vorstellen. Indem sie ihre offenen Stellen in unserer Jobbörse posten, können auch Startups besser geeignetes Fachpersonal im Ausland erreichen. Unsere Angebote werden von den Unternehmen sehr gerne in Anspruch genommen; das Feedback das wir bekommen, ist sehr positiv.

Wenn Gründer:innen aus dem Ausland nach Österreich kommen, werden sie von Invest in Austria unterstützt. Welche Services werden da angeboten?

Marion Biber: Wir begleiten internationale Gründer:innen bzw. Unternehmen wirklich in allen Phasen des Ansiedlungsprozesses. Noch bevor sie sich für einen Standort entschieden haben und während sie vielleicht gerade noch mehrere Länder evaluieren, liefern wir ihnen bereits die gesamten Informationen, die sie zu Österreich brauchen und versuchen sie natürlich zu überzeugen.

Wenn der Entschluss gefallen ist, nach Österreich zu kommen, verstehen wir uns als One-Stop-Shop. Wir bieten etwa erste Informationen zu rechtlichen und steuerlichen Rahmenbedingungen und haben dazu in unserem Netzwerk Anwalts- und Steuerberatungskanzleien, mit denen wir eng zusammenarbeiten. Wir helfen auch bei der Suche nach dem idealen Standort und der passenden Immobilie. Dann vermitteln wir zu den Förderinstitutionen und noch mehr. Wir sind ein sehr internationales Team. Ganz oft geht es darum zu erklären, warum etwas in Österreich anders ist, als im Heimatland. Fragen sind etwa, wie die Suche nach Personal in Österreich funktioniert oder wie sich das Arbeitsrecht unterscheidet.

Gibt es Services, die gerade für ausländische Neugründer:innen besonders wichtig sind und bei Betriebsansiedlungen weniger relevant?

Marion Biber: Es ist weniger der Unterschied zwischen Neugründungen und Betriebsansiedlungen, sondern mehr zwischen kleinen und großen Unternehmen. Die kleinen freuen sich umso mehr, unsere Dienstleistungen kostenlos in Anspruch nehmen zu können. Oft sind die internationalen Gründer:innen sehr überrascht, dass es so ein Service gibt und sie freuen sich, wenn man sie wirklich bei der Hand nimmt und ihnen etwa zeigt, wo sie sich die Gewerbeberechtigung holen können oder welche Banken besonders gut mit Startups zusammenarbeiten. Das sind wirklich sehr praxisnahe Hilfestellungen. Bei den großen Unternehmen geht es meistens darum, sie bei der gesamten Standort-Suche inklusive Organisation aller Termine, Locationsuche und -besichtigung und Vernetzung mit den Regionalagenturen zu unterstützen.

Deutschland ist laut kürzlich präsentierten Zahlen das mit Abstand häufigste Herkunftsland bei Betriebsansiedlungen über Invest in Austria. Welche anderen Länder sind besonders wichtig?

Wir sind im Team geografisch organisiert und decken so praktisch die ganze Welt ab. Natürlich gibt es Märkte, aus denen besonders viele ausländische Direktinvestitionen kommen. Deutschland ist Österreichs Handelspartner Nummer 1 und hat bei uns ebenfalls jährlich einen Anteil von etwa 30 Prozent bei Betriebsansiedlungen, aber auch bei Bestandsinvestitionen. An zweiter Stelle liegen Italien und die Schweiz, die sich immer wieder abwechseln – also ebenso Nachbarländer.

Osteuropa ist in den vergangenen Jahren immer stärker geworden. Da haben wir über die vergangenen Jahrzehnte beobachtet, dass sich die Rolle des österreichischen Wirtschaftsstandortes geändert hat. Wir sind nicht mehr nur die Brücke in den Osten, sondern wirklich die Drehscheibe für osteuropäische Unternehmen, darunter auch viele Startups, die von hier aus weiter Richtung Westen expandieren. Wir betreuen aber etwa auch die USA, Kanada, Japan und China aktiv.

Wie beurteilen Sie die Entwicklung seit der Gründung von Work in Austria? Wie soll es weitergehen?

Marion Biber: Wir haben in den vergangenen zwei Jahren im Zuge der Entwicklung zur Standortagentur bei Invest in Austria eine stärker qualitätsorientierte Strategie eingeschlagen. Wir sprechen verstärkt Unternehmen aus den Bereichen IT und Life Sciences sowie Startups und Unternehmen, die in diesen Bereichen Forschung betreiben, an. Voriges Jahr ist es uns gelungen, den Prozentanteil der Ansiedlungen aus diesen strategisch wichtigen Bereichen von 14 auf 21 Prozent zu steigern. Wir sehen in der Praxis, dass die Schnittstellen zwischen Invest in Aaustria und Work in Austria immer enger werden. Und es ergeben sich immer mehr solche Schnittstellen, an die wir zu Beginn gar nicht gedacht haben.

Wie sind die vergangenen zwei Jahre aus Work in Austria-Sicht verlaufen? Was ist zu erwarten?

Margit Kreuzhuber: Der Bereich hat sich extrem erfolgreich entwickelt. Im Vorjahr haben wir 494 Unternehmen bei uns beraten. Drei Viertel der Unternehmen kamen aus dem Mint-Bereich. 90 Prozent der bearbeiteten Fälle konnten positiv abgeschlossen werden. Das ist eine sensationelle Quote. Man sieht, dass es den Bedarf an dieser Unterstützung gibt. Und wenn man sich das Fachpersonal-Thema und die demografische Entwicklung ansieht, bin ich sehr fest davon überzeugt, dass das Thema weiter an Fahrt gewinnen wird und auch, dass wir gut dafür aufgestellt sind.

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Die DropForce-Gründer Jakub Hamdard und Christian Mühl | (c) DropForce
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Es gibt für sie unzählige Einsatzmöglichkeiten, in den vergangenen Jahren dominieren sie aber vor allem eines: die Kriegsberichterstattung. Drohnen sind nicht nur zum Sinnbild für moderne Kriegsführung geworden, sondern auch zu einer Produktkategorie, die europäischen Scaleups mitunter Milliardeninvestments einbringt. Von dieser Kategorie ist das Wiener Startup DropForce aktuell noch weit entfernt, das Konzept, mit dem es antritt, ist aber durchaus ambitioniert und vor allem neu.

Drohne aus dem 3D-Drucker im Van oder Container

„Alle anderen Drohnen-Anbieter haben eine zentrale Fabrik und brauchen für den Bau einer Drohne meistens viel länger als nötig. Wir haben unsere Drohne so konzipiert, dass man sie von überall aus bauen kann”, sagt Jakub Hamdard. Er hat DropForce gemeinsam mit Christian Mühl gegründet. Beide bringen dabei Berufserfahrung aus dem Aerospace-Bereich mit.

Ein weiterer großer Unterschied zu anderen Anbietern: „Bei anderen Drohnen sind die Teile zusammengelötet. Daraus ergeben sich viele Fehlerquellen. Außerdem sind sie stark auf chinesische Bauteile angewiesen, die oft nicht halten, was sie versprechen”, so Hamdard. Die DropForce-Drohne kommt dagegen ohne Löten aus. Die Strukturteile und Module, etwa Kamera-Aufsätze, kommen aus dem 3D-Drucker; Platinen, Motoren und Propeller werden in Europa produziert und vom Startup als Bausatz dazugeliefert. „Man kann die Teile im 3D-Drucker aktuell in ca. 20 Minuten drucken und braucht dann zehn bis 15 Minuten, um die Drohne zusammenzubauen”, sagt der Gründer.

Und dieser Vorgang soll künftig eben nicht in einer einzelnen Fabrik, sondern in kompakten Einheiten direkt beim Kunden passieren, in einem Van oder Container, so die Vision. Denkt man an den DefenseTech-Bereich, heißt das: direkt an der Front. Die Vans bzw. Container sollen dann verkauft, die Produktion lizenziert werden. „Mit dem Van wäre man komplett mobil. Er kann direkt am Einsatzort innerhalb von Minuten Drohnen produzieren, die dann gleich losstarten können”, skizziert Hamdard.

So ein Einsatzort könnte etwa auch der Schauplatz einer Naturkatastrophe sein. In der Kundenansprache fokussiere man aber aktuell primär auf den Verteidigungsbereich. Dort will man, wenn alles nach Plan läuft, um den Jahreswechsel in die ersten Pilotprojekte starten.

Sechsstelliges Investment von BarnVentures und deutscher LNX GmbH

Bereits im Sommer holte sich DropForce für seine Expansionspläne auch ein Investment. BarnVentures rund um Filip Zganjer und die deutsche LNX GmbH stiegen mit einem sechsstelligen Betrag ein und sicherten sich jeweils 20 Prozent am Unternehmen. „Die Idee von einer dezentralen Massenproduktion im Baukasten-System hat mir so gut gefallen. Eine zentrale Produktionsstätte ist in Zeiten wie diesen gefährlich”, kommentiert Zganjer im Gespräch mit brutkasten. Das Startup unterstütze man nun nicht nur mit Geld, sondern auch durch Beratung.

Das Kapital sei bislang vor allem in die Weiterentwicklung, aber auch in Personalkosten geflossen, sagt Hamdard. Zudem sei man aktuell auch im Prozess der Patentanmeldung. Und auch an weiteren Drohnen-Modellen arbeite man bereits. Denn, so die Vision: „Kunden können sich später dann aus einem Portfolio genau die Drohnen aussuchen, die sie gerade brauchen. Wir haben schon einige Ideen, was man machen kann.”

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