28.11.2025
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Wie die ABA Österreich als Forschungsstandort und HQ-Drehscheibe positioniert

Interview. René Tritscher, Geschäftsführer der Austrian Business Agency (ABA) erklärt, was Österreich als Standort für internationale Unternehmen, Forschung und Fachkräfte attraktiv macht.
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ABA-Geschäftsführer René Tritscher
ABA-Geschäftsführer René Tritscher | Foto: ABA/Patricia Weißkirchner

Die Austrian Business Agency (ABA) ist die zentrale Standortagentur von Österreich und berät mit ihren Geschäftsbereichen INVEST in AUSTRIA, WORK in AUSTRIA und FILM in AUSTRIA kostenlos internationale Unternehmen, Fachkräfte und Filmproduktionen. Sie macht das Land weltweit als Wirtschafts-, Forschungs- und Arbeitsstandort sichtbar und begleitet Betriebe von der ersten Standortfrage bis zur Ansiedlung und Erweiterung. Im brutkasten-Interview spricht Geschäftsführer René Tritscher darüber, warum Österreich für forschungsintensive Unternehmen und Headquarters attraktiv ist und welche Rolle Talente und Forschungsökosysteme dabei spielen.


brutkasten: Österreich wird international als forschungsstarker Innovationsstandort wahrgenommen. Was macht aus deiner Sicht die besondere Attraktivität Österreichs (speziell für forschungsintensive internationale Unternehmen) aus?

René Tritscher: Österreich als innovativer Industrie- und Forschungsstandort bietet ein stimmiges Gesamtpaket und ein attraktives Preis-Leistungsverhältnis. Wir haben eine Forschungsquote von über 3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts und eine steuerliche Forschungsprämie von 14 Prozent. Dazu kommen exzellente Universitäten, Fachhochschulen und außeruniversitäre Institute sowie Cluster, in denen Unternehmen und Forschungseinrichtungen eng zusammenarbeiten. 

Besonders stark ist Österreich in Bereichen wie Green Tech, Digitalisierung mit Schwerpunkten wie Künstlicher Intelligenz, Quantentechnologie sowie Life Sciences – bei MINT-Absolvent:innen liegen wir mit rund 32 Prozent im europäischen Spitzenfeld und deutlich über OECD- und EU-Durchschnitt. Außerdem bietet Österreich hohe Planungs- und Rechtssicherheit, eine zentrale Lage in Europa und eine Lebensqualität, die internationale Talente anzieht.

Die ABA positioniert Österreich weltweit als Forschungs- und Investitionsstandort. Wie genau unterstützt die ABA Unternehmen beim Markteintritt, bei der Expansion und beim Aufbau regionaler oder divisionaler Headquarters?

Mit „INVEST in AUSTRIA“ und „WORK in AUSTRIA“ machen wir den Wirtschafts-, Forschungs- und Arbeitsstandort Österreich international sichtbar und sprechen Unternehmen sowie Fachkräfte gezielt an. Wir beraten Unternehmen kostenlos bei der Evaluierung des Standortes, bereiten Kennzahlen und Standortvergleiche auf und identifizieren passende Regionen, Immobilien und Förderprogramme. Ein wichtiger Teil ist die Vernetzung mit Clustern, Forschungszentren, Ausbildungspartner:innen und Behörden, damit Unternehmen rasch in die relevanten Ökosysteme hineinfinden. 

Bei Erweiterungen unterstützen wir das lokale Management dabei, den Business Case für Österreich im Konzern zu argumentieren und mit Fakten zur Lage im Herzen Europas, zur Wertschöpfung sowie zum Talentangebot. 2024 haben wir 309 Ansiedlungen und Erweiterungen mit einem Investitionsvolumen von rund 1,1 Milliarden Euro und mehr als 2.200 geplanten Arbeitsplätzen begleitet und bleiben auch nach der Ansiedlung als Partnerin in allen Belangen an der Seite der Unternehmen.

Internationale Unternehmen schätzen die Forschungslandschaft in Österreich, etwa im Bereich Halbleitertechnologien. | Foto: © RF_Monty Rakusen_Westend61

Ein wichtiges Argument für einen Standort ist der Zugang zu Fachkräften, gerade in MINT-Bereichen. Wie unterstützt WORK in AUSTRIA Unternehmen beim Recruiting internationaler Talente?

Der Geschäftsbereich „WORK in AUSTRIA“ der ABA unterstützt Unternehmen in Österreich beim Recruiting internationaler Fachkräfte und vernetzt sie kostenlos mit Kandidat:innen weltweit. Im Mittelpunkt steht unsere digitale Plattform (Talent Hub), auf der Unternehmen ihre Stellen inserieren, Suchprofile anlegen und passende Kandidat:innen vorgeschlagen bekommen.

Daneben setzen wir auf zielgruppenspezifische Kommunikationsmaßnahmen in ausgewählten Fokusländern wie Rumänien, Kroatien, Brasilien oder Indonesien, kooperieren mit Hochschulen und organisieren Karriere-Events sowie Formate wie virtuelle Talent- oder Research-Talks. In unseren Beratungen geht es auch um praktische Fragen zu Arbeitsrecht, Anerkennung von Qualifikationen oder zu Standortfaktoren. Unser Ziel ist, dass der Zugang zum globalen Talentpool für österreichische Unternehmen im HR-Alltag gut handhabbar wird.

Neben Unternehmen unterstützt die ABA auch internationale Fachkräfte und ihre Familien beim Weg nach Österreich. Welche Rolle spielt diese Serviceleistung im Wettbewerb um globale Talente?

Internationale Fachkräfte entscheiden sich nicht nur für einen Job, sondern für ein Land zum Leben. Unsere Servicestelle Einwanderung und Aufenthalt berät Fachkräfte, Forscher:innen, ihre Angehörigen und Unternehmen persönlich zu Aufenthaltstiteln wie der Rot-Weiß-Rot-Karte, zu Verfahren, Fristen und Unterlagen und begleitet den gesamten Prozess von der ersten Anfrage bis zur Ankunft.

Ergänzt wird das durch digitale Tools wie dem „Immigration Guide“ und dem „Personal Guide to Living and Working in Austria“ sowie durch Relocation- und Onboarding-Services zu Themen wie Wohnen, Schule oder Gesundheitsversorgung auf workinaustria.com. So verbinden wir die internationale Bewerbung des Forschungs- und Arbeitsstandorts Österreich mit sehr konkreter Unterstützung auf dem Weg hierher. Dieses Gesamtpaket aus Karriereperspektive, Forschungsumfeld und Lebensqualität ist im Wettbewerb um globale Talente ein wichtiger Standortvorteil.

Green Tech, Digitalisierung sowie Life Sciences gelten als starke Branchen in Österreich. Wie wirkt sich diese Branchenkompetenz auf die Ansiedlung und Weiterentwicklung internationaler Forschungsunternehmen aus?

Bei Green Tech zählt Österreich zu den führenden Standorten weltweit. | Foto: © Christian Vorhofer_Westend61

In Österreich treffen internationale Forschungsunternehmen auf gut vernetzte Ökosysteme, in denen angewandte Forschung, Industrie und Förderlandschaft eng zusammenspielen. In Green Tech sowie Energie- und Umwelttechnik arbeiten Unternehmen und Forschungseinrichtungen gemeinsam an Lösungen für Dekarbonisierung, Kreislaufwirtschaft und Ladeinfrastruktur, was sich auch in Investitionen von Unternehmen wie Electra oder CAE zeigt. 

In der Digitalisierung reicht die Bandbreite von Künstlicher Intelligenz und Cybersecurity bis zu Quanten- und Halbleitertechnologien, in denen österreichische Standorte für internationale Konzerne eine wichtige Rolle spielen.

Die Life Sciences-Branche ist mit Pharma, Biotech und Medizintechnik, international anerkannter Krebsforschung und exzellenten klinischen sowie akademischen Einrichtungen stark aufgestellt. Für forschungsintensive Unternehmen ist entscheidend, dass sie hier Kooperationspartner, Talente, Förderprogramme und Testumgebungen auf hohem Niveau an einem Standort vorfinden und ihre Forschungsaktivitäten in Österreich auf- und ausbauen können.

Globale Unternehmen wie Bosch, Infineon oder Boehringer Ingelheim sind starke Forschungstreiber in Österreich. Welche Rolle spielt hier die ABA und was zeigen diese Beispiele über die Standortqualität?

Bosch, Infineon und Boehringer Ingelheim stehen stellvertretend für viele internationale Unternehmen, die Österreich bewusst als Forschungs- und Produktionsstandort ausbauen. Bosch investiert hier in grüne Technologien und Softwareentwicklung, Infineon in moderne Chipproduktion und Leistungselektronik, Boehringer Ingelheim RCV in den Ausbau von Forschung und Produktion im Life Sciences-Bereich.

Die ABA begleitet solche Unternehmen von der ersten Standortfrage über die Ansiedlung bis zu Erweiterungen, vernetzt sie mit Förderstellen und F&E-Partnern und unterstützt beim Zugang zu internationalen Talenten. Diese Beispiele zeigen, dass globale Konzerne anspruchsvolle F&E-Projekte in Österreich umsetzen, hier langfristig Wertschöpfung schaffen und den Standort technologisch weiterentwickeln.

Die Headquarters-Funktion gewinnt für Österreich weiter an Bedeutung. Welche Entwicklungen siehst du aktuell im Bereich internationaler Headquarters und welche Vorteile bietet Österreich hier im internationalen Vergleich?

Österreich ist als Standort für internationale Headquarters sehr gefragt und hat seine Position zuletzt weiter ausgebaut. Eine Studie der Wirtschaftsuniversität Wien zeigt, dass 2023 insgesamt 412 internationale Headquarters in Österreich ansässig waren, fast 6 Prozent mehr als im Jahr davor. Viele dieser Unternehmenszentralen nutzen Wien als Drehscheibe für Mittel- und Osteuropa und zugleich als Zugang zum EU-Binnenmarkt. 

Unternehmen schätzen die Kombination aus zentraler Lage, politischer und rechtlicher Stabilität, leistungsfähiger Infrastruktur, starker Kaufkraft, gut ausgebildeten Fachkräften und hoher Lebensqualität. Österreich ist das Tor zu einem Umfeld von rund 750 Millionen Konsument:innen in Europa und die ABA unterstützt internationale Headquarters in allen Phasen von der Evaluierung über die Ansiedlung bis zur Expansion, sodass Steuerungsfunktionen, Forschung und Wertschöpfung nach Österreich geholt werden.

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Tamburi-Geschäftsführer Paul Brandstätter (r.) und Dominic Allram. © Beatriz Hasler

Das 2019 in Wien gegründete Unternehmen Tamburi betreibt ein zustellerneutrales Paketkastennetz. Nun hat das Startup einen weiteren Schritt beim Ausbau seiner Infrastruktur gesetzt: In der Antonie-Lehr-Straße im Bezirk Wien-Floridsdorf wurde die tausendste Anlage in Österreich in Betrieb genommen.

300 Stationen in einem Jahr

Noch im vergangenen Jahr hielt das Unternehmen bei rund 700 Standorten, wie brutkasten berichtete. Innerhalb von einem Jahr kamen somit 300 neue Anlagen hinzu. Tamburi möchte sich mit diesen autarken Stationen als Alternative zu den geschlossenen Systemen etablierter Logistikkonzerne positionieren.

Die Anlagen finden sich in Wohnanlagen, bei Unternehmen sowie an Verkehrsknotenpunkten. Durch eine Kooperation mit den ÖBB stehen die Schließfächer zudem an den österreichischen Landeshauptstadtbahnhöfen zur Gepäckaufbewahrung bereit. Die modularen Schließfächer benötigen laut Unternehmen weder Fundament noch Stromanschluss und lassen sich dadurch flexibel aufstellen.

Nächste Wachstumsphase

Für die Zukunft plant die Geschäftsführung, das Netz gemeinsam mit Wohnbaugesellschaften, Gemeinden und Immobilieneigentümer:innen weiter zu verdichten. Gebündelte Zustellungen sollen dabei helfen, den Verkehr auf der sogenannten letzten Meile zu reduzieren.

Paul Brandstätter, Geschäftsführer der Tamburi Holding GmbH, skizziert die langfristige Ausrichtung der Firma: „Unser Anspruch ist es, eine Infrastruktur aufzubauen, die so selbstverständlich verfügbar wird wie der klassische Briefkasten.“ Der aktuelle Meilenstein von 1.000 Stationen sei dabei laut Brandstätter lediglich „der Ausgangspunkt für die nächste Wachstumsphase“.

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