26.05.2021

A1-Studie: Wie Homeoffice auch nach Corona funktionieren kann

Nach mehr als einem Jahr Corona-Pandemie hat der Telekommunikationsanbieter A1 erhoben, wie sich der Arbeitsalltag in Unternehmen verändert hat. Außerdem will man seine eigenen Erfahrungen mit anderen teilen und hat daraus abgeleitet Empfehlungen für die Zukunft formuliert.
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A1 New Work
V.l.n.r.: Martin Mayr, Integral Österreich und Fred Mahringer, A1 Österreich, bei der Studienpräsentation. © Krisztian Juhasz & das APA-Fotoservice Team

Corona hat den Arbeitsalltag vieler Unternehmen von einem Tag auf den anderen verändert. Mit den Empfehlungen der österreichischen Bundesregierung, dort wo es geht auf Homeoffice umzustellen, haben sich zahlreiche Fragen gestellt: Wie wird sich das Arbeiten von zu Hause aus auf die Produktivität, auf die Belastbarkeit, aber auch auf die Gesundheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auswirken? „Wir wollten wissen, wie es anderen Unternehmen in den letzten 14 Monaten ergangen ist und welchen Beitrag wir als führender Kommunikationsanbieter in Österreich leisten können, diese noch fitter für die Digitalisierung zu machen“, fasst Fred Mahringer, Director Human Resources bei A1, die Zielsetzung der Studie zusammen.

Homeoffice: Gekommen, um zu bleiben – aber reduzierter

Gemeinsam mit Integral Österreich hat A1 von Mitte März bis Anfang April 2021 mehr als 350 HR-Verantwortliche aus Unternehmen mit mehr als 20 Mitarbeitern zu ihrer Einschätzung zum (post)pandemischen Büroalltag befragt. Dabei wurde deutlich, dass die Pandemie in vielen Betrieben zu einem Digitalisierungsschub geführt hat, auch wenn es bei den KMU noch Aufholbedarf gibt, wie der brutkasten erst kürzlich berichtet hat. So haben 45 Prozent ihre internen Steuerungsprozesse transformiert und Tools wie die elektronische Signatur, das interne Formularwesen oder E-Learning verstärkt eingesetzt bzw. überhaupt erst eingeführt.

Notwendig wurde das, weil die Betriebe – dort wo es möglich war, sprich mit Ausnahme von Bereichen wie der Produktion, Mitarbeitern mit Kundenkontakt oder im Facility Management – vermehrt auf Homeoffice gesetzt haben. Vor Corona konnte man bei 31 Prozent der Unternehmen von zu Hause aus arbeiten, aktuell bieten es 78 Prozent an. Das Potenzial wird aber derzeit nicht zur Gänze ausgeschöpft, denn insgesamt nutzt mit 51 Prozent der Befragten jeder zweite Betrieb die Möglichkeit des Arbeitens von zu Hause aus (vor Corona lag die Nutzung bei 28 Prozent). Nach Corona wollen zudem nur mehr 43 Prozent der Unternehmen Homeoffice einsetzen. Was die Anzahl der Mitarbeiter in Homeoffice betrifft, ändert sich demzufolge aber nur wenig: Sind es jetzt 20 Mitarbeiter, werden es nach Corona 19 sein, die Homeoffice nutzen können.

Kaum geplante Büroflächenreduktion

Überraschendes Ergebnis der Studie war laut Studienautor Martin Mayr von Integral, dass nur 20 Prozent der befragten Unternehmen Sparpotenzial bei Büroflächen orten und ein Großteil demzufolge angab, keine konkrete Reduktion zu planen. Jene, die hier Überlegungen anstellen, gehen allerdings von Kosteneinsparungen in Höhe von etwa 28 Prozent aus.

Mitarbeiterzufriedenheit: Pro & Contra

Nicht zu unterschätzen sind die Effekte von Homeoffice auf die Mitarbeiterzufriedenheit, die aus Sicht der HR-Verantwortlichen gestiegen ist (39 %) Nur 13 Prozent orten einen Rückgang dieser. Eine gewisse Skepsis herrscht allerdings nach wie vor, wenn es um die Produktivität geht. Denn jeweils ein Viertel der Befragten spricht von einer Verbesserung (23 %) bzw. Verschlechterung (27 %). Rechnet man die 46 Prozent hinzu, die eine gleichbleibende Produktivität orten, dann sehen aber immerhin drei Viertel keine Produktionsrückgänge.

Obwohl die Mitarbeiter die Möglichkeit von zu Hause aus zu arbeiten also grundsätzlich schätzen, sind damit auch eine Reihe von Herausforderungen verbunden. Am häufigsten von den HR-Verantwortlichen genannt wurden die Mehrfachbelastung durch Selbstorganisation (80 %), der Verlust sozialer Kontakte (76 %) und Informationen (63 %) sowie die Belastung durch die Vermischung von Privatem mit Beruflichem (55 %). Als Vorteil wird hingegen die konkrete Zeitersparnis (67 %) gesehen.

Technische Rahmenbedingungen verbessern

Die Ergebnisse der Studie bringen trotz des oben erwähnten Digitalisierungs-Boosts einen Optimierungsbedarf hinsichtlich der technischen Rahmenbedingungen ans Licht. 71 Prozent sehen diesen in nahezu allen Bereichen der Internetqualität (schneller und störungsfreier). Verbesserungsbedarf besteht auch im Angebot an technischen Plattformen zur Zusammenarbeit (23%) sowie bei Tools zur Ressourcenplanung (15%). Ein Viertel sieht Bedarf an Beratungs- und Schulungsangeboten.

Klar ausgesprochen wurden im Zuge der Befragung auch die Empfehlung, in konkrete Vorgaben und Guidance zu investieren (48 %). Außerdem raten 40 Prozent zu mehr Vertrauen in die Fähigkeiten der Mitarbeiter, aber gleichzeitig auch zu Flexibilität sowie Support zur Selbstorganisation.

Tipps & Tricks aus Sicht von A1

Eine Empfehlung, die A1 nur bestätigen kann. Wir befinden uns in einem großen Veränderungsprozess und die Mitarbeiter hier mit einzubinden und sie zu fragen, wie sie in Zukunft arbeiten möchten, ist aus unserer Sicht unumgänglich“, so Mahringer von A1. Das Büro werde sich zukünftig zum Social Hub verändern, daran führe kein Weg vorbei: „Es stellt sich nicht mehr die Frage, wann komme ich ins Büro, sondern warum komme ich ins Büro.“ Mobiles Arbeiten und das Forcieren hybrider Modelle werde auch in Zukunft fixer Bestandteil der Unternehmenskultur sein.

Der Telekommunikationsanbieter hat im Zuge seines Transformationsprozesses in Richtung agile Organisation mit mehr Selbstverantwortung fürs Team und damit veränderter Führungskultur folgende Empfehlungen formuliert:

  • Förderung von Meetings, kreativem Zusammenarbeiten und sozialer Interaktion; Schulung von Führungskräften hinsichtlich New Work
  • Etablierung neuer Kommunikationsformate: bei A1 sind das zweiwöchentliche Vorstandsupdates, regelmäßige Infomails von der HR oder der Internen Kommunikation, um die Mitarbeiter up-to-date zu halten. Daily Stand-ups vervollständigen die Mitarbeiterkommunikation, die einen neuen Stellenwert erhalten hat.
  • Festsetzen der Rahmenbedingungen in einer neuen Betriebsvereinbarung auf Basis der gesetzlichen Homeoffice-Regelungen. Ergänzung um neue Programme und Möglichkeiten, die hinsichtlich Arbeitszeit, Pausen und Erreichbarkeit die notwendige Rechtssicherheit schaffen. Bei A1 kann aus unterschiedlichen Arbeitsmodellen von mindestens 1 Tag bis maximal 4 Tagen pro Woche Homeoffice gewählt werden.
  • E-Learning Tools und die entsprechende technische Infrastruktur ausbauen. Alle Mitarbeiter sind mit Diensthandy, Dienstlaptop und ab Juli 40 Mbit gratis Internet ausgestattet
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Schulterschluss in Paris: Macron und Modi warben auf der VivaTech 2026 gemeinsam für eine „verantwortungsvolle KI" als Wertegemeinschaft. | (c) VivaTech

Am 12. Juni erreicht Anthropic ein Brief des US-Handelsministeriums. Drei Tage zuvor war Claude Fable 5 erschienen, das leistungsfähigste allgemein verfügbare Modell des Hauses. Nun ist es für jede Person ohne US-Staatsbürgerschaft zu sperren, im In- wie im Ausland. Weil sich Staatsangehörigkeit nicht in Echtzeit prüfen lässt, schaltet Anthropic beide Modelle weltweit ab, auch für die eigenen US-Kund:innen. Betroffen sind nicht nur einzelne Nutzer:innen: Anwendungen, die das Modell direkt einbinden, stehen über Nacht still, und der Fall führt vor Augen, wie viele Produkte und ganze Geschäftsmodelle auf einem einzigen, von außen abschaltbaren Modell ruhen. Der „kill switch“, über den Europa seit Jahren theoretisch debattiert, ist plötzlich real, und er trifft die fortgeschrittenste KI ihrer Generation. Anthropic kündigte an, den Zugang so rasch wie möglich wiederherzustellen, zum Redaktionsschluss war die Sperre weiter in Kraft.

Fünf Tage später öffnet in Paris die VivaTech, Europas größte Tech-Messe, zum zehnten Mal. 15.000 Startups, Jeff Bezos als Stargast, und doch reibt sich die KI-Euphorie an der Angst vor der eigenen technologischen Abhängigkeit. Schon auf der Eröffnungsbühne nimmt Frankreichs Wirtschaftsminister Roland Lescure direkt Bezug auf die Anthropic-Sperre: Es gehe nicht länger um eine Zugangsdebatte, Regeln könnten sich über Nacht ändern, und Souveränität heiße, dann noch handlungsfähig zu sein. Tags zuvor hatte Premier Lecornu verkündet, der französische Inlandsgeheimdienst trenne sich vom US-Konzern Palantir zugunsten des heimischen Anbieters ChapsVision. Die Kulisse ist gesetzt.

Souveränität, messbar gemacht

Ausnahmsweise lässt sich Souveränität hier auch messen. Nvidia hatte auf der VivaTech 2025 mehr als 20 KI-Fabriken für Europa versprochen und Mistral zum souveränen Compute-Champion erklärt. Und anders als im Vorjahr liefert die Messe Konkretes: Mistral Compute geht als europäische GPU-Cloud teilweise in Betrieb, Foxconn und Bull kündigen eine Serverfertigung im französischen Angers an. Aus Ankündigung wird Auslieferung. Nur ist selbst das Souveräne es nur halb: Mistral Compute läuft auf 18.000 Nvidia-Chips. Die ganze europäische KI ruht auf einem nicht-europäischen Silizium-Sockel. Doch genau hier liegt Europas einziger echter Trumpf: Ohne die EUV-Lithografie des niederländischen Konzerns ASML, dessen Chef Christophe Fouquet ebenfalls in Paris war und der inzwischen Europas wertvollstes Unternehmen ist, kann weltweit niemand Spitzenchips fertigen. Abhängig auf der einen Ebene, unverzichtbar auf der anderen. Souveränität als Baustelle, nicht als Zustand.

„Tech for humanity“: Narendra Modi positionierte Indien auf der VivaTech 2026 als KI-Länderpartner Frankreichs. (c) VivaTech

Und Österreich?

Und Österreich? Steht in dieser Debatte überraschend weit vorn. Die „Declaration on European Digital Sovereignty“, die inzwischen alle 27 EU-Staaten mittragen, geht auf eine österreichische Initiative rund um Digitalisierungs-Staatssekretär Alexander Pröll zurück. Wien als Anstoßgeber dessen, worüber Paris nun diskutiert. Und das Bundesheer hat seine 2020 begonnene Migration von rund 16.000 Arbeitsplätzen auf LibreOffice 2025 abgeschlossen, bewusst ohne Cloud, also ohne fremden Schalter. Die unbequeme Frage für die heimische Szene lautet, ob aus solchen Verwaltungsentscheidungen auch ein Markt für österreichische Anbieter wird, oder ob Souveränität Behördensache bleibt.

Verhandeln aus der Schwäche

Den wahren Lackmustest liefert nicht die Bühne, sondern eine Frage am Rande. Auf die Fable-5-Sperre angesprochen, fordert Emmanuel Macron keine Unabhängigkeit. Er appelliert an die USA, ihre Spitzentechnologie zu teilen, und kündigt zugleich mehr Geld für die französische KI-Industrie an. Zuerst die Bitte um Zugang, dann, hilfsweise, die eigene Souveränität. Das kann man als Schwäche lesen. Man kann es auch als nüchterne Arbeitsteilung verstehen: das Beste nutzen, das es gibt, und parallel absichern, falls es wegbricht. Dass Macron sich die politische Bühne mit Indiens Premier Narendra Modi teilte, der für eine menschenzentrierte KI jenseits von Washington und Peking wirbt, unterstreicht denselben Reflex: Souveränität wird als Wertegemeinschaft inszeniert, die offene Frage nach Compute, Kapital und Chips bleibt.

Joe Tsai Chairman at Alibaba Group bei der VivaTech | (c) brutkasten / Martin Pacher

„Souveränität ist keine Isolation, sie ist Offenheit aus einer Position der Stärke“, sagt Deutschlands Digitalminister Karsten Wildberger. Schön gesagt, nur verhandelte Europa diese Woche aus Abhängigkeit, nicht aus Stärke. Alibabas Joe Tsai formulierte es zynisch ehrlicher: Europa solle seine Eier in zwei Körbe legen. Ein zweiter Lieferant ist keine Unabhängigkeit. Und doch, hier wird es unbequem, ist Diversifizierung für eine Region, die den ganzen Stack realistisch nie allein bauen wird, womöglich nicht die feige, sondern die rationale Antwort. Die ehrliche Variante von Souveränität wäre dann nicht Autarkie, sondern die Fähigkeit, den Lieferanten zu wechseln, wenn einer den Schalter umlegt, ohne dass das eigene Geschäft mit ihm stillsteht.

Der Preis der Autonomie

Bleibt die Frage, die diese Ausgabe aufwirft. Dass Europa Souveränität will, bestreitet niemand. Die eigentliche Frage ist der Preis: höhere Kosten, langsamere Verfügbarkeit, weniger Zugriff auf das jeweils beste Modell. Und ob das Geld dafür da ist. Auf die USA entfallen rund 50 Prozent des globalen Risikokapitals, auf China 40, auf Europa fünf. Solange sich daran nichts ändert, bleibt Souveränität das würdevollere Wort für eine gut gemanagte Abhängigkeit. Die Fable-5-Woche hat Europa beides gegeben, den Schreck und die Ausrede. Welche Lehre hängen bleibt, entscheidet sich nicht in den Hallen von Porte de Versailles, sondern in den Beschaffungsabteilungen, die nächsten Monat wieder eine Lizenz verlängern müssen.

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