18.05.2022

“The war for talents is over” – So schafft man Genderbalance in MINT-Berufen

Im MINTchanger:innen-Event von A1 ging es rund um das Thema Unterrepräsentation von Frauen in MINT-Berufen. Das Programm füllte die Keynote von Verena Pausder gefolgt von einer Podiumsdiskussion mit mehreren Expertinnen.
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A1 Mintchangerinnen
Die Panelistinnen Verena Pauseder, Susanne Ebm, Therese Niss, Euke Frank, Sonja Wallner und Anna Gawin. (c) A1

Das von A1 ausgetragene Event unter dem Titel “MINTchanger:innen” in Wien brachte nicht nur verschiedenste MINT-interessierte Menschen zum Austausch zusammen, sondern bot auch mit unter anderem einem siebenköpfigen Panel einen vielschichtigen Input. Nach einer Keynote der deutschen Gründerin, Verena Pausder, mit dem Thema “Wie Frauen digitale Gestalterinnen der Welt von morgen werden”, kamen weitere Persönlichkeiten aus der österreichischen Wirtschaft zu einem Panel zusammen. In dem von Verena Eugster moderierten Panel diskutierten neben Verena Pausder, Sonja Wallner (CFO A1), Euke Frank (Chefredakteurin Woman), Susanne Ebm (Leitung Informationssysteme Flughafen Wien), Anna Gawin (CEO Apprentigo und DavinciLab) und Therese Niss (Vorständin MINTality Stiftung) darüber, wie ein radikaler Wandel für mehr Genderbalance im MINT-Bereich erreicht werden kann.

Den Einstieg in das Thema bot Verena Pausder, die in ihrer Keynote erklärt, was Politik, Unternehmen, aber auch einzelne Personen tun können, um mehr Mädchen und Frauen für MINT-Berufe zu begeistern. MINT steht für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik – und in allen vier Buchstaben dieses Begriffs sind Frauen unterrepräsentiert. Da aber speziell diese Branchen überdurchschnittlich bezahlt werden, sei das auch einer der Gründe, weshalb der Gender-Pay-Gap so groß ist. Pausder macht eine Momentaufnahme: “In Deutschland gibt es 30 Prozent Absolventinnen in MINT-Berufen, während es in Österreich aktuell 25 Prozent sind. Im Jahr 2018 waren es noch 60.000 Absolventinnen, 2022 sind es bereits 120.000 Absolventinnen in diesen Bereichen. Allerdings ist die Abbruchquote bei Frauen in diesen Studiengängen deutlich höher.”

“Unternehmen sollten das genau so fördern, wie die Mitgliedschaft im Fitnessstudio”

Pausder sieht also Aufholbedarf beim Thema Frauen im MINT-Bereich – schließlich sei hier noch ordentlich Luft nach oben. Dafür verweist sie auf mehrere Ansätze. Zum einen müsse man bereits in der Schule anfangen, wo speziell in der ersten Klasse sämtliche Kinder mit unterschiedlichsten Hintergründen begleitet werden können. Zum anderen solle das Thema Tech-Fortbildung auch in Unternehmen gefördert werden – egal welchen beruflichen Weg man eingeschlagen hat. “Es wäre ja schlimm, wenn man davon ausgeht: Sobald man einmal irgendwo abgebogen ist, gibt es keinen Weg mehr in eine andere Richtung. Unternehmen sollten das Thema Fortbildungen und Sichtbarmachen von Frauen genau so fördern wie die Mitgliedschaft im Fitnessstudio und das Essen in der Kantine”, meint die Unternehmerin.

Seit Jahren spricht man über das Thema Rolemodels und auch Verena Pausder betont in ihrem Vortrag die Wichtigkeit von weiblichen Vorbildern, die andere Frauen in ihrem Werdegang prägen können. Allerdings merkt auch Pausder, dass sich in den letzten Jahren etwas bewegt – das sei definitiv nicht nur ein Narrativ der Medien. 

Diversity schlägt betriebswirtschaftlich alles

Die Gründerin stellt fest: “The war for talents is over. Talent has won.” Dementsprechend stellt sich die naheliegende Frage, wie und wo man diese Talente fördern kann. Dabei sei nicht außer Acht zu lassen, dass Diversity betriebswirtschaftlich überzeugt. Pausder verweist dazu auf diverse Studienergebnisse, die unterstreichen, dass Unternehmen mit mehr Genderbalance nicht nur andere Produkte, mehr Umsatz und weniger Fluktuation, sondern auch 20 Prozent mehr Innovation aufweisen würden.

“Am Ende wird es nicht ohne Männer gehen” 

Während der Panel-Diskussion wurden auch Stimmen rund um das Thema Unconscious Bias laut. Die Panelistinnen waren sich einig: Auch Männer müssen umdenken und nur gemeinsam mit ihnen, könne man eine nachhaltige Veränderung vorantreiben. Sie sollen Frauen in der Technik nicht nur fördern, sondern ihnen diese Berufe auch zutrauen und Chancen geben. Um Mädchen davon zu überzeugen, dass sie tatsächlich alles werden können, müsse man die richtigen Rahmenbedingungen schaffen. “Ein Coding-Day im Alter von neun Jahren wird sie nicht unbedingt dazu begeistern, mit 19 Jahren ein technisches Fach zu studieren. Man muss ein Mädchen nachhaltig und nachdrücklich fördern, um sie von der Technik zu überzeugen”, so Therese Niss. 

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AustrianStartups, ELP
© AustrianStartups

AustrianStartups und die Stiftung Unternehmerische Zukunft haben das Entrepreneurial Leadership Program (ELP) weiterentwickelt. Der Schwerpunkt liegt künftig stärker auf der konkreten Begleitung angehender Startup-Gründer:innen. Vorgesehen sind unter anderem intensiveres persönliches Mentoring und Coaching, die gezielte Suche nach Co-Founder:innen sowie die praktische Weiterentwicklung eigener Geschäftsideen.

Dabei geht es um die frühe Erprobung zentraler Annahmen – von ersten Gesprächen mit potenziellen Kunden und der Validierung konkreter Problemstellungen bis zur Entwicklung eines ersten Minimum Viable Product (MVP): „Wir wollen Menschen nicht nur die Skills für den Aufbau eines Startups mitgeben. Sie sollen die Möglichkeit bekommen, ihre Ideen tatsächlich auszuprobieren und die ersten Schritte in Richtung Gründung zu machen“, sagt Elisabeth van Holthe tot Echten, COO von AustrianStartups.

ELP: Schwerpunkt „Co-Founder“

Beim Schwerpunkt „Co-Founder“ bringt das ELP Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen, Fähigkeiten und Perspektiven zusammen. Sie können sich kennenlernen, gemeinsam an Ideen arbeiten und mögliche Co-Founder:innen finden. Eine fertige Geschäftsidee ist dafür nicht notwendig.

„Eine Startup-Idee muss am Anfang noch nicht perfekt sein. Viel wichtiger ist, dass man bereit ist, Fragen zu stellen, Dinge auszuprobieren und gemeinsam mit anderen herauszufinden, was funktionieren kann“, so van Holthe tot Echten weiter. „Genau dafür wollen wir im ELP den Raum und die Unterstützung geben.“

Hansmann, Trummer, Kaminski, Porsche, Deutsch und Unger dabei

Ein weiterer Bestandteil des Programms ist die persönliche Begleitung der Fellows. Durch die Zusammenarbeit mit der Stiftung Unternehmerische Zukunft erhalten sie Zugang zu einem Netzwerk: Die Stiftung wird von mehr als 50 Persönlichkeiten aus der Szene unterstützt, darunter Hansi Hansmann, Christian Trummer, Kilian Kaminski, Felix Porsche, Tina Deutsch und Katharina Unger. Darüber hinaus begleiten weitere Unternehmer:innen und Investor:innen das ELP als Mentor:innen und bringen ihre Erfahrungen in das Programm ein.

Auch nach Abschluss bleiben die Fellows über die ELP-Alumni-Community miteinander verbunden. Ehemalige Teilnehmer wie Mathias Gruber (Fonio.ai), Lukas Höber (Sequestra) oder Lisa Reiss (All But Sugar) bringen ihre Erfahrungen aus der Gründung und dem Aufbau von Unternehmen sowie aus weiteren beruflichen Stationen in das Netzwerk ein.

„Wir wollen Menschen ermutigen, ihre Ideen in die Tat umzusetzen und den Schritt ins Unternehmertum zu wagen. Dafür braucht es nicht nur Wissen, sondern auch Menschen, die ihre Erfahrungen teilen, ehrliches Feedback geben und zur richtigen Zeit die richtigen Fragen stellen. Genau das wollen wir mit unserem Netzwerk ermöglichen“, sagt Markus Raunig, Vorstand der Stiftung Unternehmerische Zukunft.

Prozess steht im Mittelpunkt

Ebenso ist die praktische Arbeit an den eigenen Ideen ein wichtiger Teil des ELP. Die Teilnehmer:innen beschäftigen sich mit den Problemen und Bedürfnissen von möglichen Kunden, überprüfen ihre Annahmen und entwickeln ihre Ideen auf dieser Grundlage weiter.

Dabei gehe es nicht darum, das Programm bereits mit einem fertigen Unternehmen abzuschließen. Im Mittelpunkt steht vielmehr der Prozess, aus einer ersten Idee schrittweise eine fundierte Grundlage für eine mögliche Gründung zu entwickeln und früh praktische Erfahrungen zu sammeln, wie es heißt.

Das ELP richtet sich daher sowohl an Menschen, die bereits eine konkrete Startup-Idee haben, als auch an jene, die noch nach einer Idee, einem geeigneten Problem oder nach Mit-Gründer:innen suchen. Bewerbungen für die nächste ELP-Kohorte sind noch bis einschließlich Sonntag, 13. September 2026 möglich.

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