21.05.2026
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A1 AI Award: OÖ-Startup Layonardo überzeugt mit KI-Fake-Erkennung

Mehr als 30 Bewerbungen hatte es für den erstmals vergebenen A1 AI Award gegeben, drei Finalisten pitchten im Rahmen des A1 Business Forum 2026 um den Sieg.
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Preisträger und Jury beim A1 AI Award vlnr.: Carina Zehetmaier, Stefan Weigelhofer, Oliver Hepp, Manuel Ruckerbauer, Romana Aumer, Dejan Jovicevic und Clemens Wasner | (c) APA/Huhasz
Preisträger und Jury beim A1 AI Award vlnr.: Carina Zehetmaier, Stefan Weigelhofer, Oliver Hepp, Manuel Ruckerbauer, Romana Aumer, Dejan Jovicevic und Clemens Wasner | (c) APA/Huhasz

Es sind zwei ganz große aktuelle Themen, die das A1 Business Forum 2026 dominierten: Künstliche Intelligenz und Digitale Souveränität. Wie sehr diese nicht nur den heimischen Telekom-Marktführer selbst, sondern die gesamte Wirtschaft betreffen, wurde schon in der Keynote der in Deutschland lehrenden Industrial-AI-Professorin Feiyu Xu klar.

Mehr als nur FTEs einsparen

Sie legte die Kompläxität der KI-Implementierung in der Praxis anschaulich dar und betonte einen Aspekt, der in der öffentlichen Diskussion oft zu kurz kommt: „Es geht nicht nur darum, die Effizienz zu steigern und FTEs (Anm. Full Time Equivalents) einzusparen. KI eröffnet ganz neue Möglichkeiten für Unternehmen.“

„Wir wollen die Hidden Champions vor den Vorhang holen und sie unterstützen“

Genau diese neuen Möglichkeiten, die über reine Effizienzsteigerung hinausgehen, standen auch im Zentrum des A1 AI Award, der im Rahmen des Business Forums vergeben wurde. „Europa ist derzeit nicht führend in KI-Innovationen – um es positiv zu formulieren“, sagte Martin Resel, stellvertretender Vorstandsvorsitzender von A1 und Schirmherr des AI Awards bei der Verleihung. „Wir wollen aber nicht auf Lösungen aus Amerika warten. Wir wollen die Hidden Champions vor den Vorhang holen und sie unterstützen“, so Resel, der ein weiteres Mal das Thema digitale Souveränität betonte.

Drei Finalisten pitchten um den A1 AI Award

Mehr als 30 Startups hatten sich für den Award beworben. In einer Vorauswahl wurden drei davon als Finalisten bestimmt. Sie pitchten beim A1 Business Forum vor einer hochkarätig besetzten und durchaus kritischen Jury – Romana Aumer, Director A1 Customer 360°, Carina Zehetmaier, Co-Founder und CEO PaiperOne, Clemens Wasner, Co-Founder AI Austria, und Dejan Jovicevic, Founder und CEO brutkasten. Die Finalisten waren:

delep (DeepLearnElectroPlan)

„Die Basis für die Elektroplanung in einem Gebäude sind immer die Gebäudegrundrisse. Bislang dauert diese Planung für einen Experten mindestens fünf Stunden“, erklärte Manuel Ruckerbauer, Gründer des oberösterreichischen KI-Unternehmens delep. „Mit unserer KI-Lösung reduziert sich der Aufwand auf drei Minuten.“ Die selbst entwickelte KI analysiere automatisch Grundrisspläne und erstelle auf der Basis einen Elektroinstallationsplan. „Die Branche leidet massiv unter dem Fachkräftemangel und unsere Lösung schafft hier Abhilfe“, so der Gründer. Erste Planer würden die Lösung bereits produktiv nutzen. Alleine im DACH-Raum gibt es mehr als 20.000 potenzielle Kunden. Wir wollen aber global skalieren“, sagte Ruckerbauer.

Swuppi

Nicht weniger als 85 Prozent Zeitersparnis verspricht auch Stefan Weigelhofer, Gründer und CEO des Wiener Startups Swuppi, – und zwar für Pflegekräfte bei der Dokumentation. Swuppi bietet als Pflegesuite eine Reihe von Funktionen von Dokumentation bis zur Dienstplanerstellung. „Wir können Sprachbarrieren in Echtzeit überwinden. Pflegekräfte können ihre Dokumentation auch in ihrer Muttersprache einsprechen anstatt sie einzutippen“, erklärte Weigelhofer. Bei der Dienstplanerstellung erkenne die KI-Lösung Zusammenhänge und beziehe individuelle Wünsche, gesetzlichen Regelungen und weitere Aspekte ein. „Swuppi kann 82 Prozent der Wünsche erfüllen“, sagt der Gründer. Denn man könne bereits einige Agenturen als Kunden vorweisen.

Layonardo

„Durch KI-basierten Betrug entstehen aktuell jährlich bereits zehn Milliarden Euro Schaden. Dabei gehen die Kosten für die Betrüger gegen Null – man könnte sagen: Betrug wurde durch KI demokratisiert“, erklärte Oliver Hepp, Co-Founder und Geschäftsführer des oberösterreichischen Startups Layonardo. Dessen mit Forscher:innen der FH Hagenberg entwickelte KI-Lösung analysiert Bilder und erkennt Manipulationen und Inkonsistenzen. Davon sollen vor allem Banken, Versicherungen und generell der Bereich Identitäsfestellung profitieren. Neue KI-Modelle könne man dabei innerhalb von Tagen trainieren. Beim Businessmodell geht man einen eigenen Weg: „Wir gehen nicht direkt in den Vertrieb, sondern arbeiten mit Systemintegratoren zusammen“, erklärt Hepp.

And the Winner is: Layonardo

Letztlich konnte Layonardo die Jury überzeugen und holte sich den Hauptpreis über 50.000 Euro Cloud-Funding bei der A1-Tochter Exoscale, die eine europäische Public-Cloud betreibt. Auch die Zweitplatzierten Swuppi und Drittplatzierten delep gingen mit 20.000 bzw. 10.000 Euro Cloud-Budget nicht leer aus.

„Brauchen einen Partner, der unabhängig von den internationalen Hyperscalern ist“

Layonardo-Gründer Hepp verspricht sich im Gespräch mit brutkasten viel vom gewonnen Cloud-Budget, sei doch „der europäische Grundgedanke und die Überzeugung, Software souverän zu entwickeln“ zentral beim Startup. „Wir entwickeln und trainieren unsere Modelle sehr stark auf Research-Ressourcen, wie beispielsweise der AI Factory Austria. Aber für den Betrieb selbst brauchen wir noch einen Partner, der unabhängig von den internationalen Hyperscalern ist. Da ist Exoscale für uns die ideale Grundlage, um den Service dort zu hosten und zu betreiben.“

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Marie Pierer, Designerin und Mitgründerin von Studio Furore, und Nino Groß, Head of Brand & Communications bei Instahelp | © Niki Pommer
Marie Pierer, Designerin und Mitgründerin von Studio Furore, und Nino Groß, Head of Brand & Communications bei Instahelp | © Niki Pommer

Bunt, warm, lebendig und offen: So beschreibt Instahelp seinen neuen Auftritt. Die 2015 gegründete Plattform für Online-Therapie und psychologische Beratung hat gemeinsam mit Studio Furore Logo, Typografie, Farbwelt, Fotografie und Illustration neu entwickelt. Entstanden ist laut Aussendung alles in Graz.

Der Auftritt soll laut Aussendung ein Gegenentwurf zur häufig cleanen und zurückhaltenden Ästhetik des Gesundheitsbereichs sein. Das in der Aussendung als „schnell“ beschriebene Logo rückt ein Kernattribut der Plattform ins Zentrum: den garantierten Erstkontakt mit Psycholog:innen binnen 24 Stunden.

Nino Groß, seit Jänner Head of Brand & Communications bei Instahelp, formulierte laut Aussendung den Markenauftrag, das Thema in die Mitte der Gesellschaft zu tragen.

Über sein Netzwerk kam er laut Aussendung mit Marie Pierer in Kontakt, Designerin und Mitgründerin von Studio Furore. brutkasten hat bei beiden nachgefragt, was Gründer:innen und Marketingverantwortliche aus dem Projekt lernen können.

1. Die Marke laufend hinterfragen

„Man sollte wohl nie damit aufhören, seine Marke kritisch zu betrachten. Auch, wenn man etwas Ikonisches geschaffen hat“, sagt Groß. Spätestens wenn Markenelemente nicht mehr praktikabel oder im Kontext des Zeitgeists nicht mehr zielführend seien, sei es an der Zeit, etwas zu verändern.

Bei Instahelp sei die Ausgangssituation ideal gewesen: ein starkes Fundament und zehnjähriges Bestehen. „Die Grundidee war von Beginn weg, auf dem Bestehenden aufzubauen und es in die Zukunft zu tragen“, so Groß. Die Marke solle Strahlkraft über den Health-Bereich hinaus bekommen.

„Sei mutig.“: Der neue Auftritt von Instahelp soll laut Aussendung nicht klinisch oder distanziert wirken, sondern nahbar und selbstbewusst | © Studio Furore / Instahelp

2. Mit den W-Fragen beginnen

Als erste Best Practice nennt Groß die strategische Annäherung mit den wichtigsten W-Fragen: „Wozu machen wir das, wo wollen wir damit hin, welche Ziele soll die Marke erreichen, die sie bislang noch nicht erreicht hat?“

Pierer beschreibt den Ausgangspunkt ihrer Arbeit so: „Am Anfang steht für uns immer die Frage: Was wollen wir eigentlich vermitteln, wen wollen wir erreichen und was sollen Menschen fühlen, wenn sie mit der Marke in Berührung kommen?“

Darauf aufbauend entwickle Studio Furore ein Konzept mit einer klaren Herleitung. Daraus entstehe Schritt für Schritt die Brand Identity, von Logo, Farben, Typografie und Bildwelt bis hin zu Layoutsystem, Gestaltungselementen und Tonalität. Ziel sei ein Aha-Moment, „bei dem man versteht, warum etwas genau so gestaltet ist“.

3. Innen- und Außenperspektive zusammenbringen

Groß steuerte das Projekt in Abstimmung mit der Geschäftsführung und entwickelte das markenstrategische Konzept. Eingebunden waren außerdem die internen Design-Verantwortlichen, die den bisherigen Markenauftritt verantwortet hatten, sowie der CTO.

Diesen Mix zählt Groß zu den Best Practices des Projekts. Es gehe darum, jene, die den Markenkern gebaut haben, mit jenen zusammenzubringen, die ihn weiterentwickeln werden. „Diesen Wissenstransfer braucht es.“ Ebenso wichtig sei, offen und ohne Tabus zu diskutieren, was bleiben darf und was gehen muss. „Greift man die gesamte Identität an, ist das ein schmaler Grat.“

Dass die Entscheidungen im Unternehmen schnell fielen, hat Groß nach eigenen Angaben beeindruckt. Die Marke habe in ihrer Erscheinungsform seit zehn Jahren bestanden. „Von daher ist das keine kleine Intervention, wenn man an die gesamte Identität geht.“

4. Bei der Agentursuche das eigene Netzwerk nutzen

„Wir haben mehrere Angebote eingeholt, das sollte man immer“, sagt Groß. Ausschlaggebend sei im Endeffekt der persönliche Kontakt gewesen. Er kenne die Köpfe hinter Studio Furore schon lange und habe von ihnen nie etwas gesehen, das ästhetisch und handwerklich nicht auf sehr hohem Niveau gewesen sei.

Bei einem Mittagessen mit Pierer und Fotograf Kurt Bauer, der für die Bildwelt verantwortlich zeichnete, sei ihm nach ein paar Sätzen klar gewesen: „Die spüren die Marke.“

Startups und kleineren Unternehmen rät Groß, nach Möglichkeit persönliche Kontakte anzuzapfen, also Personen mit Erfahrung und guten Drähten in die Kreativwirtschaft. „Das spart einerseits Zeit und schützt vor Leerläufen. Andererseits ist es enorm wichtig für die qualitative Einschätzung.“

Der neue Markenauftritt von Instahelp: Die Bildwelt stammt von Fotograf Kurt Bauer | © Studio Furore / Instahelp

5. Konventionen brechen, wenn sie dem Ziel im Weg stehen

Die neue Marke tritt bunt und warm statt klinisch auf. „Ich sehe das eigentlich weniger als Mut, sondern vielmehr als Notwendigkeit“, sagt Pierer dazu. Psychische Themen seien gesellschaftlich schon stark mit Schwere und Unsicherheit behaftet. „Wie soll man Hoffnung vermitteln oder ein Gefühl des Aufatmens schaffen, wenn die Gestaltung genau diese Schwere noch verstärkt?“

Verharmlosen dürfe man das Thema dadurch nicht. „Aber ernst zu nehmen bedeutet nicht automatisch, dass etwas klinisch, kühl oder schwer aussehen muss.“ Dabei müsse jedes Element eine klare Bedeutung haben. „Es geht nicht einfach darum, ein schönes Logo oder eine bestimmte Farbe zu wählen. Die Gestaltung muss in sich stimmig sein und eine Geschichte erzählen.“

Für Pierer hat das Projekt auch eine persönliche Seite. In der Aussendung schildert sie, nach der Geburt ihres ersten Kindes selbst schwierige psychische Phasen erlebt zu haben. „Wenn ich damals von einem Angebot wie Instahelp gewusst hätte, wäre mir der Weg zur Unterstützung mit Sicherheit leichter gefallen.“

6. Mit kleinem Budget: wenige Dinge richtig machen

Startups mit kleinem Budget rät Pierer, sich am Anfang klar darüber zu werden, wofür man steht und was man vermitteln möchte. „Man braucht nicht sofort ein riesiges Branding oder unzählige Gestaltungselemente. Man braucht ein gutes Konzept.“

Ein durchdachtes Logo, eine passende Farb- und Typografiewelt und eine konsistente Bildsprache könnten schon viel bewirken. Pierer rät davon ab, Trends oder andere Marken zu kopieren, nur weil sie gerade gut funktionieren. Man solle herausfinden, was einen selbst besonders macht, und das konsequent sichtbar machen.

Außerdem solle das Erscheinungsbild flexibel bleiben und mit dem Unternehmen wachsen können. „Eine gute Markenidentität muss nicht von Anfang an riesig sein. Sie muss vor allem eine klare Idee haben.“

Die neue Markenidentität von Instahelp ist laut Aussendung inzwischen vollständig ausgerollt. Die Plattform arbeitet nach eigenen Angaben mit mehr als 400 Psycholog:innen und hat bis dato rund 450.000 Beratungen durchgeführt.

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