14.05.2026
FINANZIERUNG

9amHealth: Startup des mySugr-Gründers holt 26 Mio. US-Dollar in Series B

Frank Westermann schließt mit dem 2021 in den USA gegründeten Healthtech-Startup, dessen Co-Founder er ist, die bisher größte Finanzierungsrunde ab. Mit dem Kapital soll die Plattform über kardiometabolische Erkrankungen — Diabetes, Adipositas, Bluthochdruck — hinaus wachsen.
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Das 9amHealth-Gründerteam: Bernhard Schandl, Frank Westermann, Anton Kittelberger und Paul Geevarghese (v.l.) | (c) 9amHealth

Fünf Jahre nach der Gründung hat das US-Startup 9amHealth eine Series-B-Runde über 26 Millionen US-Dollar abgeschlossen — die bisher größte Finanzierungsrunde des Unternehmens, das von Frank Westermann und Anton Kittelberger gemeinsam mit Paul Geevarghese und Bernhard Schandl gegründet wurde. Den Lead übernahm Define Ventures, das bereits zuvor bei 9amHealth investiert war. Neu mit an Bord sind SemperVirens VC, Catalio Capital Management und NewHealth Ventures. Damit steigt die gesamte bisher aufgenommene Finanzierung auf rund 55 Millionen US-Dollar.

Vom mySugr-Exit zur US-Plattform

Westermann gehörte 2012 zu den Mitgründern des Wiener Diabetes-Startups mySugr, Kittelberger war dort später CEO. 2017 erfolgte der Verkauf an den Schweizer Pharma-Riesen Roche — einer der bis dahin größten Exits der heimischen Startup-Geschichte. Auch Co-Founder Bernhard Schandl bringt mySugr-Erfahrung mit: Er war dort CTO und ist parallel zu 9amHealth auch Co-Founder des Wiener Nachhaltigkeits-Startups inoqo rund um Gründer Markus Linder.

Seit 2021 betreiben Westermann und Kittelberger 9amHealth mit Hauptsitz in San Diego. Eine Tochter-GmbH in Wien dient als technischer Entwicklungsstandort. Über die Plattform erhalten Patient:innen Zugang zu Endokrinolog:innen, Adipositas-Spezialist:innen und klinischen Pharmazeut:innen, dazu Labortests für zuhause, Medikamentenversorgung und personalisierte Behandlungspläne.

50 Millionen Dollar Einsparung als Verkaufsargument

9amHealth gibt an, durch sein Versorgungsmodell bei zwei Fortune-100-Arbeitgebern gemeinsam mehr als 50 Millionen US-Dollar an projizierten Medikamenten- und Behandlungskosten eingespart zu haben. In der Mitteilung verweist das Unternehmen insbesondere auf die stark gestiegenen Kosten durch GLP-1-Medikamente wie Ozempic, die für US-Arbeitgeber zunehmend zur finanziellen Belastung werden. Mit den nachgewiesenen Einsparungen will das Startup verstärkt selbstversicherte US-Arbeitgeber als Kunden gewinnen — also Unternehmen, die die Gesundheitskosten ihrer Mitarbeitenden direkt selbst tragen, statt sie über eine externe Versicherung abzudecken.

Expansion über kardiometabolische Erkrankungen hinaus

Laut Unternehmensangaben entfallen bis zu 70 Prozent der Medikamentenausgaben von US-Arbeitgebern auf hochpreisige chronische Erkrankungen mit Spezialversorgungsbedarf — dieses Segment soll künftig adressiert werden. „Wir kombinieren spezialisierte klinische Versorgung mit KI-gestützten klinischen Workflows und personalisierten Angeboten für unsere Mitglieder, die es uns erlauben, über komplexe chronische Erkrankungen hinweg effizient zu skalieren“, erklärt Westermann.

Wurde 9amHealth 2022 noch als „virtuelle Diabetes-Klinik“ und 2024 als „cardiometabolic care platform“ vermarktet, firmiert das Unternehmen jetzt als „AI-enabled virtual specialty care platform“.

Neues Boardmitglied und bestehende Investoren

Im Zuge der Series B zieht Lynne O’Keefe, Founder und Managing Partner bei Define Ventures, in das Board of Directors von 9amHealth ein. Zum bestehenden Investorenkreis zählen neben den aktuellen Series-B-Geldgebern auch 7Wire Ventures und The Cigna Group Ventures — der Corporate-VC-Arm des US-Krankenversicherers Cigna, der die Series A Extension 2024 angeführt hatte.

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Foxyfitness
© Foxyfitness - (v.l.) René Giretzlehner, Florian Gschwandtner und Christian Kaar.

2023 und somit acht Jahre nach dem Runtastic-Exit an Adidas startete Florian Gschwandtner seine neue App Foxyfitness. Anfänglich noch als „Sidehustle“ tituliert, vergrößerte sich die Foxyfitness GmbH und es kamen seine Runtastic-Co-Founder René Giretzlehner und Christian Kaar mit ins Boot.

Gschwandtner verkaufte vor rund einem Jahr zwei Drittel seines neuen Startups an seine ehemaligen Kollegen und es wurde ein neues Ziel ausgerufen: Ein KI-getriebenes App-Unternehmen aus Österreich zu erschaffen – brutkasten berichtete.

Zone5: Kamera erkennt Übungen

Nun und nach einer mehrwöchigen Beta-Phase stellt die Foxyfitness GmbH mit Zone5 eine neue App im Bereich Longevity vor. Die Anwendung nutzt Augmented Reality und Künstliche Intelligenz, um Übungen über die Smartphone-Kamera zu erkennen, zu zählen und in Echtzeit anzuleiten. Dafür sind weder Sensoren noch Wearables oder zusätzliche Hardware erforderlich.

„Zone5 ist ein Produkt wie die 100 Push-ups App„, erklärt Gschwandtner brutkasten gegenüber. „Eine Fitness-App, bei der die Kamera dein Coach wird, inklusive Trainingsplan.“

Die Kamera erkennt mehr als 30 Übungen (Seilspringen, Burpees etc.) automatisch, zählt jede Wiederholung und gibt Feedback. Die Workouts dauern fünf bis 30 Minuten und trainieren gezielt in zwei Intensitätsbereichen: in Zone 2 für die aerobe Grundlage und den Fettstoffwechsel, oder in Zone 5 für maximale Intensität und die Entwicklung der VO2max – jenem Wert, der – laut dem Foxyfitness-Team – in der Longevity-Forschung als einer der stärksten Marker für Gesundheitsspanne und Lebenserwartung gilt.

(c) Foxyfitness

Oder anders gesagt: „Als die maximale Menge an Sauerstoff in Millilitern, die ein Körper während einer körperlichen Belastung pro Minute und Kilogramm Körpergewicht aufnehmen und verwerten kann“.

Longevity-Gedanke kam aus Selbst-Analyse

„Der Longevity-Gedanke (Anm.: bei diesem Projekt) kam eigentlich aus der Selbst-Analyse. Ich beschäftige mich viel mit dieser Thematik“, erklärt Gschwandtner. „Es ist natürlich ein Trend-Thema, aber es geht nicht nur darum ’nur gesund‘ zu leben, sondern auch darum, die Lebenserwartung zu erhöhen und gesund älter zu werden. Heutzutage fangen Menschen ab 30 damit an. Man muss sich bloß ansehen, was im Bereich der Supplements, der Blutanalyse, in Longevity-Laboren oder beim IHHT-Training (Anm.: Intermittierendes Hypoxie-Hyperoxie) passiert.“

Dabei ist für den Gründer vor allem der VO2-max-Wert als Longevity-Indikator essentiell. Gschwandtner zufolge sollte man idealerweise 20 Minuten in der Woche (beim Training) in der Gegend der Zone 5 – also in der höchsten Herzfrequenzzone – verbringen, weil es diesen Wert steigere. „Genau, das ist bei uns einer der Punkte und Gedanken dahinter“, sagt er.

Automatischer Trainingsplan und Zeitraffer

Zone5 bietet für Personen, die nicht selbst planen wollen, auch einen automatisierten 12-Wochen-Trainingsplan, bei dem die App Umfang, Intensität und Übungsauswahl wöchentlich festlegt und an den individuellen Fortschritt anpasst. Alle Trainingseinheiten werden mit Apple Health synchronisiert und können in ein bestehendes Gesundheits- und Trainingsprofil eingebunden werden.

Ein weiteres Merkmal ist die automatische Aufzeichnung jeder Trainingseinheit als Zeitraffer-Video, das lokal auf dem Smartphone gespeichert wird und Übungen, Wiederholungen sowie Trainingszone zeigt. Die Videos sind für das Teilen auf Plattformen wie TikTok, Instagram-Reels oder für Stories vorgesehen und sollen kurze Trainingseinheiten in ein sichtbares, teilbares Ergebnis verwandeln.

Zone5: Cross-Selling und Symbiosen in Planung

„Die meisten Menschen wissen, dass Ausdauer und Kraft die besten Investments in ein langes, gesundes Leben sind. Woran es scheitert, sind nicht die Erkenntnisse, sondern Zeit, Ausrüstung und Anleitung. Genau da setzt Zone5 an: Du brauchst zehn Minuten, ein Smartphone und keinerlei Vorwissen – deine Kamera übernimmt den Rest“, sagt Gschwandtner, der sich des Erfolgs der App sicher ist und andeutet, was aus der Foxyfitness noch kommen wird.

„Ich glaube, es muss gar nicht alles so groß wie Runtastic werden“, sagt er. „Ich bin aber davon überzeugt, dass es eine sehr erfolgreiche App werden kann. Vor allem über eine mittelfristige Zeit, wenn wir noch die eine oder andere App im Fitnessbereich entwickeln und sich gutes Cross-Selling bzw. Symbiosen ergeben.“ Zone5 ist ab sofort im App Store und auf Google Play verfügbar.

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