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Kaum etwas ist so lehrreich wie Scheitern. Dennoch haftet dem Scheitern, vor allem im unternehmerischen Kontext, in Europa nach wie vor ein schlechtes Image an – im Unterschied zu den USA, wo die „culture of failure“ selbstverständlicher Teil des Silicon Valley ist. Seit mittlerweile sieben Jahren kämpft Dejan Stojanovic in Österreich für eine bessere Scheiterkultur. Auf den „Fuckup Nights“ haben Unternehmer:innen wie Damian Izdebski, Selma Prodanovic, Martin Rohla, Tanja Sternbauer oder Heinrich Prokop ihre größten Fehlschläge geteilt. Im Interview mit dem brutkasten verrät Stojanovic, welchen Fehler die meisten gemacht haben und machen.
Wie bist du auf die Idee der Fuckup Nights gekommen?
Dejan Stojanovic: Vor mehr als 7 Jahren, als wir die allererste Fuckup Night in Österreich veranstaltet haben, sind zeitgleich mehrere Dinge passiert. Ich habe damals die Juristerei verlassen, um mich mit einem Startup in der Automobilbranche selbstständig zu machen. Genau in dieser Zeit habe ich erfahren müssen, wie schwer sich Unternehmen und Autohäuser getan haben, mit uns an der Entwicklung von neuen Lösungen zusammen zu arbeiten. Der Grund dafür: die Angst vor dem Scheitern. Das war Motivation genug für mich, die Fuckup Nights in Wien zu starten, wo erfolgreich aufgezeigt wird, dass ein Scheitern bei vielen sogar notwendig für den späteren Erfolg war.
Welche Story haut dich nach sieben Jahren nach wie vor vom Hocker?
Stojanovic: Es ist nicht per se eine Story, sondern ein Fuckup, welches sich immer wieder wiederholt. Sowohl bei großen Unternehmen, als auch bei Startups. Es ist erstaunlich, wie oft Produkte und Lösungen am Markt bzw. Kundenbedürfnis vorbeigebaut werden. Sprich, man verliebt sich in die Lösung und nicht in das ursprüngliche Problem, und ist mit dem finalen Produkt oder der finalen Lösung meilenweit von den Kundenbedürfnissen entfernt. Das war auch einer der Gründe, wieso wir mit crowd-o-moto gescheitert sind.
Was ist deiner Meinung nach der größte Irrtum, dem Menschen zum Thema Scheitern aufsitzen?
Stojanovic: Sehr viele von uns setzen das Scheitern mit einem Projekt oder einem Startup mit dem Scheitern, also Versagen, als Person gleich. Das ist ein absoluter Schwachsinn, denn man ignoriert damit, dass hinter dem Scheitern die Tatsache steckt, es überhaupt probiert zu haben. Also mutig gewesen zu sein. Man weiß jetzt besser, wie etwas nicht geht und mit dem neuen Wissen sollte man einen Schritt näher am Erfolg sein. Als Beispiel dafür erinnere ich gerne in meinen Vorträgen und Workshops an die Erfindung der Glühbirne. Thomas Edison ist nicht 1000 Mal daran gescheitert, die Glühbirne zu erfinden, sondern hat er 1000 Wege gefunden, wie es nicht geht. Er hat auf die vielen Fehlversuche aufgebaut und schlussendlich eine der großartigsten Innovation unserer Zeit erfunden.
Das Klischee sagt, dass es in Europa im Vergleich zu den USA keine Scheiterkultur gibt. Hat sich das in den letzten 7 Jahren gebessert?
Stojanovic: Das ist kein Klischee, sondern Fakt. Doch ja, ich erkenne durchaus auch Verbesserungen und eine langsam steigende Offenheit im Umgang mit dem Scheitern. In Vergleich zur Zivilgesellschaft sind es jedoch eher Unternehmen, die den Mehrwert einer konstruktiven Fehlerkultur in der eigenen Organisation erkennen und investieren daher in die nachhaltige Implementierung dieser.
Dein größter Fuckup in sieben Jahren Fuckup Nights?
Stojanovic: Fuckups in den letzten 7 Jahren habe ich mehr als genug und freue mich, diese Erfahrungen gesammelt zu haben. Mein größter Fuckup ist sicher jener, dass ich nicht noch schneller von den vielen Fuckups und Lessons Learned der anderen gelernt habe. Gerade als Host der Fuckup Nights sitze ich ja quasi an der Quelle. Aber ja, hinter jedem Fuckup steckt eine bestimmte Story. So auch hinter meinen.
Fuckup Nights Vienna Vol. 32
Diesmal mit:
- Carina Roth – Co-Founder bei WisR | #Fokus
- Dan Centeno – Co-Founder bei Constant Evolution | #Leadership
- Monika Dauterive – People & Culture bei Runtastic | #EmployeeExperience





