07.05.2026
SCHWECHAT

65 Millionen Euro: OMV baut neuen „Innovation Hub“

Die OMV investiert 65 Millionen Euro in ein neues Innovationszentrum am Standort Schwechat. Der „Innovation Hub“ soll den Sprung von grünen Technologien aus dem Labor in die industrielle Praxis beschleunigen und 2027 in Betrieb gehen.
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OMV Innovation Hub © OMV

Der Weg von einer vielversprechenden Idee zur klimaneutralen Lösung ist oft lang. Wenn grüne Technologien die Laborphase verlassen, scheitern sie in der Praxis nicht selten an der komplexen Skalierung für die Massenproduktion. Genau diese kritische Lücke zwischen Teströhrchen und Industrieanlage will die OMV nun schließen und errichtet dafür eine hochmoderne Entwicklungs-Infrastruktur.

Fokus auf Wasserstoff und Kreislaufwirtschaft

Mit einem Budget von 65 Millionen Euro entsteht in Schwechat ein 8.120 Quadratmeter großer Campus mit 50 Arbeitsplätzen, Laboren und einem Technikum für bis zu 15 Testanlagen. Der Hub soll neue Geschäftsmodelle in den Bereichen Biotechnologie, CO₂-Nutzung und grüner Wasserstoff zur Marktreife führen.

OMV Innovation Hub Atrium © OMV

Das Bauvorhaben flankiert die Nachhaltigkeitsstrategie des Konzerns und ergänzt Großvorhaben wie das bislang größte Wasserstoff-Projekt Österreichs, über dessen 123-Millionen-Euro-Förderung brutkasten bereits berichtete.

Skalierung als Schlüssel zum Erfolg

Die neue Infrastruktur zielt darauf ab, Entwicklungen effizient in den industriellen Maßstab zu überführen. Alfred Stern, der seit 2021 als OMV-Vorstandsvorsitzender fungiert, betont: „Der Hub ist die Grundlage für erfolgreiche Innovation. Mit dieser Infrastruktur schaffen wir die Möglichkeit, Technologien entlang unserer Wertschöpfungskette konsequent vom Labor über Pilotanlagen bis in den industriellen Maßstab zu entwickeln und direkt in die OMV Produktionsanlagen zu integrieren.“

Auch die Politik begrüßt den Ausbau. Peter Hanke, Innovations- und Infrastrukturminister, sieht im Hub einen entscheidenden Beschleuniger. Er betont, dass es um die schnellere Umsetzung von Innovationen in kommerzielle Anwendungen und die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit gehe – der Hub setze genau dies um.

Derzeit ist bei dem Projekt die Dachgleiche erreicht (55 Prozent Baufortschritt). Die Inbetriebnahme ist für die erste Hälfte des Jahres 2027 geplant.

Baustelle des zukünftigen Innovation Hubs © OMV
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Elisabeth Zehetner (Staatssekretärin für Energie, Startups und Tourismus) | Foto: Martin Pacher
Elisabeth Zehetner (Staatssekretärin für Energie, Startups und Tourismus) | Foto: Martin Pacher / brutkasten

Er ist seit vielen Jahren einer der obersten Punkte auf der politischen Wunschliste der heimischen Startup-Szene: der Beteiligungsfreibetrag. Das Prinzip ist schnell erklärt: Man kann mit ihm Startup-Investments bis zu einem gewissen jährlichen Betrag von der Steuer absetzen. Das soll einen starken Anreiz schaffen, Risikokapital anderen Veranlagungsformen vorzuziehen und somit mehr privates Kapital für Startups mobilisieren.

Die genaue Ausgestaltung wäre bei einer möglichen Umsetzung Gegenstand politischer Verhandlungen. Die Forderungen aus dem Ökosystem gehen bis zu einem Betrag von 500.000 Euro pro Jahr, wie etwa in der „Vision 2030“ von invest.austria, AustrianStartups, Junge Wirtschaft und StartupNOW aus dem Jahr 2024. Großes internationales Vorbild ist das Vereinigte Königreich, das unter anderem dank eines solchen Modells konstant die mit Abstand höchsten Startup-Investment-Volumina Europas vorweist.

Bei der SPÖ nicht durchzubringen

Doch im Gegensatz zur anderen großen Forderung des heimischen Startup-Ökosystems, dem Dachfonds, der mittlerweile im Entstehen ist, schaffte es der Beteiligungsfreibetrag 2025 nicht ins schwarz-rot-pinke Regierungsprogramm. Hinter vorgehaltener Hand wird der Grund dafür in ÖVP-Kreisen klar benannt: Der Vorschlag sei beim Koalitionspartner SPÖ nicht durchzubringen. Im Frühling 2024, also noch in der Opposition, äußerte sich SPÖ-Chef Andreas Babler, konkret auf das Thema angesprochen, gegenüber brutkasten knapp, aber deutlich: „Steuerbegünstigungen für private Investoren, die in der Regel zu den Top 1 Prozent der Einkommens- und Vermögensverteilung zählen, sind keine Priorität der SPÖ.“

Für Zehetner „nächster logischer Schritt“

On the record ging man dem Thema in der ÖVP seit der Regierungsbildung 2025 dagegen mit Verweis auf die Koalitionsvereinbarung lieber aus dem Weg. Bis jetzt. Denn Startup-Staatssekretärin Elisabeth Zehetner forderte den Beteiligungsfreibetrag nun via LinkedIn-Posting offen ein. Nach dem Dachfonds wäre dieser, „der nächste logische Schritt“, schreibt sie und führt eine EcoAustria-Studie und internationale Vorbilder ins Treffen.

Unverhoffte Schützenhilfe in der Diskussion

Doch woher kommt der plötzliche Mut zur offenen Forderung entgegen dem koalitionären Konsens? Zehetner bekam Anfang dieser Woche eine Steilvorlage aus Deutschland, über die auch brutkasten berichtete. Dort war es nicht etwa CDU-Wirtschaftsministerin Katherina Reiche, sondern mit Lars Klingbeil der amtierende SPD-Chef, Vizekanzler und Finanzminister, der Steuererleichterungen für Startup-Beteiligungen aufs Tapet brachte.

„Deutschland will mehr privates Kapital für Startups mobilisieren. Österreich sollte das auch tun“, schreibt Zehetner und verweist direkt auf die Ankündigung des SPD-Chefs. Das argumentative Kalkül dahinter liegt auf der Hand: Gegen den Vorstoß des deutschen Parteigenossen, dessen Schützenhilfe für Zehetner wohl unverhofft kam, lässt sich in der österreichischen Sozialdemokratie deutlich schwerer argumentieren, als gegen die Dauerforderung aus der liberalen Ecke. Ob dadurch tatsächlich eine offene Diskussion innerhalb der Koalition angestoßen wird, ist freilich zu bezweifeln.

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