10.12.2025
INSOLVENZ

5,7 Mio. Euro Schulden: Wohnwagon muss saniert werden

Erst vor rund einem Jahr hatte sich das niederösterreichische Startup Wohnwagon ein Investment geholt und die Führungsebene erweitert. Nun musste eine Sanierung beantragt werden.
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Führungsebene: Theresa Mai und Lothar Stadler (c) Wohnwagon
Führungsebene: Theresa Mai und Lothar Stadler (c) Wohnwagon

Im Namen trägt Wohnwagon nach wie vor sein erstes Produkt: Ein vollautarkes, mobiles Tiny House. Bereits 2013 startete das niederösterreichische Startup damit und konnte im Laufe der Zeit Bekanntheit über Österreich hinaus erlangen. Später folgte die Erweiterung der Produktpalette auf (nicht mobile) Tiny Houses und schließlich auf größere modulare Holzhäuser. Der Autarkie-Gedanke sowie andere Nachhaltigkeitsprinzipien, wie der Verzicht auf Beton und das Unterlassen von Bodenversiegelung blieben dabei zentral.

„Beachtliches Investment“ im Dezember 2024

Zum zehnjährigen Jubiläum 2023 war das Unternehmen auf mehr als 50 Mitarbeiter:innen angewachsen und verkündete, größere Wohnbauprojekte umsetzen zu wollen, wie brutkasten berichtete. Vor rund einem Jahr, im Dezember 2024, erfolgte ein nicht genau beziffertes „beachtliches Investment“ durch Epoona und die Raiffeisen Beteiligungsholding (brutkasten berichtete). Damals wurde auch die Erweiterung der Geschäftsführung durch Epoona-Partner Lothar Stadler kommuniziert, der neben Gründerin Theresa Mai Co-Geschäftsführer wurde.

„Plötzlicher, unvorhersehbarer Auftragsrückgang“

Doch wie der Kreditschutzverband AKV nun verlautbarte, musste Wohnwagon einen Sanierungsantrag einbringen. „Die Gesellschaft wies bis 2024 ein solides Wachstum und stabile Finanzen auf. 2024/2025 gab es Umsatz- und Ergebnisrückgänge durch Immobilien-/Baukrise, Gewährleistungsverpflichtungen und Produktanpassungen. Eine Fortbestehensprognose aus Sept. 2025 zeigte grundsätzlich Bestand, doch im 4. Quartal 2025 kam es zu einem plötzlichen, unvorhersehbaren Auftragsrückgang“, heißt es dort.

5,7 Millionen Euro Schulden, Gehälter seit Ende November offen

Um Fortbestand zu sichern, seien frische Kapitalgespräche geführt worden, doch der Rückgang habe eine Restruktuierung erfordert, deren Kosten die Liquidität überstiegen hätten. Dadurch habe keine positive Fortbestehensprognose mehr erstellt werden können und der Insolvenzantrag sei nötig geworden. 44 Mitarbeiter:innen sind betroffen. Deren Löhne seien seit dem 30. November 2025 offen, heißt es bei AKV.

Laut eigener Angabe beliefen sich die Verbindlichkeiten auf rund 5,7 Millionen Euro, wobei 228 Gläubiger:innen betroffen seien. Der von Wohnwagon beantragte Sanierungsplan sieht eine Quote von 30 Prozent, zahlbar innerhalb von zwei Jahren vor.

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© invest.austria

Am 4. November 2026 lädt der Branchenverband invest.austria in den Apothekertrakt des Schlosses Schönbrunn. Unter dem Motto „Postcard or Powerhouse: The European Imperative“ versammelt das Event mehr als 500 Gäste, darunter Business Angels, Venture-Capital- und Private-Equity-Investor:innen sowie Family Offices aus Österreich, der DACH-Region und CEE.

Vor dem Hintergrund aktueller makroökonomischer Herausforderungen soll ein Weckruf an das Ökosystem formuliert werden: „Europa steht an einem entscheidenden Wendepunkt. Wir können nicht länger nur die malerische Postkarten-Kulisse der Welt sein, wir müssen zu einem echten wirtschaftlichen Powerhouse werden“, so Niki Futter, Präsident von invest.austria.

Europa soll seine Industriestärke ausspielen

Inhaltlich gliedert sich die Konferenz in drei Schwerpunkte: die Nutzung industrieller Kernkompetenzen, eine klare geopolitische und technologische Positionierung sowie die Beschleunigung von Kapitalflüssen. Im Fokus stehen neben Robotik und industrieller KI auch Investitionen in Souveränitäts- und Verteidigungstechnologien.

Wie sich universitäre Forschung zu einem marktführenden Deep-Tech-Unternehmen entwickeln lässt, skizziert Georg Kopetz, Co-Gründer und CEO von TTTech, in seiner Keynote. Kopetz forderte im brutkasten-Interview bereits eine stärkere Vernetzung europäischer Börsenplätze, um heimischen Tech-Akteuren bessere Wachstumsbedingungen zu bieten.

Auch das Thema Künstliche Intelligenz ist prominent besetzt: Mit Dennis Just spricht ein Vertreter des europäischen KI-Unternehmens Mistral. Just sorgte im Frühjahr für Schlagzeilen: Mistral übernahm das von ihm mitgegründete Linzer Startup Emmi AI (brutkasten berichtete).

„Unser Ziel ist es, Österreich und die CEE-Region noch stärker als attraktiven Investitions- und Innovationsstandort zu positionieren“, beschreibt Daniela Haunstein, Geschäftsführerin von invest.austria, die Mission der Konferenz.

Wo das Wachstumskapital herkommen soll

Neben der technologischen Ausrichtung steht die Mobilisierung von Wachstumskapital im Vordergrund. Dabei wird konkret die Rolle des geplanten österreichischen „Startup & Scale-Up Fund“ diskutiert. Ein eigenes Panel thematisiert, inwiefern Dachfonds als Brückenbauer die Finanzierungslücke zwischen Tech-Unternehmen und institutionellem Kapital schließen können.

Valentin Krenkel, stellvertretender Geschäftsführer von invest.austria, betont: „Ein leistungsfähiger Kapitalmarkt braucht mehr als nur die Finanzierung junger Startups. Von der ersten Wachstumsphase über die internationale Skalierung bis hin zu Unternehmensnachfolgen und erfolgreichen Exits spielt privates Kapital eine entscheidende Rolle. Genau diese Bandbreite wollen wir auf der invest.austria conference sichtbar machen.“

Details zum Programm sowie die Möglichkeit zur Anmeldung gibt es hier.

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