15.12.2023

50 Millionen Euro: EU will Startups mit Fokus auf pflanzliche Proteine fördern

Das beschloss der European Innovation Council (EIC) erst diese Woche. In Österreich und Europa soll vor allem die Präzisions-Fermentation gefördert werden.
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(c) Fermify

Erst diese Woche hat der European Innovation Council (EIC) als Bestandteil von Horizon Europe für sein Arbeitsprogramm 2024 bekannt gegeben, 50 Millionen Euro in Startups und Kleinunternehmen zu investieren, die die Produktion alternativer Proteinquellen weiterentwickeln. Vor allem der Präzisions-Fermentationsprozess, wie ihn unter anderem das Wiener Startup Fermify entwickelt, ist im Förderrennen vorne mit dabei.

Horizon Europe der EU unterstützt Klima und Digitalisierung

Mit 50 Millionen Euro will die Europäische Union gezielt heimische Startups unterstützen, die sich auf die Produktion alternativer Proteine spezialisieren. Ziel sei es indes, Nachhaltigkeit, Effizienz und Resilienz europäischer Lebensmittelversorgungsketten zu stärken.

Das Arbeitsprogramm des EIC steht unter Horizon Europe, dem größten transnationalen Forschungsförderungsprogramm der Welt. Der Budgetrahmen dazu wurde bereits im Dezember des Vorjahres festgelegt. Für 2023 und 2024 wurde ein Unterstützungsbudget von 13,5 Milliarden Euro veranschlagt. Die Mittel des transnationalen Förderprogramms sollen außerdem dazu beitragen, die Klimaziele der EU zu erreichen, die Widerstandsfähigkeit im Energiebereich zu erhöhen und Schlüsseltechnologien in puncto Digitalisierung zu entwickeln.

Proteine für Klima und mit Geschmack

Ein Hauptaugenmerk liegt dabei auf der Förderung der Präzisionsfermentation. In diesem Prozess werden Organismen wie Hefe eingesetzt, um Proteine wie Molke und Kasein ohne tierische Ressourcen herzustellen. Dabei sollen Geschmack und Textur gleich bleiben – und im besten Fall an die Tierprodukte Käse, Fleisch und Eier erinnern sowie deren Nährstoffe liefern.

Die Finanzierung im Rahmen der Accelerator Challenge des EIC zielt darauf ab, die Entwicklung “tragfähiger Alternativen, die die Landwirtschaft ergänzen”, zu unterstützen. Die EU will dabei vor allem die Produktion von Lebensmittel unterstützen, die unter Nutzung bestehender landwirtschaftlicher Nebenströme entwickelt werden. Dies soll die Nutzung knapper Ressourcen wie Agrarfläche und Wasser entlasten.

Fermentations-Startups boomen, Wiener Startup vorne mit dabei

Auf der Liste der Dealbreaker im international geförderten Fermentationsprozess befinden sich Startups wie Formo (Deutschland), Better Dairy (Großbritannien) und Paleo (Belgien). Im Innovationsrennen mit dabei ist auch das Wiener Biotech-Startup Fermify – gegründet von Eva Sommer und Christoph Herwig im Jahr 2021.

Erst im Juli dieses Jahres erweiterte das Wiener Startup, das vegane Käsealternativen mithilfe der eigens entwickelten “kontinuierlichen Präzisions-Fermentierung” produziert, seine Seed-Finanzierungsrunde auf sechs Millionen Euro (brutkasten berichtete).

Schmeckt gleich und tut Gutes: Darum sind alternative Proteine besser für Körper und Klima

Nicht nur für den menschlichen Körper sind pflanzliche Proteine wesentlich besser als tierische: Zwar enthalten tierische Proteine in der Regel etwas mehr essentielle Aminosäuren, die der menschliche Körper nicht selbst herstellen kann, dennoch entsteht bei Überkonsum von tierischem Protein ein deutlich höheres Risiko für hohen Blutdruck und Diabetes.

Darüber hinaus bringt auch die Produktion von Tierprotein einige negative Nebenwirkungen mit sich: Die Herstellung von Lebensmitteln verursacht ein Drittel der globalen Treibhausgasemissionen, tierische Produkte allein erzeugen 15 Prozent. Für die Nutztierhaltung werden rund 80 Prozent der globalen Agrarflächen verwendet, so eine Studie der Boston Consulting Group (BCG).

Pflanzliche Proteine sparen Treibhausgase

Könnte man den Prozess der Proteinherstellung also in Labore verlagern, würde dies nicht nur Tierleid beenden, sondern auch Agrarflächen freischaufeln und Treibhausgasemissionen eindämmen. Derselben Studie der Boston Consulting Group zufolge würde man bei einer Billionen Dollar-Investition in pflanzliche Proteine rund 4,4 Milliarden Tonnen CO2 einsparen. Bei einer gleich hohen Investition in klimaneutrale Transportmittel würden lediglich 0,5 Milliarden Tonnen CO2 gespart, so die BCG.

Markt in Österreich groß – mit Potenzial nach oben

Mit dem Förderpaket des EIC steht einer klimaneutrale Entwicklung am europäischen Lebensmittelmarkt wenig im Wege. Allerdings unter der Voraussetzung, dass sich auch das Konsumentenverhalten der Europäer:innen in Richtung pflanzlicher Alternativen bewegt. Zahlen der Veganen Gesellschaft Österreich zeigen, dass der Umsatz von pflanzlichen Alternativen von 2021 auf 2022 um sechs Prozent gestiegen ist.

Zum Vergleich: Das Umsatzwachstum pflanzlicher Produkte betrug im Zeitraum von 2020 bis 2022 22 Prozent. Mittlerweile ist der Markt für pflanzliche Alternativen in Österreich 99,6 Millionen Euro groß. Pflanzliche Alternativen entwickeln sich damit besser als der gesamte Lebensmittelhandel – dieser ist im selben Beobachtungszeitraum nämlich nur um fünf Prozent gestiegen.

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In der heißesten Zeit des Jahres können die Produkte und Dienstleistungen von Startups Abhilfe schaffen. | (c) AdobeStock

Von Sonnenbrillen für Kinder über vegane Grillalternativen bis zu effizienteren Klimaanlagen: Österreichische Startups verbessern den Sommer mit ihren innovativen Ideen. Rechtzeitig zur sonnenreichsten Zeit des Jahres stellen wir Produkte und Dienstleistungen vor, die auch für euch hilfreich sein können.  

SooNice

Die beiden Gründerinnen von SooNice Sunnies: Christina Reifeltshammer und Doris Reifeltshammer | (c) verenaschierl photography
Die beiden Gründerinnen von SooNice Sunnies: Christina Reifeltshammer und Doris Reifeltshammer | (c) verenaschierl photography

Im Sommer darf eines nicht fehlen: die passende Sonnenbrille. Das österreichische Startup SooNice produziert sie speziell für Kinder. Kratzfeste Brillengläser und Seitenklappen sollen hochwertigen UV-Schutz bieten. Dabei setzt das Unternehmen mit biobasiertem Kunststoff auf Nachhaltigkeit. Das Konzept scheint zu funktionieren, denn das vergangene Geschäftsjahr war für das Unternehmen das bisher erfolgreichste. 2026 rechnet man mit einer weiteren Gewinnsteigerung. Konkret brachte SooNice zur Saison 2026 zwei neue Modelle und eine neue Farbvariante auf den Markt. Mit den 10- bis 16-Jährigen will das Startup eine neue Zielgruppe erschließen. Zusätzlich kam 2026 eine Sonnenbrille für sportliche Aktivitäten auf den Markt. Geografisch setze die Firma laut Geschäftsführerin Christina Reifeltshammer aktuell einen Fokus auf die BeNeLux-Länder.

Like2camp

Legales, naturnahes Campen: like2camp macht es möglich. | (c) like2camp

Für viele ist es der Urlaub schlechthin: Campen in der Wildnis. Dabei ist es oft gar nicht so einfach, einen naturnahen Stellplatz zu finden, der auch noch legal ist. Das Salzburger Startup like2camp hat sich genau dieses Problems angenommen. Sie wollen Camper:innen eine Alternative zum Wildcampen bieten, indem sie auf ihrer Plattform naturnahe Stellplätze vermitteln. Im vergangenen Dezember wurde bekannt, dass die Schweizer Buchungsplattform Nomady das Salzburger Startup im Rahmen eines Asset-Deals übernimmt. Like2camp wurde dabei vollständig in nomady.camp integriert, blieb aber als Produkt und Marke innerhalb von Nomady bestehen. Die Schweizer Buchungsplattform hatte bereits davor eine Plattform für naturnahes Campen in der Schweiz, Deutschland, Österreich und Italien betrieben. Durch den Zusammenschluss soll die Reichweite erhöht und die Community erweitert werden.

Die Pflanzerei

Gründerin Nadina Ruedl vertreibt vegane Hausmannskost in Wien. | (c) Die Pflanzerei

Für viele Österreicher:innen gehört Grillen einfach zum Sommer. Für all jene, die auf Fleisch verzichten, bietet das Startup “Die Pflanzerei” rund um Gründerin Nadina Ruedl eine geeignete Alternative. In ihrem Shop im siebten Wiener Gemeindebezirk bekommt man österreichische vegane Hausmannskost. Sie verkauft neben veganen Würsteln unter anderem auch pflanzlichen Leberkäse, Fleischknödel oder Schnitzel. Beim Wirtschaftspreis Trigos wurde die Pflanzerei 2025 in der Kategorie “regionale Wertschaffung” ausgezeichnet. Das Projekt „Regionale Wertschöpfung bei pflanzenbasierten Fleischalternativen“ wurde dabei hervorgehoben. Damit unterstützt die Pflanzerei regionale Traditionsbetriebe beim Einstieg in pflanzliche Alternativen. 

so.cool

(l.n.r.) Ben Assa, Philippe Schmit (CEO) und Alireza Eslamian (CTO) setzen auf innovative Lösungen. | © Alex Wieselthaler

Diesen Sommer hatte Österreich mit einer Hitzewelle nach der anderen zu kämpfen. Die Temperaturen in Wiens Wohnungen stiegen teilweise jenseits der 35 Grad, in den Nächten kühlte es nicht ab. Die Klimaanlagen des Startups so.cool (vormals Social Cooling) können Abhilfe schaffen. Das Besondere: Das patentierte thermische Energiespeichersystem Terra Breeze funktioniert ohne den klassischen Abluftaustausch und muss nicht installiert werden. Die Wärme wird nicht nach außen geleitet, sondern im Gerät gespeichert und wieder abgegeben, wenn niemand im Raum ist. Das System soll laut so.cool rund 40 Prozent weniger Energie verbrauchen als herkömmliche Klimaanlagen. Das Konzept scheint zu überzeugen, vergangenes Jahr holte das Startup ein Pre-Seed-Investment von 400.000 Euro. Lead-Investoren waren der Schweizer Krypto-Unternehmer Robert Lauko sowie das Wiener Family Office c.e.l.l. Investment, das vor allem im Nachhaltigkeitsbereich aktiv ist. Im März eröffnete so.cool einen neuen Standort im Wiener Technologiezentrum Seestadt. 

Dæly

Die Dæly-Gründer v.l.: Paul Truffner, Florian Ritter und Alexander Walliser | (c) Dæly
Die Dæly-Gründer v.l.: Paul Truffner, Florian Ritter und Alexander Walliser | (c) Dæly

Sommerzeit ist Ferienzeit. Viele Familien stellt sie vor organisatorische Herausforderungen. Das Grazer Startup Dæly setzt genau hier an: bei der Planung. Ein 15,6 Zoll großer Touchscreen soll die Zettelwirtschaft von Einkaufslisten, Kalendern, To-Do-Anwendungen etc. beseitigen und so die Organisation erleichtern. Kinder besäßen laut Co-Founder Florian Ritter noch kein Smartphone. Daher müssen Eltern neben digitalen auch analoge Kalender pflegen. Die Organisation werde daher auf bis zu acht verschiedenen Geräten abgewickelt, was zu mangelndem Überblick, ständigen Missverständnissen und Koordinationsstress im Alltag führe.

Vereinsplaner

Vereinsplaner-Gründer (v.l.) Lukas Krainz und Mathias Maier © Vereinsplaner

Egal ob Meisterschaft, Camps oder Trainingslager: Im Sommer blühen Österreichs Vereine auf. Auch bei ihnen ist die Organisation oftmals nicht leicht. Der Vereinsplaner soll Vereinsvorständen die tägliche Arbeit erleichtern. Das Online-Verwaltungstool kann von der Terminplanung über Mitgliedermanagement bis hin zu Dokumentenverwaltung eingesetzt werden. 2022 machte das Startup mit einem Auftritt bei “2 Minuten 2 Millionen” erstmals auf sich aufmerksam. Zuletzt dehnte das Unternehmen seine Aktivitäten nach Deutschland aus. Mit einer Niederlassung in Passau sollen die Betreuung vor Ort sowie lokale Partnerschaften intensiviert werden. 

Sonnnig

Das sonnnig-Gründerteam: Roman Öfferlbauer, Jonathan Buchinger und Lukas Hückel © sonnnig

In keiner Jahreszeit gibt es so viele Sonnenstunden wie im Sommer. Das erhöht auch die Stromproduktion von PV-Anlagen. Das Energy-Sharing-Startup Sonnnig verwaltet Energiegemeinschaften. So können z.B. Familien ihre Wohnsitze verbinden und Strom austauschen oder Einzelpersonen ihr Strom-Guthaben einlösen. Ursprünglich konzentrierte sich das Startup auf Endverbraucher, also Privatpersonen, Unternehmen und Gemeinden. Nun soll Sonnnig aber auch mit Energieversorgern kooperieren, denn Energieversorgungsunternehmen stünden zunehmend vor einem Einkaufs- und Prognoseproblem.     

infrared.city

Der Hitzestress in Wien wird hier visualisiert. (c) Live.infrared.city

Die Sommer werden immer heißer und Großstädte wie Wien stehen zunehmend unter Hitzestress. Die Hitze ist nicht nur unangenehm, sondern unter Umständen auch gefährlich. Das ClimateTech-Startup live.infrared.city möchte dem entgegenwirken. Es liefert eine kostenlos abrufbare Echtzeit-Hitzekarte, die das gesamte Wiener Stadtgebiet abdeckt. Dadurch sollen unkompliziert die kühlste Route, die schattigsten Straßen oder das heißeste Gebiet gefunden werden. Wien war die erste Stadt, die von live.infrared.city abgedeckt wurde. Mittlerweile sind auch London, New York und Stuttgart auf der Webseite zu finden.

Kennt ihr noch Startups, die euch den Sommer erleichtern? Dann schreibt uns unter [email protected].

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