Vor nicht allzu langer Zeit wäre das wohl noch unmöglich gewesen: Der ORF steigt als Co-Veranstalter beim 4Gamechangers von ProSiebenSat.1 Puls 4 ein. Man kooperiere „ab sofort in gleichberechtigtem, großem Stil“, heißt es in einer Aussendung. Zwar hat Puls 4-Chef Markus Breitenecker schon in der Vergangenheit immer wieder betont, dass er nicht den heimischen TV-Mitbewerb, sondern die US-Tech-Riesen als größte Konkurrenz sieht. Der Schritt einer intensiven Kooperation zwischen dem privaten und dem öffentlichen-rechtlichen Sender kommt wohl doch überraschend.
„Besonders wichtig, die Kräfte zu bündeln“
Die Verantwortlichen sparen in ihren Presse-Statements entsprechend nicht mit Pathos. „Dieser Schritt der Co-Partnerschaft des ORF mit 4Gamechangers ist ein Meilenstein in der österreichischen Mediengeschichte. Die aktuelle Weltlage ist dramatisch und zeigt uns, was wirklich zählt: Zusammenhalt, Einheit und vereinte Kräfte“, meint etwa Breitenecker. Ein starker Medienstandort sei „absolut maßgeblich“, um die Gesellschaft unabhängig zu informieren und wichtige Themen voranzutreiben.
ORF-Generaldirektor Roland Weißmann kommentiert: „Gemeinsam erreichen wir mehr, davon bin ich als erklärter Team-Player zutiefst überzeugt. Und gerade in Anbetracht der schwierigen weltpolitischen Situation ist es besonders wichtig, die Kräfte zu bündeln“. Schon im Rahmen der „ORF-Nachbar in Not“-Ukraine-Hilfe habe man zusammengearbeitet, betont der ORF-Chef. Nun setze man den nächsten Schritt. „Die Schaffung von gesellschaftlichem Mehrwert gehört zur DNA des ORF. Diese Partnerschaft wird einen weiteren Beitrag dazu leisten“. Der ORF werde in den kommenden drei Jahren auch abseits des Festivals als Partner fungieren, heißt es in der Aussendung.
4Gamechangers 2022: zwei Tage virtuell und einer in der Marx halle
Das 4Gamechangers findet dieses Jahr am 28. und 29. Juni virtuell und am Donnerstag, den 30. Juni, physisch in der Wiener Marx Halle statt. Dort gibt es wie gewohnt Keynotes, Panels und Live-Performances, wobei „bis zu 100 Speaker“ auftreten werden. Man erwarte rund 4.000 Gäste vor Ort und viele tausende Zuseher:innen im TV und Livestream, heißt es von Puls 4.
„Die Gebäude von 2050 stehen schon“: Wiener Startup druckt Sandfassaden für die Altbausanierung
Das 2024 gegründete Wiener Startup Joyh nutzt 3D-Druck, um historische Gründerzeithäuser mit Sandfassaden thermisch zu sanieren. Das modulare System soll die Architektur erhalten, den Energieverbrauch senken und langfristig als Software-Abo skalieren.
„Die Gebäude von 2050 stehen schon“: Wiener Startup druckt Sandfassaden für die Altbausanierung
Das 2024 gegründete Wiener Startup Joyh nutzt 3D-Druck, um historische Gründerzeithäuser mit Sandfassaden thermisch zu sanieren. Das modulare System soll die Architektur erhalten, den Energieverbrauch senken und langfristig als Software-Abo skalieren.
Ein Spaziergang durch die Wiener Innenstadt oder den Gürtel genügt: Stuckfassaden, hohe Fenster, verzierte Erker – jene Gründerzeithäuser, wegen derer jährlich Millionen Tourist:innen nach Wien kommen. Fast alle sind heute begehrte Wohnadressen. Dasselbe Bild findet sich auch in vielen anderen europäischen Städten wieder, von Paris bis Berlin.
Doch während die Gebäude nach außen mit ihrer Schönheit glänzen verbirgt sich im Inneren ein Energieeffizienz-Alptraum. Rund 80 Prozent der österreichischen Gebäude stammen aus der Zeit vor der ersten OIB-Wärmeschutzrichtlinie, und liegen großteils in einer der schlechtesten Energieklassen. Die Sanierungsrate lag zuletzt bei 1,2 Prozent, denn aufgrund der Fassadenerhaltung scheitert es meist an der Genehmigung. Genau hier will das Wiener Startup Joyh ansetzen. Mit Sandfassaden aus dem 3D-Drucker will man die Gründerzeithäuser energietechnisch in die Neuzeit holen.
Die Idee dazu entstand zufällig: 2023 druckten und gestalteten die beiden Gründer:innen eine Sandskulptur für die Dubai Design Week. Tagelang stand sie in praller Sonne im Freien. „Wir haben gemerkt, dass sie sich beim Anfassen gar nicht aufgeheizt hat“, erzählt Mitgründer Oliver Hamedinger.
Der Grund liegt in der Porosität des Materials: „Der beste Wärmedämmstoff ist Luft“, erklärt Hamedinger – und 3D-gedruckter Sand enthält davon mehr als Beton oder Ton. Mit dieser Erkenntnis in der Tasche gründeten Oliver Hamedinger und Jade Bailey 2024 ihr Sanierungsstartup mit einer klaren Haltung: „Die Gebäude von 2050 stehen schon. Wir müssen nur einen neuen Weg finden, sie zu sanieren“, sagt Co-Founderin Bailey.
Joyh setzt hier mit seinem System „Brian“ an: mineralische Bauteile, gedruckt per Binder-Jetting aus Sand – demselben Verfahren, mit dem sonst Formen für den Stahlguss entstehen. Aktuell arbeitet man für den Druck der einzelnen Fassadenteile mit der voestalpine Foundry Group zusammen, die über die nötigen Maschinen verfügt.
Für die Sanierung wird die Fassade zuvor digital gescannt. So entsteht auch ein digitaler Zwilling, der vor allem bei Reparaturen interessant wird. Die einzelnen Fassadenelemente sind laut Hamedinger rund 12 bis 15 Kilogramm schwer“ die Größe, die ein Bauarbeiter allein auf der Baustelle handhaben darf“ und werden ohne Kleber ineinandergesteckt. Das ermöglicht laut Gründerduo nicht, nur eine simple Anbringung sondern auch einen separaten Austausch.
Eine vollständige thermische Sanierung kostet aktuell 600 bis 800 Euro pro Quadratmeter. Das ist zwar mehr als klassisches WDVS (Wärmedämmverbundsystem), eine mehrschichtige Konstruktion an der Außenseite von Gebäuden, die zur effektiven Wärmedämmung dient, für Gründerzeitfassaden, durch die ganzheitlich benötigte Abtragung allerdings ungeeignet. „Ein großer Teil des Wiener Altbestands fällt aus der Sanierungslogik heraus, weil die üblichen Systeme dort nicht infrage kommen. Genau diese Gebäude wollen wir erreichen“, sagt Mitgründerin Jade Bailey.
Die operative Sanierung soll allerdings nicht bei Joyh bleiben. Skalieren will man hingegen über die dazugehörige Plattform „D2P“, die aktuell aus den Gebäudedaten die fertigungsfertige Druckdateien erzeugt. Diese soll langfristig als Abo-Modell an Architekt:innen und Fertigungspartner:innen weltweit lizenziert werden. „Ein Produkt kann man kopieren. Ein System, das mit jedem Projekt dazulernt, nicht“, sagt Hamedinger.
Von Architektur und Technik zum Startup
Hamedinger bringt technisches Know-how mit, unter anderem aus seiner Zeit bei Siemens, Bailey ist ausgebildete Architektin mit Erfahrung in Österreich, Deutschland, Großbritannien und den USA. Finanziert haben die beiden ihr Startup bislang aus mehreren Quellen: Rund 30.000 Euro brachten sie privat ein, dazu kam eine FFG-Patentförderung. Zuletzt sicherte sich das Team 202.000 Euro aws-PreSeed-Deep-Tech-Förderung und gewann das nationale Finale des ClimateLaunchpad Austria.
Bevor ihr System auf reale Fassaden kommt, muss es sich noch durch Brandschutz-, Statik- und Frost-Tau-Prüfungen beweisen, erste Pilotprojekte sind für Anfang 2027 geplant. „Der eigentliche Test kommt erst, wenn wir es auf echte Fassaden bringen“, sagt Bailey. Ab Mitte desselben Jahres will das Gründerduo zusätzlich strategische Investor:innen an Bord holen.
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