08.05.2024
VORBERICHT

4Gamechangers 2024: Was euch heuer erwartet

Von 14. bis 16. Mai findet dieses Jahr das 4Gamechangers-Festival in der Wiener Marx-Halle statt. Superwahljahr, Afrika und Equality: Co-Gründerin Nina Kaiser spricht mit brutkasten über die Themen und Keynotes, die dieses Jahr im Fokus stehen werden.
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4Gamechangers, Charlize Theron, Thiem, Janko, Jukic,
(c) 4GC - Das 4Gamechangers heuer mit großen Staraufgebot: u.a. mit Hollywood-Star Charlize Theron.

Mehr als 5.000 Leute, darunter Visionäre aus Wirtschaft und Politik, aber auch Joyn-Stars und Influencer:innen, treffen auch dieses Jahr wieder auf dem 4Gamechangers-Festival aufeinander. An drei Tagen referieren, philosophieren und diskutieren sie zu verschiedensten Themen wie Innovation, Inspiration, Digitalisierung und Entertainment.

4Gamechangers-Festival im Superwahljahr

Die drei Tage werden, wie gewohnt, in verschiedene Schwerpunkte unterteilt. Eingeläutet wird das Festival traditionellerweise vom „4Pioneers Day“ rund um Unternehmertum, Finanzen, Innovationen und Technologien. Ein besonderes Highlight: Die Verleihung des Staatspreises für Digitalisierung am ersten Abend.

Die Gewinner:innen der sechs verschiedenen Kategorien werden von Staatssekretärin Claudia Plakolm verkündet, möglicherweise wird auch Bundeskanzler Karl Nehammer bei der feierlichen Verleihung anwesend sein – „das freut uns natürlich besonders“, so 4Gamechangers-Co-Founderin Nina Kaiser.

4Gamechangers
(c) brutkasten – 4Gamechangers-Co-Founderin Nina Kaiser.

Darauf folgt der „4Future Day“, der Kaiser als Working Mom besonders am Herzen liege: „Da geht es um gesellschaftspolitische Dinge, um Bildung und Jobs, um Klima und Nachhaltigkeit und um Gesundheit und Soziales.“ Den Abschluss macht der „4Gamechangers Day“, an dem die Diskussionen auf die globale Ebene gehoben werden. Die Keynotes drehen sich um Menschenrechte, Weltgeschehen, die digitale Transformation – „und dieses Jahr auch ganz stark um das Thema Superwahljahr, das uns ja alle betrifft“, so Kaiser. „Da wollen wir mit unseren Qualitätsjournalist:innen einen kleinen Ausblick über mögliche Ausgänge wagen.“

Afrika-Schwerpunkt mit Oscar-Preisträgerin Charlize Theron

Auch ein geografischer Schwerpunkt zieht sich dieses Jahr durch das Programm: „Wir haben heuer eigentlich an jedem Tag einen kleinen Afrika-Spin drin. Am ersten Tag afrikanische Innovationen und Startups. Am zweiten Tag afrikanische Social Cases. Und am dritten Tag natürlich unseren Superstar Charlize Theron“, erklärt Kaiser. Die Oscar-Preisträgerin ist eine von vielen bekannten Namen, die am Festival über ihre Projekte referieren werden.

Trotzdem werde laut Kaiser darauf geachtet, die Bühne nicht nur den großen Erfolgsgeschichten unserer Zeit zu überlassen. Was das 4Gamechangers besonders auszeichne, seien die vielen verschiedenen Lebensrealitäten der Speaker:innen: „Junge und alte Menschen, gleichermaßen erfolgreiche und welche, die es hoffentlich noch schaffen, sitzen hier zusammen“, erklärt sie.

Scheinwerfer auf Equality

Besonders herausgehoben werde dieses Jahr außerdem das Thema Gleichberechtigung, eines der Sustainable Development Goals (SDGs) der Vereinten Nationen, die das 4Gamechangers-Festival als Leitsätze sieht. „(F)empower the Change“ nennt Kaiser diesen Programmschwerpunkt. „Es geht darum, dass wir für echte Gleichberechtigung stehen. Da wurde schon x-fach diskutiert, aber wir kommen nicht wirklich weiter. Deshalb wollen wir heuer wirklich mal darauf eingehen, warum Frauen und Männer eben noch nicht gänzlich gleichgestellt sind.“ Themen wie gleiche Bezahlung, Frauen in Führungspositionen, Gender Medicine und Vereinbarkeit von Kind und Beruf seien nur einige Beispiele für die Themen, die dieses Jahr diskutiert werden sollen.

Früh aufstehen lohnt sich

Auch wenn das 4Gamechangers kontinuierlich wächst – das bewährte Schema des Ablaufs bleibt bestehen. „Es bleibt der Festival-Charakter, es bleiben drei Tage und es bleibt eine Mischung aus Deep-Dive-Panels, bewegenden Themen und dem Fun-Faktor mit Party und Live-Acts“, so Kaiser. Ein abwechslungsreiches Programm, das die Tage von 8.30 Uhr bis 21.00 Uhr dicht füllt. Früh aufstehen lohnt sich dieses Jahr besonders: „Wenn man zwischen 8 und 9 Uhr zum Festival kommt, darf man dieses Jahr gratis rein. Das ist ein Incentive, weil oft quatscht man erst in der Früh ein bisschen und setzt sich irgendwann um 10 oder halb 11 auf die Global Stage. Wir wollen vor allem den Keynote-Speakern in der Früh eine volle Halle bieten“, erklärt Kaiser.

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Axel Deniz, Geschäftsführer von Bosch Business Innovations, dem Corporate Venture Builder der Bosch Gruppe. (c) Bosch Business Innovations

Axel Deniz war 15 Jahre lang Gründer in Berlin und im Silicon Valley, bevor er auf die Konzernseite wechselte, zunächst zu PricewaterhouseCoopers, wo er unter anderem das Corporate-Venture-Capital-Vehikel verantwortete. Seit rund eineinhalb Jahren baut er Bosch Business Innovations um, den Corporate Venture Builder der Bosch Gruppe. Ende April wurde das neue Setup öffentlich: Rund 200 Millionen Euro stehen zur Verfügung, um bis 2030 neue DeepTech-Startups außerhalb des Bosch-Kerngeschäfts aufzubauen, zum Start in den Feldern medizinische Fernüberwachung und softwaregesteuerte Fertigung.


brutkasten: Bosch hat mit Bosch Ventures einen eigenen VC-Arm und mit Open Bosch ein Venture-Clienting-Programm. Warum braucht es zusätzlich einen Venture Builder?

Axel Deniz: Bosch Ventures ist ein etablierter CVC-Investor mit dem sechsten Fonds, Open Bosch holt externe Startups als Partner herein. Beides ist Outside-in. Die offene Frage ist: Was passiert mit den großen Assets, die im Konzern liegen? Wir haben 80.000 Forscher:innen und Entwickler:innen und die größte IP-Bibliothek Europas, alle 20 Minuten entsteht ein neues Patent. Wer so viel in Forschung und Entwicklung investiert, muss daraus auch etwas machen. Für dieses Inside-out gab es bei Bosch keine gute Lösung. Viele Jahre lang wurde versucht, Mitarbeiter:innen von Bosch zu Intrapreneuren weiterzuentwickeln. Mit überschaubarem Erfolg.

Wie sieht die Lösung jetzt aus?

Die Grundüberlegung: Was ein Konzern sehr gut kann, ist Technologie entwickeln. Worin er oft scheitert, ist Startups bauen. Deshalb muss das raus aus dem Konzern. Ich habe dafür mit meinem Team Fondsvehikel gebaut, die off balance sheet und soweit möglich außerhalb der Konzern-Governance liegen. Für die Gründer:innen gelten weniger Compliance-Vorschriften und Konzernregeln. Was Startups an Konzernen missfällt, ist die Langsamkeit, und dass man es sich zwischendurch anders überlegt. Beide Punkte möchten wir herausdesignen.

Wie ist das konkret strukturiert?

Bosch Business Innovations agiert in Teilen ähnlich wie ein Fund of Funds. Teile des Budgets schneiden wir in mehrere Vehikel nach Regionen wie China oder Afrika oder nach Themen wie Healthcare. In jedes dieser Vehikel holen wir ein am Markt etabliertes Venture Studio als General Partner, das die Startups baut und selbst mitinvestiert. Wir ziehen uns auf die Rolle des Limited Partners zurück und geben Kapital und Technologie hinein. Die Pre-Seed-Runden führen wir über diese Vehikel, geplant sind 50 bis 60 Ausgründungen in den nächsten Jahren. Für die Seed-Runde müssen die Teams dann einen externen Lead-Investor finden, da sind wir Co-Investor. Ab Series A gehen wir nur sehr selektiv mit, die Ventures müssen alleine lebensfähig sein.

Nach welchen Kriterien wählen Sie die Themen aus?

Mit zwei Fragen, abgeleitet aus der Bosch-Strategie. Erstens: Haben wir Technologie, die einem Venture ein, zwei Jahre Vorsprung verschafft? Wenn ich keine Assets von Bosch einlege, mache ich es nicht. Zweitens: Soll es ein Thema jenseits des Kerngeschäfts sein. Ich nenne das „the right amount of too early“. Ein gutes Beispiel ist ein Radar aus dem autonomen Fahren, Spitzentechnologie, die Bosch außerhalb dieses Bereichs nicht anwendet. In einem Healthcare-Startup ermöglicht sie neuartige Anwendungen im Patientenmonitoring.

Die Gründerteams kommen von außen. Warum nicht aus dem Konzern?

Bosch hat 420.000 außergewöhnliche Mitarbeitende weltweit, aber es ist kein Hotbed für Founder-Talent. Viele Menschen kommen, um eine Konzernkarriere zu machen. Meine Hypothese war, ich finde zumindest First-Time-CTOs, weil Bosch eine Engineering Company ist. Aber das ist nur selten so. Also suchen wir meistens Teams von außen, die die Technologie adoptieren und in Produkt und Markt bringen. Beim CEO setzen wir gezielt auf Serial Entrepreneurs, die zwischen zwei Gigs sind, keine First-Time-Founder.

Warum sollten sich erfahrene Gründer:innen ausgerechnet auf einen Konzern einlassen?

Bosch Business Innovations ist bei Gründer:innen noch nicht bekannt. Wir müssen viel Vertrauen aufbauen und nachhaltig beweisen, dass unser Ansatz stimmt. Ich sage immer: backed by Corporate, aber nicht blocked by Corporate. Das Kernversprechen ist der Zugang zur besten HardTech- und DeepTech-Bibliothek, zu Fähigkeiten und Know-how, die ein, zwei Jahre Entwicklung ersparen. Kapital gibt es überall am Markt, das ist kein entscheidender Faktor. Aber wenn ein Founder mit einem Domain-Experten spricht, der seit 30 Jahren im Reinraum Sensoren baut, oder wir sagen, zu dem Thema haben wir noch ein Lab in Shanghai, schau dir das an, dann kommt bei den Gründer:innen das Leuchten in den Augen. Beim Equity verhalten wir uns marktüblich: In der Pre-Seed nehmen wir typischerweise rund 20 Prozent, 80 Prozent bleiben beim Founder-Team. Das muss identisch mit dem sein, was sie bei einer eigenen Gründung bekämen.

Schauen Sie sich dabei auch in Österreich um?

Auf jeden Fall, über verschiedene Netzwerke. Ein österreichisches Venture Studio ist derzeit allerdings nicht in unserem Ökosystem. Da es ein globales Programm ist, arbeiten wir mit großen Studios, die auf mehreren Kontinenten aktiv sind, sonst hätten wir zu viele Partner.

Corporate Venture Builder machen in Europa gerade reihenweise zu. Warum soll es bei Bosch funktionieren?

Es gibt momentan einen Winter, viele sagen, das Format sei tot. Ich glaube, es riecht nur komisch, weil man es immer schlecht gemacht hat. Corporate Venture Building ist eigentlich ein Widerspruch in sich. Innerhalb einer Konzernlogik kann man keine Ventures bauen. Es geht nur, wenn man sie von Corporate Constraints befreit. Deshalb nenne ich uns den Un-Corporate Venture Builder. Man muss Startups so bauen, wie Startups gebaut werden, in der freien Wildbahn, und das Gute des Konzerns hineingeben und alles Schlechte für sich behalten.

Was ist das Ziel bis 2030?

Ein Portfolio von mindestens 20 Ventures, werthaltig, idealerweise mit M&A-Kandidaten für Bosch darunter. Letzteres ist ein Kann, kein Muss. Und ich habe ein persönliches Motiv: Über das Tal des Todes zwischen Universitätsforschung und Startups wird viel geredet. Aber das Potenzial, das in den Corporates liegt, ist noch größer, und darüber redet kaum jemand. R&D heißt, Geld in Wissen zu verwandeln. Innovation heißt, Wissen in Geld zu verwandeln. Ich will ein Beispiel dafür sein, wie man mit Corporate-IP eine neue Startup-Renaissance in Europa erzeugt.

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