20.03.2018

2M2M: 800.000 Euro für Nachhaltigkeits-Startup und Vorhangstange

In Folge 8 der aktuellen Staffel von 2 Minuten 2 Millionen holten sich das Reperatur-Startup Refurbed und die Vorhangstange Joool Investments.
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Joool Refurbed - Zu hohe Bewertung
Screenshot: Leo Hillinger bei der Bewertung des Startups Refurbed bei 2 Minuten 2 Millionen

„Unsere Zielgruppe sind Menschen, die nicht bohren können, dürfen oder wollen“, erklärt Joool-Gründer Laurenz Simbruner, der selbst als Startup-Investor tätig ist. Sein Produkt, eine Vorhangstange mit Klemmfunktion, ähnlich einer Klimmzugstange. Sein Angebot: 20 Prozent des Unternehmens für 300.000 Euro. Nach einigen fachlichen Fragen flüstert Leo Hillinger zu Katharina Schneider: „Des is wos für di!“. Und sie nickt. Doch bevor es in diese Richtung weitergeht, meldet sich Hans Peter Haselsteiner zu Wort. Und er sagt ab. Der Markt für das Produkt sei nicht groß, denn: „Ich schraub das doch nicht selber an. Ich lass mir das machen“. Nach kurzem Feedback der anderen sieht er aber ein: „Ich bin da also schon so angehoben. Ein normaler Mensch macht das“.

+++ Papp-Spielzeug überzeugt: “Nur” 120.000 Euro in 2M2M Sendung 7 +++

Schneider und Hillinger schlagen bei Joool zu

Dann ist Leo Hillinger an der Reihe. „Burschen, das ist genial“, aber er will noch darüber nachdenken. Der nächste, der konkret wird, ist Heinrich Prokop: „Mir ist es zu früh, sorry Guys!“ Währenddessen zeigt Hillinger Schneider eine Notiz in seinem Block. Er scheint einen Plan zu haben. Aber Katharina Schneider sagt: „Ich bin noch am Überlegen. Ich stell mich hinten an“. Doch Michael Altrichter gibt bei Joool relativ schnell w.o.. Also wieder Hillinger. Er will sich beteiligen, aber nur gemeinsam mit Schneider. Und sie will. Ihr Angebot: 300.000 Euro für 26 Prozent, die sie sich mit Hillinger aufteilen will. Deal!

Hillinger von Refurbed-Bewertung entsetzt

Das Wiener Startup Refurbed vermittelt über seine Plattform generalüberholte Elektrogeräte wie Smartphones und Laptops an Kunden – der Brutkasten berichtete bereits mehrmals. Für die Kunden sind die Geräte günstiger – die Umwelt profitiert. 2017 habe man bereits sechsstellige Umsätze gemacht, sagt Gründer Peter Windischhofer. Als er dann 10 Sekunden vor Ende des Pitch das Angebot macht – 10 Prozent für 500.000 Euro – fällt ihm Leo Hillinger aber ins Wort: „Wie Bitte?“, fragt er. Doch er hat sich nicht verhört.

Absage an hartnäckigen Daniel Zech

Auf die erste intensive Fragerunde finden die beiden Gründer passende Antworten. Entsprechend auch Heinrich Prokops Urteil: „Das ist super, was ihr da macht. Keine Frage“. Er sagt dennoch ab – zu teuer. Auch Haselsteiner sagt ab, obwohl ihm die Idee gefällt. Und Schneider: „Ich würde gerne, es passt aber nicht ganz dazu“. Hillinger denkt inzwischen scheinbar anders – „grenzgenial“. Und dennoch: „Ich als Weinbäuerlein…“. Doch er verweist auf Altrichter. Und der legt ein Angebot: „500.000 Euro für 20 Prozent“. Nun bietet Daniel Zech zusätzlich TV-Werbung im Wert von 600.000 Euro für 12 Prozent. Dei Gründer beraten sich kurz. SevenVentures sagen sie ab, obwohl Zech nicht locker lässt (und schreiben später in einer Aussendung: „Unsere Produkte sind unsere beste Werbung“). An Altrichter ergeht Versuch Nummer 2: 12,5 Prozent für die halbe Million. Er gibt 15 Prozent für den Betrag als „take it or leave it“ aus. Es wird nochmal ein Krimi rund um Zech, der weiter drängt. Letztendlich kommt man aber mit Altrichter ins Geschäft.

+++ 2M2M: 750.000 Euro für Öko-Klo, Zahnbürste und Ability-App +++

Keine Investments gab es in Sendung 8 für Wauh, Obstraupe und Big Power. Letzteres Startup, das Schinkenchips herstellt, wird jedoch von Heinrich Prokop und Leo Hillinger in der weiteren Entwicklung durch in kind Leistungen (im Wert von rund 60.000 €) unterstützt. Die beiden Investoren stellen ein Cash-Investment in Aussicht.


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Cécile Deterre (Co-Founderin von Blue Planet Ecosystems) und Renaud Viot (CEO und Co-Founder des Startups Lynxia) führen La French Tech Vienna als Co-Präsident:innen | (c) Emma Brycove/Französische Botschaft in Österreich

Im Foyer der französischen Botschaft in Wien läuft an diesem Abend ein Gast auf vier Beinen über den Marmorboden. Auf seinem Rücken sitzt ein Kamerakopf, daneben ragt eine Funkantenne hervor. Im Hintergrund stehen drei Flaggen: die französische, die europäische und die österreichische.

Der Hausherr hält es an diesem Abend betont analog. „Ich muss sagen, meine Rede wurde nicht von ChatGPT geschrieben, sondern von Menschen“, sagt Botschafter Matthieu Peyraud zur Begrüßung. Dann wird er grundsätzlich: Technologische Souveränität lasse sich nur auf europäischer Ebene erreichen, kein Mitgliedstaat schaffe das allein.

Der Anlass für Roboter und Rede am 8. Oktober: der offizielle Start von La French Tech Vienna, laut Peyraud der ersten French-Tech-Community in Österreich. Sie ist Teil von La French Tech, einem Netzwerk mit nach eigenen Angaben mehr als 100 Communities in Frankreich und weltweit, das großteils von Freiwilligen getragen wird.

Zwei Jahre Pilotphase

Neu ist die Initiative nicht. Sie lief zuvor unter dem Namen French Startups Vienna. Peyraud bezeichnet diese Phase in seiner Rede als „eine Art Pilotprojekt“. Seit rund zwei Jahren bringt sie französische und österreichische Gründer:innen, Forschende und Investor:innen zusammen.

Der französische Botschafter Matthieu Peyraud eröffnete am 8. Oktober den offiziellen Start von La French Tech Vienna in der Botschaft in Wien. Seine Botschaft: Technologische Souveränität gelingt nur auf europäischer Ebene. | (c) Emma Brycove/Französische Botschaft in Österreich

„Wir haben sehr klein angefangen, nur mit französischsprachigen Leuten, die mehr über Tech sehen und hören wollten“, sagt Renaud Viot im Gespräch mit brutkasten. Er ist Co-Präsident von La French Tech Vienna und CEO des Startups Lynxia. Er versteht die Initiative als Community: Die Mitgliedschaft ist kostenlos und steht österreichischen wie französischen Startups offen. „Wir verlangen nur, dass die Leute entweder neugierig auf Tech sind oder bereit, ihr Wissen über Tech zu teilen“, sagt er. Das Kernformat sind regelmäßige Events.

Souveränität als Leitthema

Inhaltlich steht der Abend im Zeichen technologischer Souveränität. Künstliche Intelligenz, Cloud Computing, Cybersicherheit, Halbleiter und Dateninfrastrukturen seien zu strategischen Gütern geworden, sagt Peyraud. Frankreich und Österreich hätten starke Forschungseinrichtungen wie das französische CNRS und das AIT Austrian Institute of Technology. Die gemeinsame Herausforderung sei, wissenschaftliche Exzellenz in globale Technologieführerschaft zu übersetzen. Zu oft gelinge es europäischen Innovationen nicht, im Tempo und in der Größe der internationalen Konkurrenz zu skalieren.

Als Beleg dafür, dass es anders geht, nennt der Botschafter Mistral AI. Die Übernahme des Linzer Startups Emmi AI durch Mistral AI zeige, wie Unternehmen aus verschiedenen europäischen Ländern ihre Expertise bündeln. Sie unterstreiche zudem die technologische Stärke Österreichs.

„Noch nicht so sehr am Radar“

Wo es konkret hakt, schildert Arnaud Béasse. Der Managing Director von 1764 Advisory kümmert sich in der Community um die Investorenbeziehungen. „An erster Stelle möchte ich Investoren mit Startups verbinden“, sagt er im Gespräch mit brutkasten. Das gelte in beide Richtungen. Österreicher:innen nach Frankreich zu bringen, habe bisher sehr gut funktioniert. Die größere Aufgabe sei nun der umgekehrte Weg: französische Investor:innen auf das aufmerksam zu machen, was in Österreich entsteht. Das sei bei ihnen „noch nicht so sehr am Radar“.

Das österreichische Deep-Tech-Startup iono Robotics aus Linz hat mit dem WORKMATE den ersten humanoiden Arbeitsroboter „Made in Austria“ entwickelt. | (c) Emma Brycove/Französische Botschaft in Österreich

Béasse nennt dafür mehrere Gründe. Größere Fonds würden oft mit Teams aus Deutschland auf Österreich schauen. „Das genügt nicht“, sagt er. Dazu komme bei manchen Venture-Capital-Fonds die Angst vor der Sprachbarriere. Bei Business Angels sei diese Hürde noch höher.

Seine Rolle sieht Béasse deshalb nicht nur im Vermitteln von Kontakten. Es gehe darum, Investor:innen auch beim Ökosystem und bei der Kultur zu begleiten. Aus französischer Sicht sehe man in Europa zuerst Spanien, Italien, Deutschland und die Benelux-Länder. Österreich müsse man erst aus dem Schatten von Deutschland und der Schweiz holen.

Acht Startups aus Frankreich und Österreich pitchten vor dem Publikum in der französischen Botschaft, abgestimmt wurde per Smartphone. | (c) Emma Brycove/Französische Botschaft in Österreich

Chancen sieht er bei Corporate Venture Capital. Französische Konzerne seien in Österreich vertreten. Hier gebe es derzeit viele Innovationen in den Bereichen Defense und Dual Use, die für solche Gruppen interessant seien.

ABA will Brücke zwischen den Ökosystemen schlagen

Auf österreichischer Seite ist die Austrian Business Agency (ABA) eingebunden. Verena Gruber, Director Western Europe, ist außerordentliches Mitglied im Board der Community. Als Standortagentur der Republik sei die ABA dafür da, französische Startups dabei zu unterstützen, die Chancen in Österreich zu entdecken, sagt sie im Gespräch mit brutkasten. Mit La French Tech Vienna habe man nun „ein tolles Tool“, um Verbindungen herzustellen, bei Investments ebenso wie bei Kooperationen mit Corporates. Am Tag nach dem Launch standen laut Programm Besuche bei der ABA, der Wirtschaftsagentur Wien und ecoplus sowie eine Führung durch die AI Factory Austria (AI:AT) auf dem Plan.

Die Initiative ist noch sehr jung. Als Beispiel dafür, was möglich ist, nennt auch Gruber den Emmi-AI-Deal. Er zeige die Kompetenz Österreichs bei Industrial AI. „Das ist eine Nische, worauf wir uns auch sehr stark konzentrieren können“, sagt Gruber. Damit könne Österreich auch einen Beitrag zur europäischen Souveränität bei Technologie leisten.

Acht Startups auf der Bühne

Nach den Reden pitchen acht Startups, das Publikum stimmt per Smartphone ab. Aus Frankreich kommen Proxima, VirtualBrowser, PleIAs und Manabou, aus Österreich Cyberaci, Eustella, Prop Corn und Ablatic. Sechs der acht ordnet die Event-Website dem Thema Souveränität zu, von europäischen Sprachmodellen bis Cybersecurity.

Manche der französischen Startups sehen laut Renaud Viot einen Market Fit mit Österreich, andere suchen einen Partner vor Ort, wieder andere haben hier bereits Kund:innen. Die beiden Ökosysteme seien einander ähnlich, beide seien stark bei Spinoffs und in der Forschung. Gemeinsam könne man einander „zu Partnern statt zu Konkurrenten“ machen, sagt Viot.

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