10.07.2017

2,16 Mrd. Euro Kapital für deutsche Startups im ersten Halbjahr 2017

Nach der Studie "Startup Barometer" des Unternehmensberaters EY haben deutsche Startups im ersten Halbjahr 2017 mehr Risikokapital aufgestellt, als je zuvor.
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(c) fotolia.com - elxeneize

Bisher lag der Rekord in Deutschland bei 1,95 Milliarden Euro in Startups investiertem Risikokapital im ersten Halbjahr 2015. Nach einem zwischenzeitlichen Einbruch, der mit „nur“ 972 Millionen Euro investitionen im ersten Halbjahr 2016 seinen Tiefpunkt erreichte, konnte im Nachbarland nun ein neuer Rekord erzielt werden. In 264 Finanzierungsrunden wurden im ersten Halbjahr 2017 insgesamt 2,16 Milliarden Euro von Startups aufgestellt. Das geht aus der Studie „Startup-Barometer“der Unternehmensberatungs-Firma EY hervor.

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Delivery Hero-Investment schlägt sich deutlich in Statistik nieder

Besonders stark ist der Anstieg gegenüber dem Vorjahr im Bereich E-Commerce. Vor allem aufgrund gehäufter Großinvestitionen (herausstechend: 387 Mio. Euro für Delivery Hero) hat sich die Summe dort mehr als versechsfacht. Eine starke Steigerung gab es auch in den Bereichen FinTech, Health und Software & Analytics. Auch insgesamt ist die Steigerung auf die gestiegene Anzahl großer Deals zurückzuführen: Fünf Investitionsrunden mit einem Volumen von je über 50 Millionen Euro im ersten Halbjahr 2017 stehen einer im ersten Halbjahr 2016 gegenüber.

68 Prozent des Volumens in Berlin

Beachtlich: Ganze 68 Prozent des deutschlandweiten Gesamtvolumens gingen an Startups in Deutschlands Hauptstadt und Startup-Hauptstadt Berlin. Mit 1,48 Milliarden Euro Investitionen in 116 Finanzierungsrunden schlägt die Stadt an der Spree Bayern (213 Millionen Euro) und Hamburg (178 Millionen Euro) weit ab. Dieser Umstand wird freilich extrem dadurch verstärkt, dass sowohl Delivery Hero, als auch das zweitgrößte Investment in dem Zeitraum, Auto1 (mit 360 Millionen Euro) ihren Sitz in Berlin haben. In Hamburg freut man sich übrigens trotzdem: Das Investitionsvolumen hat sich dort im Vergleich zur ersten Hälfte des Vorjahrs mehr als verdoppelt. Damit überholte die Hansestadt im Ranking auch Nordrhein-Westfalen.

⇒ Link zur Studie

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(v.l.) Das Führungsteam von reebuild: Nicolaus Lederer, Alexander Kornell, Matteo Cimadom, Luca Papay © Oskar Fleischanderl

Papierordner und manuell geführte Excel-Tabellen sollen der Vergangenheit angehören, zumindest wenn es nach reebuild geht. Das Tech-Startup automatisiert mit seiner KI administrative Tätigkeiten von Bauleitern. Es wandelt also Dokumente, PDFs, Fotos etc. in strukturierte Daten um oder automatisiert Aufgaben wie die Rechnungsprüfung. In der vergangenen Pre-Seed-Runde sind bereits bekannte Investoren wie Hansi Hansmann eingestiegen (brutkasten berichtete). Nun schloss reebuild eine Seed-Runde von über drei Millionen Euro ab, angeführt vom europäischen Investor Fortino Ventures, mit Beteiligung von Rise PropTech und CuriosityVC.

Weitere Automatisierung des kaufmännischen Ablaufs

Mit dem frischen Kapital sollen KI-gestützte Module weiterentwickelt werden, durch die der kaufmännische Ablauf von der Kalkulation bis zur Buchhaltung weitgehend automatisiert werde. „Wir wollen den Kosmos auf unserer Plattform mit immer neuen Workflows erweitern. Darunter verstehen wir z.B. den Erstellungsprozess von Ausgangsrechnungen“, sagt CEO und Gründer von reebuild Alexander Kornell im brutkasten-Gespräch. Zudem soll das Büro in Wien personell aufgestockt werden. Aktuell ist reebuild in Deutschland und in Österreich etabliert. Durch die Investitionen soll nun in weitere europäische Länder wie Italien oder Polen expandiert werden. Es gebe bereits Entwicklungspartnerschaften mit ersten Proof Points.

Zu den Kund:innen zählen Unternehmen wie Pittel+Brausewetter oder 3SI Immogroup. Die Software wird, laut dem Startup, in Wien entwickelt, in Deutschland gehostet und ist DSGVO-konform.

„Jetzt ist der richtige Zeitpunkt“

„Wir sind überzeugt, dass jetzt der richtige Zeitpunkt für Bauunternehmen und Projektentwickler ist, ihre Backoffice-Prozesse mit Software und KI zu digitalisieren und zu automatisieren“, sagt Wouter Goossens, Partner bei Fortino Ventures. Reebuild erklärt, dass die Verwaltung und Steuerung von Kosten zwischen den Abteilungen im operativen Geschäft der Baubranche veraltet sei. Rechnungen würden händisch mit Vertragsbedingungen oder Lieferscheinen abgeglichen und Führungskräfte würden Entscheidungen auf Basis überholter Informationen treffen müssen.

„Wir kennen die Probleme der Branche aus erster Hand und entwickeln reebuild gemeinsam mit unseren Kundinnen und Kunden extrem nah an der Praxis“, sagt Kornell über die Baubranche und ergänzt: „Wir sind überzeugt, dass wir diesen Markt mit einem Team aus Bau- und Technologie-Know-how aufmischen können. Nicht mit einem weiteren Tool, sondern mit einer Lösung, die wirklich versteht, wie Baustellen und Projekte kaufmännisch abgewickelt werden.“

Reebuild sorge für beschleunigte Prozesse und aktuellere Entscheidungsgrundlagen, was wiederum zu messbaren Einsparungen im gesamten Unternehmen führe. Beschaffungskosten könnten dadurch um bis zu 20 Prozent sinken.

Vision: Administrativer Aufwand auf null senken

Der bürokratische Aufwand soll laut reebuild in Zukunft gänzlich verschwinden. Auf Basis der strukturierten Daten hinter jedem Dokument entwickele reebuild das Agentic Backoffice für Bauunternehmen. KI-Agenten übernehmen eigenständig Routineaufgaben wie Prüfung, Abgleich und Vorkontierung. Dadurch sollen Teams ihre Zeit eher für das operative Geschäft anstatt für das manuelle Kostencontrolling nutzen.

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