02.04.2026
BILANZ

2025: 224 internationale Neuansiedlungen in Wien

Das Jahr 2025 hat Wien einen großen Zulauf aus dem Ausland beschert. 224 internationale Unternehmen aus 49 Ländern haben sich laut der Ansiedlungsbilanz der Wirtschaftsagentur Wien 2025 in der Bundeshauptstadt niedergelassen und damit deutlich mehr Jobs geschaffen als noch im Jahr zuvor.
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Dominic Weiss und Barbara Novak. | © Wirtschaftsagentur Wien

Die Zahlen sind eindeutig: 1.682 neue Arbeitsplätze entstanden in Wien durch die Neuansiedlungen aus dem Ausland. Das entspricht einem Plus von über 80 Prozent gegenüber 2024. Dazu kommen Investitionen von rund 525 Millionen Euro sowie eine von der Wirtschaftsagentur Wien prognostizierte zusätzliche Wertschöpfung von rund 750 Millionen Euro für ganz Österreich. Der Standort Wien wirkt also weit über die Stadtgrenzen hinaus.

„Wien zeigt eindrucksvoll, wie attraktiv unser Standort für internationale Unternehmen ist. Das starke Plus bei den Arbeitsplätzen beweist: Unsere Strategie wirkt und bringt echte Chancen für die Menschen in unserer Stadt“, kommentiert Wirtschaftsstadträtin Barbara Novak.

Fokus auf Tech-Branchen

Besonders auffällig ist der Schwerpunkt auf technologiegetriebenen Branchen. Insgesamt 60 internationale Unternehmen aus den Bereichen IT, Telekommunikation und Software haben sich 2025 in Wien angesiedelt und damit den Ton für die gesamte Bilanz gesetzt. Zu den Top-Branchen zählen neben IT, Telekommunikation und Software auch Handel sowie unternehmensnahe Dienstleistungen.

Ein konkretes Beispiel für den Tech-Zuzug ist Bybit EU (brutkasten berichtete). Die zweitgrößte Kryptobörse weltweit, ursprünglich in Singapur gegründet, hat sich in Wien angesiedelt und profitiere laut Presseaussendung dabei von einem verlässlichen regulatorischen Umfeld, das Rechtssicherheit schafft und Innovationen erleichtert. Das zeigt, dass Wien nicht nur mit Infrastruktur punktet, sondern auch mit Rechtssicherheit – ein Argument, das gerade für regulierungsintensive Branchen wie Krypto zunehmend relevant wird.

Unternehmen aus 49 Ländern

Unternehmen aus Deutschland, Ungarn und Italien waren unter den Neuansiedlungen besonders stark vertreten. Die geografische Nähe spielt offensichtlich eine Rolle, doch Wien zieht laut Bilanz Unternehmen aus insgesamt 49 Ländern an – eine Streuung, die auf eine breitere internationale Wahrnehmung hindeutet.

Dominic Weiss, Geschäftsführer der Wirtschaftsagentur Wien, sieht in den Zahlen eine Bestätigung der eingeschlagenen Richtung: „Unternehmen finden in Wien verlässliche Rahmenbedingungen, ein starkes Ökosystem und unmittelbaren Zugang zu den europäischen Märkten.“

Wirtschaftsstadträtin Barbara Novak betont vor allem die Dynamik in den Technologiebranchen: „Sie sind ein zentraler Motor für Innovation, Wachstum und zukunftssichere Jobs.“ Als konkrete Maßnahmen nennt sie Projekte wie das Life Science Center Vienna und das Quantum Technology Center Vienna (brutkasten berichtete), mit denen die Stadt ihre Position als Technologiestandort weiter ausbauen will.

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Das microagi-Team | (c) microagi
Das microagi-Team | (c) microagi

Sie gilt aktuell als einer der – mit dem KI-Boom verknüpften – globalen Mega-Trends: die Robotik. Und einmal mehr droht Europa im globalen Wettlauf ins Hintertreffen zu geraten, warnt man beim Münchner Startup microagi. Denn trotz einer großen industriellen Basis und starken Leistungen in Forschung und Entwicklung, laufe China dem Kontinent aktuell davon. Eine besondere Herausforderung für Europa sei dabei die Alterung der Bevölkerung.

„Wir können es uns nicht leisten, Europas Zögern bei der KI zu wiederholen“

„Das industrielle Europa hat 12 bis 18 Monate Zeit, um seinen Vorsprung in der Robotik auszubauen. Wir können es uns nicht leisten, Europas Zögern bei der KI zu wiederholen“, meint Bercan Kilic, Gründer und CEO von microagi.
„Wer Fabriken in Europa betreibt, hat die Zahlen schon auf dem Schreibtisch: Die erfahrensten Mitarbeiter gehen in diesem Jahrzehnt in den Ruhestand, und deren Nachfolger wurden nie geboren.“

Datenaufbereitung im Fokus

Kilic war zuvor Ingenieur bei Red Bull Racing und gründete microagi vor zehn Monaten unter anderem mit einem weiteren ehemaligen Formel-1-Ingenieur von Mercedes-AMG Petronas. Mit dem Startup, das seinen Forschungshauptsitz im Umfeld der ETH Zürich betreibt, setzt das Team auf das Thema Datenaufbereitung. Denn, so heißt es vom Unternehmen: „Roboter erreichen etwa 95 Prozent einer Aufgabe und stagnieren dann. Die letzten paar Prozentpunkte – diejenigen, die darüber entscheiden, ob eine Maschine die Wirtschaftlichkeit der Fabrik tatsächlich verbessert –, stammen ausschließlich aus den eigenen Betriebsdaten und Edge Cases dieser Fabrik.“

Das System Atlas erfasst Daten im laufenden Betrieb und diese in einer Simulation, um sie für werkspezifische Aufgaben zu optimieren. Zusammen mit Hardware-Partnern wie NVIDIA und Unitree setzen dann Ingenieur:innen des Startups vor Ort in den Fabriken ein System auf.

„Unsere Partner bauen wirklich gute Roboter und Modelle“, erklärt CTO Nico Nussbaum. „Unsere Arbeit beginnt danach, in der Fabrikhalle. Wir stellen unsere Ingenieure bei jedem Kunden vor Ort bereit, und das System lernt aus ihren realen Abläufen und speist das in den nächsten Durchlauf ein. So sind sie mit jedem Monat, den wir dort sind, ihrer Konkurrenz ein Stück weiter voraus.“

Rekord-Seedinvestment primär aus Europa

Mit dem System überzeugte microagi nun eine ganze Reihe vorwiegend europäischer Investmentgesellschaften. Mit 55 Millionen US-Dollar (umgerechnet rund 48 Mio. Euro) schließt das Startup nach eigenen Angaben die größte Seed-Finanzierungsrunde in der deutschen Geschichte ab. Den Lead übernimmt dabei Hummingbird mit Sitz in Belgien, mit Beteiligung von Northzone (UK), LocalGlobe (UK), Village Global (USA) und redalpine (Schweiz).

„Europa bildet einige der besten Robotiker der Welt aus – und sieht ihnen dann dabei zu, wie sie Unternehmen in Kalifornien aufbauen. Was gefehlt hat, ist die richtige Ambition“, kommentiert Firat Ileri, Managing Partner bei Hummingbird. „Microagi hat einige der ehrgeizigsten Menschen versammelt, die wir je getroffen haben, sie in Europa gehalten und sie auf eines der schwierigsten Probleme ausgerichtet, die es gibt.“

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