08.03.2022

200.000 Euro: Ohswald und Schütz vor Einstieg beim Wiener Startup Schrankerl

Bei “2 Minuten 2 Millionen” konnte das Wiener Startup “Schrankerl” Felix Ohswald und Alexander Schütz mit jeweils 100.000 Euro Investments an Bord holen.
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Schrankerl, Mittagessen, Kühlschrank, Bowle, Wraps, Kantine
Die Schrankerl-Founder Stephan Haymerle und Sara Mari | © Schrankerl

Frisches Mittagessen direkt im Unternehmen, ohne Vorbestellung. Mit diesem nachhaltigen Konzept konnten die Schrankerl-Gründer:innen Sara Mari und Stephan Haymerle bei ihrem #2min2mio-Auftritt zwei Investoren für sich gewinnen. Besonders überzeugt waren Alexander Schütz und GoStundent-Gründer Felix Ohswald, die vor laufender Kamera Investments über jeweils 100.000 Euro angekündigt haben. Somit hat das Schrankerl-Team sein Wunsch-Investment von 200.000 Euro erzielt. 

Wie Gründer Haymerle gegenüber dem brutkasten erklärt, sei die Tinte noch nicht trocken und somit noch kein Deal unterschrieben. “Die Investoren haben uns aber versichert, dass sie ihr Versprechen realisieren und investieren werden. Es fehlen nur noch zwei mini-Details, aber das Geschäftskonzept gefällt uns, der Rest ist Formalitäts-Sache”. 

1.5 Mio. Euro Gesamtkapital für DeepTech-Software und Wachstum

Das erst im Februar 2019 gegründete Wiener Startup hat bis dato knappe 1,5 Mio. Euro Investments inklusive Förderungen erhalten. Schrankerl schloss erst im Oktober 2021 seine erste Kleininvestoren-Pooling-Runde mit 235.000 Euro Kapital (vom Netzwerk und drei Kunden) ab. Kurz darauf gab es für das Jungunternehmen im November 2021 eine FFG-Förderung im mittleren sechsstelligen Bereich. 

Die Gründer:innen möchten nun die Hälfte ihres bisher erhaltenen Gesamtkapitals in ihr DeepTech-FFG-Projekt für Meal-Demand-Forecasting investieren. „Wir entwickeln ein eigenes Programm, das uns hilft, Foodwaste zu reduzieren und den Geschmack unserer Kund:innen besser zu treffen. Die dafür benötigte Software gibt es noch nicht und sie ist für unser Geschäft sowie für unsere Skalierung essentiell, da wir Essen mit kurzer Haltbarkeit ohne Vorbestellung an eine enge Zielgruppe liefern”, sagt Haymerle. Die andere Hälfte des Kapitals sei für das Wachstum des Startups, inklusive neuen Positionen, Speisen und Menü-Entwicklungen geplant. 

#2min2mio-Investment als Qualitätssiegel für Schrankerl 

Neben dem Investment freuen sich die Schrankerl-Gründer:innen auch über die Türen, die ihnen nun geöffnet werden. Denn “ die Investition von #2min2mio gibt Legitimation. Diese Leute investieren nicht in jedes Startup. Ab dem Moment, wo man den ersten bekannten #2min2mio-Investor im Boot hat, ist es ein Qualitätssiegel und somit eine offene Tür für Nachfolge-Investments”, sagt der Gründer. Aus diesem Grund plant das Team schon für den Herbst eine weitere Series-A-Investment-Runde, um ihre Expansion vorantreiben zu können. 

Dennoch möchten sie nicht nur auf die Investments von hochkarätigen Investoren beruhen, sondern auch ihre Verkaufszahlen für sich sprechen lassen. Mit der verdoppelten Nachfrage an Schrankerl-Speisen innerhalb von wenigen Monaten ist das Duo zuversichtlich, auch eine potentielle internationale Skalierung anstreben zu können. Von anfänglichen 3.000 Speisen, die Ende 2021 monatlich verkauft wurden, stieg die Zahl im Februar 2022 auf 6.000 verkaufte Schrankerl-Gerichte. “Wir merken stark, dass die Leute wieder in ihre Büros zurückkehren und die Unternehmen sich über die Versorgung ihrer Angestellten Gedanken machen”, sagt Haymerle. Dank der Nachfragen-Explosion sei das Jungunternehmen bis Ende April ausgebucht.

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easyvegan Pixelrunner FireStart P4 Therapeutics - Insolvenzen
(c) Adobe Stock

5.139 Unternehmen mussten laut aktueller Hochrechnung des Kreditschutzverbands KSV1870 in den ersten drei Quartalen 2026 in Österreich Insolvenz anmelden. Das entspricht einem Plus von 0,4 Prozent zum gleichen Zeitraum im Vorjahr. Nach Jahren des deutlichen Anstiegs bedeutet das eine Stagnation auf hohem Niveau. Diese erwartet der Verband auch für das gesamte Jahr. Die Passiva sind wegen einer etwas geringeren Zahl an Großinsolvenzen in den ersten drei Quartalen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um rund sieben Prozent auf etwa sechs Milliarden Euro gesunken. Bei den Branchen – Handel vor Baugewerbe und Gastronomie – gab es „wenig Bewegung“.

„Kräftiger Aufschwung gegenwärtig nicht erkennbar“

Insgesamt gibt es seitens des KSV1870 weiter keine Entwarnung. Die schwache Konjunktur, die verhaltene Nachfrage und die hohen Kosten würden Betriebe weiterhin belasten, „ein kräftiger Aufschwung ist gegenwärtig nicht erkennbar“, heißt es vom Verband. „Wo Margen und finanzielle Reserven knapp sind, kann der anhaltende wirtschaftliche Druck schnell existenzbedrohend werden. Entsprechend hoch bleibt die Zahl der Betriebe, die ihre finanziellen Verpflichtungen nicht mehr erfüllen können und den Weg in die Insolvenz antreten müssen“, kommentiert Karl-Heinz Götze, Leiter KSV1870 Insolvenz.

Weiterer Zuwachs bei nicht eröffneten Fällen „alarmierend“

Mehr noch beschäftigt den Verband eine Entwicklung, die sich in den vergangenen Jahren kontinuierlich verschärft hat, und vom KSV als „besorgniserregend“ eingestuft wird: ein massiver Zuwachs bei den nicht eröffneten Fällen. So ist die Zahl der eröffneten Unternehmensinsolvenzen im dritten Quartal gegenüber dem Vorjahreszeitraum sogar um 7,2 Prozent gesunken, die Zahl der mangels Masse nicht eröffneten Verfahren dagegen um nicht weniger als 12,6 Prozent gestiegen. Konkret war es laut KSV seit Jahresbeginn bei 2.204 Fällen, also ca. 43 Prozent aller Verfahren mangels Kostendeckung nicht möglich, diese einer geordneten Abwicklung zuzuführen.

„Dass es zwischen den eröffneten und abgewiesenen Fällen mittlerweile nur noch einen zahlenmäßig geringen Unterschied gibt, ist alarmierend. Das ist ein Umstand, den die Gläubiger massiv zu spüren bekommen, da sich in diesen Fällen ihre Verluste weiter erhöhen. Das kann auch für wirtschaftlich gesunde Unternehmen mittel- und langfristig zum Problem werden“, erläutert Götze.

KSV1870 sieht Betrugsbekämpfungsgesetz „zumindest punktuell“ als Auslöser

Die Gründe für die Dynamik laut KSV: Nicht nur werde immer häufiger mit der Insolvenzanmeldung zu lange gewartet, der Verband sieht die Entwicklung auch „zumindest punktuell“ als eine Folge des im Jänner 2026 beschlossenen Betrugsbekämpfungsgesetzes. „Denn infolgedessen ist es vielfach so, dass vor der Änderung der Gesetzeslage durchsetzbare Anfechtungsansprüche nun nicht mehr geltend gemacht werden können, die Zahl der Gläubigeranträge sinkt und auch die Quoten dementsprechend für die Gläubiger zurückgehen“, heißt es vom KSV. In diesem Zusammenhang seien – „wie bereits beim Gesetzesbeschluss seitens des KSV1870 vorausgesagt“ – Folgeinsolvenzen zu befürchten.

Der KSV1870 erwartet auch für das vierte Quartal keine Entschärfung der Insolvenzdynamik und auch keine Verbesserung bei den nicht eröffneten Fällen. „Angesichts dieser Faktenlage ist es höchst an der Zeit, eine gesetzliche Basis zu schaffen, wie mit den mangels Masse abgewiesenen Fällen zukünftig umzugehen ist. Andernfalls wird sich der gesamtwirtschaftliche Schaden weiter erhöhen“, meint Götze.

Deutliches Statement zur Insolvenz-Entgelt-Fonds-Diskussion

Der Verband äußert sich zudem zur Diskussion rund um eine Finanzierungslücke beim Insolvenz-Entgelt-Fonds (IEF). „Aus Sicht des KSV1870 ist dabei ein Punkt wesentlich: Aufgrund der Tatsache, dass sich Österreichs Unternehmen seit einigen Jahren mit massiven wirtschaftlichen Herausforderungen konfrontiert sehen, ist eine automatische Anhebung der Dienstgeberbeiträge keine Option“, heißt es dazu. Götze kommentiert: „Dadurch würden die Betriebe finanziell zusätzlich belastet werden, was angesichts der derzeitigen Situation nicht erstrebenswert sein kann.“ Wichtig in der Diskussion sei jedenfalls, „nicht nur den Bedarf für das Jahr 2027 zu bewerten, sondern langfristig zu denken und sowohl die Interessen der Arbeitgeber wie auch jene der Arbeitnehmer zu berücksichtigen“, so der Verband abschließend.

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