Deutsche Firma mit nicht selbst erfundenem Produkt bei 2min2mio (hat aber was mit Klo zu tun)
Glosse. Das Münchner Unternehmen Stuul produziert einen Toilettenhocker, der sich durch sein Design und Material von der Konkurrenz abheben soll. Das ist legitim, bloß: Was hat es bei 2 Minuten 2 Millionen verloren?
Wir schreiben das Jahr 2024. Die Fernseh-Show 2 Minuten 2 Millionen ist bei der 11. Staffel angelangt. Und scheinbar gehen dem Fernseh-Format endgültig die in Frage kommenden Unternehmen als Kandidaten aus.
Es waren einmal Startups bei 2 Minuten 2 Millionen
Die Zeiten, in denen primär Firmen, die man per definitionem als „Startup“ bezeichnen kann, bei 2 Minuten 2 Millionen antreten, sind schon länger vorbei. Jungunternehmen mit Produkten, die sowohl innovativ als auch skalierbar sind, kommen nur mehr vereinzelt vor. Das ist auch nachvollziehbar.
Denn erstens sind die Juror:innen in der Serie im Normalfall nicht gewillt, Investments zu richtigen Startup-Bewertungen zu tätigen. Zweitens geht es im Fernsehen halt um die Quote und B2B-KI-SaaS-Tools für die Buchhaltung ziehen bei Otto und Ottilie Normalverbraucher:in nicht so gut, wie irgendwas, mit dem das Steak angeblich saftiger wird. Natürlich handgefertigt aus drei Tage vor dem elften Vollmond gefälltem Tiroler Zirbenholz.
Nicht aus Österreich und nicht wirklich innovativ…
Dennoch könnte es gewisse Grenzen bei der Aufnahme von 2 Minuten 2 Millionen-Kandidaten-Firmen geben. In der Folge diese Woche tritt etwa ein Unternehmen an, das nicht aus Österreich kommt und dessen Produkt nicht wirklich innovativ ist.
To be fair: Der Toilettenhocker des Münchner Unternehmens Stuul ist potenziell skalierbar. Gegenüber anderen Toilettenhockern für die „natürliche Sitzhaltung“ beim Kacken, die seit vielen Jahren am Markt sind, soll dieser mit seinem stylishen Design, der kompakten Größe (weil zweiteilig und zusammenlegbar) und dem hundertprozentig recyclebaren Material punkten. Das ist eine legitime Geschäftsidee und den Gründern sei an dieser Stelle viel Erfolg gewünscht.
…dafür was mit Klo (kicher kicher)
Dass Stuul aber als deutsches Unternehmen mit nicht selbst erfundenem Produkt bei 2 Minuten 2 Millionen antreten kann, hat wahrscheinlich nur einen Grund: Es hat was mit Klo zu tun (kicher kicher). Wenn die Serie dadurch aufgelockert wird, dass ein paar Toiletten-Wortwitze gemacht werden können, geht wohl auch das durch.
Satellives: Das Tullner SpaceTech-Startup, das Satelliten wie ein Leporello faltet
Satellives entwickelt einen flachen, modularen Satelliten, der sich im Orbit zu einer Kette entfaltet. Anfang 2029 soll er erstmals fliegen. Wir haben mit Gründerin und CEO Lilly Eichinger über die Hintergründe gesprochen.
Satellives: Das Tullner SpaceTech-Startup, das Satelliten wie ein Leporello faltet
Satellives entwickelt einen flachen, modularen Satelliten, der sich im Orbit zu einer Kette entfaltet. Anfang 2029 soll er erstmals fliegen. Wir haben mit Gründerin und CEO Lilly Eichinger über die Hintergründe gesprochen.
Lilly Eichinger, Gründerin und CEO von Satellives: Der erste Flug ihres modularen Satelliten ist für Q1 2029 geplant. | (c) brutkasten / Haris Dervisevic
Wer heute im All etwas anderes vorhat als Erdbeobachtung oder Kommunikation, stößt schnell an eine Wand. „Wenn du irgendetwas im All machen willst, egal ob Experimente, Manufacturing, Datenspeicherung oder eine Plattform für Quantenkommunikation, dann hast du keine Infrastruktur“, sagt Lilly Eichinger, Gründerin und CEO von Satellives. „Es gibt kaum Plattformanbieter.“ Bisher führe der Weg für solche Missionen im Wesentlichen über die ISS. Deren Betrieb soll 2030 enden, kommerzielle Nachfolgestationen sind in Entwicklung, aber noch keine im Regelbetrieb.
In diese Lücke will das Tullner Startup. Der Ausgangspunkt war das Ergänzungsstudium Extended Studies on Innovation am Innovation Incubation Center (i²c) der TU Wien, wo Eichinger die Idee entwickelte. Kunst und Philosophie hatte sie vor ihrem Physik- und Architekturstudium in Wien studiert.
Der Leporello-Satellit
Das Produkt ist ein flacher Satellit, der aus einzelnen Einheiten besteht: den Tiles, jede fünf Zentimeter hoch und etwa so groß wie eine Pizzaschachtel. „Es sieht aus wie Kacheln, im Grunde wie Solarpaneele, die sich im Orbit entfalten“, sagt sie. „Aber es sind keine Solarpaneele. Es sind voll funktionsfähige Satelliten.“
Der Kniff steckt im Scharnier. Die Einheiten sind verbunden und übereinander gestapelt, ähnlich einem Leporello. Gestapelt passen sie in einen handelsüblichen CubeSat-Dispenser, was die Startkosten drückt. Im Orbit entfalten sie sich zu einer langen Kette: „Wir nennen sie Mosaics Satellites.“
Ein Mosaic von Satellives | (c) Satellives
Der technische Kernclaim betrifft Energie. Pro Einheit könne man bei gleichem Gewicht viermal so viel Energie speichern wie ein durchschnittlicher CubeSat, sagt Eichinger. Der Wert beruht auf eigenen Berechnungen und ist im Flug nicht demonstriert. „Das Einzige, was es im All unbegrenzt gibt, ist Energie.“ Nur lasse sie sich kaum nutzen: Bei CubeSats sei nicht das Einsammeln das Problem, sondern der fehlende Platz für Batterien. Wer energiehungrige Missionen fliegen wolle, habe deshalb nur schlechte Optionen. „Entweder du baust einen 50-Millionen-Dollar-Satelliten, was fast niemand kann, oder du kannst es nicht.“
Dazu kommt Modularität. „Die meisten Satelliten sind One-Trick-Ponys“, sagt Eichinger. An die Plattform lassen sich dagegen Produktionsboxen andocken. Zwei Tiles würden nach ihrer Rechnung reichen, um einen kleinen 3D-Drucker dauerhaft zu versorgen und gleichzeitig als Plattform für Quantenkommunikation oder Datenspeicherung zu dienen.
Flache Satelliten an sich sind nicht neu, das räumt Eichinger ein: Starlink stapelt sie längst, weil sich so Startkosten sparen lassen. Neu sei die Kombination aus flachem Formfaktor und echter Modularität. Das Patent dafür ist nach ihren Angaben bei der WIPO und in Österreich angemeldet, zunächst bewusst auf ihren Namen und nicht auf die Gesellschaft. Ende Juli wurde es an die Gesellschaft übertragen. Ab einem gewissen Punkt, sagt sie, mache staatsnahe oder fremdgehaltene IP ein Unternehmen für Investor:innen unattraktiv.
Gegen den Hype
Rechenzentren im Orbit sind für Satellives selbst ein Zielmarkt. Beim Hype darum bremst Eichinger trotzdem. „Alle sagen: Bringt die Datenspeicher ins All, dort ist es kalt. So funktioniert das nicht.“ Kühlung sei auch oben nötig. Wäre das der einzige Punkt, sagt sie, bräuchte es den Orbit gar nicht: „Warum bringt man die Daten dann nicht in die Arktis? Dort kann man sie kühlen.“ Der größte Engpass sei das Wärmemanagement: Im Vakuum lasse sich ein Rechenzentrum nur schwer kühlen. Dazu kämen Verarbeitung und Downlink per Laserkommunikation, beides brauche kontinuierlich hohe Energie. Ein riesiges und künftig sehr relevantes Geschäftsfeld sei es dennoch.
Satellives-Gründerin Lilly Eichinger im Gespräch mit brutkasten-Chefredakteur Martin Pacher. (c) brutkasten / Haris Dervisevic
Verglühen lassen will sie nichts. „Wir planen, zu 100 Prozent nachhaltig zu operieren.“ Der übliche Wiedereintritt am Missionsende erzeuge giftige Gase. „Okay, nicht ein einzelner CubeSat. Aber wenn es eine Million sind oder zehntausend im Jahr, dann summiert sich das.“ Beschädigte Tiles sollen stattdessen über einen Reentry-Service zurückkommen und recycelt werden.
Kapitalbedarf
Firmensitz ist Tulln, weil Satellives über das AplusB-Scale-up-Programm vom accent Inkubator begleitet wird, bis Ende Januar 2027. Das Headquarter soll langfristig in Wien liegen. Das Kernteam umfasst laut Website vier Personen: neben Eichinger als CEO ein Technical Co-Founder, ein Operations Co-Founder und eine weitere Person im Bereich Operations.
Der Kapitalbedarf: rund 1,6 Millionen Euro für 18 Monate. Die Hälfte davon soll aus Förderungen und von Business Angels kommen. „Wir arbeiten da gerade wirklich zehn Stunden am Tag dran“, sagt Eichinger. Erst mit dem Geld könne man Ingenieur:innen einstellen und vom Prototyping in den echten Bau wechseln. Dazu sucht das Startup 25.000 bis 50.000 Euro für die Patentanmeldung in weiteren Ländern.
Das Ziel: zwei Einheiten, erste On-Orbit-Demonstration in Q1 2029, die bereits Pilotkund:innen bedienen soll. Das Fernziel formuliert sie größer. „Österreich kann für Space das werden, was Estland für die Digitalisierung ist. Es ist ein kleines Land, niemand hätte erwartet, dass Estland zum digitalen Hub wird. Aber sie sind es geworden, und sie rocken es.“
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