17.03.2017

2 Minuten 2 Millionen – Zwischen Erfindergeist und Wursthautschäler

Die Quoten stimmen bei 2 Minuten 2 Millionen. Zu Spitzenzeiten verfolgen bis zu 300.000 Zuseher das Format. Für einen bedingungslosen Kniefall vor dem österreichischen Erfindergeist ist es jedoch zu früh, eindeutig zu früh.
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Francesco Scatena-fotolia.com

Innovation, Technologie, Erfindung – all diese Begriffe sind mit dem mittlerweile omnipräsenten Wort „Startup“ konnotiert. Doch wer gilt tatsächlich als Startup und wer nicht? Die Dehnbarkeit des Wortes steht seiner Prominenz auf jeden Fall um nichts nach.

Erfindung?

Technologisch ist so viel möglich wie nie zuvor, die wirklich bahnbrechenden Erneuerungen verdienen jedoch eher das Prädikat „rar“. Die Hälfte der vierten Staffel ist vorbei und es tun sich mitunter die Fragen auf: Wars das mit Erfindergeist? Sind Erfindungen in erster Linie Weiterentwicklungen von Dingen, die es bereits seit Jahrzehnten gibt?  Ein Regenschirm mit eingebauter LED-Lampe, T-Shirts mit Gesichtern, eine Holzstütze zum Schuhe binden oder ein maßgeschneiderter Beißkorb – jedem dieser Unternehmer ist das Beste mit seinem Produkt zu wünschen. Jeder hat es verdient, sein Glück zu versuchen. Doch entsprechen diese Produkte tatsächlich dem Erfinder- und Startupgeist, den sich 2 Minuten 2 Millionen selbst attestiert? Musikproduzenten sind immer wieder erfolgreich damit, alten Melodien in etwas abgeänderter Form neues Leben einzuhauchen, doch sollten Erfinder andere Ziele verfolgen.

…und dann kommt der Wursthautschäler

„Hast du gestern bei 2M2M die neue Blockchain Software-Lösung gesehen?“ – man muss kein großer Kenner der Wahrscheinlichkeitsrechnung sein, um zu wissen, dass Gespräche am Mittwochmorgen tendenziell anders beginnen. Da kommen sie ins Spiel, die Sieger der Herzen, oder zumindest jene, die Gesprächsstoff liefern. Was wäre 2 Minuten 2 Millionen ohne den Wursthautschäler, ohne einen „ich hab einfach mal alles zusammengemischt“-Wespenvertreiber. Man stelle sich vor, eine Castingshow ohne Outtakes, nicht auszudenken. Doch anders, als der pummelige Selbstdarsteller mit den wasserstoffblonden Haaren im hellrosa Trainingsanzug verlassen diese Unternehmer die Show nicht als Verlierer. Sie haben ihr Produkt erfolgreich einer breiten Masse präsentiert, es wird darüber gesprochen und auch wenn viele Dinge schädlich für den Umsatz sein können, Bekanntheit ist es nicht.

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Hansi Hansmann auf der Main Stage des Female Future Festivals 2026. © brutkasten

Unter dem Motto „The Power of Connection“ versammelten sich am 22. Oktober rund 2.000 Teilnehmende in der Wiener Ottakringer Eventlocation. Das von den Schwestern Verena Eugster und Patricia Zupan-Eugster gegründete Female Future Festival widmete sich Themen wie Leadership, künstlicher Intelligenz und Finanzkompetenz. Neben Fachpanels zu Verhandlungsstrategien oder finanzieller Gesundheit war auch Business Angel Hansi Hansmann als Keynotespeaker auf der Bühne zu sehen.

„…, weil ich glaube, dass es unsere Welt besser macht“

Im Gespräch mit brutkasten nannte Hansmann seine Motivation für den Besuch: „Ich habe zwei kleine Töchter und ich möchte gerne, dass meine Töchter später im Leben irgendwann alles das machen können, was sie machen wollen, ohne dass ihr Geschlecht sie daran hindert.“ „Ich bin ein ganz, ganz großer Fan davon, dass es mehr Unternehmerinnen und mehr Investorinnen gibt. Überhaupt mehr Frauen an der Macht, weil ich glaube, dass es unsere Welt besser macht“, ergänzt er zu seinen Beweggründen.

Was seine Beteiligungen angeht, sieht der Investor und ehemalige Manager in Sachen Geschlechterverteilung ein klares Muster: „Ich habe in alles investiert: in rein männliche Teams natürlich viel mehr, aber auch rein weibliche und gemischte Teams. Am besten performen gemischte Teams aus meiner Erfahrung.“

Der Hebel gemischter Teams

Den Vorteil gemischter Teams sieht Hansmann im Zusammenspiel unterschiedlicher Stärken: Es gebe „unterschiedliche Eigenschaften und Skills zwischen Frauen und Männern, und die Mischung macht’s aus“.

Als Beispiel nennt er den Markteintritt: „Ein reines Männerteam geht mit dem Produkt raus, wenn es fertig ist. Nach dem Motto ’das können wir mal rausschieben in den Markt, probieren wir mal, schauen wir mal, ob es ankommt.’ Beim reinen Frauenteam, da muss das Produkt perfekt sein. Und das dauert natürlich fünf Monate länger, bis die auf den Markt gehen, und damit vergeht Zeit.“ Für ihn gilt: „Das gemischte Team, wo sozusagen alle Stimmen zu Wort kommen, ist das Ideale.“

Deutlicher Finanzierungs-Gap in H1/2026

Doch obwohl die Teamkonstellation am besten zu performen scheint, bestehen nach wie vor große Ungleichheiten in Sachen Startup-Finanzierung. Erst kürzlich zeigte der Female Start-up Funding Index H1/2026 von EY Österreich, Female Founders und Fund F das Ausmaß. Im ersten Halbjahr flossen 472 Mio. Euro Risikokapital in österreichische Startups, ein Plus von 329 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Rein männliche Teams erhielten davon 94,9 Prozent, gemischte Teams 4,8 Prozent und rein weibliche Teams 0,3 Prozent. Der Frauenanteil unter den analysierten Gründer:innen lag bei rund 13 Prozent. „Frauen dürfen gründen. Finanziert werden Männer“, brachte es Lisa-Marie Fassl, Managing Partner von Fund F, in der damaligen Aussendung auf den Punkt.

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