17.03.2017

2 Minuten 2 Millionen – Zwischen Erfindergeist und Wursthautschäler

Die Quoten stimmen bei 2 Minuten 2 Millionen. Zu Spitzenzeiten verfolgen bis zu 300.000 Zuseher das Format. Für einen bedingungslosen Kniefall vor dem österreichischen Erfindergeist ist es jedoch zu früh, eindeutig zu früh.
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Innovation, Technologie, Erfindung – all diese Begriffe sind mit dem mittlerweile omnipräsenten Wort „Startup“ konnotiert. Doch wer gilt tatsächlich als Startup und wer nicht? Die Dehnbarkeit des Wortes steht seiner Prominenz auf jeden Fall um nichts nach.

Erfindung?

Technologisch ist so viel möglich wie nie zuvor, die wirklich bahnbrechenden Erneuerungen verdienen jedoch eher das Prädikat „rar“. Die Hälfte der vierten Staffel ist vorbei und es tun sich mitunter die Fragen auf: Wars das mit Erfindergeist? Sind Erfindungen in erster Linie Weiterentwicklungen von Dingen, die es bereits seit Jahrzehnten gibt?  Ein Regenschirm mit eingebauter LED-Lampe, T-Shirts mit Gesichtern, eine Holzstütze zum Schuhe binden oder ein maßgeschneiderter Beißkorb – jedem dieser Unternehmer ist das Beste mit seinem Produkt zu wünschen. Jeder hat es verdient, sein Glück zu versuchen. Doch entsprechen diese Produkte tatsächlich dem Erfinder- und Startupgeist, den sich 2 Minuten 2 Millionen selbst attestiert? Musikproduzenten sind immer wieder erfolgreich damit, alten Melodien in etwas abgeänderter Form neues Leben einzuhauchen, doch sollten Erfinder andere Ziele verfolgen.

…und dann kommt der Wursthautschäler

„Hast du gestern bei 2M2M die neue Blockchain Software-Lösung gesehen?“ – man muss kein großer Kenner der Wahrscheinlichkeitsrechnung sein, um zu wissen, dass Gespräche am Mittwochmorgen tendenziell anders beginnen. Da kommen sie ins Spiel, die Sieger der Herzen, oder zumindest jene, die Gesprächsstoff liefern. Was wäre 2 Minuten 2 Millionen ohne den Wursthautschäler, ohne einen „ich hab einfach mal alles zusammengemischt“-Wespenvertreiber. Man stelle sich vor, eine Castingshow ohne Outtakes, nicht auszudenken. Doch anders, als der pummelige Selbstdarsteller mit den wasserstoffblonden Haaren im hellrosa Trainingsanzug verlassen diese Unternehmer die Show nicht als Verlierer. Sie haben ihr Produkt erfolgreich einer breiten Masse präsentiert, es wird darüber gesprochen und auch wenn viele Dinge schädlich für den Umsatz sein können, Bekanntheit ist es nicht.

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© Envato/Rawpixel - Beispielfoto.

Die Elevatry GmbH hat eine Pre-Seed-Finanzierung über 3 Mio. Euro abgeschlossen. An der Runde beteiligen sich Bayern Kapital, die Unternehmensberatung H&Z sowie mehrere Business Angels, darunter Jan Henner-Theißen, Martin Berr-Sorokin, Mike Simon, Markus Ehrle, Andreas Junck und Alexander Bruehl.

Elevatry und Companions

Der strategische Einkauf beeinflusse Kosten, Qualität, Resilienz und Compliance des gesamten Einkaufsvolumens maßgeblich, doch in der Praxis reiche die Kapazität von Einkaufsteams oft nur, um einen Teil der Lieferanten und Warengruppen aktiv zu managen, heißt es von Elevatry. Somit bleibe dem Unternehmen zufolge ein großer Teil des möglichen Hebels ungenutzt. Ein Großteil der Arbeitszeit im strategischen Einkauf skaliere bisher nicht, denn sie fließe in analytische und anspruchsvolle Arbeit. Hier setzt das Startup an.

Hinter dem Unternehmen stehen drei Gründer. Heiko Schwarz (CEO) bringt rund 25 Jahre Erfahrung im strategischen Einkauf und in Procurement-Software mit; zuvor gründete er riskmethods, das von Sphera übernommen wurde. Christian Ruck (Chief Product Officer & Operations) war Associate Partner bei McKinsey und COO des Procurement-SaaS-Anbieters Orpheus, der an McKinsey verkauft wurde. Tizian Ruck verantwortet als AI Lead die technische Entwicklung der Plattform.

Die Companions der Plattform, u. a. Category Strategist, Negotiation Coach sowie Risk & Integrity Manager, übernehmen die analytischen Arbeiten, Recherchen sowie Szenariobewertungen entlang des gesamten Source-to-Contract-Prozesses. Das reicht von der Bedarfsanalyse über Sourcing-Strategie, Ausschreibung und Lieferantenauswahl bis zu Sollkostenanalyse, Verhandlung, Vertrag und Erfolgscontrolling.

System of Initiative

Elevatry versteht sich als „System of Initiative“ statt als „System of Record“. Die Plattform plant proaktiv, priorisiert nach Impact in Euro und bereitet Vorschläge vor, heißt es. Entschieden wird im Team. Autonomiegrade, Freigaben und Datenhoheit konfigurieren die Kunden selbst, auf einer offenen Multi-LLM-Architektur.

„Strategischer Einkauf ist einer der größten Ergebnishebel im Unternehmen. Gezogen wird er bisher nur dort, wo die Kapazität reicht und entsprechendes Wissen verfügbar ist“, sagt Schwarz, CEO von Elevatry. „Unsere Companions übernehmen komplexe Denkarbeiten und führen Aufgaben auf höchstem Niveau aus. So können Einkaufsteams die Methodik ihrer besten Category Manager auf jede Warengruppe anwenden. Unsere Investoren bringen Kapital, exklusive Einkaufsexpertise und Marktzugang zusammen. Ab jetzt beweisen wir den Impact beim Kunden.“

Und Monika Steger, Geschäftsführerin Bayern Kapital, ergänzt: „Elevatry verbindet ein sehr erfahrenes Gründerteam mit einer klaren Vision für die Zukunft des strategischen Einkaufs. Die KI-native Plattform adressiert einen erheblichen Effizienz- und Wertschöpfungshebel in Unternehmen und schafft durch die intelligente Nutzung von Einkaufswissen und -daten einen unmittelbar nachvollziehbaren Kundennutzen. Gleichzeitig agiert das Unternehmen in einem attraktiven, stark wachsenden Markt für KI-gestützte Procurement-Software.“

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