19.04.2016

2 Minuten 2 Millionen: 150.000 Euro für Laktattester „Zone-X“

Der unangenehme Piekser ins Ohr, um die Laktatwerte eines Sportlers zu messen ist Vergangenheit. "Zone-X" hat ein Gerät entwickelt, das die Werte anhand der Atemluft berechnet. Dafür gab es auch 150.000 Euro von den Investoren. Gatherer erreichte den 2. Platz und ist am Mittwoch zu Gast beim Brutkasten-Livestream.
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Zone X aus der Steiermark hat ein Investment in Höhe von 150.000 Euro bekommen. (c) Gerry Frank

Plötzlich stand es zur Debatte, dass Leo Hillinger etwas singen sollte. Die österreichische Startup-Welt hätte den Tönen des charismatischen Burgenländers sicher gerne gelauscht. Dazu kam es dann aber doch nicht, und den Part übernahm eine professionelle Sängerin. Das höchste Investment des Abends staube „Zone-X“ mit 150.000 Euro ab.

Zone-X: 150.000 Euro für Atemluft-Laktattest

(c) Gerry Frank
(c) Gerry Frank

Das Steirische Startup Zone-X hat ein Gerät entwickelt, das rein mittels Atemluft eine Laktatmessung vornimmt. Zielgruppe sind sowohl Profi- als auch Amateursportler. , Gemessen wird der Sauerstoffverbrauch über die Ausatemluft. Heinrich Prokop kann sich für die Idee begeistern und investiert 150.000 Euro.

+++Mehr zum Thema: Playbrush casht 550.000 Euro ab+++

Gatherer – Termine organisieren leicht gemacht

(c) Bernhard Eder
(c) Bernhard Eder

Der Terminfinderservice Gatherer rund um Gründerin Desiree Zottl analysiert die immer mehr werdenden sozialen Medien und gibt Usern einen Überblick über anstehende Veranstaltungen. Gatherer verschickt die Einladungen über den besten Kanal der zur Verfügung steht, ob SMS, Facebook oder WhatsApp. Marie-Helene Ametsreiter und Michael Altrichter können der Idee etwas abgewinnen und investieren 100.000 Euro. Auch Leo Hillinger wollte auf den „Gatherer-Zug“ aufspringen, Ametsreiter und Altrichter ließen ihn aber nicht „einsteigen“.

Gatherer am Mittwoch den 20.4. ab 12.30 Uhr im Brutkasten-Livestream

Susa S Mus – „Nichts für mein Kind in der Schule“

(c) Bernhard Eder
(c) Bernhard Eder

Die Investoren sahen im Name „Susa S Mus“ zu viel Erotik, dafür dass es um Fruchtmus geht. „Ich würde das meinem Kind nicht in die Schule mitgeben“, sagt Marie Hélène Ametsreiter. Gründerin Susa kann Leo Hillinger und Hans Peter Haselsteiner aber doch überzeugen und erhält ein Investment in Höhe von 50.000 Euro. „Susa S Mus“ besteht zu 95 Prozent aus reinen Früchten besteht. Die Produkte werden in 100-prozentiger Handarbeit hergestellt.

+++Mehr zum Thema: Weltweiter Investment-Rekord für Kiweno+++

Überblick über die Investments aus Sendung 7

In Sendung 7 vom 19. April wurden 300.000 Euro investiert.

  • Zone-X: 150.000 Euro
  • Susa S Mus: 50.000 Euro
  • Gatherer: 100.000 Euro

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Larisa Stanescu (l.) vom Competence Center KI der Wiener Stadtwerke-Gruppe und Product Owner Jonathan Mayer | (c) WienIT

Im August 2025 zog die WienIT in einem eigenen Beitrag eine erste Zwischenbilanz des Competence Center KI. Der Bogen spannte sich damals vom Wissensmanagement-Tool bis zur KI-gestützten Lösung für Förderanträge.

Ein Jahr später hat sich der Schwerpunkt verschoben. In den Vordergrund gerückt ist eine zentrale KI-Plattform, die allen Mitarbeitenden der Wiener Stadtwerke-Gruppe Zugang zu KI-Werkzeugen geben soll. Sie ist produktiv, und seit dem Rollout wurden nach Angaben des Unternehmens rund 500 Nutzer:innen gewonnen.

„Die vergangenen eineinhalb Jahre waren vor allem von Aufbauarbeit geprägt“, sagt Jonathan Mayer, Product Owner der KI-Plattform. Das größte Vorhaben sei die Entwicklung eben dieser Plattform gewesen, mit dem Ziel, einen „einfachen, sicheren und vertrauenswürdigen Zugang zu KI-Technologien“ zu ermöglichen.

Larisa Stanescu, die das Competence Center leitet, wertet die Zahl als Bestätigung: Die Entwicklung zeige, dass der Bedarf an KI-Werkzeugen im Arbeitsalltag groß sei und kontinuierlich wachse. Entscheidend sei dabei, dass die Plattform einen sicheren und unternehmenskonformen Zugang biete.

Vom Freitextfeld bis zur Bestellprognose

Inhaltlich sieht das Competence Center einen großen Bedarf im Wissensmanagement. Informationen würden immer umfangreicher und verteilter, KI könne relevantes Wissen schneller auffindbar machen.

Daneben kommt KI zur Datenanalyse zum Einsatz, etwa bei der Auswertung offener Antworten aus Mitarbeiter- und Kundenbefragungen. Freitextdaten enthielten oft wertvolle Erkenntnisse, deren manuelle Analyse aber sehr zeitaufwendig sei, so Mayer.

Stanescu betont, dass klassische Data-Science- und Machine-Learning-Ansätze darüber nicht in Vergessenheit geraten dürfen. Aktuell arbeite man an mehreren Use Cases in der Logistik, bei denen historische Daten genutzt werden, um Bestellmengen und Bestellzeitpunkte präziser zu prognostizieren.

Larisa Stanescu vom Competence Center KI | (c) WienIT

Digitale Souveränität als Leitprinzip

Die Frage nach Modellen und Infrastruktur ist für das Competence Center mehr als eine technische. „Digitale Souveränität ist für uns ein strategisches Leitprinzip“, sagt Mayer. Ziel sei es, die Kontrolle über die eigenen Daten und deren Verarbeitung zu behalten und gleichzeitig die Vorteile moderner Cloud- und KI-Technologien nutzen zu können.

Der Weg dorthin wird als pragmatisch beschrieben: Abhängig von den Anforderungen eines Use Cases und der Sensibilität der Daten wird entschieden, welche Infrastruktur und welche Technologien zum Einsatz kommen.

Konkret wird es beim nächsten Release der Plattform. Dann sollen Nutzer:innen zwischen verschiedenen Modellen selbst auswählen können, etwa europäischen Modellen oder Thinking-Modellen. Parallel dazu soll Model Routing implementiert werden, das automatisch das passende Modell für die jeweilige Fragestellung auswählt.

Warum Startups bislang nicht unmittelbar beteiligt sind

Bemerkenswert für ein Innovationsthema dieser Größenordnung: Startups sind bislang nicht unmittelbar beteiligt. „Aktuell arbeiten wir in unseren KI-Projekten nicht unmittelbar mit Startups zusammen“, sagt Stanescu. Den Wiener Stadtwerken sei der interne Knowhow-Aufbau besonders wichtig, weshalb auch im Hinblick auf digitale Souveränität stark auf Eigenentwicklungen gesetzt werde.

Eine grundsätzliche Absage ist das nicht. Entscheidend sei, ob eine Lösung konkreten Mehrwert biete und sich in die Anforderungen an Sicherheit, Datenschutz und Integration einfüge. Künftige Kooperationen schließe man keineswegs aus, so Stanescu: Gerade im dynamischen KI-Markt könnten Partnerschaften mit innovativen Unternehmen eine interessante Ergänzung zu etablierten Technologieanbietern sein.

Jonathan Mayer, Product Owner der KI-Plattform von WienIT | (c) WienIT

Keine hochsensiblen Daten, On-Premises als Option

Auf technischer Ebene arbeitet das Competence Center mit klaren Datenklassifizierungen. Derzeit werden auf der Plattform keine hochsensiblen Daten verarbeitet. In Pilotprojekten wird evaluiert, wie künftig auch sensiblere Anwendungsfälle umgesetzt werden können, etwa durch On-Premises-Modelle, bei denen Daten die eigene Infrastruktur nicht verlassen.

Unabhängig von der Technologie gelte ein Grundsatz, sagt Mayer: KI unterstütze Menschen bei ihrer Arbeit, ersetze aber nicht die menschliche Verantwortung. Bei wichtigen Entscheidungen bleibe die finale Bewertung und Freigabe stets in menschlicher Hand.

Begleitet wird der Rollout von einem Change- und Enablement-Ansatz. Jede neue Nutzerin und jeder neue Nutzer der Plattform erhält ein strukturiertes Onboarding zu den Regeln im Umgang mit KI, dazu kommen Informationsveranstaltungen, Schulungen und eine Community für den Erfahrungsaustausch.

„Welches Problem lösen wir?“

Eine der wichtigsten Erkenntnisse der vergangenen Monate formuliert Stanescu grundsätzlich: KI sei kein reines IT-Thema, technologische Exzellenz allein reiche nicht aus. Erfolgreiche Projekte entstünden dort, wo Fachbereiche, IT, Informationssicherheit, Datenschutz und Change Management früh eingebunden werden. Die Abstimmung dieser Anforderungen brauche oft mehr Zeit als die technische Umsetzung selbst.

Der Erfolg von KI-Anwendungen hänge zudem wesentlich stärker von Akzeptanz, Vertrauen und nutzbaren Anwendungsfällen ab als von der Leistungsfähigkeit einzelner Modelle. Statt „Welches Modell ist das beste?“ solle man fragen: „Welches Problem lösen wir für unsere Kolleginnen und Kollegen?“

Agentische KI und ein Hackathon

In den kommenden Monaten liegt der Schwerpunkt auf der Weiterentwicklung der Plattform. Der Zugang zu KI soll weiter vereinfacht, zusätzliche Anwendungsfälle sollen erschlossen werden.

Parallel beschäftigt sich das Competence Center mit agentischer KI. Das Competence Center für Intelligent Process Automation pilotiert erste agentische Fähigkeiten innerhalb der Wiener Stadtwerke-Gruppe. Evaluiert wird, wie KI künftig nicht nur Informationen bereitstellen, sondern komplexere Aufgaben und Prozessschritte eigenständig unterstützen kann.

Um die Innovationskraft im Konzern zu stärken, ist außerdem ein KI-Hackathon geplant, bei dem Mitarbeitende eigene Ideen umsetzen können.

Langfristig sieht das Competence Center seine Rolle nicht darin, einzelne Lösungen bereitzustellen, sondern nachhaltige KI-Kompetenz im gesamten Konzern aufzubauen. Der größte Hebel liege nicht in einzelnen Tools, sondern in den Menschen, die diese Technologien sinnvoll einsetzen.

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