16.02.2021

„2 Minuten 2 Millionen“: Siebte Folge mit zwei Fünffach-Deals

In dieser Folge von "2 Minuten 2 Millionen" ging es um einen digitalen Bauernmarkt, gesunde Naschereien und um das Wohlbefinden von "Mamas". Zudem konnten zwei Startups alle fünf Investoren an Land ziehen.
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2 Minuten 2 Millionen, Fairmento,
(c) PULS 4/Gerry Frank - Verena Pizzini von Fairmento stellte das hierzulande unbekannte Superfood Nattō vor.
kooperation

Die erste in der dieswöchigen Folge von „2 Minuten 2 Millionen“ war Theresa Imre, Gründerin von markta. Sie präsentierte ihren digitalen Bauernmarkt, der das ländliche Angebot an hochwertigen und nachhaltigen Lebensmitteln mit der urbanen und flexiblen Nachfrage verbinden soll. Ihre Forderung: 500.000 Euro für zehn Prozent Beteiligung.

„brutal regional“

Der digitale Bauernmarkt ist seit 2018 online, liefert österreichweit und hebt sich von der Konkurrenz durch ein besonderes Logistikkonzept a la „just in time“ ab. Momentan befinden sich das Frischhaltezentrum für Lebensmittel, sowie ausgewählte Produzenten in Wien – innerhalb der nächsten beiden Jahre soll das Motto „brutal regional“ ausgeweitet werden, sodass etwa ein Kunde aus der Steiermark auch Waren aus seinem Bundesland erhält.

CO2-Emissionen einsparen

Durch die Anlieferung von Produkten von über 100 Betrieben täglich brauche es ein ausgeklügeltes Konzept, um globale Strukturen beim Lebensmittelkonsum zu vermeiden, Bewusstsein für regionale Produzenten und Produkte zu schaffen und damit Treibhausgase, sowie CO2-Emissionen einzusparen, erklärte Imre ihre Philosophie.

(c) PULS 4/Gerry Frank – markta-Gründerin Theresa Imre durfte sich über einen Erfolg in der Startup-Show freuen.

Bisher sind sieben Business Angels bei markta involviert, Imre selbst hält mehr als 75 Prozent des Startups. Der Pitch der Gründerin war ohne Fehl und Tadel, wie auch in ähnlichen Worten Bauherr Hans Peter Haselsteiner meinte. Der dennoch aufgrund der Bewertung, so wie auch sein Kollege Alexander Schütz, Gründer und CEO der Wiener C-Quadrat Investment Group, ausstieg.

Kein Deal, aber Medien-Budget

Hotelier Bernd Hinteregger würde Kunde werden, meinte er, ging aber auch ohne Angebot. Auch Mediashop-Chefin verabschiedete sich mit dem Bewertungsargument als potentielle Investorin. Nachhaltigkeitsexperte Martin Rohla erzählte, dass er ein ähnliches Projekt, wo er beteiligt war, einstampfen musste. Er zeigte sich fasziniert und begeistert, dass das mit markta klappe. Leider war auch ihm die Bewertung zu hoch. Kein Deal für markta. Danach jedoch, kam Daniel Zech per Schaltung zu Wort und bot im Namen von SevenVentures eine Million Euro Medienbudget für zehn Prozent Anteile. Dies nahm Imre an.

Superfood aus Japan

Die zweiten auf der „2 Minuten 2 Millionen“-Bühne waren Wolfgang Wurth und seine Lebensgefährtin Verena Pizzini aus Niederösterreich. Mit Fairmento (inzwischen Farmento) produzieren sie als einziger Betrieb in Europa „Natto“ in Bioqualität. Das in Österreich noch kaum bekannte Superfood enthält einen hohen Anteil an Vitamin K und hilft Krankheiten wie Osteoporose vorzubeugen. In Japan hat das außergewöhnlich gesunde Lebensmittel eine jahrhundertelange Tradition. Die Forderung: 80.000 Euro für 15 Prozent Beteiligung.

Erstes Angebot für Nattō

Vertrieben wird über b2b direkt oder via Kühlversand, der Umsatz in sechs Monaten betrug 45.000 Euro. Nach der Kostprobe wollte Hinteregger wissen, wie die Zukunft aussehe. Wurth meinte, das man mit einem Investment um das fünf- bis sechsfache wachsen könnte. Haselsteiner meinte, das Unternehmen sei unterstützenswert und bot 20.000 Euro für fünf Prozent Anteile.

Caritas-Verhalten bei „2 Minuten 2 Millionen“?

Auch Hinteregger machte exakt das gleiche Angebot; Rohla schloss sich da an. Schneider wollte nicht hintan stehen und reihte sich ebenso ein. Alexander Schütz hingegen meinte, er sei nicht sicher, ob sie dieses „Caritas-ähnliche Sammelverhalten“ weiterbringe. Der Juror hatte das Gefühl, dass für seine Kollegen ein Investment in Fairmento ein „netter Akt“ sei. Er sehe das anders.

(c) PULS 4/Gerry Frank – Verena Pizzini und Wolfgang Wurth haben eine japanische Traditionsspeise nach Österreich gebracht.

Diese Aussage brachte dem Neu-Juror einen bösen Blick von Haselsteiner ein, der dann meinte, das wären keine Almosen, sondern ein „Investment in eine Neo-Landwirtschaft“.

Schütz bei „2 Minute 2 Millionen: „Investment kein sozialer Akt“

„Dann investierts gscheidt“, entgegnete Schütz in Richtung des Bau-Tycoons und meinte, dass das Produkt so gut sei, sodass man nicht einen sozialen Akt tätigen müsse. „Weil wir damit Geld verdienen werden“, sagte er an die Gründer gewandt. Überraschenderweise kam trotz der griffigen Aussagen kein Einzelvorschlag, sondern Schütz komplettierte die Runde und schloss sich an. Das Angebot: fünfmal 20.000 Euro für 25,1 Prozent Anteile. Deal für Natto.

Mehr auf die „Mamas“ schauen


Die nächste bei „2 Minuten 2 Millionen“ war Delia Wieser aus Wien. Sie hat aufgrund ihrer herausfordernden Erfahrungen nach der Geburt ihres Sohnes Matei 2017 mama matters gegründet. Hochwertige Seifen, Öle und Badesalze sollen Müttern durch die oftmals schwierige Zeit direkt nach der Geburt helfen und mentales, wie auch körperliches Wohlbefinden stärken. Ihre Forderung: 80.000 Euro für 15 Prozent Anteile.

Naturkosmetik

Das Startup entwickelt die Produkte gemeinsam mit einer Naturkosmetikmacherin. Und konnte – zurzeit der Aufzeichnung – über die letzten Wochen 1000 Euro Umsatz pro Woche erwirtschaften. Es schlich sich während der Diskussion eine gefühlte Skepsis bei den Investoren ein, ob sie einsteigen sollten, als sich Daniel Zech von Seven Ventures zuschaltete und die Gründerin ins Startup Village ins Donauzentrum und in die Shopping City Süd einlud, um ihre Produkte zwei Monate dort zu verkaufen.

Mentor-Treff

Hinteregger stieg danach als erster aus. Schneider erkannte den USP, den das Startup mit dem Fokus auf das Wohl der Mütter legt, ging aber auch ohne Angebot. Rohla erklärte, er würde in Mode und Kosmetik nicht investieren, bot aber ein Treffen mit „goodshares consulting“ an, um einen „business case daraus zu stricken“.

(c) PULS 4/Gerry Frank – Delia Wieser sorgt sich mit mama matters um das Wohlbefinden von Neo-Müttern.

Alexander Schütz bot 25.000 Euro für 25 Prozent Beteiligung. Er erklärte sein niederes Angebot damit, dass er denke, der Wert des Startups müsse sich erst entwickeln. Da würde er gerne helfen. Stefan Piëch hingegen machte zwar keinen Deal-Vorschlag, lud die Gründerin aber ein, am MIT in den USA ein einwöchiges Startup-Bootcamp zu absolvieren. Danach lehnte die Gründerin das Cash-Angebot ab. Kein Deal für mama matters.

Von der Schule zu „2 Minuten 2 Millionen“

Karim Abdel-Baky, Christoph Rebernig und Katharina Kozel präsentieren mit ihrem Startup ein Klima-Abo für die Erde. mindful mission fand seinen Anfang im Rahmen eines Schulprojekts bereits im Jahr 2014. Mittlerweile steckt über eine halbe Million Euro in der Entwicklung der Online-Plattform zur Kompensation von Co2-Ausstößen für Privatpersonen und Unternehmen. Die Gründer forderten 100.000 Euro für sieben Prozent Anteile.

Software merkt CO2-Verhalten

Die Software des Startups wurde derart konzipiert, dass sie merkt, wie sich die CO2-Verteilung des Kunden verhält. Mithilfe von 30 wissenschaftlich fundierten Fragen zum persönlichen Lebensstil wird der CO2-Fußabdruck berechnet. Die persönlichen Emissionen können anschließend mit einem Klima-Abo kompensiert werden.

Klimaschutz-Projekte unterstützen

Mit dem monatlichen Beitrag ab sieben Euro wird eine Kombination aus drei „United Nations zertifizierten“ Klimaschutzprojekten unterstützt. Darunter sind Projekte zum Schutz des Amazonas in Peru, zur Förderung von Windenergie statt Kohle in Indien, sowie sauberes Trinkwasser in Bangladesch.

(c) PULS 4/Gerry Frank – Das mindful mission-Team möchte mit seinem Klima-Abo Usern die Möglichkeit geben den Co2-Ausstoß zu kompensieren.

Haselsteiner startete die Fragerunde forsch und ließ sich die digitale Plattform näher erklären, während Hintergger Argumente für die hohe Firmenbewertung einforderte. Die Gründer argumentierten auf zwei Ebenen. Einerseits besitze das siebenköpfige Team alle Kompetenzen, die für das Umweltthema nötig wären. Eine zertifizierte Öko-Bilanzierung und Programmier- sowie Design-Kenntnisse, um schöne Produkte zu bauen.

Umsatzsteigerung

Zudem haben die jungen Gründer, während ihrer Schulzeit das Startup gestartet und vor rund zwei Jahren 40.000 Euro Umsatz erzielt und ihn danach auf 250.000 Euro steigern können.

mindful mission möchte Movement werden

Hinteregger war damit nicht zufrieden und hakte beim Umsatzplan nach. Die Gründer erzählten vom noch jungen Privat-Kunden-Produkt und den bisherigen 30.000 Euro Umsatz. Man plane, als Community ein Movement zu werden und bräuchte ein „Impact Investment“.

Zwei Absagen

Haselsteiner fand die Idee schön, wollte aber nicht investieren. Er selbst kompensiere seine Co2-Lasten bei der BOKU Wien, indem er Zertifikate kaufe. Allerdings rief er aus, dass es nicht genug derartige Projekte geben könnte. Und wünschte den Gründer alles Gute. Hinteregger stieg in den Lobgesang ein, verzichtete aber ebenso auf ein Investment-Angebot.

Forschheit siegt…

Martin Rohla sah bei mindful mission ein gutes Geschäftsmodell. Vor allem unter dem Aspekt, dass der b2c-Bereich frisch angelaufen sei und davor bereits 250.000 Euro Umsatz zu Buche standen. Er bot gemeinsam mit Schneider und Rohla 100.000 Euro für zehn Prozent. Nachdem Alexander Schütz das Paket um eine Vorstellung des Startups in der Firmenzeitung von C-Quadrat mit 20.000 Abonnenten erweiterte, gab Rebernig statt einem „Ja“ eine überraschende Aussage von sich: Er hätte aber gerne alle fünf Investoren an Bord.

Der Zech-Call

Die forsche Forderung der jungen Gründer überzeugte schlussendlich auch Haselsteiner und Hinteregger. Als dann noch Schütz Daniel Zech aufrief und jener erschien, wurde der Auftritt von mindful mission zum totalem Erfolg.

Anfangs zweifelte Zech am ROI, bekam dann aber von Haselsteiner zu hören, man solle nicht an „return“ denken, wenn man so etwas Großartiges unterstützen könne. Zech erzählte von einem neuen Format namens „KlimaheldInnen“ und stellte in Aussicht, dass seine Kollegen das Startup über längere Zeit begleiten würden. Deal für mindful mission.

Knusperbrot als gesunde Snack-Alternative

Die letzte bei „2 Minuten 2 Millionen“ war Timea Hipf. Mit Natural Crunchy stellt sie ein Bio- und glutenfreies Knusperbrot her, das aus Erbsen und Linsen besteht und einen Proteinanteil von 26 Prozent hat. Sie suchte einen Partner für die Markteinführung und bot zehn Prozent Anteile für 100.000 Euro.

Zielgruppe sportliche Menschen

Winzer Leo Hillinger kannte die diversen Produkte der Gründerin und stimmte Runtastic-Gründer Florian Gschwandtner zu, dass besonders Sportler und sportliche Menschen die Zielgruppe des Startups seien. Das Unternehmen besteht seit 2017 und machte 2018 165.000 Euro Umsatz, zurzeit der Aufzeichnung lag der Umsatz bei 300.000 Euro. Erzeugt wird Natural Crunchy in Ungarn.

2 Minuten 2 Millionen
(c) PULS 4/Gerry Frank – Timea Hipf hat mit Natural Crunchy Bio- und glutenfreies Knusperbrot vorgestellt.

Die Juroren zeigte sich sehr angetan vom Geschmack der veganen Knuspererzeugnisse, auch Haselsteiner, der aber meinte, er könne maximal mit Geld helfen, aber sonst nicht. Schütz outete sich als zukünftiger Kunde und ging ebenfalls ohne Angebot. Hillinger attestierte dem Produkt „100 von 100 Punkten“, jedoch gefalle ihm die Bewertung nicht. Auch er stieg aus.

Kein Deal für Natural Crunchy

Katharina Schneider gratulierte zum Pitch, erklärte, sie liebe Bio und vegan, aber Natural Crunchy passe nicht in ihr Portfolio. Die letzte Hoffnung, Florian Gschwandtner, meinte, im Snack-Markt würde Hipfs Produkt eine gute Alternative zum Üblichen sein. Er investiere in dem Bereich jedoch nicht, mache sie aber gerne mit Personen aus der Szene bekannt. Kein Deal für Natural Crunchy.

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Der Startup-Hub Tabakfabrik in Linz © Tabakfabrik Linz Peter Hofstaetter

Dieser Text ist zuerst im brutkasten-Printmagazin von August 2026 „Aufbrechen“ erschienen. Eine Download-Möglichkeit des gesamten Magazins findet sich am Ende dieses Artikels.


Jung, zufrieden und KI-affin

Ein Blick auf die Ergebnisse des Austrian Startup Monitor 2025 zeigt: Mit seinen 442 Startup-Gründungen seit 2015 liegt Oberösterreich mit 12 Prozent aller Gründungen österreichweit zwar weit hinter dem dominanten Hub Wien (46,5 Prozent), aber nahezu gleichauf mit der zweitplatzierten Steiermark (12,4 Prozent). Während das Bundesland beim Anteil an Scaleups (9,1 Prozent) oder Spinoffs (15,9 Prozent) an sämtlichen Gründungen und noch mehr beim Gründerinnen-Anteil (7,4 Prozent) nicht an die heimischen Spitzenreiter herankommt, stechen drei Statistiken positiv hervor:

  • 37% – Oberösterreich hat laut Austrian Startup Monitor 2025 mit 37 Prozent der Gründer:innen, die bei der erstmaligen Gründung unter 25 Jahre alt waren, eine im Vergleich (Österreich-Schnitt: 25,6 Prozent) sehr junge Founder-Community.
  • 74% – 74 Prozent der oberösterreichischen Startups nennen KI als für sie wichtigste Schlüsseltechnologie — auch das ist ein Spitzenwert innerhalb Österreichs, knapp vor Wien (72,7 Prozent).
  • 7,2 Punkte – Kein anderes Bundesland kommt in der Frage nach dem Standort auf eine so hohe Weiterempfehlungsrate: Auf einer Skala von 0 bis 10 liegt Oberösterreich mit durchschnittlich 7,2 Punkten österreichweit auf Platz eins und deutlich über dem bundesweiten Durchschnitt von 6,2.

Startups und Scaleups: Die Aushängeschilder

Oberösterreich brachte schon eine ganze Reihe großer Startups und Scaleups hervor. Bei manchen liegt der Exit mittlerweile lange zurück, etwa bei Dynatrace oder Runtastic, bei anderen wie Agilox ein paar Jahre, bei Tractive ist er erst kürzlich (in Rekordhöhe) erfolgt. Wieder andere, etwa der von Analysten milliardenbewertete Spezialist für Sicherheitslösungen Loxone oder das Spacetech Peak Technology, sind der Scaleup-Phase bereits entwachsen und haben sich endgültig als große Player am Weltmarkt etabliert. Es gibt aber auch einige aktive „heiße Eisen“ — rechts vier herausragende Beispiele.

Storyblok

Die Storyblok-Founders Alexander Feiglstorfer und Dominik Angerer. © Storyblok

Mit mehreren Mega-Investments, zuletzt einer 80-Millionen-US-Dollar-Runde im Jahr 2024, steht Storyblok aus Linz auf der exklusiven Liste der heimischen „Soonicorns“ und ist damit das Scaleup-Aushängeschild Oberösterreichs. Mit seinem Headless-CMS kann das Scaleup Referenzen wie Netflix, Tesla und Adidas vorweisen.

neoom

Zu den herausstechenden Scaleups Oberösterreichs zählt auch das auf Energielösungen spezialisierte Unternehmen neoom aus Freistadt. Auf sich aufmerksam machte es mit mehreren achtstelligen Investmentrunden, darunter eine 25-Millionen-Euro-Series-B-Runde 2023. Der Außenumsatz ist laut Unternehmensangaben indes neunstellig.

Walter Kreisel ©neoom

hello again

Entstanden im Runtastic-Umfeld ist hello again aus Leonding längst selbst eine Größe. Das Scaleup ist Marktführer im DACH-Raum bei Kundenbindungs-Apps und erreicht über diese mehr als 16 Millionen Endnutzer:innen. Unter den mehr als 1.000 Unternehmenskunden sind etwa Deichmann, Müller und Klipp.

Franz Tretter © hello again

Blockpit

Und noch einmal Linz: Blockpit hat mit seinem Steuer-Tool erfolgreich eine Nische im gigantischen Krypto-Markt besetzt, die vor allem in der EU von Bedeutung ist. Das Linzer Scaleup ist in seinem Bereich Marktführer im DACH-Raum und hat seine Lösung bei Playern wie Bitpanda und Bybit EU integriert.

Florian Wimmer © Blockpit

Vielseitiges Ökosystem

Wer in Oberösterreich ein Startup gründet, kann neben den bundesweiten Angeboten auf eine ganze Reihe von landesspezifischen Unterstützungsmöglichkeiten zurückgreifen.

Viele davon, etwa der Tech-Inkubator tech2b, der Co-Working-Anbieter Tech Harbor, der auch umfassende Werkstattflächen bereitstellt, und der Kreativwirtschafts-Spezialist creative region, haben gemeinsam mit den oberösterreichischen Unis und FHs, der Wirtschaftskammer und weiteren Playern eine zentrale Anlaufstelle geschaffen: hub’ert. Dort können Startups die passende Unterstützung bzw. die passenden Unterstützungen für ihr Business finden.

Oberösterreichische Startups profitieren nicht nur von der Fülle an einzelnen Angeboten, sondern auch von der Vernetzung zwischen diesen. Dabei spielt — wie sollte es anders sein? — auch die Industrie eine entscheidende Rolle, zum Beispiel über Pier4 von tech2b, das Startups mit etablierten Unternehmen vernetzt. Und wer etwa im MedTech-Inkubator von tech2b ist, findet damit bereits Anschluss an den Medizintechnik-Cluster Oberösterreich.

Teil dieses Ökosystems, wenn auch nicht Teil von hub’ert, ist auch die Startrampe der Sparkasse Oberösterreich mit Sitz in der Linzer Tabakfabrik. Sie bietet unter anderem einen Accelerator, Workspace und Beratung bei Businessplänen und Finanzierung.

Finanzierung

Wer in Oberösterreich Kapital für sein Startup braucht, wird sowohl bei öffentlichen als auch privaten Geldgebern fündig. Mit Business Upper Austria hat auch Oberösterreich eine landeseigene Förderstelle; und mit dem OÖ Gründerfonds und dem Landes-VC OÖ HightechFonds zwei weitere Finanzierungsvehikel.

Auf privater Seite sind es vor allem erfolgreiche Gründer:innen, die über ihre Vehikel als Investor:innen agieren. Heraus stechen hier die Runtastic-Gründer mit ihrer gemeinsamen Investmentgesellschaft 8eyes, aber etwa auch Tractive-Gründer Michael Hurnaus, der schon vor seinem Rekord-Exit (siehe Abschnitt zu Exits) als Business Angel agierte. Mit startup300 nahm zudem das bislang wohl ambitionierteste heimische Angel-Netzwerk seinen Ausgang in Linz, zog sich aber bereits vor einigen Jahren schrittweise wieder zurück.

Auch Österreichs nach Assets under Management größter Private-Equity-Investor hat seinen Sitz in Oberösterreich: die Invest AG der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich. Sie hat ein breites Portfolio unterschiedlicher Unternehmen, wobei Startup-Finanzierungen in den vergangenen Jahren eine immer größere Rolle spielen.

Der monumentale Knotenpunkt

Was hub’ert auf der organisatorischen Ebene ist, ist die Tabakfabrik Linz auf der physischen: Nicht alle, aber viele Fäden des oberösterreichischen Startup-Ökosystems laufen in der ehemaligen Fabrik zusammen — wo sonst in der Industriestadt? Auf den nicht weniger als 80.000 Quadratmetern Nutzfläche haben nicht nur zahlreiche Ökosystem-Player, sondern auch eine große Zahl an Startups ihren Sitz. Auch das einstmals denkbar ambitionierte Projekt startup300 wählte die Tabakfabrik als Hauptquartier — und betreibt hier heute unter anderem noch den Co-Working-Bereich factory300.

© Tabakfabrik Linz Peter Hofstätter

Spinoff-Schmieden und Österreichs jüngste Uni

Mit der IT:U (Interdisciplinary Transformation University Austria) hat Österreichs jüngste öffentliche Universität ihren Sitz in Linz. Neben einem neuen inhaltlichen Fokus auf digitaler Transformation und neuen Wegen in der Lehre setzt die IT:U von Beginn an auch auf eine Spinoff-Strategie. Dabei kann sie in Oberösterreich durchaus auf ein starkes Ökosystem aufbauen: Sowohl die Johannes Kepler Universität Linz (JKU) als auch die FH Oberösterreich können jeweils eine ganze Reihe erfolgreicher Spin-offs vorweisen. Außerdem setzen beide stark auf die Zusammenarbeit mit Industrie und Wirtschaft. Besonders deutlich wird das im Softwarepark Hagenberg: Dort betreibt die JKU Forschungsinstitute und die FH OÖ ihren IT-Lehr-Standort und den Coworking- und Inkubationsspace Bytewerk. Dabei werden Synergien mit dem außeruniversitären Comet-Zentrum Software Competence Center Hagenberg und mehreren Konzernen und großen Playern am Standort gelebt.

KI-Forschung von Weltrang

Wer die oberösterreichische Universitätslandschaft durch die Innovationsbrille betrachtet, kommt an KI-Koryphäe Sepp Hochreiter nicht vorbei. Der gebürtige Bayer gilt mit seiner Arbeit über Long Short-Term Memory (LSTM) als einer der globalen Wegbereiter der modernen KI. Bereits seit 2006 lehrt er an der JKU und leitet dort das Institut für Machine Learning. Bei der Lehre belässt Hochreiter es aber nicht: Mit dem Spinoff NXAI arbeitet er an der nächsten KI-Grundlage „xLSTM“ (Extended Long Short-Term Memory). Die ist wiederum Basis für spezialisierte KI-Modelle, die die globalen Größen in der jeweiligen Nische übertreffen. Der Schwerpunkt ist dabei — auch hier zeigt sich das oberösterreichische Ökosystem — Industrial AI. In diesem Feld bewegt sich auch das NXAI-Spinout Emmi AI, das mit seinem Exit an den französischen KI-Riesen Mistral dieses Jahr für Aufsehen sorgte.

Doch auch abseits der JKU entstehen in Oberösterreich KI-Startups, etwa das Linzer Unternehmen Straion, das dieses Jahr eine Seed-Finanzierungsrunde im Millionenbereich abschloss. Die Plattform des Startups stellt sicher, dass KI-generierter Code interne Standards, Sicherheitsanforderungen und Architekturvorgaben von Unternehmen einhält und damit „enterprise-ready“ ist.

Katrin Freihofner, Straion

Das Exit-Bundesland

Der oben erwähnte Verkauf von Emmi AI an Mistral um kolportierte mehr als 300 Millionen Euro war spektakulär — ist aber bei Weitem nicht der einzige große oberösterreichische Startup-Exit. Ebenfalls dieses Jahr gelang dem Paschinger Haustier-Tracking-Scaleup Tractive mit dem Verkauf an die italienische Bending Spoons um kolportierte 900 Millionen US-Dollar der vermutlich größte Übernahmedeal der heimischen Startup-Geschichte. Mehr als ein Jahrzehnt zuvor hatte der Exit von Runtastic an Adidas um 220 Millionen Euro maßgeblich zum ersten großen Startup-Hype in Österreich beigetragen. Die vier Runtastic-Gründer — Florian Gschwandtner, René Giretzlehner, Christian Kaar und Alfred Luger — wurden danach nicht nur über ihre Beteiligungsgesellschaft 8eyes selbst zu wichtigen Ökosystem-Playern: Tractive etwa wurde von Gschwandtner mitgegründet; bei Scaleups wie hello again waren die vier Gründer von Beginn an als Investoren an Bord.

  • 300 Mio. € – Verkauf von Emmi AI an Mistral
  • 900 Mio. $ – Verkauf von Tractive an Bending Spoons
  • 220 Mio. € – Exit von Runtastic an Adidas

Alte, neue und große Player

Als Industrie-Bundesland beheimatet Oberösterreich bekanntlich Größen wie voestalpine, Miba, KTM, FACC, Lenzing, Greiner oder Engel — um nur ein paar zu nennen. Einige davon sind längst ins Ausland verkauft, haben aber nach wie vor ihren Sitz in Oberösterreich. Hinzu kommen internationale Riesen wie BMW und Siemens, die im Bundesland konzernweit wichtige Standorte betreiben.

Doch auch Tech-Größen sind in Oberösterreich zu finden. In der Schnittmenge zwischen Industrie- und Tech-Unternehmen befindet sich Keba, das mit seinen Lösungen für industrielle Automatisierung zu den globalen Playern im Feld zählt und dabei massiv auf KI setzt — mehr dazu in der Coverstory mit Keba-CEO Christoph Knogler. So wie Keba stammt ebenfalls aus Linz das international erfolgreichste IT-Unternehmen mit Wurzeln in Österreich: Dynatrace. Seinen formellen Sitz hat der Observability-Weltmarktführer, bei dem Co-Founder Bernd Greifeneder nach wie vor CTO ist, zwar schon lange in den USA; der weltweit größte Standort ist jedoch in der Stahlstadt und wurde erst dieses Jahr mit einem neuen Campus erheblich ausgebaut.

Über Industrie und IT hinaus hat Oberösterreich noch ein drittes Aushängeschild: die Ars Electronica. Was 1979 als Festival an der Schnittstelle von Kunst, Technologie und Gesellschaft begann, ist heute eine vierteilige Institution aus Festival, Prix, dem Museum Ars Electronica Center und dem Futurelab. Letzteres ist für das Innovationsökosystem das relevanteste Element: Das Labor entwickelt gemeinsam mit Unternehmen Prototypen und Zukunftskonzepte und schlägt damit die Brücke zurück zur Industrie. Linz trägt seit 2014 den Unesco-Titel „City of Media Arts“.

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