28.04.2020

2 Minuten 2 Millionen-Juror Florian Gschwandtner: „Scheiterten damit bereits bei Adidas“

In dieser Folge von "2 Minuten 2 Millionen" konnte man Fahrräder aus Bäumen bewundern, sich per Klick "verheiraten" und ohne Mischmaschine mischen. Zudem ermöglichte ein Startup, sich mit Fußballprofi Christian Fuchs zu messen, während ein anderes einen neuen Diät-Trend ins Spiel brachte.
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2 Minuten 2 Millionen, Martin Rohla, Leo Hillinger, Katharina Scheider, Hans Peter Haselsteiner, Florian Gschwandtner
(c) PULS 4 / Gerry Frank - Winzer und begeisterter Sportler Leo Hillinger beim Testen des "Lifestyle Bikes".
kooperation

Am Anfang ging es bei „2 Minuten 2 Millionen“ um die Liebe: Constantin Witt-Dörring und Roland Voraberger wollen mit Hochzeit.click das Planen von Hochzeiten erleichtern und für Übersicht und Transparenz am Hochzeitsmarkt sorgen. Mit ihrer Plattform möchten sie zukünftigen Hochzeitspaaren nicht nur durch Dienstleisterprofile und Bilder von bereits abgehaltenen Hochzeiten die richtige Inspirationsquelle sein. Sie schlagen den Usern währenddessen auch in Echtzeit die passenden Anbieter aus ihrer Datenbank vor und bieten die direkte Vermittlung an. Sie forderten 150.000 Euro für zehn Prozent Beteiligung.

+++ 2 Minuten 2 Millionen Folge 3: Gschwandtner folgt Gründern hinter die Bühne +++

Hochzeit ist „High involvement project“

Nach dem Pitch wollte Mediashop-Chefin Katharina Schneider ein wenig die Beweggründe dafür wissen, warum angehende Ehepaare die Plattform nutzen. Die Gegenfrage von Witt-Döring, ob sie verheiratet sei, überraschte sie etwas. „Das ist hier gar nicht relevant“, meinte sie nach kurzem Schweigen und erfuhr, dass das Startup eines der größten „high involvement project“ im Leben der Menschen plane – und ihnen Stress abnehme.

2 Minuten 2 Millionen, Martin Rohla, Leo Hillinger, Katharina Scheider, Hans Peter Haselsteiner, Florian Gschwandtner
(c) PULS 4 / Gerry Frank – Roland Voraberger und Constantin Witt-Döring wollen mit ihrem Startup das Heiraten erleichtern.

Leo Hillinger bereits Kunde von Hochzeit.click

Danach ging es um die Präzisierung des Geschäftsmodells und den Umsatz. Die Gründer konnten 150.000 Euro erwirtschaften. Als Nachhaltigkeitsexperte Martin Rohla sicher ging, ob er verstanden habe, wie Hochzeit.click funktioniere – Unternehmen, Fotografen und Locations bezahlen das Startup für eine bessere Listung auf der Plattform -, platzte plötzlich einer seiner Kollegen heraus und sagte: „Einer davon ist Leo Hillinger.“

Der nichtzahlende Kunde Leo Hillinger

Man erfuhr, dass der Winzer Hillinger zwar gelistet, aber kein zahlender Kunde sei, man müsse noch darüber mit ihm reden, meinte Witt-Döring. Auch die Stadtflucht Bergmühle von Martin Rohla habe bisher über die Plattform 38 Buchungen erhalten. Nach diesen Informationen über die Juroren, erklärten die Gründer, sie hätten neben der Listung noch das Ziel ein Provisions-Model einzuführen.

Ein Angebot bei „2 Minuten 2 Millionen“ für Hochzeit.click

Für Bauherr Hans Peter Haselsteiner war das Thema des Startup nicht sein Metier und er ging, ebenso wie Schneider, als potentieller Investor. Rohla hingegen machte ein Angebot: 200.000 Euro für 25,1 Prozent.

2M2M-Jury: Keine Bereitschaft zuzuhören

Tech-Profi Florian Gschwandtner sah viel Potential und wollte sich, wie schlussendlich auch Hillinger bei seinem Vorgänger anschließen. Nach kurzer Beratung versuchten die Gründer ein Gegenangebot zu äußern, wurden aber rasch von Hillinger gestoppt. Die Investoren hätten sich abgesprochen und würden kein Gegenangebot akzeptieren. Auch der zweite Versuch der Founder, die Ohren der Investoren zu erreichen, wurde unsanft abgelehnt. Eine Entscheidung müsse jetzt fallen, so der Tenor. Es kam, wie es kommen musste: Gedrängte Gründer lehnten Investoren ab. Kein Deal für Hochzeit.click.

Lifestyle Bike: Räder aus Bäumen bei „2 Minuten 2 Millionen“

Der zweite bei „2 Minuten 2 Millionen“ war Steffen Ortner, Erfinder von Lifestyle Bike. Der Gründer stellt E-Bikes aus heimischen Harthölzern, Obstbäumen und auch Weinreben her. „Je älter ein Baum, desto edler das Bike“, sagt Ortner: „Jedes Produkt ist ein Einzelstück und reine Handarbeit aus Vollholz“. Der gelernte Tischler forderte 350.000 Euro für 25 Prozent Firmenanteile an Lifestyle Bike.

Gründer: „Kann Vertrieb nicht stemmen“

Hillinger meinte, das Fahrrad sei wunderschön und war hin und weg, bis er und der Rest der Jury den Verkaufspreis eines Lifestyle Bikes zu hören bekam: über 3000 Euro. Der Gründer machte während des Auftritts des Öfteren klar, er könne den Vertrieb nicht stemmen (bisher zwei verkaufte Räder) und bräuchte noch Hilfe und andere Dinge, wie einen Online-Konfigurator auf der Webpage.

Lifestyle Bike: Ein Unikat aber kein Investment-Case?

Während Hillinger Proberunden im Studio drehte, erklärte Ortner, dass jedes von ihm geschaffenes Bike ein Unikat sei. Haselsteiner sagte, das Lifestyle-Rad wäre ein Nischenprodukt aber kein Investment-Case. Gschwandtner stimmte zu.

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Listung von Lifestyle Bike auf Shöpping.at

Rohla reihte sich ein und meinte, Ortners Rad sei ein Kunstwerk, aber die Skalierung sei nahezu unmöglich. Schneider machte dem Gründer Mut und riet dazu, die richtige Zielgruppe zu finden. Nach dieser Absage meldete sich Daniel Zech von 7 Ventures zu Wort, der auch heuer wieder Medien-Budget an die Startups verteilt. Er sagte, dass sein Unternehmen ein Beteiligungsprojekt von der Österreichischen Post halte. Shöpping.at stehe für heimische Erzeugnisse und es wäre für den Gründer möglich, auf der Plattform gelistet zu werden. Um dessen Vertriebswege zu verbreitern.

Ortner: Künstler statt Unternehmer?

Ortner erzählte danach von seiner Malerei, womit er Geld fürs Startup verdient habe, und dass seine Eltern gegen die Idee des Lifestyle-Bikes gewesen sind. Man merkte die künstlerische und zugleich kämpferische Ader des Gründers, der zwar Probleme, hatte im „ökonomischen Sprech“ seine Idee zu vermarkten, aber mit der Zeit immer mehr beeindruckte. So sehr, dass Haselsteiner plötzlich wissen wollte, wie viele Stück Räder Ortner in der Woche herstellen könne. Zehn Stück war die Antwort.

Crowdfunding für Lifestyle Bikes

Leo Hillinger verglich das Rad mit einem Porsche und einem Flugzeug – er könne aber nicht investieren, da er Elite-Händler (Mountainbikes) sei. Rohla machte dann doch ein Angebot: Er brachte Crowdfunding ins Spiel, das neben Kapital auch eine Breitenwirkung mit sich bringe. Investor und Gründer machten Pläne, da etwas zu starten. Dennoch, kein Deal für Lifestyle Bike.

CanMixx: Plane zum Mischen

Bei CanMixx von Wolfgang Hierzer und Jürgen Grandits handelt es sich um eine Plane, die als Alternative zur Mischmaschine gedacht ist. Die Idee: Die „1,5 Meter x 1,5 Meter“ große Plane auseinanderfalten und das trockene Mischgut in die Mitte geben. Jede Person greift je zwei Haltegriffe. Dann ein Drittel des benötigten Wassers zugeben. Durch wechselseitiges Anheben der Plane im Kreuzverfahren Mischgut und Wasser mischen, bis das Wasser aufgenommen wurde. Solange nachfüllen, bis gewünschte Konsistenz erreicht ist. Mit dabei ist ein Netz zum Sieben. Die Forderung der Gründer: 200.000 Euro für 20 Prozent Beteiligung.

 Hillinger, Gschwandtner, Schneider, Haselsteiner, Rohla, Kuntke, Zech, REWE, Startup
(c) PULS 4/ Gerry Frank – Wolfgang Hierzer und Jürgen Grandits haben zu „2 Minuten 2 Millionen“ eine Plane und ein Sieb mitgebracht.

Zu hohe Produktionskosten bei CanMixx

Baumeister Hans Peter Haselsteiner forderte eine Vorführung und meinte danach, der Zement wäre anständig durchmischt. Die Plane mit bestehendem Gebrauchsmusterschutz habe viele Vorteile. Der Lärm der Mischmaschine würde entfallen, man brauche zudem kein Wasser oder Strom. Hillinger war der erste, der ausstieg. Er könne nicht helfen. sagte er. Gschwandtner folgte nach. Rohla fand die Lösung zwar großartig, meinte aber, man müsse billiger (20 Euro Produktionskosten) produzieren. Er ging ebenso wie seine Vorgänger.

Haselsteiner: „Für den Massenmarkt“

Katharina Schneiders Lieblingswort in dieser Staffel und eines, das sie gerne verwendet, ist Problemlöser. Dies träfe auf CanMixx zu. Sie zeigte sich begeistert und bot 75.000 für zehn Prozent Beteiligung. Haselsteiner erkannte danach Gründer Grandits von einem gemeinsamen Bau-Projekt in Moldawien wieder. Er nannte das Produkt einen „Klassiker für den Massenmarkt“, es müsse aber maximal die Hälfte der angestrebten 49 Euro kosten. Er empfahl, das Angebot seiner Kollegin anzunehmen. So kam es. Deal für CanMixx.

Low-Carb-Knuspermüsli Tulipans bei „2 Minuten 2 Millionen“

Die Gründer von Tulipans, Julia und Leo Tulipan, waren die nächsten, die ihr Glück bei „2 Minuten 2 Millionen“ versuchen durften. Die Food-Bloggerin und Buchautorin („Der Keto Kompass“ (Keto: eine kohlenhydratlimitierte, protein- und energiebilanzierte und deshalb fettreiche Form der diätetischen Ernährung)) hat mit ihrem Startup ein Low-Carb-Knuspermüsli entwickelt.

Das Müsli gibt es in den zwei Geschmacksrichtungen Nuss- oder Kakao-Crunch. Dabei setzt das Gründer-Duo ausschließlich auf Nüsse, Kokosnuss und Saat, echte Gewürze und einen natürlichen Zuckerersatz, ohne zugesetztem Zucker. Zudem haben sie in ihrem Produktportfolio eine Haselnuss-Kakao-Creme und den sogenannten Keto-Coffee . Sie forderten 50.000 Euro für 7,5 Prozent.

„Tulipans macht satt“

Nach der Kostprobe meinten die Gründer, ihr Produkt sei im Vergleich zur Konkurrenz ein „echtes Lebensmittel“, das satt mache, und dass sie sich aktuell in der Marktaufbereitung befänden. Gschwandtner, Schneider und Rohla stiegen relativ rasch aus, gratulierten aber zum Pitch. Winzer Hillinger sah ebenfalls keine Möglichkeit zu helfen.

Tulipans, 2 Minuten 2 Millionen, Martin Rohla, Leo Hillinger, Katharina Scheider, Hans Peter Haselsteiner, Florian Gschwandtner
(c) PULS 4/ Gerry Frank – Investorin Katharina Schneider präsentiert das Buch der Food-Bloggerin und Gründerin Julia Tulipan.

Ticket und Cash bei „2 Minuten 2 Millionen“

Als Haselsteiner überlegte, mischte sich Markus Kuntke per Zuschaltung ein. Der Trendmanager verteilt auch heuer wieder das REWE-Startup-Ticket. Er meinte, im Gegensatz zu anderen Produkten aus der Branche schmecke ihr Produkt wirklich gut. Er lud sie ein, sich im Handel listen zu lassen. Danach bot Haselsteiner 50.000 Euro für zehn Prozent Anteile. Deal für Tulipans.

Kräftemessen bei For Sports

Die letzten bei „2 Minuten 2 Millionen“ waren der ehemalige Spitzensportler Matthias Stelzmüller (Shorttrack) und Marc Payer mit For Sports. Dabei handelt es sich um ein neuartiges Trainingssystem, das sich der Dynamik des Körpers widmet sowie Schnell- und Sprungkraft fördert. Mittels am Boden liegenden Sensoren, die auf  Druck reagieren und einer Messplatte für Agilität. Als Unterstützung für den Pitch nahmen die Gründer Sebastian Eitenberger, Hockeyweltmeister, mit ins Studio. Das Gerät sei für den Leistungssport konzipiert, könne aber auch in Schulen zum Einsatz kommen, sagten die Gründer. Die Forderung: 100.000 Euro für zehn Prozent Firmenanteile.

For Sports, Rapid, Rapid Wien, Mattersburg, Christian Fuchs, Hillinger, Gschwandtner, Schneider, Haselsteiner, Rohla, Kuntke, Zech, REWE, Startup
(c) PULS 4/ Gerry Frank – Eines der drei Elemente zur Verbesserung und Messung der eigenen Dynamik, Leucht-Sensoren, von For Sports.

Mit Christian Fuchs vergleichen

Die Erfindung löst den Gründern zufolge zwei Probleme: Die Monotonie des Trainings auflösen und bisher schwer bis kaum messbare Daten mit der Kraftmessplatte aufzeichnen. Die Hardware ist mit der App verbunden, wodurch alle Ergebnisse auf einer Vergleichsplattform hochgeladen werden. Man könne sich bei Fußballeinheiten sogar mit dem englischen Premier-League-Meister und Ex-ÖFB-Kapitän Christian Fuchs messen, sagen die Gründer. Aktuell teste man das Produkt in Kooperation mit SK Rapid Wien und dem SV Mattersburg, sowie mit Helge Payers Tormannschule. Zudem habe man über die Wirtschaftskammer Österreich in China „einige Interessenten“ gewinnen können.

Dreiteiliges System

Nach einer Demonstration mit dem Hockeyweltmeister fassten die Gründer auf Nachfrage erneut ihr komplettes und aus drei Teilen bestehendes System zusammen und erklärten: Die einzelnen Sensoren werden am Boden in gewissen Abständen aufgelegt und leuchten auf. Sie sollen im Training so schnell wie möglich per Handdruck abgedreht werden. Die Messplatte zeigt an, mit welcher Kraft man abspringt und ob man dabei eine etwa „Dis-Balance“ aufweist. Beim dritten Produkt handelt es sich um eine Torwand mit einsetzbaren Messpunkten.

Der geheimnisvolle Lionel Messi

Gschwandtner erzählte von Adidas und Lionel Messi und wie sie mit einer Sensor-Jacke Daten erfassen konnten. Er wollte darauf hinaus, dass dieses Produkt scheiterte, weil die Spieler nicht transparent sein wollten. Die Antwort der Gründer darauf: For Sports könne Daten anonymisieren. Zudem wäre der Plan, monatlich ein berühmtes Testimonial gegen User antreten zu lassen. Mit Rapid befände man sich bereits in Gesprächen darüber.

Ein Fehlschuss bei „2 Minuten 2 Millionen“

Florian Gschwandtner legte danach Fuß an und wollte die Torwand treffen. Dies misslang dem Ex-Runtastic-Gründer und er nahm schnell wieder Platz. Und kam auf die Produktionskosten (400 Euro) und andere Zahlen zu sprechen. Man erfuhr, dass der Verkaufspreis des Produkts rund 1300 Euro beträgt, Lizenzgebühren für diverse Modelle bei 20 Euro liegen.

Dreimal „Nein“ für For Sports

Martin Rohla, als überzeugter Nicht-Sportler, gab zu, dass er anfangs so gar nicht an das Produkt geglaubt, seine Meinung aber mit der Zeit geändert habe. Er stieg dennoch aus. Haselsteiner nannte das Konzept „gut durchdacht“, ging aber ebenso ohne Angebot, wie auch Schneider.

Netzwerkausbau mithilfe eines „2 Mintuen 2 Millionen“-Jurors

Florian Gschwandtner und Leo Hillinger blieben über. Der Winzer stieg aus, weil ihm die Bewertung zu hoch war. Der Tech-Profi wiederum meinte, das System sei „multisports-fähig“ und das monatliche Einkommen ein Pluspunkt, an dem man aber noch feilen müsse. Der Negativpunkt wäre jedoch seine Erfahrung mit einem High-Tech-System, das abgelehnt worden war. Dies sei der Grund, warum er sich aktuell nicht traue einzusteigen. Er würde den Gründern jedoch Kontakte zu „ligaportal.at“ zusichern. Einer Plattform, die auch hochklassige Vereine beliefert. Kein Deal für For Sports.


⇒ Hochzeit.click

⇒ Lifestyle Bike

⇒ CanMixx

⇒ Tulipans

⇒ For Sports

⇒ Puls 4/ 2Min2Mio

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Jonas Finck und Philip Pauer, Vorstände der Reploid Group AG | (c) Reploid / Stefan Beiganz
Jonas Finck und Philip Pauer, Vorstände der Reploid Group AG | (c) Reploid / Stefan Beiganz

Im Juli gab das Welser Scaleup Reploid bereits vorläufige Zahlen zum Geschäftsjahr 2025 bekannt, wie brutkasten berichtete. Und große Überraschungen gibt es im nun veröffentlichten kompletten Jahresbericht bei den damals genannten Kennzahlen keine:

Der Umsatz stieg demnach von 5,1 Millionen Euro im Jahr 2024 auf 37,9 Millionen Euro im Jahr 2025, das Betriebsergebnis (EBIT) von 1,1 Millionen auf 12,6 Millionen Euro. Die Bilanzsumme wuchs von 7,7 Millionen auf 48,3 Millionen Euro und das Eigenkapital von 4,7 Millionen auf 19,2 Millionen Euro (jeweils zum Stichtag 31.12.). Unterm Strich stehen 9,4 Millionen Euro Gewinn.

Österreichs Scaleup-Musterschüler?

Die Zahlen sprechen für sich, will man meinen. Ist Reploid also Österreichs Scaleup-Musterschüler, dem starkes Wachstum auf allen Ebenen bei steigender Profitabilität gelingt? Ein genauer Blick in den Jahresbericht abseits der Zahlen, die es in die begleitende Presseaussendung geschafft haben, zeigt ein deutlich differenzierteres Bild.

Hoher Gewinn trifft tief negativen Cashflow

In der Presseaussendung nennt Reploid Umsatz, Betriebsergebnis, Bilanzsumme und Eigenkapital. Der Jahresüberschuss und vor allem die Cashflow-Rechnung finden sich nur im vollständigen Bericht. Und dort zeigt sich, dass die Ertragszahlen deutlich von der tatsächlichen Kassenlage abweichen: Dem ausgewiesenen Gewinn von 9,4 Millionen Euro steht ein Minus von nicht weniger als 6,5 Millionen Euro beim operativen Cashflow gegenüber. Hinzu kamen Abflüsse für Investitionen von rund 6,1 Millionen Euro. Diesen Geldbedarf deckte das Scaleup mit frischem Geld von außen: Über Eigenkapitaleinzahlungen von Investoren sowie neue Kredite holte man sich 2025 insgesamt 12,4 Millionen Euro. Mit Stichtag 31.12.2025 lag der ausgewiesene Kassenbestand bei rund 6.000 Euro, also eine „schwarze Null“.

Große offene Forderungen mit Unsicherheitsfaktor im Umsatz

Ein wesentlicher Grund für diese Schere zwischen dem verbuchten Gewinn und dem tatsächlichen Kassenstand liegt in den Verträgen für die Insektenmastanlagen, die das Scaleup für seine Kunden baut. Zwar verbuchte Reploid einen Rekordumsatz von 37,9 Millionen Euro, wartete zum Bilanzstichtag jedoch noch auf erhebliche Kundenzahlungen: Die Forderungen aus Lieferungen und Leistungen standen netto, also bereits nach Abzug von Wertberichtigungen, mit rund 18,6 Millionen Euro in der Bilanz.

Ein Unsicherheitsfaktor: Viele Kunden müssen vertraglich erst zahlen, wenn ein behördlicher Baubescheid für die jeweilige Anlage vorliegt. Da Fälligkeit und Zahlungszeitpunkt vieler Forderungen damit unsicher sind, musste Reploid den Wert seiner Forderungen drastisch korrigieren. Zum Bilanzstichtag summierten sich die Wertberichtigungen auf 13,8 Millionen Euro, wovon allein 12,1 Millionen Euro das operative Ergebnis des Jahres 2025 als Aufwand belasteten. Wegen dieser Unsicherheiten stufte der Prüfer Deloitte die Werthaltigkeit der Forderungen im Bericht als „besonders wichtigen Prüfungssachverhalt“ ein.

Viele Geschäfte im eigenen Firmennetzwerk

Auffällig ist zudem eine enge Verflechtung im eigenen Firmennetzwerk. Zu den offenen Kundenforderungen kommen weitere Forderungen von rund 6,5 Millionen Euro gegenüber Tochtergesellschaften, davon rund 2 Millionen Euro aus Lieferungen und Leistungen und der Rest aus Finanzierungen und Verrechnungen, sowie von rund 5,3 Millionen Euro gegenüber Beteiligungsunternehmen der Gruppe. Die Forderungen gegenüber den eigenen Töchtern mussten dabei bereits mit 5,5 Millionen Euro wertberichtigt werden, das entspricht rund 46 Prozent ihres ursprünglichen Werts.

Zusätzlich stiegen die Vermögenswerte durch ein von einer Tochterfirma erworbenes Patentrecht im Wert von knapp 4,8 Millionen Euro. Frisches Geld von außen brachte dieser interne Deal freilich nicht. Zum Stichtag standen zugleich Verbindlichkeiten gegenüber verbundenen Unternehmen von knapp 6 Millionen Euro aus Verrechnungen in den Büchern.

„Kleine Kapitalgesellschaft“ Reploid muss keinen Konzernabschluss vorlegen

Ein weiterer auffälliger Punkt betrifft die Transparenz. Die Bilanzsumme wuchs von 7,7 Millionen auf 48,3 Millionen Euro, die Belegschaft auf Gruppenebene lag per Ende 2025 bei 109 Mitarbeitenden. Dennoch ist das Unternehmen formell weiterhin als „kleine Kapitalgesellschaft“ eingestuft. Zudem greifen laut Bericht die größenabhängigen Befreiungstatbestände des § 246 UGB: Reploid muss daher keinen Konzernabschluss aufstellen. Das tatsächliche Gesamtbild der Finanzen aller in- und ausländischen Tochterfirmen bleibt für die Öffentlichkeit damit teilweise intransparent. Die im aktuellen Bericht veröffentlichte Beteiligungsliste weist jedenfalls bei mehreren Tochtergesellschaften Verluste aus, was das Gesamtbild schärft.

Normaler Vorgang, außergewöhnliche Transparenz

Dass bei derartigem Wachstum ein hoher Kapitalbedarf besteht und es finanzielle Risiken und Unsicherheitsfaktoren gibt, ist bei Scaleups freilich völlig normal. Und auch dass bei den kommunizierten Zahlen eine Auswahl getroffen wird, die das Unternehmen gut dastehen lässt, ist gang und gäbe. Der Unterschied liegt freilich darin, dass Reploid als börsennotiertes Unternehmen höhere Transparenzpflichten hat. Es notiert seit Juli 2025 im direct market plus der Wiener Börse. Für Beobachter:innen bietet Reploids Jahresabschluss 2025 in Kombination mit der Presseaussendung jedenfalls ein spannendes Anschauungsobjekt, wie man mit betriebswirtschaftlichen Kennzahlen hantieren kann.

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2 Minuten 2 Millionen-Juror Florian Gschwandtner: „Scheiterten damit bereits bei Adidas“

  • Constantin Witt-Dörring und Roland Voraberger wollen mit Hochzeit.click das Planen von Hochzeiten erleichtern und für Übersicht und Transparenz am Hochzeitsmarkt sorgen.
  • Der Erbauer eines Baum-Rades zeigt sich mehr als Künstler statt Unternehmer.
  • Mischmaschinen-Alternative lässt Haselsteiner grübeln.
  • Low-Carb Food-Startup möchte vom neuen Diät-Trend prfitieren.
  • Unternehmen lässt Kraft- und Dynamik-Vergleiche mit Sportlern zu.

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