05.10.2021

„2 Minuten 2 Millionen“ heute mit Outdoor-Fokus und User-Courage

"In dieser Folge von "2 Minuten 2 Millionen" ging es um eine Outdoor-Garage, Outdoor-Bekleidung und äußeren wie inneren Mut. Zudem brachte ein Startup Naturdüfte mit, während ein anderes auf Convenience-Essen setzte.
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2 Minuten 2 Millionen, easyGarage, Mutbox, Landluvt
(c) Puls 4/Gerry Frank- Matthias Magdics von easyGarage hatte bei seinem Auftritt alle Hände voll zu tun.
kooperation

Die ersten bei „2 Minuten 2 Millionen“ waren Jan Karlsson, der 2016 den Eistee Makava herausbrachte, und Gabriel Gschaider von FreyZein. Dabei handelt es sich um „urban-outdoor“-Kleidung, die technologische Innovationen in der Materialtechnologie nutzt. Konkret ist es eine geheime bizirkuläre Technologie, die den gesamten Produktzyklus berücksichtigt und ein besonderes Gewebe erzeugt. Die Produkte werden aus dem atmungsaktiven sowie wasserabweisenden Material Tryzeam hergestellt. Es braucht weniger Wasser zur Produktion, weist dabei einen geringeren CO2-Ausstoß auf und verursacht keinen Müll. Die Forderung: 80.000 Euro für zehn Prozent.

Geheimnisse bei „2 Minuten 2 Millionen“

Woraus das zugekaufte Garn besteht, unterliegt noch der Geheimhaltung, die Gründer erklärten jedoch, dass es sich um einen natürlichen Stoff handelt. Die Weigerung über genaue Bestandteile zu sprechen, verärgerte Bau-Tycoon Hans Peter Haselsteiner und Nachhaltigkeits-Experte Martin Rohla. Die beiden jungen Männer ließen sich zumindest entlocken, dass es sich um natürliche Pflanzenfasern handeln würde. Und dass alle plastikfreien Stücke in Europa nachhaltig produziert werden, unter sozial verträglichen Umständen. Mehr sagten sie nicht, da sie sich mitten im Patentierungsprozess befänden.

FreyZein
(c) Puls 4/Gerry Frank – Gabriel Gschaider und Jan Karlsson von FreyZein nutzen bizirkuläre Technologie.

Haselsteiner, Alexander Schütz und Mediashop-Chefin Katharina Schneider stiegen relativ schnell aus. Auch Hotelier Bernhard Hinteregger ging gleich ohne Angebot. Er sprach aus, was alle Juroren dachten – man hatte viele Fragen gestellt und wenige Antworten erhalten. Auch Martin Rohla hätte sich fundiertere Informationen gewünscht. Kein Deal für FreyZein.

Die portable Garage bei „2 Minuten 2 Millionen“

Der zweite bei „2 Minuten 2 Millionen“ war Matthias Magdics von easyGarage. Hier geht es um eine komplett verschließbare PVC-Schutzhülle für den Winter, in der wertvolle Autos, Motorräder und Oldtimer trocken und sicher gelagert werden können. Ein wasserfester Reißverschluss schaffe eine abgeschlossene Atmosphäre – wieder verwendbare Trockenbeutel sollen im Inneren für eine niedrige relative Luftfeuchtigkeit sorgen und gegen Rost und Schimmel optimale Lagerbedingungen schaffen. Die Forderung für die Abdeckplane: 50.000 Euro für 45 Prozent.

Schwerarbeit für den Gründer

Nach dem Pitch erfuhren die Investoren, dass das ganze Prozedere, ein Fahrzeug einzupacken, rund fünf bis zehn Minuten dauere. Dennoch „zwangen“ die Juroren den Gründer ihnen zu zeigen, wie die Plane funktioniere, beharrten aber zugleich darauf, dass er parallel dazu ihre Fragen beantwortete.

2 Minuten 2 Millionen
(c) Puls 4/Gerry Frank – Matthias Magdics von easyGarage mit seinem Winterschutz für Fahrzeuge.

Leo Hillinger sah es als Problem, dass die Idee leicht zu kopieren sei. Der Gründer argumentierte damit, schnell am Markt sein zu wollen und viral zu gehen. Dies half nicht viel. Der Winzer fand die Idee zwar gut und professionell, jedoch seien ihm potentielle Kopiebestrebungen zu wider. Kommunikations-Experte Philipp Maderthaner sah es als gefährlich an, dass der Gründer in Fernost produzieren lassen wolle. Auch er ging aufgrund der Gefahr, dass jemand die Idee leicht nachmachen könne. Anschließend verabschiedete sich auch Haselsteiner.

Besseres Branding gewünscht

Schütz nannte die Idee sinnvoll, aber unausgegoren. Der Name des Startups müsse auf der Plane stehen, sagte er etwa. Nach der vierten Absage lobte Katharina Schneider, wie sich Magdics unter schweren Umständen im Studio geschlagen hatte. Die Investorin sah Potential im Produkt und bot 20.000 Euro für 26 Prozent. Deal für easyGarage.

Mutig in die Woche

Die nächsten bei „2 Minuten 2 Millionen“ waren Georg Merkscha und Philipp Puregger mit „Die Mutbox„. Die beiden RealTalk-Gründer waren Keynote-Speaker gewesen, mussten sich aber wegen Corona nach einer neuen Einnahmequelle umsehen. Ihr Produkt ist dem Namen entsprechend eine kleine Box mit 52 individuelle Aufgaben auf Karten gedruckt, die Kunden von Woche zu Woche mutiger machen sollen, weil sie sich außerhalb der eigenen Komfortzone bewegen müssen. „Dort überwindest du deinen inneren Schweinehund, triffst Entscheidungen und lernst ‚Nein‘ zu sagen, um für dich und andere einzustehen“, so die Gründer. Ihre Forderung: 45.000 Euro für 15 Prozent.

2 Minuten 2 Millionen, Die Mutbox, Mutbox
(c) Puls 4/Gerry Frank – Georg Merkscha und Philipp Puregger lassen ihre Kunden Mut finden.

Bisher wurden von der Mutbox 750 Stück verkauft, bei 20.000 Euro Umsatz und mit einem Werbebudget von 300 Euro. Nach dem Pitch warfen die Investoren einen Blick auf die Aufgaben. Darunter: ausmisten, zum Flohmarkt fahren und sich im Verhandeln üben oder sich als Chauffeur des Vorgesetzten melden.

Kunden mit digitaler Ergänzung

Als Ergänzung zur Box gibt es digital aufrufbare Aufgaben, mit dem Effekt, dass das Startup eine eigene Community aufgebaut hat, die sich über Erfahrungen austauscht. Zugang zu der Website hätten nur „Die Mutbox“-Käufer.

Runtastic-Gründer Florian Gschwandtner fand die Idee der Selbstoptimierung von Menschen eine gute, meinte aber, die Box würde schwer zu skalieren sein. Er stieg als erster aus. Haselsteiner erklärte bei seinem Abschied, dass nicht jede gute Idee einen Markt habe.

Zukunftsvision Sexbox

Auch Schneider ging ohne Offerte, ihr fehle etwas „Tiefe“ im Produkt. Hinteregger sah es ähnlich wie seine Kollegen und ließ Alexander Schütz über. Der Wirtschaftsmagnat fand Gefallen an der Mutbox, nannte sie hochwertig, brachte Ideen für weitere Versionen des Spiels ein, eine Manager- oder eine Sexbox etwa, und bot 100.000 Euro für 40 Prozent.

Nach der Beratung kehrten die beiden Steirer zurück und erklärten, dass 40 Prozent Anteilsabgabe zu viel wären. Sie schlugen 25,1 Prozent für 62.000 Euro vor. Man einigte sich auf 60.000 Euro. Deal für „Die Mutbox“.

Landluvt-Liebe im „2 Minuten 2 Millionen“-Studio

Diana Weiss von Landluvt hat ein großes Talent: einen starken Geruchssinn. Sie präsentierte bei „2 Minuten 2 Millionen“ ihre Duftkompositionen. Ihre zur Sendeaufzeichnung bisher drei Duftsymphonien sind aus der Natur hergestellt. Das Startup verwendet hochwertige ätherische Öle aus biologischem Anbau. Landluvt bezieht so weit als möglich Hilfsmaterialien regional. Das halte den CO2 Fußabdruck klein und fördere gleichzeitig Kulturgut, so die Gründerin. Ihre Forderung: 80.000 Euro für 20 Prozent.

Landluvt
(c) Puls 4/Gerry Frank – Diana Weiss brachte Duftkompositionen mit ins Studio.

Den Geruchstest bestanden die drei Parfüms besonders bei Leo Hillinger, der sich selbst ein gutes Näschen zuschrieb. Danach sorgte der hohe Verkaufspreis für 115 Euro pro 50 Milliliter-Flasche, die nach den Städten Klagenfurt (Unisex), Salzburg (Dame), Graz (Jugend) und Wien (Männer) benannt sind, für fragende Gesichter. Weiss argumentierte mit hochwertigen Inhaltsstoffen wie etwa Vanille und Jasminblüten in ihren Produkten.

Nicht aus der Garage zum Startup

Die Gründerin erklärte, dass sie bisher im Bad im zweiten Stock ihre Produkte fertige, es aber langsam eng werde. Sie plane rund ein Prozent der 1,4 Millionen Parfümkäufer hierzulande zu erreichen. Zudem wäre auch ein Raumduft-Konzept, etwa Saunaaufgüsse, angedacht.

Haselsteiner stieg als erster mit viel Lob aus. Er würde als Partner nicht helfen können, aber Kunde werden, um es als Geschenk weiterzureichen. Schütz fand die Unternehmensbewertung zwar in Ordnung, aber den Produktpreis zu hoch. Maderthaner sah Landluvt nicht im Parfüm-Bereich, sondern als Raumduft-Artikel. Nach dieser Absage gab es erneut Duft-Lob vom Winzer der Runde, der aber als Investor nicht helfen könne. Danach erklärte Schneider, dass es ihr ein Herzensprojekt wäre, Frauen zu unterstützen, sie sehe Leidenschaft in der Gründerin und bot für zehn Prozent 25.000 Euro. Deal für Landluvt.

Convenient-Mahlzeit bei „2 Minuten 2 Millionen“

Den Abschluss von „2 Minuten 2 Millionen“ bildeten Nena Gupta-Biener und ihr Gatte Johannes. Bei Viffff geht es um eine vegane „Convenient-Mahlzeit“ mit einem patentierten fermentierten Herstellungsprozess. Das Produkt besteht aus natürlichen Zutaten. Die Hauptinhaltsstoffe sind Hülsenfrüchte, Getreide und Kürbiskerne. Viffff weise einen hohen Eiweißgehalt auf – über 30 Prozent, sowie einen hohen Ballaststoffanteil bei hohem Kohlehydratanteil und geringem Fettgehalt. Die Forderung: 250.000 Euro für 20 Prozent Beteiligung.

2 Minuten 2 Millionen, Viffff
(c) Puls 4/Gerry Frank – Nena Gupta-Biener und Gatte Johannes arbeiten mit einem fermentierten Herstellungsprozess.

Die Gründer erklärten, dass mit ihrer Mahlzeit Diabetiker ein bis drei Insulinspritzen pro Tag einsparen könnten. Das hätten sie in einer präklinischen Studie herausgefunden; weitere Forschungen würden mit der Med-Uni Graz laufen.

Der Plan: 1,5 Millionen Euro Umsatz im ersten Jahr

Außerdem erzählte das Duo, dass es bereits von einer Supermarktkette eine Anfrage von zehn Tonnen pro Jahr hätte, mit der Option auf mehr. Deshalb brauche man eine Umstellung der Produktion auf halb-automatisch, um dem Bedarf gerecht zu werden. Man plane einen Umsatz von 1,5 Millionen Euro Umsatz im ersten Jahr.

Danach dauerte es nicht lange, bis sich Markus Kuntke zuschaltete. Der Trendmanager bot eine Kooperation mit Billa an. Näheres müsse man besprechen, sagte er. Haselsteiner verabschiedete sich als erster, auch wenn er die Idee plausibel fand. Es wäre nicht sein Feld. Auch Gschwandtner ging ohne Angebot, riet aber dazu die Webpräsenz für b2c zu verbessern. Schütz und Schneider sagten danach ebenfalls ab. Die letzte Chance auf ein Investment, Hinteregger, erkannte in dem Segment eine wachsende Zielgruppe, blieb aber auch ohne Offerte. Kein Deal für Viffff.

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V.l.n.r.: Peter Llewellyn-Davies (Präsident BIOTECH AUSTRIA), Lejla Pock (CEO Human.technology Styria), Marcus Hofer (CEO Standortagentur Tirol) © BIOTECH AUSTRIA

Rund 250 Teilnehmer:innen aus zwölf Ländern, zwei Tage in Innsbruck, ein Motto: „Start up, Scale up, Step up!“ Mit vielen neuen Kontakten und einem guten Gefühl bin ich nach Hause gefahren und mit einer offenen Frage: Die österreichische Biotech-Branche ist so gut vernetzt wie nie, aber woher kommt  künftig das Geld, damit aus exzellenter Forschung Unternehmen werden, die in Europa groß werden?

Am Wissen fehlt es nicht. Ob Europa in der Biotechnologie mitspielt, entscheidet sich an der Finanzierung der Wachstumsphase.

Europa zwischen den USA, Golfstaaten und China

Der Schwerpunkt des Summits lag auf dem Scaleup, also auf dem Schritt vom Startup zum international wachsenden Unternehmen.

Ein Bild für die Zukunft der Pharmatrends zeichnete Claudio Albrecht, ehemaliger CEO der Stada AG. Er sprach darüber, wie Geopolitik, neue Technologien und sich wandelnde Gesundheitssysteme die Pharmaindustrie bis 2035 prägen könnten. Besonders hervorgehoben hat er dabei die Transformation Chinas von einer Service-Industrie zu einem Innovationsmotor sowie die Dynamik in den Golfstaaten. Europa widmete er keine eigene Folie in seiner Präsentation, was vom Publikum hinterfragt wurde. Es wirft die Frage auf, welchen Stellenwert Europa künftig im globalen Wettbewerb überhaupt noch spielen wird.

(c) Hofelich – Claudio Albrecht gab einen Ausblick in die Zukunft.

 Ein Champion, der nicht auswandern muss

Den Gegenentwurf lieferte Karl Nehammer, Vizepräsident der Europäischen Investitionsbank (EIB) und ehemaliger Bundeskanzler. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir vor allem ein Satz: „The next champion should not need to leave Europe in order to become a global champion.“ 

(c) Hofelich – Karl Nehammer, Vizepräsident der Europäischen Investitionsbank (EIB).

Das Ziel ist ambitioniert und gerade in der Biotechnologie bislang schwer erreichbar. Entwicklungszyklen dauern hier i. d. R. mehr als ein Jahrzehnt. 

Der Startup- & Scaleup-Dachfonds: eine gute Nachricht mit Fragezeichen

Für die Branche besonders interessant war die Diskussion über den geplanten österreichischen Dachfonds. Stefan Haubner, Founding Partner bei APEX Ventures, widmete sich der Frage, ob Europa ein eigenes Modell für Venture Capital braucht. Dabei ging es auch um den österreichischen Fund-of-Funds. 

Der Dachfonds soll Anfang 2027 starten. Der Staat steuert 100 Mio. Euro bei, institutionelle Investoren sollen weitere 400 Mio. Euro bringen. Das ist ein wichtiges Signal. Weil es ein Dachfonds ist, investiert er aber nicht direkt in Unternehmen, sondern in andere Fonds.

Wie viel von diesem Geld tatsächlich bei Biotech-Unternehmen ankommt, ist derzeit offen.

Life Sciences brauchen Investoren mit Fachwissen und langem Atem. Davon gibt es in Österreich nur wenige. Wenn der Dachfonds vor allem in Generalisten-Fonds fließt, könnte die Biotechnologie leer ausgehen.

Tirol zeigt, wie Standortarbeit aussieht

Auch organisatorisch war der Summit ein Vorzeigeprojekt. Veranstaltet wurde der Summit von BIOTECH AUSTRIA, Human.technology Styria und der Standortagentur Tirol. Vor Ort vertreten waren Peter Llewellyn-Davies, Präsident von BIOTECH AUSTRIA, Marcus Hofer, CEO der Standortagentur Tirol, und Lejla Pock, CEO von Human.technology Styria. Äußerst charmant moderiert hat Damita Pressl.

Die Villa Blanka hoch über Innsbruck bot eine außergewöhnliche Kulisse; ebenso das Gala-Dinner am Abend in der Rooftop-Bar des Hotels aDLERs. Begeistert zeigten sich auch die Teilnehmer:innen, die am Vortag im Rahmenprogramm die Skisprungschanze Bergisel besichtigt hatten. Ich selbst habe mir am Dienstagmorgen den Health Hub Tirol angesehen. Das Technologiezentrum ist seit knapp einem Jahr in Betrieb und bietet noch freie Flächen. Das ist die Art Standortpolitik, die wirkt: Infrastruktur, Netzwerk und ein Treffpunkt, an dem Forschung, Investor:innen und Politik tatsächlich ins Gespräch kommen.

Was es jetzt braucht

Der Summit hat gezeigt, dass die Branche sich der Herausforderungen bewusst ist und weiß, was zu tun ist.

Der nächste Champion muss nicht auswandern. Aber dafür muss das Kapital vor Ort stärker mobilisiert werden. 

Der fünfte Biotech Summit Austria findet am 21. und 22. Oktober 2027 in Graz statt. Bis dahin wissen wir mehr darüber, ob der Dachfonds auch der Biotechnologie hilft.


Disclaimer: Karin Hofelich ist Life Science Lead beim brutkasten-Schwestermagazin VentureCapital. Das VC Magazin war Medienpartner des Summits.

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