26.01.2021

2 Minuten 2 Millionen: Haselsteiner nennt 10 Millionen-Bewertung „absurd“

In dieser Folge von "2 Minuten 2 Millionen" gab es trendige Stützstrümpfe, Dattelnaschereien und eine einseitige Millionenbewertung. Zudem versuchte ein Vater-Sohn-Gespann seinen Tennis-Home-Trainer den Investoren schmackhaft zu machen.
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2 Minuten 2 Millionen, Dattelbär, Haselsteiner
(c) Puls 4/Gerry Frank - Gottfried Prinz und Dominik Gräf wollten mit ihrer Idee die Investoren zum gesunden Naschen und einem hohen Investment verführen.
kooperation

Die ersten auf der „2 Millionen 2 Minuten-Showbühne“ waren Tamara und Andreas Wasner. Sie bieten mit xunt Stützstrumpfe an, die durch ein besonderes Designs und ausgefallenen Farben auffallen. Neben dem Gesundheitsaspekt sollen die Produkte auch alltagstauglich anwendbar, atmungsaktiv und angenehm auf der Haut sein. Die Forderung der diplomierten Krankenschwester und des IT-Experten: 70.000 Euro für 20 Prozent.

xunt: zuletzt 120.000 Euro Umsatz

xunt gibt es in verschiedenen Materialien wie Bambusfasern, Baumwolle oder Tencel (Zellulosefaser). Im Onlineshop sind bereits mehr als 50 Modelle gelistet. Die Socken kosten je nach Modell 15 bis 20 Euro. Verkauft wurden bisher 10.000 Stück bei einem aktuellen Jahresumsatz von 120.000 Euro – bei 40.000 Euro Gewinn.

„Scheitern nicht möglich“

Nach der angenehmen Diskussionsrunde über das Produkt meinte Bau-Tycoon Hans Peter Haselsteiner, für ihn sei es kein Investment-Case, aber xunt wäre ein echter Problemlöser. Runtastic-Gründer Florian Gschwandtner lobte die Idee der stylischen Stützstrumpfe, ging aber auch ohne Angebot. Winzer Leo Hillinger meinte trotz Abschied, dass das Startup gar nicht scheitern könne.

Xunt, 2 Minuten 2 Millionen, Stützstrümpfe
(c) Puls 4/ Gerry Frank – Katharina Schneider beim Anprobieren der xunt-Stützstrümpfe.

Danach folgte Mediashop-Chefin Katharina Schneider. Sie meinte, für ihr Unternehmen wäre Gesundheit ein große Thema. Die Idee der beiden Gründer wäre genial. Sie bot 25.000 Euro für zehn Prozent Beteiligung

Schütz ein Vielflieger

Gründer und CEO der Wiener C-Quadrat Investment Group Alexander Schütz outete sich als Träger von Stützstrümpfen. Er als Vielflieger verbrauche im Normalfall über 600 Flugstunden im Jahr. Sein Angebot: 70.000 Euro für 25,1 Prozent. Schneider zog daraufhin ihr Angebot zurück und schloss sich ihrem Kollegen als Partnerin an. Doppel-Deal für xunt. Doch das war nicht das Ende.

xunt ins Start-Up-Village

Daniel Zech von SevenVentures, der sich ins Studio zuschaltete, bot im stationären Handel einen zusätzlichen Vertriebsweg an: Die Gründer dürfen zwei Monate im Start-Up-Village in der SCS Vösendorf und im Donauzentrum ihre Produkte verkaufen.

Hitting Partner: Tennis-Home-Trainer bei „2 Minuten 2 Millionen“

Die zweiten bei „2 Minuten 2 Millionen“ waren Josef und Andreas Dagn mit Hitting Partner. Hierbei geht es um einen mechanischen Tennis-Home-Trainer, den man überall mitnehmen kann. In das Projekt wurden bisher in fünf Jahren Arbeit rund 400.000 Euro investiert. Patente gibt es bereits für die EU, USA und China. Von der Jury erhofften sich die etwas nervös wirkenden Gründer 200.000 Euro für 15 Prozent Beteiligung.

Der Tennisball selbst ist fest an einer flexiblen Stange verankert und kann in Höhe verstellt werden. Auch verschiedene Schläge, wie Lob oder Stopp, können trainiert werden. Der Preis dafür: 1750 Euro.

Drei schnelle Absagen

Katharina Schneider war die erste die ausstieg. Sie könne nicht helfen. Schütz meinte, ein strategischer Partner mit Vertriebsnetz wäre die ideale Lösung für das Startup. Auch er ging. Auch Dagmar Grossmann, CEO von Grossmann Jet Service, verabschiedete sich.

(c) Puls 4/Gerry Frank – Hitting Partner ist ein Home-Trainer, mit dem man seine Tennisschläge üben kann.

Hotelier Bernd Hinteregger sah ebenfalls keinen Investment-Case, würde aber eines für seinen Bruder kaufen. Der Tiroler Landsmann Haselsteiner fand das Produkt interessant, wäre aber kein Tennis-Spieler. Kein Deal für Hitting Partner.

Roc Sports: Proteinreiche Lebensmittel bei „2 Minuten 2 Millionen“

Der Dritte bei „2 Minuten 2 Millionen“ war Christian Rohrhofer, Gründer von Roc Sports. Seit 2019 entwickelt der Programmierer diverse proteinreiche Lebensmittel, biologisch und ohne Zusätze von Zucker, Aromen und Farbstoffen. Vertrieben werden die Produkte über einen Webshop und in ausgewählten Bio-Läden. Der Founder forderte für seine Sportnahrung 150.000 Euro für 20 Prozent.

Mehrere Produkte im Portfolio

Nach dem souveränen Pitch, inklusive Spagat, meinte Gschwandtner ihm schmecke die Kostprobe. Neben den Rocanossi gibt es noch Eiweißbrot, Eiweiß- und Vanille-Proteinpulver, Proteinriegel, Porridge und eine Schokocreme im Sortiment. Der Umsatz betrug 2020 250.000 Euro.

2 Minuten 2 Millionen, Roc
(c) Puls 4/Gerry Frank – Christian Rohrhofer versuchte mit einem Spagat die Jury zu beeindrucken.

Katharina Schneider war die erste, die sich verabschiedete, als sich Markus Kuntke zu Wort meldete. Der Trendmanager, verteilt auch heuer wieder das REWE-Startup-Ticket. Bei Roc Sports schlug er allerdings „bloß“ ein erstes Treffen vor, um auszuloten, was möglich wäre.

Doch noch ein Deal

Nachdem auch Haselsteiner nicht investieren wollte, ging Gschwandtner ebenfalls ohne Angebot. Winzer Leo Hillinger, der sich bisher sehr schweigsam verhalten hatte, nannte das Produkt stimmig und innovativ, deutete aber die große Konkurrenz am Markt an. Auch er ging. Alexander Schütz hingegen bot schlussendlich 75.000 Euro für 25,1 Prozent. Deal für Roc Sports.

Der Dattelbär bei „2 Minuten 2 Millionen“

Als nächstes folgte bei „2 Minuten 2 Millionen“ Dattelbär. Gottfried Prinz und Dominik Gräf wollen mit ihrer Idee Menschen für gesundes Naschen begeistern. Für ihre Süßigkeiten, wie Dattelpaste, Dattelsirup oder kakaoüberzogene Datteln, nutzen sie biologische, rein pflanzliche Produkte: Die Datteln aus Saudi Arabien werden mit Kakao aus Peru überzogen. Die beiden Gründer forderten 1.000.000 Euro für zehn Prozent Beteiligung.

(c) Puls 4/Gerry Frank – Dattelbär produziert Dattelpaste, Dattelsirup oder kakaoüberzogene Datteln.

Die Founder wollen mit dem Investment ein Franchise-System aufziehen, die Internationalisierung und das Performance-Marketing erweitern. Und Awareness schaffen.

Umsatz über eine Million Euro

Die TV-Investoren brauchten ein wenig um diese Bewertung zu verarbeiten. Nach dem ersten „Schock“ erfuhr die Jury, dass das Startup seinen Umsatz von 400.000 Euro auf über eine Million schrauben konnte, bei 200.000 Euro Gewinn. Bisher alles in Österreich, der Eintritt in den deutschen Markt stehe aber bevor.

„Absurde Bewertung“

Nachdem die Gründer ihre Bewertung mit Zahlen verteidigten, etwa 80 Euro Durchschnittsbestellung oder einer Conversion-Rate von mehr als acht Prozent, sagte Haselsteiner, er finde die Bewertung absurd. Er stieg aus.

Eintrittspreis zu hoch

Schneider und Schütz meinten, sie wären aufgrund der Firmenbewertung sprachlos, würden aber Kunden werden. Dagmar Grossmann offenbarte ihre Affinität zu Datteln, stieg aber ebenso aus. Hinteregger als letzte Hoffnung „blutete das Herz“. Das Produkt schmecke gut, aber der Eintrittspreis wäre zu hoch. Kein Deal für Dattelbär.

Glaselli: Der Desinfektions-Stick fürs Glas

Der Abschluss von „2 Minuten 2 Millionen“ gebührte dem Bayern Stevan Sokola, der mit Glaselli Duo einen patentierten Desinfektions-Stick für Gläser, Getränkedosen und Ess-Besteck mitbrachte. Gemeinsam mit Partner Patrick Sator, der bereits in der siebten Staffel mit Bad Boy, einer Gesichtsmaske für Männer, ohne Investment Heim gehen musste, forderte er 180.000 Euro für 25,1 Prozent für die zu gründende GmbH.

(c) Puls 4/Gerry Frank – Mit dem Glaselli-Stick soll man die Ränder der Gläser vor dem Trinken desinfizieren.

Nicht in Feinde investieren

Nach einer erfolgreichen Demonstration des Sticks an einem Glas und die Erforschung, ob das Produkt auch in der Gastro und Hotellerie einsetzbar wäre, stieg Haselsteiner als erster aus. Er meinte spaßhalber als Tiroler könnte er in einen Gründer, der als Bayer ein alter Erzfeind sei, nicht investieren.

Produkt ein „No-Go“

Hinteregger machte es kurz und ging. Gschwandtner sah zwar einen Use-Case, meinte aber die Konkurrenz am Markt sei zu groß. Alexander Schütz sah in dem Produkt ein „No-Go“ und verabschiedete sich ebenfalls. Schlussendlich meinte auch Katharina Schneider, das Produkt wäre für ihr Unternehmen kein Problemlöser. Zudem wäre der Markt übersättigt. Kein Deal für Glaselli.

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Larisa Stanescu (l.) vom Competence Center KI der Wiener Stadtwerke-Gruppe und Product Owner Jonathan Mayer | (c) WienIT

Im August 2025 zog die WienIT in einem eigenen Beitrag eine erste Zwischenbilanz des Competence Center KI. Der Bogen spannte sich damals vom Wissensmanagement-Tool bis zur KI-gestützten Lösung für Förderanträge.

Ein Jahr später hat sich der Schwerpunkt verschoben. In den Vordergrund gerückt ist eine zentrale KI-Plattform, die allen Mitarbeitenden der Wiener Stadtwerke-Gruppe Zugang zu KI-Werkzeugen geben soll. Sie ist produktiv, und seit dem Rollout wurden nach Angaben des Unternehmens rund 500 Nutzer:innen gewonnen.

„Die vergangenen eineinhalb Jahre waren vor allem von Aufbauarbeit geprägt“, sagt Jonathan Mayer, Product Owner der KI-Plattform. Das größte Vorhaben sei die Entwicklung eben dieser Plattform gewesen, mit dem Ziel, einen „einfachen, sicheren und vertrauenswürdigen Zugang zu KI-Technologien“ zu ermöglichen.

Larisa Stanescu, die das Competence Center leitet, wertet die Zahl als Bestätigung: Die Entwicklung zeige, dass der Bedarf an KI-Werkzeugen im Arbeitsalltag groß sei und kontinuierlich wachse. Entscheidend sei dabei, dass die Plattform einen sicheren und unternehmenskonformen Zugang biete.

Vom Freitextfeld bis zur Bestellprognose

Inhaltlich sieht das Competence Center einen großen Bedarf im Wissensmanagement. Informationen würden immer umfangreicher und verteilter, KI könne relevantes Wissen schneller auffindbar machen.

Daneben kommt KI zur Datenanalyse zum Einsatz, etwa bei der Auswertung offener Antworten aus Mitarbeiter- und Kundenbefragungen. Freitextdaten enthielten oft wertvolle Erkenntnisse, deren manuelle Analyse aber sehr zeitaufwendig sei, so Mayer.

Stanescu betont, dass klassische Data-Science- und Machine-Learning-Ansätze darüber nicht in Vergessenheit geraten dürfen. Aktuell arbeite man an mehreren Use Cases in der Logistik, bei denen historische Daten genutzt werden, um Bestellmengen und Bestellzeitpunkte präziser zu prognostizieren.

Larisa Stanescu vom Competence Center KI | (c) WienIT

Digitale Souveränität als Leitprinzip

Die Frage nach Modellen und Infrastruktur ist für das Competence Center mehr als eine technische. „Digitale Souveränität ist für uns ein strategisches Leitprinzip“, sagt Mayer. Ziel sei es, die Kontrolle über die eigenen Daten und deren Verarbeitung zu behalten und gleichzeitig die Vorteile moderner Cloud- und KI-Technologien nutzen zu können.

Der Weg dorthin wird als pragmatisch beschrieben: Abhängig von den Anforderungen eines Use Cases und der Sensibilität der Daten wird entschieden, welche Infrastruktur und welche Technologien zum Einsatz kommen.

Konkret wird es beim nächsten Release der Plattform. Dann sollen Nutzer:innen zwischen verschiedenen Modellen selbst auswählen können, etwa europäischen Modellen oder Thinking-Modellen. Parallel dazu soll Model Routing implementiert werden, das automatisch das passende Modell für die jeweilige Fragestellung auswählt.

Warum Startups bislang nicht unmittelbar beteiligt sind

Bemerkenswert für ein Innovationsthema dieser Größenordnung: Startups sind bislang nicht unmittelbar beteiligt. „Aktuell arbeiten wir in unseren KI-Projekten nicht unmittelbar mit Startups zusammen“, sagt Stanescu. Den Wiener Stadtwerken sei der interne Knowhow-Aufbau besonders wichtig, weshalb auch im Hinblick auf digitale Souveränität stark auf Eigenentwicklungen gesetzt werde.

Eine grundsätzliche Absage ist das nicht. Entscheidend sei, ob eine Lösung konkreten Mehrwert biete und sich in die Anforderungen an Sicherheit, Datenschutz und Integration einfüge. Künftige Kooperationen schließe man keineswegs aus, so Stanescu: Gerade im dynamischen KI-Markt könnten Partnerschaften mit innovativen Unternehmen eine interessante Ergänzung zu etablierten Technologieanbietern sein.

Jonathan Mayer, Product Owner der KI-Plattform von WienIT | (c) WienIT

Keine hochsensiblen Daten, On-Premises als Option

Auf technischer Ebene arbeitet das Competence Center mit klaren Datenklassifizierungen. Derzeit werden auf der Plattform keine hochsensiblen Daten verarbeitet. In Pilotprojekten wird evaluiert, wie künftig auch sensiblere Anwendungsfälle umgesetzt werden können, etwa durch On-Premises-Modelle, bei denen Daten die eigene Infrastruktur nicht verlassen.

Unabhängig von der Technologie gelte ein Grundsatz, sagt Mayer: KI unterstütze Menschen bei ihrer Arbeit, ersetze aber nicht die menschliche Verantwortung. Bei wichtigen Entscheidungen bleibe die finale Bewertung und Freigabe stets in menschlicher Hand.

Begleitet wird der Rollout von einem Change- und Enablement-Ansatz. Jede neue Nutzerin und jeder neue Nutzer der Plattform erhält ein strukturiertes Onboarding zu den Regeln im Umgang mit KI, dazu kommen Informationsveranstaltungen, Schulungen und eine Community für den Erfahrungsaustausch.

„Welches Problem lösen wir?“

Eine der wichtigsten Erkenntnisse der vergangenen Monate formuliert Stanescu grundsätzlich: KI sei kein reines IT-Thema, technologische Exzellenz allein reiche nicht aus. Erfolgreiche Projekte entstünden dort, wo Fachbereiche, IT, Informationssicherheit, Datenschutz und Change Management früh eingebunden werden. Die Abstimmung dieser Anforderungen brauche oft mehr Zeit als die technische Umsetzung selbst.

Der Erfolg von KI-Anwendungen hänge zudem wesentlich stärker von Akzeptanz, Vertrauen und nutzbaren Anwendungsfällen ab als von der Leistungsfähigkeit einzelner Modelle. Statt „Welches Modell ist das beste?“ solle man fragen: „Welches Problem lösen wir für unsere Kolleginnen und Kollegen?“

Agentische KI und ein Hackathon

In den kommenden Monaten liegt der Schwerpunkt auf der Weiterentwicklung der Plattform. Der Zugang zu KI soll weiter vereinfacht, zusätzliche Anwendungsfälle sollen erschlossen werden.

Parallel beschäftigt sich das Competence Center mit agentischer KI. Das Competence Center für Intelligent Process Automation pilotiert erste agentische Fähigkeiten innerhalb der Wiener Stadtwerke-Gruppe. Evaluiert wird, wie KI künftig nicht nur Informationen bereitstellen, sondern komplexere Aufgaben und Prozessschritte eigenständig unterstützen kann.

Um die Innovationskraft im Konzern zu stärken, ist außerdem ein KI-Hackathon geplant, bei dem Mitarbeitende eigene Ideen umsetzen können.

Langfristig sieht das Competence Center seine Rolle nicht darin, einzelne Lösungen bereitzustellen, sondern nachhaltige KI-Kompetenz im gesamten Konzern aufzubauen. Der größte Hebel liege nicht in einzelnen Tools, sondern in den Menschen, die diese Technologien sinnvoll einsetzen.

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