05.05.2020

Haselsteiner bei 2Min2Mio: „Wir wollen investieren und nicht unterstützen“

In dieser Folge von "2 Minuten 2 Millionen" gab es glückliche Sonnenschweine, Katzen und ihr Geschäft und einen Bluetooth-Lautsprecher mit vielen Anwendungsmöglichkeiten. Zudem musste Investor Hans Peter Haselsteiner leicht entnervt klarstellen, worum es in dieser Startup-Sendung überhaupt geht.
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KinderKnigge, digital, analog, Startup,, 2 Minuten 2 Millionen, Martin Rohla, Leo Hillinger, Katharina Scheider, Hans Peter Haselsteiner, Florian Gschwandtner
(c) Puls 4 / Gerry Frank - Soziale Kompetenzen mittels einem Mix aus digital und analog - das möchte KinderKnigge vermitteln.
kooperation

Der erste bei „2 Minuten 2 Millionen“ war Wolfgang Kamper. Der Wiener Neustädter ist Lizenznehmer und Vertriebspartner der „Cat Box by Skoon„, einem neuartigen Katzenstreu-Trend aus den USA . Es besteht aus natürlichen, nicht klumpenden Kieselsteinen, die speziell für die Geruchskontrolle entwickelt wurden. Der äußerst nervöse Unternehmer forderte 100.000 Euro für 20 Prozent.

+++ Mehr zu „2min2mio“ auf unserer Spezialseite +++

Cat Box by Skoon: Wegwerf-Katzenklo bei „2 Minuten 2 Millionen“

Um Kamper vor seinen Aussetzern zu retten, fingen die Juroren an, gezielte Fragen zu stellen. Das Katzenklo kann man bis zu einem Monat verwenden und es wird in einer ausklappbaren Versandbox geliefert. Der Boden des Wegwerf-Klos ist mit einer Folie beschichtet und biologisch abbaubar.

Der Fledermaushund von Leo Hillinger

Baumeister Hans Peter Haselsteiner meinte, die Box wäre mit rund 25 Euro Verkaufspreis zu teuer. Winzer Leo Hillinger erklärte, er hätte „eine Art Hund“ daheim – eine Mischung aus Hund und Fledermaus wie er präzisierte“. Jener bräuchte kein Katzenstreu. Das Produkt wäre zwar gut, aber er raus.

Abo-Modell sinnvoll?

Runtastic-Gründer Florian Gschwandtner empfahl ein Abo-Modell, stieg aber ebenso aus. Nachhaltigkeits-Experte Martin Rohla folgte, während Haselsteiner versprach, er werde Kunde. Mediashop-Chefin Katharina Schneider war anzusehen, dass sie es kaum erwarten konnte, bis ihre Kollegen mit den Absagen fertig waren. Sie gab auch zu, dass sie versucht hatte, „neutral dreinzublicken“, um kein Interesse zu zeigen. Das Produkt habe sie nämlich begeistert. Sie bot 70.000 Euro für 26 Prozent. Deal für „Cat Box by Skoon“.

 Hillinger, Gschwandtner, Schneider, Haselsteiner, Rohla, Kuntke, Zech, REWE, Startup
(c) Puls 4 / Gerry Frank – Wolfgang Kamper brachte einen Katzenstreu-Trend zu „2 Minuten 2 Millionen“, den Haselsteiner gleich testete.

Zeppy: vielseitiger Lautsprecher bei „2 Minuten 2 Millionen“

Die nächsten bei „2 Minuten 2 Millionen“ waren Rafael Kubisz und Jürgen Reichl. Ihr Bluetooth-Lautsprecher Zeppy ist vollkommen wasserdicht und soll auch schwimmend im Wasser ohne Sound-Verluste funktionieren. Durch eine spezielle Technik ist es möglich, dass das Umfeld nicht unfreiwillig die Musik mithören muss. Mit einem speziellen Befestigungssystem kann Zeppy zudem „überall“ angebracht werden und verfügt über einen Massagemodus über Schalldruck. Das Gerät kann mit bis zu acht anderen Zeppys ohne App und W-Lan durch bloße Berührung gekoppelt werden. Die Forderung der beiden Wiener: 400.000 Euro für 20 Prozent.

Nahfeldsound inklusive

Nach der Vorführung erklärten die Gründer, dass sie neben dem Online-Verkauf auch andere Vertriebskanäle hätten: In der Pool- und Gartenbranche. Haselsteiner wünschte den Gründern, dass sie alle Pools mit Zeppy ausstatten, er schaudere jedoch bei dem Gedanken, dass alle e-Bikes und Roller mit dem Lautsprecher durch die Stadt rasen. Die Gründer hatten hierfür jedoch ein Gegenargument: Zeppy verfüge über eine Art „Nahfeldsound“, der etwa am Strand keine Nachbarn stören würde.

Einfache Koppelungsfunktion

Florian Gschwandtner lobte die Koppelungsfunktion, meinte aber, der Lautsprecher-Markt, den sie anstreben, sei brutal. Er hätte davor zuviel Respekt. Hierbei jedoch hatte der Juror die Gründer falsch verstanden. Ihre Richtung wäre eine ganz andere, sagten sie und brachten die Automobilindustrie ins Spiel. Zeppy könnte etwa in Kopfstützen von Autos verwendet werden. Mit dem Nahfeld-Sound könnten die Kinder auf den Rücksitzen etwas gänzlich anderes hören, als die Eltern vorne, so der Gedanke.

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(c) Puls 4 / Gerry Frank – Die Zeppy-Gründer bei der Vorstellung ihres Bluetooth-Lautsprechers.

„Weltweit einziger Lautsprecher für Gehörlose“

Zudem visiert das Startup auch den medizinischen Bereich an, wie Kubisz und Reichl erklärten. Zeppy sei der einzige Lautsprecher auf der Welt für Gehörlose, da diese Musik über Vibration wahrnehmen können. Und das Produkt schaffe eine Verbindung zwischen einer hörenden und einer nicht-hörenden Person: Per Brustgurt könne eine taube Person den Zeppy etwa beim Tanzen tragen und mit dem Partner „on time“ im Takt sein.

Haselsteiner möchte nachdenken

Nach diesem Monolog meinte Haselsteiner, die Gründer hätten einen zweiten und wesentlich besseren Pitch gehalten, als beim ersten Mal. Der Juror versprach, er würde sich nach der Sendung Gedanken machen über ein Investment, eine unmittelbare Entscheidung würde ihn aktuell überfordern. Hillinger fand das Produkt „richtig gut“ und gut designt, jedoch gab es für ihn die alte Krux mit der Bewertung. Martin Rohla schloss sich mit ähnlichen Lobeshymnen, aber ohne Angebot an. Auch Gast-Juror Heinrich Prokop machte es kurz. Kein Deal für Zeppy.

Maister: Maiskohle fürs Grillen

Valentin Schnoor und Johannes Musiol wollen mit Maister und ihrer nachhaltigen Maiskohle die perfekte Alternative für herkömmliche Grillkohle gefunden haben. Rauchfrei soll die Maiskohle des Berliner Startups binnen weniger Minuten für eine langanhaltende Glut sorgen. Die Grillanzünder und die Grillkohle bestehen aus verkohlten Maiskolben ohne Körner. Die Gründer forderten dafür 200.000 Euro für zehn Prozent Firmenanteile.

Kukuruz oder Maiskolben?

Der Unterschied zwischen den verschiedenen Mais-Variationen des Startups liegt darin, dass man mit der Maiskohle in fünf Minuten eine fertige Glut hat, die bis zu 40 Minuten hält. Grillkolben bräuchten länger, hielten dann aber auch bis zu 70 Minuten. Nach dieser Aufklärung bekamen die Berliner Gründer eine kleine Lektion in Sachen österreichischer Sprache (Kukuruz statt Maiskolben) und mussten zugeben, dass ihr Produkt nicht patentierbar sei. Jedoch, so Kubisz und Reichl, hätte ihr Partner die weltweit bisher einzige Technologie zum Verkohlen des Produkts.

Maister, Grillkohle, Maiskohle, Grillen, Fleisch2 Minuten 2 Millionen, Martin Rohla, Leo Hillinger, Katharina Scheider, Hans Peter Haselsteiner, Florian Gschwandtner
(c) Puls 4 / Gerry Frank – Winzer Leo Hillinger mit der Kohle-Alternative von Maister.

Zwei Investoren und ein Ticket bei „2 Minuten 2 Millionen“

Der Umsatz des Startups betrug im ersten Jahr 100.000 Euro, für das zweite plane man rund 150.000 Euro ein. Martin Rohla wollte als erster mitmachen. Er bot 100.000 Euro für zehn Prozent Beteiligung. Gschwandtner lobte den Nachhaltigkeitsgedanken als Alternative zur Kohle und schloss sich seinem Vorredner an. Danach meldete sich Markus Kuntke zu Wort. Der Trendmanager verteilt auch in dieser Saison das REWE-Startup-Ticket. So auch an Maister.

„Ab die Post“

Leo Hillinger meinte, er wäre „a Bauer“ und wollte ebenfalls bei seinen beiden Kollegen mitmachen. Auch Katharina Schneider wollte nicht überbleiben und schloss sich ebenfalls an. Haselsteiner summierte als fünfter potentieller Investor das Angebot auf: Die Gründer sollten überlegen, ob sie alle fünf Investoren für 100.000 Euro bei zehn Prozent oder für 200.000 Euro für 20 Prozent Beteiligung mit dabei haben wollen. Mit einem „ab die Post“ sandte der Bau-Tycoon die Beiden zur Beratung.

Business Angel zu 1,5 Millionen eingestiegen

Diese jedoch hatten andere Pläne und blieben stehen. Sie erwähnten, dass Maister die letzte Runde mit einem Business-Angel zu einer Bewertung von 1,5 Millionen (150.000 Euro für zehn Prozent) abgeschlossen hätte. Danach kam es bei den Investoren zu einer Diskussion.

Zehn Prozent plus Option

Das Angebot erhöhte sich und lautete schlussendlich kumulierte 150.000 Euro für zehn Prozent. Dies nahmen die Gründer an und boten weitere zehn Prozent für die gleiche Summe, falls die Investoren interessiert wären. Dies wurde als Option von den Investoren angenommen. Deal für Maister.

Wie der brutkasten im Gespräch mit den Gründern erfuhr, platzte der Deal jedoch nach der Aufzeichnung ⇒  zum Artikel

Labonca: Sonnenschweine bei „2 Minuten 2 Millionen“

Es folgten Norbert und Sohn Jakob Hackl mit ihrem Biohof Labonca. Dabei geht es um biologische Ganzjahres-Freilandhaltung der Sonnenschweine und Bergscheckenrinder. Das Unternehmen  gilt als erstes EU-zertifiziertes „Weideschlachthaus“ mit direktem Weidezugang und somit angstfreier Schlachtung. Labonca verfügt über eine eigene Fleischerei, unter anderem für die Herstellung von sogenannten SOLO-Produkten – bestehend aus Fleisch, Salz, Gewürzen – ohne irgendwelche Zusatzstoffe. Der Onlineshop stellt gekühltes Frischfleisch österreichweit zu. Hackl greift auch auf alternative Finanzierungsmethoden mittels Genußscheinen für Naturalien zurück – damit wurde das Projekt „Weideschlachthaus“ umgesetzt, noch bevor es Crowdfunding-Initiativen gab, so der Gründer. Die Forderung: 300.000 Euro für 20 Prozent.

Über eine Million Euro Umsatz, aber…

Hillinger unterstellte dem Landwirt Scharfsinn und Rhetorik. So sehr habe ihm der Pitch gefallen. Danach gaben die Gründer zu, dass sie eine halbe Million Euro Schulden haben – für Betriebsmittel, wie Hackl erklärte, aber in den letzten beiden Jahren einen Umsatz von 1,1 Millionen Euro bzw. 1.3 Millionen Euro erwirtschaftet hätten. Jedoch bei wenig Gewinn.

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(c) Puls 4 / Gerry Frank – Norbert und Jakob Hackl stellten ihren Biohof mit biologischer Ganzjahres-Freilandhaltung den Juroren vor.

„Investment des Herzens“

Diesen problemhaften Umstand der schwarzen Null „plus a bissl was“, wie der Gründer sagte, wollte Hackl als „Investment des Herzens“ der Jury anpreisen, hatte aber bei Hans Peter Haselsteiner wenig Glück. „Wie stellen sie sich das vor, aus dem Interesse eines Investors“, fragte er. Der Gründer meinte, er stelle hier nur die Frage, ob denn jemand Interesse zeigt, falls nicht, würden sie weiterhin langsam in organischen Schritten wachsen.

Lieber eine Manufaktur

Jedoch zählten Marketing und Vertrieb zu den Schwachstellen von Labonca. Dort könne man mit Hilfe eines strategischen Partners ansetzen, so Hackl weiter. Der Bau-Tycoon lobte in vielen Worten das Projekt, jedoch sei eine Investition keine Option. Damit es sich rechne, müsste Labonca etwas werden, was beide – Haselsteiner und Hackl – nicht wollen würden: ein Halb-Industrieller Betrieb. Der Investor schätze Labonca als Manufaktur, die hochwertiges Fleisch produziert.

Der Umsatz-Faktor

Hillinger stimmte Haselsteiner zu und ging ebenfalls als potentieller Investor. Ebenso wie Gschwandtner und Schneider. Martin Rohla als letzte Hoffnung war nach der Kostprobe voller mutmachender Worte und dachte anders als seine Vorgänger. Er erinnerte an so manchen Teilnehmer mit einer höheren Bewertung und weitaus weniger Umsatz, wo die Profitabilität in weiterer Ferne gelegen hätte als hier. Er bot 100.000 Euro für zehn Prozent. Unmittelbar danach schaltete sich erneut Markus Kuntke ein.

Werbeeinschaltung von Kuntke

Er sagte, er braucht ihnen gar kein Ticket geben, REWE wäre sowieso schon längst von Labonca überzeugt und sie würden bereits kooperieren. Nach dieser kleinen „Werbeunterbrechung“ teilte plötzlich Hillinger mit, er würde sich bei Rohla anschließen. Deal für Labonca.

KinderKnigge: Soziale Kompetenz des Kindes stärken

Der Abschluss dieser „2 Minuten 2 Millionen“-Folge gebührte Bettina Gruber. Sie hat mit KinderKnigge ein analog-digitales Bildungsprogramm, eine Box mit Trainingsmaterialen und eine App zum Thema Sozialkompetenz für Volksschulkinder und Lehrlinge entwickelt. Auf kreative Art und altersgerechte Weise können die Kids analog und digital all die Facetten des achtsamen Umgangs und guten Benehmens gemeinsam mit Eltern oder Lehrkräften trainieren. Die Gründerin forderte für eine Beteiligung von zehn Prozent 200.000 Euro.

Kinder und digitale Kompetenz

Der Kritik Hillingers, dass die Kinder beim Erlernen sozialer Kompetenzen dann doch wieder nur auf einen Bildschirm schauen, setzte Gruber entgegen, dass ihr Startup ein Programm bietet, das beide Welten, analog und digital, umfasse. Gschwandtner betonte daraufhin, dass Kinder sehr wohl eine digitale Kompetenz erfahren müssten.

KinderKnigge, 2 Minuten 2 Millionen, Martin Rohla, Leo Hillinger, Katharina Scheider, Hans Peter Haselsteiner, Florian Gschwandtner
(c) Puls 4 / Gerry Frank – Bettina Gruber kam mit einer hohen Bewertung für KinderKnigge ins Studio, die den Investoren nicht zusagte.

Die Bewertungsfrage

Die Lerninhalte der App werden über Geschichten vermittelt, lesbar sowie auditiv. Danach folgt ein Übungsteil. Bisher wurden 70.000 Euro umgesetzt, mit dem Ziel in einem Jahr die halbe und bald danach die erste Million zu erwirtschaften. Zur hohen Bewertung erklärte die Gründerin, KinderKnigge hätte eine Förderung von 500.000 Euro erhalten, der Rest der 200.000 Euro wäre eigenfinanziert. Zudem sehe sie einen großen Markt, privat wie schulisch, der mit einer „einzigartigen App“ bedient werden könne.

„Wollen nicht unterstützen“

Haselsteiner sah diese Erklärung eher kritisch. „Bei allem was überhaupt noch irgendwie erklärbar ist, wäre KinderKnigge mit der Bewertung bei einer Million oder darunter“, sagte er. Er sah ein sich wiederholendes Missverständnis darüber, warum es „2 Minuten 2 Millionen“ gibt. „Wir wollen und sollen investieren und nicht etwas unterstützen“, fuhr der Bau-Tycoon fort. Er stimme der Gründerin prinzipiell zu, mit allem was sie gesagt habe, doch auf diese Art investiere er nicht.

Nicht aufgrund von Spekulationen investieren

Hillinger verstand das Konzept. In der momentanen Phase, in der sich das Startup befinde, eine zwei-Millionen-Bewertung aufzurufen, wäre jedoch ein Fehler. Er selbst  könne nicht aufgrund von reinen Spekulationen investieren. Schneider stimmte zu und stieg ebenfalls aus. Auch Martin Rohla verabschiedete sich höflich und respektvoll und ging kurz und schmerzlos, wie auch Florian Gschwandtner. Kein Deal für KinderKnigge.


⇒ Cat Box by Skoon

⇒ Zeppy

⇒ Maister

⇒ Labonca

⇒ KinderKnigge

⇒ PULS 4/2min2mio

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Startup-Coach Florian Kandler rät Gründer:innen, schon vor dem fertigen Produkt zu verkaufen | Foto: Bianca Perfahl

Florian Kandlers Startup Report erscheint heuer in elfter Ausgabe und wurde im Mai gemeinsam mit KPMG präsentiert. Er ist bewusst kein Datenwerk und kein politisches Papier: Die Zahlen bekomme man ohnehin auf Knopfdruck, so Kandler. Stattdessen befragt er jene Gründer:innen, die bereits Funding eingesammelt haben, nach ihren konkretesten Learnings. Kandler hat seit seiner Rückkehr aus dem Silicon Valley über 3.000 Gründer:innen begleitet, die zusammen mehr als eine Milliarde Euro aufgenommen haben, und ist bereits im achten Jahr offizieller Startup-Coach bei „2 Minuten 2 Millionen“.

Aus den Antworten lässt sich heuer eines klar herauslesen: Der Druck Richtung Traction steigt. Kapital konzentriert sich auf wenige Segmente, die Abstände zwischen den Runden werden länger, und Investor:innen wollen Proof from the Market sehen, nicht bloß eine gute Geschichte. Lukas Lauder von Repark bringt es im Report auf den Punkt: „Investors don’t invest in your product, they invest in momentum.“

Daraus ergibt sich ein Dilemma, das gerade First-Time-Founder kennen: Wie baut man Traction auf, wenn das Kapital dafür noch fehlt? Kandlers Antwort ist ein Mindset-Shift, den er „Sales before the product“ nennt.

Du machst den Report seit elf Jahren. Welcher Trend sticht heuer am stärksten heraus?

Die starke Verschiebung hin zu Traction. Die Leute wollen immer mehr Momentum und Proof from the Market sehen, nicht nur den Beweis, dass jemand eine gute Geschichte erzählen kann oder dass theoretisch Potenzial da ist. Stefan Steiner von Don’t Call it Deo sagt es so: nicht nur auf die Idee fokussieren, sondern auf Market Traction. Storytelling ist für Pitch Competitions oder Community Pitches nett, aber wenn du mit Investor:innen sprichst, musst du in einen anderen Gang schalten. Da zählt Groove.

Zieht sich das durch alle Phasen?

Durch alle Fundingphasen, von den ganz Kleinen bis zu den Großen. Nur bedeutet Traction in jeder Phase etwas anderes, und es verschiebt sich, was dort durchschnittlich und was überdurchschnittlich ist. Was sich nicht verschiebt: Es muss heute einfach mehr an Traction da sein als noch vor einigen Jahren. Eine Idee und eine tolle Vision allein, und dann kommt das Geld, das funktioniert nicht mehr.

Das klingt nach einem Dilemma: Ohne Kapital ist Traction schwer aufzubauen.

Das ist einer der großen Denkfehler, die ich bei jungen Gründer:innen immer wieder sehe. Viele kommen mit: „Ich hatte vor Jahren die Idee, habe daran gebastelt, das Potenzial ist riesig, und jetzt suche ich einen strategischen Investor, der mich bei Marketing und Vertrieb unterstützt.“ Bastler mit Idee, null Market Validation. Oder: „Ich kann ja nichts verkaufen, ich habe das Produkt noch nicht.“ Das ist grundfalsch. In der Sekunde, in der du die Idee hast, überlegst du: Wer ist die ideale Zielgruppe? Du baust deine Hypothese darum, gehst raus und sprichst mit diesen Leuten, auch wenn dein Produkt erst in drei Jahren fertig ist. Die Traction, die du aufbaust, ist das Interesse, das du dort erzeugst.

Hast du ein Beispiel?

Ich betreue gerade einen Gründer, der schon jetzt Pre-Orders schreibt und pro Kunde 10.000 Euro kassiert, damit sich diese das Recht sichern, die ersten Pilotkunden werden zu dürfen. Das Produkt ist noch lange nicht fertig, er hat aber ganz klar einen Nutzen bei den Kunden identifiziert und mit smartem Verkauf FOMO erzeugt. So konnte er schon Aufträge erhalten, bevor das Produkt fertig ist. Das ist Traction.

Und im Consumer-Bereich?

Da sage ich den Leuten bei „2 Minuten 2 Millionen“: Der Pitch ist so gut, wie er sein kann. Aber bis du in sechs Wochen im Studio bist, mach eine einzige Sache. Geh raus in alle Mom-and-Pop-Shops, die dein Produkt brauchen können, verkauf es ihnen, gib es ihnen auf Kommission, erzeug Traction. Wenn das Produkt noch nicht fertig ist, hol dir zumindest ein Stück Papier, etwa eine unterzeichnete Absichtserklärung, das zeigt: Die Leute wollen das. Erst letzte Woche hat ein Gründer aus Tirol, der sich gerade auf seinen großen Auftritt im Studio vorbereitet, genau das umgesetzt. Fünf Tage später schickte er mir eine aufgeregte WhatsApp-Nachricht, dass er über sein altes berufliches Netzwerk bereits zwei Vorbestellungen gewinnen konnte.

Was braucht es, damit das gelingt?

Zwei Dinge. Erstens ein Produkt, das wirklich mit dem Markt resoniert. Wenn du das nicht hast, hast du ohnehin kein Anrecht auf Kapital. Und zweitens die Fähigkeit und die Bereitschaft, rauszugehen. Die fehlt vielen, teils weil sie es nicht können, teils weil sie es nicht wollen. Aber das lässt sich mit Kompetenzaufbau ganz gut heilen: Sobald du merkst, das funktioniert und die Leute finden es geil, kriegst du auch Mut. Ich sehe das regelmäßig in meinen Beratungen, wie meine Gründer dann plötzlich Eigendynamik entwickeln. „Sales before the product“ ist einer der größten Mindset-Shifts, die junge Gründer:innen verstehen müssen. Wenn man die Methoden einmal kennt, kann das wirklich jeder umsetzen.

Und wenn diese Bereitschaft im Team fehlt?

Dann wird es schwierig. Wenn alle Angst vor dem Kunden haben, fehlt genau die Person, die keine Angst hat, und die braucht es. Die anderen verkriechen sich hinterm Computer, denken sich digitale Ad-Kampagnen aus oder gehen zum Investor und sagen: „Ich brauche 300.000 Euro, davon 150.000 fürs Marketing.“ Das gibt dir niemand, solange du nicht im Kleinen getestet hast, ob die Leute es überhaupt brauchen. In 99 Prozent der Fälle gibt es Growth Hacks, mit denen du ohne Cash-Budget Staub aufwirbeln und sehen kannst, ob es funktioniert oder nicht.

Konkret: Wie geht man mit einem unfertigen Produkt im B2C auf Kund:innen zu?

Ein möglicher Weg im Consumer-Bereich ist, die Leute auf Social Media abzufangen. Ich betreue gerade eine Gründerin, die eine sehr intelligente Functional-Cosmetics-Brand aufbaut. Jeder Investor hofft, dass jemand im Team versteht, daraus auf Social Media Buzz zu bauen. Wenn dein Produkt neuartige Eigenschaften hat, musst du es so vermarkten, dass die Leute heiß werden und du vielleicht einen Pre-Sale machst, wie beim Fashion Drop: Die Kollektion kommt erst im September, aber die Leute zahlen heute schon. Irgendjemand muss diese Message rüberbringen, ob als Person und Fürsprecherin, wie coole Food-Gründerinnen, die vor der Kamera ihr Produkt zeigen, oder abstrakter über Content und meinetwegen KI-generierte Avatare. Und das ist nur einer von mehreren möglichen Wegen, die man je nach Unternehmen und Situation einschlagen kann.

Und im B2B?

Da musst du ran an den Speck, und Networking ist entscheidend. Ich gebe in Workshops eine Übung: Nimm dein Telefon, schau, wer da drin ist und wer von denen wen kennen könnte. Ruf deine zehn besten Freunde an, die dich mögen, dir Gutes wollen und die wissen, dass du kein Depp bist, und sag: „Ich suche jemanden in dem und dem Bereich, kennst du wen?“ Du wärst überrascht, wie schnell die ersten Termine stehen. Funktioniert auch auf Konferenzen und Events, wo diese Menschen herumlaufen. Aber weg von diesen drögen Kundeninterviews à la „Würdest du das kaufen?“. Das ist fast wertlos, für die Unternehmer:innen wie für Investor:innen. Wer es ernst meint, liest „The Mom Test“, denkt den Inhalt dieses Buchs konsequent wie ein Verkäufer weiter und baut aus dem Gespräch direkt einen Sales-Funnel. Im besten Fall ist das eine Pre-Order mit Cash, im nächstbesten eine Pre-Order ohne Cash, dann ein Letter of Intent.


Info: Fundraising Winter Camp™ 2026

Jeden Winter bereitet Florian Kandler eine kleine Gruppe von zehn Startups in drei Wochen online auf ihre Investor:innen-Suche vor. Das Camp 2026 startet am 14. Jänner.. Die Sommer-Version des Camps läuft seit 10 Jahren immer im Juli. Die Plätze sind jedes mal ausgebucht. Wer beim nächsten Durchgang dabei sein will, kann sich über Florian Kandlers Newsletter auf www.GetFunding.how/camp voranmelden und wird zum nächsten Camp eingeladen.

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Haselsteiner bei 2Min2Mio: „Wir wollen investieren und nicht unterstützen“

  • Eine biologisch abbaubare Katzenklo-Wegwerf-Box konnte bei so manchem Investor Punkten.
  • Der wasserdichte Bluetooth-Lautsprecher zeigte erst mit der Zeit seine vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten.
  • Ein Novum für die Grill-Saison: Maiskohle sorgt für Begeisterung bei Juroren.
  • Zudem pitchte ein Biohof mit biologischer Ganzjahres-Freilandhaltung von Sonnenschweinen und Bergscheckenrinder.
  • Ein Startup legt das Thema soziale Kompetenz der Kinder in zwei Welten – analog und digital.

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