05.05.2020

Haselsteiner bei 2Min2Mio: „Wir wollen investieren und nicht unterstützen“

In dieser Folge von "2 Minuten 2 Millionen" gab es glückliche Sonnenschweine, Katzen und ihr Geschäft und einen Bluetooth-Lautsprecher mit vielen Anwendungsmöglichkeiten. Zudem musste Investor Hans Peter Haselsteiner leicht entnervt klarstellen, worum es in dieser Startup-Sendung überhaupt geht.
/artikel/2-minuten-2-millionen-folge-14-2020-investieren-und-nicht-unterstuetzen
KinderKnigge, digital, analog, Startup,, 2 Minuten 2 Millionen, Martin Rohla, Leo Hillinger, Katharina Scheider, Hans Peter Haselsteiner, Florian Gschwandtner
(c) Puls 4 / Gerry Frank - Soziale Kompetenzen mittels einem Mix aus digital und analog - das möchte KinderKnigge vermitteln.
kooperation

Der erste bei „2 Minuten 2 Millionen“ war Wolfgang Kamper. Der Wiener Neustädter ist Lizenznehmer und Vertriebspartner der „Cat Box by Skoon„, einem neuartigen Katzenstreu-Trend aus den USA . Es besteht aus natürlichen, nicht klumpenden Kieselsteinen, die speziell für die Geruchskontrolle entwickelt wurden. Der äußerst nervöse Unternehmer forderte 100.000 Euro für 20 Prozent.

+++ Mehr zu „2min2mio“ auf unserer Spezialseite +++

Cat Box by Skoon: Wegwerf-Katzenklo bei „2 Minuten 2 Millionen“

Um Kamper vor seinen Aussetzern zu retten, fingen die Juroren an, gezielte Fragen zu stellen. Das Katzenklo kann man bis zu einem Monat verwenden und es wird in einer ausklappbaren Versandbox geliefert. Der Boden des Wegwerf-Klos ist mit einer Folie beschichtet und biologisch abbaubar.

Der Fledermaushund von Leo Hillinger

Baumeister Hans Peter Haselsteiner meinte, die Box wäre mit rund 25 Euro Verkaufspreis zu teuer. Winzer Leo Hillinger erklärte, er hätte „eine Art Hund“ daheim – eine Mischung aus Hund und Fledermaus wie er präzisierte“. Jener bräuchte kein Katzenstreu. Das Produkt wäre zwar gut, aber er raus.

Abo-Modell sinnvoll?

Runtastic-Gründer Florian Gschwandtner empfahl ein Abo-Modell, stieg aber ebenso aus. Nachhaltigkeits-Experte Martin Rohla folgte, während Haselsteiner versprach, er werde Kunde. Mediashop-Chefin Katharina Schneider war anzusehen, dass sie es kaum erwarten konnte, bis ihre Kollegen mit den Absagen fertig waren. Sie gab auch zu, dass sie versucht hatte, „neutral dreinzublicken“, um kein Interesse zu zeigen. Das Produkt habe sie nämlich begeistert. Sie bot 70.000 Euro für 26 Prozent. Deal für „Cat Box by Skoon“.

 Hillinger, Gschwandtner, Schneider, Haselsteiner, Rohla, Kuntke, Zech, REWE, Startup
(c) Puls 4 / Gerry Frank – Wolfgang Kamper brachte einen Katzenstreu-Trend zu „2 Minuten 2 Millionen“, den Haselsteiner gleich testete.

Zeppy: vielseitiger Lautsprecher bei „2 Minuten 2 Millionen“

Die nächsten bei „2 Minuten 2 Millionen“ waren Rafael Kubisz und Jürgen Reichl. Ihr Bluetooth-Lautsprecher Zeppy ist vollkommen wasserdicht und soll auch schwimmend im Wasser ohne Sound-Verluste funktionieren. Durch eine spezielle Technik ist es möglich, dass das Umfeld nicht unfreiwillig die Musik mithören muss. Mit einem speziellen Befestigungssystem kann Zeppy zudem „überall“ angebracht werden und verfügt über einen Massagemodus über Schalldruck. Das Gerät kann mit bis zu acht anderen Zeppys ohne App und W-Lan durch bloße Berührung gekoppelt werden. Die Forderung der beiden Wiener: 400.000 Euro für 20 Prozent.

Nahfeldsound inklusive

Nach der Vorführung erklärten die Gründer, dass sie neben dem Online-Verkauf auch andere Vertriebskanäle hätten: In der Pool- und Gartenbranche. Haselsteiner wünschte den Gründern, dass sie alle Pools mit Zeppy ausstatten, er schaudere jedoch bei dem Gedanken, dass alle e-Bikes und Roller mit dem Lautsprecher durch die Stadt rasen. Die Gründer hatten hierfür jedoch ein Gegenargument: Zeppy verfüge über eine Art „Nahfeldsound“, der etwa am Strand keine Nachbarn stören würde.

Einfache Koppelungsfunktion

Florian Gschwandtner lobte die Koppelungsfunktion, meinte aber, der Lautsprecher-Markt, den sie anstreben, sei brutal. Er hätte davor zuviel Respekt. Hierbei jedoch hatte der Juror die Gründer falsch verstanden. Ihre Richtung wäre eine ganz andere, sagten sie und brachten die Automobilindustrie ins Spiel. Zeppy könnte etwa in Kopfstützen von Autos verwendet werden. Mit dem Nahfeld-Sound könnten die Kinder auf den Rücksitzen etwas gänzlich anderes hören, als die Eltern vorne, so der Gedanke.

Zeppy, Startup, Bluetooth, Lautsprecher, Pool-Lautsprecher2 Minuten 2 Millionen, Martin Rohla, Leo Hillinger, Katharina Scheider, Hans Peter Haselsteiner, Florian Gschwandtner
(c) Puls 4 / Gerry Frank – Die Zeppy-Gründer bei der Vorstellung ihres Bluetooth-Lautsprechers.

„Weltweit einziger Lautsprecher für Gehörlose“

Zudem visiert das Startup auch den medizinischen Bereich an, wie Kubisz und Reichl erklärten. Zeppy sei der einzige Lautsprecher auf der Welt für Gehörlose, da diese Musik über Vibration wahrnehmen können. Und das Produkt schaffe eine Verbindung zwischen einer hörenden und einer nicht-hörenden Person: Per Brustgurt könne eine taube Person den Zeppy etwa beim Tanzen tragen und mit dem Partner „on time“ im Takt sein.

Haselsteiner möchte nachdenken

Nach diesem Monolog meinte Haselsteiner, die Gründer hätten einen zweiten und wesentlich besseren Pitch gehalten, als beim ersten Mal. Der Juror versprach, er würde sich nach der Sendung Gedanken machen über ein Investment, eine unmittelbare Entscheidung würde ihn aktuell überfordern. Hillinger fand das Produkt „richtig gut“ und gut designt, jedoch gab es für ihn die alte Krux mit der Bewertung. Martin Rohla schloss sich mit ähnlichen Lobeshymnen, aber ohne Angebot an. Auch Gast-Juror Heinrich Prokop machte es kurz. Kein Deal für Zeppy.

Maister: Maiskohle fürs Grillen

Valentin Schnoor und Johannes Musiol wollen mit Maister und ihrer nachhaltigen Maiskohle die perfekte Alternative für herkömmliche Grillkohle gefunden haben. Rauchfrei soll die Maiskohle des Berliner Startups binnen weniger Minuten für eine langanhaltende Glut sorgen. Die Grillanzünder und die Grillkohle bestehen aus verkohlten Maiskolben ohne Körner. Die Gründer forderten dafür 200.000 Euro für zehn Prozent Firmenanteile.

Kukuruz oder Maiskolben?

Der Unterschied zwischen den verschiedenen Mais-Variationen des Startups liegt darin, dass man mit der Maiskohle in fünf Minuten eine fertige Glut hat, die bis zu 40 Minuten hält. Grillkolben bräuchten länger, hielten dann aber auch bis zu 70 Minuten. Nach dieser Aufklärung bekamen die Berliner Gründer eine kleine Lektion in Sachen österreichischer Sprache (Kukuruz statt Maiskolben) und mussten zugeben, dass ihr Produkt nicht patentierbar sei. Jedoch, so Kubisz und Reichl, hätte ihr Partner die weltweit bisher einzige Technologie zum Verkohlen des Produkts.

Maister, Grillkohle, Maiskohle, Grillen, Fleisch2 Minuten 2 Millionen, Martin Rohla, Leo Hillinger, Katharina Scheider, Hans Peter Haselsteiner, Florian Gschwandtner
(c) Puls 4 / Gerry Frank – Winzer Leo Hillinger mit der Kohle-Alternative von Maister.

Zwei Investoren und ein Ticket bei „2 Minuten 2 Millionen“

Der Umsatz des Startups betrug im ersten Jahr 100.000 Euro, für das zweite plane man rund 150.000 Euro ein. Martin Rohla wollte als erster mitmachen. Er bot 100.000 Euro für zehn Prozent Beteiligung. Gschwandtner lobte den Nachhaltigkeitsgedanken als Alternative zur Kohle und schloss sich seinem Vorredner an. Danach meldete sich Markus Kuntke zu Wort. Der Trendmanager verteilt auch in dieser Saison das REWE-Startup-Ticket. So auch an Maister.

„Ab die Post“

Leo Hillinger meinte, er wäre „a Bauer“ und wollte ebenfalls bei seinen beiden Kollegen mitmachen. Auch Katharina Schneider wollte nicht überbleiben und schloss sich ebenfalls an. Haselsteiner summierte als fünfter potentieller Investor das Angebot auf: Die Gründer sollten überlegen, ob sie alle fünf Investoren für 100.000 Euro bei zehn Prozent oder für 200.000 Euro für 20 Prozent Beteiligung mit dabei haben wollen. Mit einem „ab die Post“ sandte der Bau-Tycoon die Beiden zur Beratung.

Business Angel zu 1,5 Millionen eingestiegen

Diese jedoch hatten andere Pläne und blieben stehen. Sie erwähnten, dass Maister die letzte Runde mit einem Business-Angel zu einer Bewertung von 1,5 Millionen (150.000 Euro für zehn Prozent) abgeschlossen hätte. Danach kam es bei den Investoren zu einer Diskussion.

Zehn Prozent plus Option

Das Angebot erhöhte sich und lautete schlussendlich kumulierte 150.000 Euro für zehn Prozent. Dies nahmen die Gründer an und boten weitere zehn Prozent für die gleiche Summe, falls die Investoren interessiert wären. Dies wurde als Option von den Investoren angenommen. Deal für Maister.

Wie der brutkasten im Gespräch mit den Gründern erfuhr, platzte der Deal jedoch nach der Aufzeichnung ⇒  zum Artikel

Labonca: Sonnenschweine bei „2 Minuten 2 Millionen“

Es folgten Norbert und Sohn Jakob Hackl mit ihrem Biohof Labonca. Dabei geht es um biologische Ganzjahres-Freilandhaltung der Sonnenschweine und Bergscheckenrinder. Das Unternehmen  gilt als erstes EU-zertifiziertes „Weideschlachthaus“ mit direktem Weidezugang und somit angstfreier Schlachtung. Labonca verfügt über eine eigene Fleischerei, unter anderem für die Herstellung von sogenannten SOLO-Produkten – bestehend aus Fleisch, Salz, Gewürzen – ohne irgendwelche Zusatzstoffe. Der Onlineshop stellt gekühltes Frischfleisch österreichweit zu. Hackl greift auch auf alternative Finanzierungsmethoden mittels Genußscheinen für Naturalien zurück – damit wurde das Projekt „Weideschlachthaus“ umgesetzt, noch bevor es Crowdfunding-Initiativen gab, so der Gründer. Die Forderung: 300.000 Euro für 20 Prozent.

Über eine Million Euro Umsatz, aber…

Hillinger unterstellte dem Landwirt Scharfsinn und Rhetorik. So sehr habe ihm der Pitch gefallen. Danach gaben die Gründer zu, dass sie eine halbe Million Euro Schulden haben – für Betriebsmittel, wie Hackl erklärte, aber in den letzten beiden Jahren einen Umsatz von 1,1 Millionen Euro bzw. 1.3 Millionen Euro erwirtschaftet hätten. Jedoch bei wenig Gewinn.

 Hillinger, Gschwandtner, Schneider, Haselsteiner, Rohla, Kuntke, Zech, REWE, Startup
(c) Puls 4 / Gerry Frank – Norbert und Jakob Hackl stellten ihren Biohof mit biologischer Ganzjahres-Freilandhaltung den Juroren vor.

„Investment des Herzens“

Diesen problemhaften Umstand der schwarzen Null „plus a bissl was“, wie der Gründer sagte, wollte Hackl als „Investment des Herzens“ der Jury anpreisen, hatte aber bei Hans Peter Haselsteiner wenig Glück. „Wie stellen sie sich das vor, aus dem Interesse eines Investors“, fragte er. Der Gründer meinte, er stelle hier nur die Frage, ob denn jemand Interesse zeigt, falls nicht, würden sie weiterhin langsam in organischen Schritten wachsen.

Lieber eine Manufaktur

Jedoch zählten Marketing und Vertrieb zu den Schwachstellen von Labonca. Dort könne man mit Hilfe eines strategischen Partners ansetzen, so Hackl weiter. Der Bau-Tycoon lobte in vielen Worten das Projekt, jedoch sei eine Investition keine Option. Damit es sich rechne, müsste Labonca etwas werden, was beide – Haselsteiner und Hackl – nicht wollen würden: ein Halb-Industrieller Betrieb. Der Investor schätze Labonca als Manufaktur, die hochwertiges Fleisch produziert.

Der Umsatz-Faktor

Hillinger stimmte Haselsteiner zu und ging ebenfalls als potentieller Investor. Ebenso wie Gschwandtner und Schneider. Martin Rohla als letzte Hoffnung war nach der Kostprobe voller mutmachender Worte und dachte anders als seine Vorgänger. Er erinnerte an so manchen Teilnehmer mit einer höheren Bewertung und weitaus weniger Umsatz, wo die Profitabilität in weiterer Ferne gelegen hätte als hier. Er bot 100.000 Euro für zehn Prozent. Unmittelbar danach schaltete sich erneut Markus Kuntke ein.

Werbeeinschaltung von Kuntke

Er sagte, er braucht ihnen gar kein Ticket geben, REWE wäre sowieso schon längst von Labonca überzeugt und sie würden bereits kooperieren. Nach dieser kleinen „Werbeunterbrechung“ teilte plötzlich Hillinger mit, er würde sich bei Rohla anschließen. Deal für Labonca.

KinderKnigge: Soziale Kompetenz des Kindes stärken

Der Abschluss dieser „2 Minuten 2 Millionen“-Folge gebührte Bettina Gruber. Sie hat mit KinderKnigge ein analog-digitales Bildungsprogramm, eine Box mit Trainingsmaterialen und eine App zum Thema Sozialkompetenz für Volksschulkinder und Lehrlinge entwickelt. Auf kreative Art und altersgerechte Weise können die Kids analog und digital all die Facetten des achtsamen Umgangs und guten Benehmens gemeinsam mit Eltern oder Lehrkräften trainieren. Die Gründerin forderte für eine Beteiligung von zehn Prozent 200.000 Euro.

Kinder und digitale Kompetenz

Der Kritik Hillingers, dass die Kinder beim Erlernen sozialer Kompetenzen dann doch wieder nur auf einen Bildschirm schauen, setzte Gruber entgegen, dass ihr Startup ein Programm bietet, das beide Welten, analog und digital, umfasse. Gschwandtner betonte daraufhin, dass Kinder sehr wohl eine digitale Kompetenz erfahren müssten.

KinderKnigge, 2 Minuten 2 Millionen, Martin Rohla, Leo Hillinger, Katharina Scheider, Hans Peter Haselsteiner, Florian Gschwandtner
(c) Puls 4 / Gerry Frank – Bettina Gruber kam mit einer hohen Bewertung für KinderKnigge ins Studio, die den Investoren nicht zusagte.

Die Bewertungsfrage

Die Lerninhalte der App werden über Geschichten vermittelt, lesbar sowie auditiv. Danach folgt ein Übungsteil. Bisher wurden 70.000 Euro umgesetzt, mit dem Ziel in einem Jahr die halbe und bald danach die erste Million zu erwirtschaften. Zur hohen Bewertung erklärte die Gründerin, KinderKnigge hätte eine Förderung von 500.000 Euro erhalten, der Rest der 200.000 Euro wäre eigenfinanziert. Zudem sehe sie einen großen Markt, privat wie schulisch, der mit einer „einzigartigen App“ bedient werden könne.

„Wollen nicht unterstützen“

Haselsteiner sah diese Erklärung eher kritisch. „Bei allem was überhaupt noch irgendwie erklärbar ist, wäre KinderKnigge mit der Bewertung bei einer Million oder darunter“, sagte er. Er sah ein sich wiederholendes Missverständnis darüber, warum es „2 Minuten 2 Millionen“ gibt. „Wir wollen und sollen investieren und nicht etwas unterstützen“, fuhr der Bau-Tycoon fort. Er stimme der Gründerin prinzipiell zu, mit allem was sie gesagt habe, doch auf diese Art investiere er nicht.

Nicht aufgrund von Spekulationen investieren

Hillinger verstand das Konzept. In der momentanen Phase, in der sich das Startup befinde, eine zwei-Millionen-Bewertung aufzurufen, wäre jedoch ein Fehler. Er selbst  könne nicht aufgrund von reinen Spekulationen investieren. Schneider stimmte zu und stieg ebenfalls aus. Auch Martin Rohla verabschiedete sich höflich und respektvoll und ging kurz und schmerzlos, wie auch Florian Gschwandtner. Kein Deal für KinderKnigge.


⇒ Cat Box by Skoon

⇒ Zeppy

⇒ Maister

⇒ Labonca

⇒ KinderKnigge

⇒ PULS 4/2min2mio

Redaktionstipps

 

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27.05.2026

Vertrauen ist die neue Währung – Warum Gründer:innen heute selbst zur Marke werden müssen und wie das gelingt

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Lirone Glikman, Branding-Expertin und Gründerin der Agentur The Human Factor, spezialisiert auf Founder-Led Branding

Dieser Text ist zuerst im brutkasten-Printmagazin von Mai 2026 „Die nächste Stufe“ erschienen. Eine Download-Möglichkeit des gesamten Magazins findet sich am Ende dieses Artikels.


In einer Welt, in der KI Inhalte massenhaft produziert und Unternehmen täglich neu entstehen, verschiebt sich der entscheidende Wettbewerbsfaktor: weg vom reinen Produkt, hin zum Vertrauen. „Founder Led Branding“ heißt das Konzept, das Gründer:innen dazu bringt, sich selbst als sichtbare Persönlichkeiten ihrer Unternehmen zu positionieren – authentisch, strategisch und mit klarer Botschaft. Anders als beim klassischen Personal Branding geht es dabei nicht nur um die eigene Person, sondern um die enge Verzahnung von Founder-Identität und Unternehmensmission. Studien und Beobachtungen auf LinkedIn zeigen: Beiträge von Personen erzielen deutlich höhere Reichweiten als jene von Unternehmensseiten. Investoren prüfen Profile, bevor sie ein Meeting zusagen. Kunden googeln Gründer, bevor sie kaufen. Wer als Founder unsichtbar bleibt, verliert Deals – noch bevor sie überhaupt verhandelt werden.

Eine, die dieses Thema international bearbeitet, ist Lirone Glikman. Die israelisch-französische Branding-Expertin begann bereits mit 16 Jahren ihre Karriere, indem sie beim CEO eines israelischen Radiosenders an die Tür klopfte und kurz darauf jüngste Radiomoderatorin des Landes wurde. Heute leitet sie ihre Agentur The Human Factor, die sich auf Founder-Led Branding spezialisiert hat, unterrichtet seit über zwölf Jahren in 28 Ländern und ist Autorin des Buchs „The Super Connector’s Playbook“. Zudem ist sie Executive Director des NGO Committee on Sustainable Development – NY, das mit der UNO affiliiert ist. Im Interview spricht sie über die Trust Economy, häufige Fehler von Gründern und darüber, warum es heute nicht mehr genügt, einfach nur ein gutes Produkt zu haben.

brutkasten: Frau Glikman, beginnen wir mit einer einfachen Frage: Wer sind Ihre Kundinnen und Kunden?

Glikman: Ich pendle zwischen Berlin und Tel Aviv. Meine Klienten sind Startups in frühen oder späteren Phasen, die Sichtbarkeit brauchen; meist dann, wenn sie Kapital aufnehmen, Kunden gewinnen oder in einen neuen Markt eintreten wollen. Dazu kommen Innovationsmanager in Konzernen.

Ein Beispiel ist Celleste Bio, ein israelisches Startup, das als erstes Unternehmen der Welt Milchschokolade mit echter Kakaobutter aus Zellsuspensionskultur-Technologie vorgestellt hat; ein Meilenstein für eine skalierbare, kommerziell tragfähige Kakao-Lieferkette. Jüngst wurde gemeinsam mit Mondelez die erste Tafel produziert, deren Kakaobutter zu 100 Prozent bio-identisch im Labor erzeugt wurde.

Wie nähern Sie sich einem Founder, der mehr Sichtbarkeit braucht?

Zuerst geht es um die Bereitschaft. Viele Gründer wissen, dass sie sichtbar sein müssen – bevor sie einen Raum betreten, ist die Entscheidung beim Investor oft schon teilweise gefallen. Er googelt, schaut auf LinkedIn, gleicht ab, ob das Gesagte zum Gesendeten passt. Unsere Marke arbeitet für uns, bevor wir den Raum betreten – aber zwischen dem Wissen und dem Tun klafft eine Lücke. Viele sind kamerascheu oder arbeiten lieber am Produkt.

Wenn sie zu mir kommen, beginnen wir mit der Strategie. Founder-Persönlichkeit und Unternehmenswerte liegen am Anfang oft sehr nah beieinander. Wir bauen eine Markenidentität auf – authentisch, nicht aufgesetzt. Welche Botschaften, welche Werte, welche Stärken? Ist die Person warm, eher kühl, fürsorglich? Wir nehmen, wer sie sind, und betonen die relevanten Aspekte online.

Was unterscheidet Founder-Led Branding vom klassischen Personal Branding?

Personal Branding ist ein abgenutzter Begriff – wir alle haben eine Marke, ob wir wollen oder nicht. Founder-Led Branding bedeutet, dass man als Gründer bewusst Botschaften platziert, die einem selbst und dem Unternehmen dienen. Heute vertrauen wir Institutionen, großen Namen und Regierungen weniger – wir vertrauen einander.

Wenn Vertrauen zur Währung wird – gerade in einer Welt, in der KI Posts schreibt und Unternehmen über Nacht entstehen lässt – bleibt das Menschliche. Wenn Sie mir vertrauen, vertrauen Sie vielleicht auch meinem Unternehmen.

Auf LinkedIn performt Founder-Content stärker als Unternehmenscontent. Warum?

Der Algorithmus will, dass Sie sich mit einer Person verbinden. Unternehmensbeiträge werden weniger ausgespielt. Es geht um die Verbindung von Mensch zu Mensch.

Was sind die größten Fehler, die Gründer machen?

Erstens: Viele halten Sichtbarkeit für ein „Nice to have“. Damit fehlt die Konsistenz.

Zweitens: Es gibt keinen roten Faden. Wenn man sich Posts der letzten Monate ansieht, sollte ein Muster erkennbar sein. An einem Tag der Urlaub, am nächsten das Unternehmen, dann etwas anderes – das funktioniert nicht. Es braucht Markensäulen.

Drittens: Viele teilen nur Beiträge ihrer Firmenseite oder von Kollegen. LinkedIn mag das nicht. Die Plattform will wissen, was Sie zu sagen haben, was Ihre Kämpfe und Erkenntnisse sind.

Und viertens: Manche gehen zu Medien, die nicht zu ihrer Phase passen. Wenn das Produkt noch nicht reif ist, sollte man etwa in einem Podcast über das Feld sprechen, nicht über die Lösung. Sonst verspricht man zu viel und liefert zu wenig.

Wie viele Posts pro Woche sind realistisch sinnvoll?

Optimal wären zwei pro Woche. Realistisch reicht ein guter, tiefgehender Post pro Woche, der eine eigene Perspektive zeigt. LinkedIn liebt sogenannte „Scar Stories“ – Geschichten von Verletzungen, aus denen man gelernt hat.

Über Fehler zu sprechen ist guter Content?

Ja, weil es verbindet. Es muss nicht der größte Fehler sein. Sie können sagen: Wir haben anfangs in diese Richtung investiert, dann hat sich der Markt verändert, also haben wir gepivotet. Das ist „Building in Public“ – Sie nehmen Ihre Follower mit auf die Reise. Stellen Sie sich vor, Sie haben Ihre eigene Show!

Im DACH-Raum spricht kaum jemand über Misserfolge. Wie ist das in anderen Kulturen?

Es geht nicht darum, sich in schlechtem Licht zu zeigen, sondern Lernerfahrungen zu teilen. Die israelische Kultur ist sehr expressiv und leidenschaftlich. Wir haben Gründer, die ihre tiefen Kämpfe und Frustrationen während des Aufbaus ihres Unternehmens radikal offen teilen. Das gibt anderen Gründern die Erlaubnis, es ihnen gleichzutun – was am Ende sowohl persönlich als auch für das Unternehmen hilfreich ist.

In asiatischen Kulturen, im Baltikum, im DACH-Raum oder in Skandinavien sind Menschen reservierter und risikoaverser. Das ist nicht schlecht – Israelis springen auf jede Idee; manchmal funktioniert es, manchmal nicht. Die Frage ist: Wie viel kann ich teilen, das mir dient, anderen Wert gibt, mir aber nicht schadet?

Wie misst man eigentlich, ob Sichtbarkeit auch Umsatz bringt?

Anders als im Vertrieb, wo Sie 50 Leute ansprechen und zwei Deals abschließen, geht es hier um Signale. Verbinden sich qualitativ relevante Menschen aus Ihrer Zielgruppe mit Ihnen? Merken Sie, dass Investoren Sie schon kennen, bevor Sie den Raum betreten? Sprechen Menschen über Sie? Das nennt man „Dark Social“ – wenn das passiert, funktioniert Ihre Marke.

Ein konkreter Tipp zur Monetarisierung: Vor jedem Meeting werden Sie beobachtet. Posten Sie zwei oder drei Tage vorher etwas, das Fragen oder Einwände beantwortet, die im Gespräch kommen werden. Wenn Investoren an der Skalierbarkeit zweifeln könnten, schreiben Sie über die Skalierbarkeit Ihrer Branche.

Das ist strategische Kommunikation pur…

Genau. Wenn Sie sich auf ein Meeting vorbereiten, gehört ein LinkedIn-Post auf die To-do-Liste. Sichtbarkeit ist kein Privileg, sondern ein Business-Tool, eine Infrastruktur.

Wie viel Zeit sollte ein Gründer investieren?

Mit KI ist das heute leichter. Erstellen Sie ein Projekt in ChatGPT oder Claude, füttern Sie es mit Ihrer Marke, Werten, Botschaften, kopieren Sie E-Mails oder Texte hinein. Dann sagen Sie: Ich möchte über die Skalierbarkeit unseres Geschäfts schreiben, hier sind drei Punkte. So entstehen Posts in Ihrer Stimme. Minimum: ein Post pro Woche. Sie können sich 30 Minuten wöchentlich Zeit nehmen oder einmal im Monat ein, zwei Stunden für alle Posts.

LinkedIn ist mit KI-Content geflutet. Sehen wir eine Gegenbewegung hin zu mehr Authentizität?

Es heißt, etwa 80 Prozent der Posts seien KI-generiert – ich denke, es sind mehr. Was Sie vermeiden sollten: den langen Gedankenstrich, den alle KI-Tools lieben; und typische Strukturen wie „Don’t do X, do Y“ oder kurze Sätze mit Punkt am Ende. Ich habe gestern in einem Post einen Tippfehler gefunden und ihn drin gelassen – weil er menschlicher ist. Verwenden Sie keine Wörter, die Sie sonst nie benutzen. KI können Sie trainieren, aber vertrauen Sie ihr nicht zu 100 Prozent.

Welche Trends sehen Sie auf LinkedIn?

Authentizität mit eigenem Stil und visuellen Wiedererkennungsmerkmalen. Und Spezifität: LinkedIn will Sie mit relevanten Menschen vernetzen – fokussieren Sie sich also auf Ihr Fachgebiet.

In Österreich gibt es Gründer, die sehr laut auftreten. Birgt das Risiken?

Kulturell, ja. Wenn Sie Wertvolles teilen, das anderen hilft, ist Lautstärke okay. Aber im DACH-Raum kann das Türen schließen. In Israel sind die Menschen wie gesagt von Natur aus lauter und leidenschaftlicher. Heute sehen wir auch einen Shift zu Solopreneuren oder Drei-Personen-Unicorns. Als Solopreneur müssen Sie Ihre Marke draußen haben – das Ziel sind Glaubwürdigkeit und Vertrauen.

Gibt es internationale Vorbilder?

Jensen Huang von Nvidia versteht, dass er das Gesicht des Unternehmens ist. Auf seinem LinkedIn-Profil steht Nvidia und davor ein Job als Tellerwäscher in einem Burgerladen.

Oder Sam Altman: Vor drei Jahren, als die Menschen Angst vor OpenAI hatten, machte er mit seinem Mitgründer eine Welttournee, traf Menschen auf Events. Sie nutzten ihre Founder-Marke, um Botschaften zu transportieren und Vertrauen aufzubauen.

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AI Summaries

Haselsteiner bei 2Min2Mio: „Wir wollen investieren und nicht unterstützen“

  • Eine biologisch abbaubare Katzenklo-Wegwerf-Box konnte bei so manchem Investor Punkten.
  • Der wasserdichte Bluetooth-Lautsprecher zeigte erst mit der Zeit seine vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten.
  • Ein Novum für die Grill-Saison: Maiskohle sorgt für Begeisterung bei Juroren.
  • Zudem pitchte ein Biohof mit biologischer Ganzjahres-Freilandhaltung von Sonnenschweinen und Bergscheckenrinder.
  • Ein Startup legt das Thema soziale Kompetenz der Kinder in zwei Welten – analog und digital.

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Welche gesellschaftspolitischen Auswirkungen hat der Inhalt dieses Artikels?

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  • Eine biologisch abbaubare Katzenklo-Wegwerf-Box konnte bei so manchem Investor Punkten.
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Haselsteiner bei 2Min2Mio: „Wir wollen investieren und nicht unterstützen“

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