05.05.2020

Haselsteiner bei 2Min2Mio: „Wir wollen investieren und nicht unterstützen“

In dieser Folge von "2 Minuten 2 Millionen" gab es glückliche Sonnenschweine, Katzen und ihr Geschäft und einen Bluetooth-Lautsprecher mit vielen Anwendungsmöglichkeiten. Zudem musste Investor Hans Peter Haselsteiner leicht entnervt klarstellen, worum es in dieser Startup-Sendung überhaupt geht.
/artikel/2-minuten-2-millionen-folge-14-2020-investieren-und-nicht-unterstuetzen
KinderKnigge, digital, analog, Startup,, 2 Minuten 2 Millionen, Martin Rohla, Leo Hillinger, Katharina Scheider, Hans Peter Haselsteiner, Florian Gschwandtner
(c) Puls 4 / Gerry Frank - Soziale Kompetenzen mittels einem Mix aus digital und analog - das möchte KinderKnigge vermitteln.
kooperation

Der erste bei „2 Minuten 2 Millionen“ war Wolfgang Kamper. Der Wiener Neustädter ist Lizenznehmer und Vertriebspartner der „Cat Box by Skoon„, einem neuartigen Katzenstreu-Trend aus den USA . Es besteht aus natürlichen, nicht klumpenden Kieselsteinen, die speziell für die Geruchskontrolle entwickelt wurden. Der äußerst nervöse Unternehmer forderte 100.000 Euro für 20 Prozent.

+++ Mehr zu „2min2mio“ auf unserer Spezialseite +++

Cat Box by Skoon: Wegwerf-Katzenklo bei „2 Minuten 2 Millionen“

Um Kamper vor seinen Aussetzern zu retten, fingen die Juroren an, gezielte Fragen zu stellen. Das Katzenklo kann man bis zu einem Monat verwenden und es wird in einer ausklappbaren Versandbox geliefert. Der Boden des Wegwerf-Klos ist mit einer Folie beschichtet und biologisch abbaubar.

Der Fledermaushund von Leo Hillinger

Baumeister Hans Peter Haselsteiner meinte, die Box wäre mit rund 25 Euro Verkaufspreis zu teuer. Winzer Leo Hillinger erklärte, er hätte „eine Art Hund“ daheim – eine Mischung aus Hund und Fledermaus wie er präzisierte“. Jener bräuchte kein Katzenstreu. Das Produkt wäre zwar gut, aber er raus.

Abo-Modell sinnvoll?

Runtastic-Gründer Florian Gschwandtner empfahl ein Abo-Modell, stieg aber ebenso aus. Nachhaltigkeits-Experte Martin Rohla folgte, während Haselsteiner versprach, er werde Kunde. Mediashop-Chefin Katharina Schneider war anzusehen, dass sie es kaum erwarten konnte, bis ihre Kollegen mit den Absagen fertig waren. Sie gab auch zu, dass sie versucht hatte, „neutral dreinzublicken“, um kein Interesse zu zeigen. Das Produkt habe sie nämlich begeistert. Sie bot 70.000 Euro für 26 Prozent. Deal für „Cat Box by Skoon“.

 Hillinger, Gschwandtner, Schneider, Haselsteiner, Rohla, Kuntke, Zech, REWE, Startup
(c) Puls 4 / Gerry Frank – Wolfgang Kamper brachte einen Katzenstreu-Trend zu „2 Minuten 2 Millionen“, den Haselsteiner gleich testete.

Zeppy: vielseitiger Lautsprecher bei „2 Minuten 2 Millionen“

Die nächsten bei „2 Minuten 2 Millionen“ waren Rafael Kubisz und Jürgen Reichl. Ihr Bluetooth-Lautsprecher Zeppy ist vollkommen wasserdicht und soll auch schwimmend im Wasser ohne Sound-Verluste funktionieren. Durch eine spezielle Technik ist es möglich, dass das Umfeld nicht unfreiwillig die Musik mithören muss. Mit einem speziellen Befestigungssystem kann Zeppy zudem „überall“ angebracht werden und verfügt über einen Massagemodus über Schalldruck. Das Gerät kann mit bis zu acht anderen Zeppys ohne App und W-Lan durch bloße Berührung gekoppelt werden. Die Forderung der beiden Wiener: 400.000 Euro für 20 Prozent.

Nahfeldsound inklusive

Nach der Vorführung erklärten die Gründer, dass sie neben dem Online-Verkauf auch andere Vertriebskanäle hätten: In der Pool- und Gartenbranche. Haselsteiner wünschte den Gründern, dass sie alle Pools mit Zeppy ausstatten, er schaudere jedoch bei dem Gedanken, dass alle e-Bikes und Roller mit dem Lautsprecher durch die Stadt rasen. Die Gründer hatten hierfür jedoch ein Gegenargument: Zeppy verfüge über eine Art „Nahfeldsound“, der etwa am Strand keine Nachbarn stören würde.

Einfache Koppelungsfunktion

Florian Gschwandtner lobte die Koppelungsfunktion, meinte aber, der Lautsprecher-Markt, den sie anstreben, sei brutal. Er hätte davor zuviel Respekt. Hierbei jedoch hatte der Juror die Gründer falsch verstanden. Ihre Richtung wäre eine ganz andere, sagten sie und brachten die Automobilindustrie ins Spiel. Zeppy könnte etwa in Kopfstützen von Autos verwendet werden. Mit dem Nahfeld-Sound könnten die Kinder auf den Rücksitzen etwas gänzlich anderes hören, als die Eltern vorne, so der Gedanke.

Zeppy, Startup, Bluetooth, Lautsprecher, Pool-Lautsprecher2 Minuten 2 Millionen, Martin Rohla, Leo Hillinger, Katharina Scheider, Hans Peter Haselsteiner, Florian Gschwandtner
(c) Puls 4 / Gerry Frank – Die Zeppy-Gründer bei der Vorstellung ihres Bluetooth-Lautsprechers.

„Weltweit einziger Lautsprecher für Gehörlose“

Zudem visiert das Startup auch den medizinischen Bereich an, wie Kubisz und Reichl erklärten. Zeppy sei der einzige Lautsprecher auf der Welt für Gehörlose, da diese Musik über Vibration wahrnehmen können. Und das Produkt schaffe eine Verbindung zwischen einer hörenden und einer nicht-hörenden Person: Per Brustgurt könne eine taube Person den Zeppy etwa beim Tanzen tragen und mit dem Partner „on time“ im Takt sein.

Haselsteiner möchte nachdenken

Nach diesem Monolog meinte Haselsteiner, die Gründer hätten einen zweiten und wesentlich besseren Pitch gehalten, als beim ersten Mal. Der Juror versprach, er würde sich nach der Sendung Gedanken machen über ein Investment, eine unmittelbare Entscheidung würde ihn aktuell überfordern. Hillinger fand das Produkt „richtig gut“ und gut designt, jedoch gab es für ihn die alte Krux mit der Bewertung. Martin Rohla schloss sich mit ähnlichen Lobeshymnen, aber ohne Angebot an. Auch Gast-Juror Heinrich Prokop machte es kurz. Kein Deal für Zeppy.

Maister: Maiskohle fürs Grillen

Valentin Schnoor und Johannes Musiol wollen mit Maister und ihrer nachhaltigen Maiskohle die perfekte Alternative für herkömmliche Grillkohle gefunden haben. Rauchfrei soll die Maiskohle des Berliner Startups binnen weniger Minuten für eine langanhaltende Glut sorgen. Die Grillanzünder und die Grillkohle bestehen aus verkohlten Maiskolben ohne Körner. Die Gründer forderten dafür 200.000 Euro für zehn Prozent Firmenanteile.

Kukuruz oder Maiskolben?

Der Unterschied zwischen den verschiedenen Mais-Variationen des Startups liegt darin, dass man mit der Maiskohle in fünf Minuten eine fertige Glut hat, die bis zu 40 Minuten hält. Grillkolben bräuchten länger, hielten dann aber auch bis zu 70 Minuten. Nach dieser Aufklärung bekamen die Berliner Gründer eine kleine Lektion in Sachen österreichischer Sprache (Kukuruz statt Maiskolben) und mussten zugeben, dass ihr Produkt nicht patentierbar sei. Jedoch, so Kubisz und Reichl, hätte ihr Partner die weltweit bisher einzige Technologie zum Verkohlen des Produkts.

Maister, Grillkohle, Maiskohle, Grillen, Fleisch2 Minuten 2 Millionen, Martin Rohla, Leo Hillinger, Katharina Scheider, Hans Peter Haselsteiner, Florian Gschwandtner
(c) Puls 4 / Gerry Frank – Winzer Leo Hillinger mit der Kohle-Alternative von Maister.

Zwei Investoren und ein Ticket bei „2 Minuten 2 Millionen“

Der Umsatz des Startups betrug im ersten Jahr 100.000 Euro, für das zweite plane man rund 150.000 Euro ein. Martin Rohla wollte als erster mitmachen. Er bot 100.000 Euro für zehn Prozent Beteiligung. Gschwandtner lobte den Nachhaltigkeitsgedanken als Alternative zur Kohle und schloss sich seinem Vorredner an. Danach meldete sich Markus Kuntke zu Wort. Der Trendmanager verteilt auch in dieser Saison das REWE-Startup-Ticket. So auch an Maister.

„Ab die Post“

Leo Hillinger meinte, er wäre „a Bauer“ und wollte ebenfalls bei seinen beiden Kollegen mitmachen. Auch Katharina Schneider wollte nicht überbleiben und schloss sich ebenfalls an. Haselsteiner summierte als fünfter potentieller Investor das Angebot auf: Die Gründer sollten überlegen, ob sie alle fünf Investoren für 100.000 Euro bei zehn Prozent oder für 200.000 Euro für 20 Prozent Beteiligung mit dabei haben wollen. Mit einem „ab die Post“ sandte der Bau-Tycoon die Beiden zur Beratung.

Business Angel zu 1,5 Millionen eingestiegen

Diese jedoch hatten andere Pläne und blieben stehen. Sie erwähnten, dass Maister die letzte Runde mit einem Business-Angel zu einer Bewertung von 1,5 Millionen (150.000 Euro für zehn Prozent) abgeschlossen hätte. Danach kam es bei den Investoren zu einer Diskussion.

Zehn Prozent plus Option

Das Angebot erhöhte sich und lautete schlussendlich kumulierte 150.000 Euro für zehn Prozent. Dies nahmen die Gründer an und boten weitere zehn Prozent für die gleiche Summe, falls die Investoren interessiert wären. Dies wurde als Option von den Investoren angenommen. Deal für Maister.

Wie der brutkasten im Gespräch mit den Gründern erfuhr, platzte der Deal jedoch nach der Aufzeichnung ⇒  zum Artikel

Labonca: Sonnenschweine bei „2 Minuten 2 Millionen“

Es folgten Norbert und Sohn Jakob Hackl mit ihrem Biohof Labonca. Dabei geht es um biologische Ganzjahres-Freilandhaltung der Sonnenschweine und Bergscheckenrinder. Das Unternehmen  gilt als erstes EU-zertifiziertes „Weideschlachthaus“ mit direktem Weidezugang und somit angstfreier Schlachtung. Labonca verfügt über eine eigene Fleischerei, unter anderem für die Herstellung von sogenannten SOLO-Produkten – bestehend aus Fleisch, Salz, Gewürzen – ohne irgendwelche Zusatzstoffe. Der Onlineshop stellt gekühltes Frischfleisch österreichweit zu. Hackl greift auch auf alternative Finanzierungsmethoden mittels Genußscheinen für Naturalien zurück – damit wurde das Projekt „Weideschlachthaus“ umgesetzt, noch bevor es Crowdfunding-Initiativen gab, so der Gründer. Die Forderung: 300.000 Euro für 20 Prozent.

Über eine Million Euro Umsatz, aber…

Hillinger unterstellte dem Landwirt Scharfsinn und Rhetorik. So sehr habe ihm der Pitch gefallen. Danach gaben die Gründer zu, dass sie eine halbe Million Euro Schulden haben – für Betriebsmittel, wie Hackl erklärte, aber in den letzten beiden Jahren einen Umsatz von 1,1 Millionen Euro bzw. 1.3 Millionen Euro erwirtschaftet hätten. Jedoch bei wenig Gewinn.

 Hillinger, Gschwandtner, Schneider, Haselsteiner, Rohla, Kuntke, Zech, REWE, Startup
(c) Puls 4 / Gerry Frank – Norbert und Jakob Hackl stellten ihren Biohof mit biologischer Ganzjahres-Freilandhaltung den Juroren vor.

„Investment des Herzens“

Diesen problemhaften Umstand der schwarzen Null „plus a bissl was“, wie der Gründer sagte, wollte Hackl als „Investment des Herzens“ der Jury anpreisen, hatte aber bei Hans Peter Haselsteiner wenig Glück. „Wie stellen sie sich das vor, aus dem Interesse eines Investors“, fragte er. Der Gründer meinte, er stelle hier nur die Frage, ob denn jemand Interesse zeigt, falls nicht, würden sie weiterhin langsam in organischen Schritten wachsen.

Lieber eine Manufaktur

Jedoch zählten Marketing und Vertrieb zu den Schwachstellen von Labonca. Dort könne man mit Hilfe eines strategischen Partners ansetzen, so Hackl weiter. Der Bau-Tycoon lobte in vielen Worten das Projekt, jedoch sei eine Investition keine Option. Damit es sich rechne, müsste Labonca etwas werden, was beide – Haselsteiner und Hackl – nicht wollen würden: ein Halb-Industrieller Betrieb. Der Investor schätze Labonca als Manufaktur, die hochwertiges Fleisch produziert.

Der Umsatz-Faktor

Hillinger stimmte Haselsteiner zu und ging ebenfalls als potentieller Investor. Ebenso wie Gschwandtner und Schneider. Martin Rohla als letzte Hoffnung war nach der Kostprobe voller mutmachender Worte und dachte anders als seine Vorgänger. Er erinnerte an so manchen Teilnehmer mit einer höheren Bewertung und weitaus weniger Umsatz, wo die Profitabilität in weiterer Ferne gelegen hätte als hier. Er bot 100.000 Euro für zehn Prozent. Unmittelbar danach schaltete sich erneut Markus Kuntke ein.

Werbeeinschaltung von Kuntke

Er sagte, er braucht ihnen gar kein Ticket geben, REWE wäre sowieso schon längst von Labonca überzeugt und sie würden bereits kooperieren. Nach dieser kleinen „Werbeunterbrechung“ teilte plötzlich Hillinger mit, er würde sich bei Rohla anschließen. Deal für Labonca.

KinderKnigge: Soziale Kompetenz des Kindes stärken

Der Abschluss dieser „2 Minuten 2 Millionen“-Folge gebührte Bettina Gruber. Sie hat mit KinderKnigge ein analog-digitales Bildungsprogramm, eine Box mit Trainingsmaterialen und eine App zum Thema Sozialkompetenz für Volksschulkinder und Lehrlinge entwickelt. Auf kreative Art und altersgerechte Weise können die Kids analog und digital all die Facetten des achtsamen Umgangs und guten Benehmens gemeinsam mit Eltern oder Lehrkräften trainieren. Die Gründerin forderte für eine Beteiligung von zehn Prozent 200.000 Euro.

Kinder und digitale Kompetenz

Der Kritik Hillingers, dass die Kinder beim Erlernen sozialer Kompetenzen dann doch wieder nur auf einen Bildschirm schauen, setzte Gruber entgegen, dass ihr Startup ein Programm bietet, das beide Welten, analog und digital, umfasse. Gschwandtner betonte daraufhin, dass Kinder sehr wohl eine digitale Kompetenz erfahren müssten.

KinderKnigge, 2 Minuten 2 Millionen, Martin Rohla, Leo Hillinger, Katharina Scheider, Hans Peter Haselsteiner, Florian Gschwandtner
(c) Puls 4 / Gerry Frank – Bettina Gruber kam mit einer hohen Bewertung für KinderKnigge ins Studio, die den Investoren nicht zusagte.

Die Bewertungsfrage

Die Lerninhalte der App werden über Geschichten vermittelt, lesbar sowie auditiv. Danach folgt ein Übungsteil. Bisher wurden 70.000 Euro umgesetzt, mit dem Ziel in einem Jahr die halbe und bald danach die erste Million zu erwirtschaften. Zur hohen Bewertung erklärte die Gründerin, KinderKnigge hätte eine Förderung von 500.000 Euro erhalten, der Rest der 200.000 Euro wäre eigenfinanziert. Zudem sehe sie einen großen Markt, privat wie schulisch, der mit einer „einzigartigen App“ bedient werden könne.

„Wollen nicht unterstützen“

Haselsteiner sah diese Erklärung eher kritisch. „Bei allem was überhaupt noch irgendwie erklärbar ist, wäre KinderKnigge mit der Bewertung bei einer Million oder darunter“, sagte er. Er sah ein sich wiederholendes Missverständnis darüber, warum es „2 Minuten 2 Millionen“ gibt. „Wir wollen und sollen investieren und nicht etwas unterstützen“, fuhr der Bau-Tycoon fort. Er stimme der Gründerin prinzipiell zu, mit allem was sie gesagt habe, doch auf diese Art investiere er nicht.

Nicht aufgrund von Spekulationen investieren

Hillinger verstand das Konzept. In der momentanen Phase, in der sich das Startup befinde, eine zwei-Millionen-Bewertung aufzurufen, wäre jedoch ein Fehler. Er selbst  könne nicht aufgrund von reinen Spekulationen investieren. Schneider stimmte zu und stieg ebenfalls aus. Auch Martin Rohla verabschiedete sich höflich und respektvoll und ging kurz und schmerzlos, wie auch Florian Gschwandtner. Kein Deal für KinderKnigge.


⇒ Cat Box by Skoon

⇒ Zeppy

⇒ Maister

⇒ Labonca

⇒ KinderKnigge

⇒ PULS 4/2min2mio

Redaktionstipps

 

Deine ungelesenen Artikel:
01.10.2026

Der Fisch, der von der Fliege lebt: Kreislaufwirtschaft am NOI Techpark

Drei Startups am NOI Techpark in Bozen beweisen, wie smarte Kreislaufwirtschaft funktioniert: Mit der Schwarzen Soldatenfliege ersetzen sie Fischmehl durch Insektenprotein. Eine Geschichte von Startup-Kollaboration, wie sie im Buche steht.
/artikel/der-fisch-der-von-der-fliege-lebt-kreislaufwirtschaft-am-noi-techpark
01.10.2026

Der Fisch, der von der Fliege lebt: Kreislaufwirtschaft am NOI Techpark

Drei Startups am NOI Techpark in Bozen beweisen, wie smarte Kreislaufwirtschaft funktioniert: Mit der Schwarzen Soldatenfliege ersetzen sie Fischmehl durch Insektenprotein. Eine Geschichte von Startup-Kollaboration, wie sie im Buche steht.
/artikel/der-fisch-der-von-der-fliege-lebt-kreislaufwirtschaft-am-noi-techpark
Giacomo Benassi (Kinsect), Matthäus Kircher (Solos) und Manuel Mairinger (Reploid) zeigen, wie Startup-Kollaboration funktionieren kann. © NOI Techpark/Marco Parisi

Dieser Text ist zuerst im brutkasten-Printmagazin von August 2026 „Aufbrechen“ erschienen. Eine Download-Möglichkeit des gesamten Magazins findet sich am Ende dieses Artikels.


Es wurlt in der Larvenkiste des österreichischen Scaleups Reploid: Larven der Schwarzen Soldatenfliege werden hier seit einigen Tagen gemästet. Sie ahnen natürlich nicht, dass sie bald eine wichtige Rolle im Kreislaufkonzept dreier Jungunternehmen spielen werden.

Zuerst aber dorthin, wo alles begonnen hat: an den NOI Techpark in Bozen, Südtirol. Auch hier wurlt es, nur bringen statt Insektenlarven Startups Leben in das 12 Hektar große Innovationsviertel. Aktuell arbeiten 76 Unternehmen, 37 Startups, drei Forschungsinstitute, vier Fakultäten der Freien Universität Bozen und insgesamt 2.400 Menschen hier gemeinsam für nachhaltigen Fortschritt. Man tüftelt in den Laboren an Prototypen, vernetzt sich auf Events, feilt beim Spaziergang über den 2017 eröffneten Campus, der sich inzwischen stark vergrößert und weiterentwickelt hat, an der nächsten Idee. Was Gründer:innen hier aber am meisten schätzen: das weitreichende Netzwerk.

Nicht gesucht – trotzdem gefunden

„Wer am NOI Techpark Fuß fasst, bekommt Zugang zu etablierten Akteuren und Investoren in Südtirol“, erklärt Manuel Mairinger, Managing Director und CEO von Reploid Italia. Das ursprünglich aus Österreich stammende Insekten-Scaleup hat sich bei der Expansion nach Italien wegen der hervorragenden Lage zwischen Österreich und Mailand für das Acceleration & Scale-up Programme des NOI Techpark als Launchpad entschieden. „Das NOI baut als renommierter Partner die Brücke zu potenziellen Kund:innen und Partner:innen, ganz ohne die Hilfe von Plattformen wie LinkedIn“, fügt der Reploid-Italia-CEO hinzu.

Mairinger weiß genau, wovon er spricht. Reploid Italia ist eines von drei am NOI inkubierten Jungunternehmen, die zeigen, wie Startup-Kollaboration funktionieren kann. Initiiert hat die Zusammenarbeit Sonja Tetter vom Team des Start-up Incubator. „Wir arbeiten sehr eng mit unseren Startups zusammen, kennen ihre Geschäftsmodelle, Technologien und Herausforderungen. Deshalb sehen wir relativ früh, wo eine Kooperation wirklich Mehrwert schaffen könnte“, erläutert Tetter. Gemeinsam wollen die drei Unternehmen zur regionalen Kreislaufwirtschaft in Bozen beitragen. Und hier kommt die Larve der Schwarzen Soldatenfliege wieder ins Spiel.

Die Schwarze Soldatenfliege als Gamechanger

Die Larve der Schwarzen Soldatenfliege wird rund 25 Millimeter groß. © Reploid/Fabian Fallend

Nach nur einer Woche sind die Larven laut Reploid mit rund 25 Millimetern ausgewachsen und überzeugen mit innerer Größe: Sie sind sehr reich an tierischem Protein. Das aus ihnen gewonnene Mehl kann einen Proteingehalt von über 62 Prozent aufweisen.

Das macht die Larven zum potenziellen Proteinersatz, vor allem im Futtermittelbereich, etwa für Fische. „Wir züchten Welse, das sind Fleischfresser“, erklärt Matthäus Kircher, Gründer von Solos. Das Südtiroler Startup betreibt Aquaponik und verbindet Fischzucht mit dem Anbau von Kräutern und Salat.

Das Prinzip dahinter: Die Fische reichern das Wasser durch ihre Ausscheidungen mit natürlichen Nährstoffen an, ein Biofilter leitet es ins Pflanzenbecken, wo Salat und Kräuter die Nährstoffe aufnehmen und das Wasser reinigen, bevor es zurück zu den Fischen fließt. So entsteht ein geschlossener Kreislauf im Zeichen der Nachhaltigkeit.

Ein Punkt war Kircher dabei allerdings von Anfang an ein Dorn im Auge: das mit Fischmehl angereicherte Futter. „Bereits vor vier Jahren haben wir uns gefragt, wie wir tierische Proteine ohne Fischmehl verfüttern können“, erzählt er. Insekten bildeten schließlich die Lösung. Eine Studie ergab: Futtermischungen auf Insektenmehlbasis, angereichert mit Spirulina-Algen, lassen den Omega-3-Gehalt im Fischfilet höher ausfallen als bei herkömmlich gefütterten Tieren.

Aus Reststoffen wird Futtermittel

Insektenlarven werden durch die Kooperation zu nachhaltigem Fischfutter © NOI Techpark/Marco Parisi

Hier kommt Reploid ins Spiel: Das Unternehmen implementiert modulare Anlagen, die sogenannten „ReFarm-Units“. Dort verarbeiten Larven der Schwarzen Soldatenfliege regionale Reststoffe zu Insektenprotein und -fett für Futtermittel- sowie Industrieanwendungen. Ein weiteres Nebenprodukt ist der Insektenfraß, also die Ausscheidungen, aus denen organischer Dünger entsteht. Den dritten Baustein liefert Kinsect: Das italienische Startup entwickelt Technologien für die industrielle Zucht der Fliege und liefert Eier sowie Junglarven.

Am Standort von Solos in Tramin greifen so die unterschiedlichen Kompetenzen ineinander: Die von Kinsect bereitgestellten Larven werden in einer Insektenmastanlage von Reploid mit Lebensmittelnebenprodukten wie Apfeltrester, Kartoffelschalen oder Altbrot gefüttert. Solos nutzt sie anschließend als nachhaltiges Futtermittel in der Fischzucht. So soll Fischmehl ersetzt, sollen organische Reststoffe sinnvoll verwertet werden. Neben den ökologischen Vorteilen ergeben sich durch das Vorzeigeprojekt und den realen Usecase natürlich auch wirtschaftliche Vorteile, von denen die drei Startups profitieren.

Drei Ansätze, ein gemeinsamer Nenner

Es ist eine Kooperation im Namen der Kreislaufwirtschaft, die ohne den NOI Techpark nie zustande gekommen wäre. „Am NOI Techpark konnte diese Synergie organisch entstehen“, fasst Kinsect-CEO Giacomo Benassi zusammen. „Dank der Zusammenarbeit im selben Ökosystem konnten wir viel schneller Vertrauen zueinander aufbauen.“ Der NOI Techpark ermöglicht damit nicht nur grenzüberschreitende, sondern auch branchenübergreifende Vernetzungen, die Startups entscheidend weiterbringen.

Und so wurlt es weiter am NOI Techpark. Jedes Jahr kommen neue Startups zur NOI-Community dazu. Für den Herbst-Batch kann man sich noch bis zum 5. Oktober bewerben – vielleicht entsteht daraus bald die nächste erfolgreiche grenzüberschreitende Startup-Kooperation.

Toll dass du so interessiert bist!
Hinterlasse uns bitte ein Feedback über den Button am linken Bildschirmrand.
Und klicke hier um die ganze Welt von der brutkasten zu entdecken.

brutkasten Newsletter

Aktuelle Nachrichten zu Startups, den neuesten Innovationen und politischen Entscheidungen zur Digitalisierung direkt in dein Postfach. Wähle aus unserer breiten Palette an Newslettern den passenden für dich.

Montag, Mittwoch und Freitag

AI Summaries

Haselsteiner bei 2Min2Mio: „Wir wollen investieren und nicht unterstützen“

  • Eine biologisch abbaubare Katzenklo-Wegwerf-Box konnte bei so manchem Investor Punkten.
  • Der wasserdichte Bluetooth-Lautsprecher zeigte erst mit der Zeit seine vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten.
  • Ein Novum für die Grill-Saison: Maiskohle sorgt für Begeisterung bei Juroren.
  • Zudem pitchte ein Biohof mit biologischer Ganzjahres-Freilandhaltung von Sonnenschweinen und Bergscheckenrinder.
  • Ein Startup legt das Thema soziale Kompetenz der Kinder in zwei Welten – analog und digital.

AI Kontextualisierung

Welche gesellschaftspolitischen Auswirkungen hat der Inhalt dieses Artikels?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Haselsteiner bei 2Min2Mio: „Wir wollen investieren und nicht unterstützen“

  • Eine biologisch abbaubare Katzenklo-Wegwerf-Box konnte bei so manchem Investor Punkten.
  • Der wasserdichte Bluetooth-Lautsprecher zeigte erst mit der Zeit seine vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten.
  • Ein Novum für die Grill-Saison: Maiskohle sorgt für Begeisterung bei Juroren.
  • Zudem pitchte ein Biohof mit biologischer Ganzjahres-Freilandhaltung von Sonnenschweinen und Bergscheckenrinder.
  • Ein Startup legt das Thema soziale Kompetenz der Kinder in zwei Welten – analog und digital.

AI Kontextualisierung

Welche wirtschaftlichen Auswirkungen hat der Inhalt dieses Artikels?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Haselsteiner bei 2Min2Mio: „Wir wollen investieren und nicht unterstützen“

  • Eine biologisch abbaubare Katzenklo-Wegwerf-Box konnte bei so manchem Investor Punkten.
  • Der wasserdichte Bluetooth-Lautsprecher zeigte erst mit der Zeit seine vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten.
  • Ein Novum für die Grill-Saison: Maiskohle sorgt für Begeisterung bei Juroren.
  • Zudem pitchte ein Biohof mit biologischer Ganzjahres-Freilandhaltung von Sonnenschweinen und Bergscheckenrinder.
  • Ein Startup legt das Thema soziale Kompetenz der Kinder in zwei Welten – analog und digital.

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Innovationsmanager:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Haselsteiner bei 2Min2Mio: „Wir wollen investieren und nicht unterstützen“

  • Eine biologisch abbaubare Katzenklo-Wegwerf-Box konnte bei so manchem Investor Punkten.
  • Der wasserdichte Bluetooth-Lautsprecher zeigte erst mit der Zeit seine vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten.
  • Ein Novum für die Grill-Saison: Maiskohle sorgt für Begeisterung bei Juroren.
  • Zudem pitchte ein Biohof mit biologischer Ganzjahres-Freilandhaltung von Sonnenschweinen und Bergscheckenrinder.
  • Ein Startup legt das Thema soziale Kompetenz der Kinder in zwei Welten – analog und digital.

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Investor:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Haselsteiner bei 2Min2Mio: „Wir wollen investieren und nicht unterstützen“

  • Eine biologisch abbaubare Katzenklo-Wegwerf-Box konnte bei so manchem Investor Punkten.
  • Der wasserdichte Bluetooth-Lautsprecher zeigte erst mit der Zeit seine vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten.
  • Ein Novum für die Grill-Saison: Maiskohle sorgt für Begeisterung bei Juroren.
  • Zudem pitchte ein Biohof mit biologischer Ganzjahres-Freilandhaltung von Sonnenschweinen und Bergscheckenrinder.
  • Ein Startup legt das Thema soziale Kompetenz der Kinder in zwei Welten – analog und digital.

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Politiker:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Haselsteiner bei 2Min2Mio: „Wir wollen investieren und nicht unterstützen“

  • Eine biologisch abbaubare Katzenklo-Wegwerf-Box konnte bei so manchem Investor Punkten.
  • Der wasserdichte Bluetooth-Lautsprecher zeigte erst mit der Zeit seine vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten.
  • Ein Novum für die Grill-Saison: Maiskohle sorgt für Begeisterung bei Juroren.
  • Zudem pitchte ein Biohof mit biologischer Ganzjahres-Freilandhaltung von Sonnenschweinen und Bergscheckenrinder.
  • Ein Startup legt das Thema soziale Kompetenz der Kinder in zwei Welten – analog und digital.

AI Kontextualisierung

Was könnte das Bigger Picture von den Inhalten dieses Artikels sein?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Haselsteiner bei 2Min2Mio: „Wir wollen investieren und nicht unterstützen“

  • Eine biologisch abbaubare Katzenklo-Wegwerf-Box konnte bei so manchem Investor Punkten.
  • Der wasserdichte Bluetooth-Lautsprecher zeigte erst mit der Zeit seine vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten.
  • Ein Novum für die Grill-Saison: Maiskohle sorgt für Begeisterung bei Juroren.
  • Zudem pitchte ein Biohof mit biologischer Ganzjahres-Freilandhaltung von Sonnenschweinen und Bergscheckenrinder.
  • Ein Startup legt das Thema soziale Kompetenz der Kinder in zwei Welten – analog und digital.

AI Kontextualisierung

Wer sind die relevantesten Personen in diesem Artikel?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Haselsteiner bei 2Min2Mio: „Wir wollen investieren und nicht unterstützen“

  • Eine biologisch abbaubare Katzenklo-Wegwerf-Box konnte bei so manchem Investor Punkten.
  • Der wasserdichte Bluetooth-Lautsprecher zeigte erst mit der Zeit seine vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten.
  • Ein Novum für die Grill-Saison: Maiskohle sorgt für Begeisterung bei Juroren.
  • Zudem pitchte ein Biohof mit biologischer Ganzjahres-Freilandhaltung von Sonnenschweinen und Bergscheckenrinder.
  • Ein Startup legt das Thema soziale Kompetenz der Kinder in zwei Welten – analog und digital.

AI Kontextualisierung

Wer sind die relevantesten Organisationen in diesem Artikel?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Haselsteiner bei 2Min2Mio: „Wir wollen investieren und nicht unterstützen“

  • Eine biologisch abbaubare Katzenklo-Wegwerf-Box konnte bei so manchem Investor Punkten.
  • Der wasserdichte Bluetooth-Lautsprecher zeigte erst mit der Zeit seine vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten.
  • Ein Novum für die Grill-Saison: Maiskohle sorgt für Begeisterung bei Juroren.
  • Zudem pitchte ein Biohof mit biologischer Ganzjahres-Freilandhaltung von Sonnenschweinen und Bergscheckenrinder.
  • Ein Startup legt das Thema soziale Kompetenz der Kinder in zwei Welten – analog und digital.