25.09.2018

1. Austrian Startup Monitor: 500 Founder befragt – das sind die Ergebnisse

Mehr als 500 GründerInnen wurden für die erste Ausgabe des künftig jährlich erscheinenden "Austrian Startup Monitor" befragt. Wir bringen die wichtigsten Ergebnisse im Überblick.
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Austrian Startup Monitor 2024 - die wichtigsten Zahlen und Ergebnisse
(c) AustrianStartups, AIT, Gründungszentrum WU Wien (Collage)

Jung, männlich, lösungsorientiert, IT-lastig, B2B-fokussiert, Wien-zentriert, große Pläne – es braucht wohl keine detaillierte Erhebung, um diese Schlagworte der österreichischen Startup-Landschaft zuzuordnen. Spannend wird es, wenn es um konkrete Zahlen geht. Zwar gibt es unterschiedliche zuverlässige Quellen, etwa die Daten von Startablish, oder Ökosystem-spezifische Erhebungen, wie den jährlichen Grazer Startup-Barometer. Eine umfassende repräsentative Erhebung für Österreich fehlte aber bislang. So eine lieferten nun AustrianStartups, AIT Austrian Institute of Technology und das Gründungszentrum der WU Wien mit dem 1. Austrian Startup Monitor, der künftig jährlich erscheinen soll.

+++ Neues Konzept, neues Logo – AustrianStartups wird “generalüberholt” +++

Raunig: „massives Potenzial“ und „großer Aufholbedarf“

Mehr als 500 österreichische GründerInnen beteiligten sich an der Erhebung zum 1. Austrian Startup Monitor. Insgesamt flossen laut den VerfasserInnen mehr als 1500 Startup-Gründungen von 2004 bis 2017 in die Studie ein. Austrian Startups-Geschäftsführer Markus Raunig fasst die Studie durchaus differenziert zusammen: „Die Ergebnisse zeigen ganz klar das massive Potenzial, das Startups in Österreich mitbringen, aber auch den großen Aufholbedarf, den wir als Standort in Bereichen wie Bildung und Steuerbelastung noch haben“.


Die wichtigsten Ergebnisse des 1. Austrian Startup Monitor

Frauen in 29 Prozent der Startup-Teams

62 Prozent der GründerInnen und damit fast zwei Drittel sind zwischen 25 und 39 Jahre alt. Etwa ein Drittel aller Startups (29 Prozent) hat zumindest auch eine Frau im Gründungsteam. 75 Prozent der GründerInnen haben einen Universitätsabschluss. Immerhin 15 Prozent von ihnen kommen aus dem Ausland. 42 Prozent und damit bald jeder Zweite sind MehrfachgründerInnen.

1. Austrian Startup Monitor - Geschlechter
(c) AustrianStartups, AIT, Gründungszentrum WU Wien

„opportunity driven entrepreneurs“

Für beinahe alle GründerInnen (91 Prozent) ist das zentrale Motiv, die Möglichkeit, eine eigene Idee zu verwirklichen bzw. ein Problem lösen zu können. Österreichische Startup-GründerInnen können demnach großteils als „opportunity driven entrepreneurs“ charakterisiert werden.

1. Austrian Startup Monitor - Motive
(c) AustrianStartups, AIT, Gründungszentrum WU Wien

51 Prozent aus Wien

Was Startup-Gründungen zwischen 2004 und 2017 angeht, so liegt Wien mit 51 Prozent klar voran. Auf den Plätzen folgen die Steiermark und Oberösterreich mit je zwölf Prozent. Niederösterreich (7 Prozent) und Kärnten (6 Prozent) runden die Top 5 ab. Auf den weiteren Plätzen: Vorarlberg (5 Prozent), Salzburg (4 Prozent), Tirol (2 Prozent) und das Burgenland (1 Prozent).

1. Austrian Startup Monitor - Bundesländer
(c) AustrianStartups, AIT, Gründungszentrum WU Wien

Eigenes Erspartes als häufigste Finanzierungsquelle

Die drei bedeutsamsten Finanzierungsquellen heimischer Startups sind das eigene Ersparte (81 Prozent), öffentliche Förderungen und Unterstützungen (55 Prozent) sowie Business Angels (33 Prozent). 15 Prozent der befragten Startups haben externes Kapital von mehr als einer Million Euro akquiriert. Ein Viertel der Startups (25 Prozent) wurde mit mehr als fünf Millionen Euro bewertet.

1. Austrian Startup Monitor - Finanzierung
(c) AustrianStartups, AIT, Gründungszentrum WU Wien

Mehr als ein Drittel im IT-Bereich

Österreichische Startups sind großteils im IT-Bereich tätig. Mehr als ein Drittel (35 Prozent) der Gründungen entfallen auf die Bereiche IT und Softwareentwicklung. Gefolgt mit jeweils rund 10 Prozent von Biotechnologie und Medizintechnik sowie Industrieller Technologie und Elektronik.

Jahresumsatz verdoppelt

Startups konnten ihren Jahresumsatz vom letzten auf dieses Jahr im Durchschnitt fast verdoppeln. Ähnliche Prognosen gibt es auch für das kommende Geschäftsjahr. Fast jedes zehnte Startup (9 Prozent) erwirtschaftete im Vorjahr mehr als eine Million Euro Umsatz.

1. Austrian Startup Monitor - Wachstum
(c) AustrianStartups, AIT, Gründungszentrum WU Wien

„Ernstzunehmendes Interesse“ der Regierung wird bezweifelt

Nur jede achte GründerIn ist der Meinung, dass die österreichische Bundesregierung ein ernstzunehmendes Interesse an der Unterstützung von Startups hat. Die Senkung der Lohnnebenkosten (75 Prozent) und der Abbau bürokratischer Hürden (70 Prozent) sind die bedeutendsten Wünsche an die österreichische Politik.

1. Austrian Startup Monitor - Politik
(c) AustrianStartups, AIT, Gründungszentrum WU Wien

42 Prozent „Born Globals“

Rund drei Viertel der befragten Startups haben bereits internationale Märkte erschlossen und generieren Exportumsätze. 42 Prozent der heimischen Startups können als sogenannte „Born Globals“ bezeichnet werden, was bedeutet, dass sie von Tag eins an globale Märkte bearbeiten.

Durchschnittlich vier neue MitarbeiterInnen geplant

Die befragten Startups beschäftigen im Schnitt rund acht MitarbeiterInnen, darunter sechs Vollzeitbeschäftigte und zwei Teilzeitkräfte. Das Geschlechterverhältnis unter den MitarbeiterInnen der Startups beträgt eins zu zwei. Im Schnitt sind 68 Prozent der MitarbeiterInnen männlich und etwa halb so viele (32 Prozent) weiblich. Neun von zehn der befragten Startups planen in den nächsten zwölf Monaten Neueinstellungen. Im Schnitt sollen vier neue MitarbeiterInnen je Startup eingestellt werden, eine geplante Mitarbeitersteigerung um 40 Prozent. Größtes Problem der Startups hierbei: passende MitarbeiterInnen zu finden, besonders im Bereich IT. Die insgesamt größte Nachfrage nach MitarbeiterInnen besteht im Bereich Sales (60 Prozent), gefolgt von IT (51 Prozent) und Marketing (49 Prozent).

1. Austrian Startup Monitor - MitarbeiterInnen
(c) AustrianStartups, AIT, Gründungszentrum WU Wien

SaaS-Modelle als Spitzenreiter

21 Prozent der befragten Startups beschreiben ihr Business Model als „Software as a Service“ (SaaS). An zweiter Stelle steht Produktverkauf (Hardware) mit 15 Prozent. Neun Prozent bieten Softwareentwicklung an und je rund acht Prozent betreiben E-Commerce, einen Online-Marktplatz oder mobile bzw. webbasierte Anwendungen.

B2B-Überhang

50 Prozent der Startups adressieren hauptsächlich oder ausschließlich Unternehmen (B2B), 17 Prozent richten ihren Fokus überwiegend oder ausschließlich direkt an KonsumentInnen, ein Drittel der befragten Startups spricht KonsumentInnen (B2C) und Unternehmen (B2B) gleichermaßen an. Darüber hinaus kooperieren 90 Prozent der Startups mit nationalen und internationalen Partnern – vorwiegend mit dem Ziel gemeinsam Märkte zu erschließen oder Produkte zu entwickeln.

Markus Raunig, der CEO von AustrianStartups, Rudolf Dömötör, der Direktor des WU Gründungszentrum und Karl-Heinz Leitner von AIT Austrian Institute of Technology live über den gemeinsam erstellten Austrian Startup Monitor!

Markus Raunig, der CEO von AustrianStartups, Rudolf Dömötör, der Direktor des WU Gründungszentrum und Karl-Heinz Leitner von AIT Austrian Institute of Technology live über den gemeinsam erstellten Austrian Startup Monitor!

Gepostet von DerBrutkasten am Dienstag, 25. September 2018


Schramböck und Mahrer zum 1. Austrian Startup Monitor

Vor allem dass nur ein Bruchteil der GründerInnen (jede/r achte) der Regierung „ernstzunehmendes Interesse“ attestiert, sollte die Politik auf den Plan rufen. In einer Aussendung anlässlich der Veröffentlichung des 1. Austrian Startup Monitor kommt etwa auch Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck zu Wort, die auch bei der Präsentation anwesend war. „Am Abbau von bürokratischen Hürden arbeiten wir hoch motiviert“, sagt sie unter anderem. Ein Ansage kommt indessen von Wirtschaftskammer-Präsident Harald Mahrer: „Für die Wirtschaftskammer ist es wichtig, Rahmenbedingungen zu schaffen, die allen Unternehmen beim Wachsen helfen: bürokratische und steuerliche Entlastung sowie besserer Zugang zu Finanzierung“.

Finanziert wurde die Studie durch die Austria Wirtschaftsservice (aws), die Wirtschaftskammern Österreich (WKO) und Wien (WKW), den Rat für Forschung und Technologieentwicklung (RFTE), die Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft (FFG), die Industriellenvereinigung (IV) sowie die Wirtschaftsagentur Wien.

⇒ Offizielle Page & Download der gesamten Studie

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Unter dem Motto „The Power of Connection“ versammelten sich am 22. Oktober rund 2.000 Teilnehmende in der Wiener Ottakringer Eventlocation. Das von den Schwestern Verena Eugster und Patricia Zupan-Eugster gegründete Female Future Festival widmete sich Themen wie Leadership, künstlicher Intelligenz und Finanzkompetenz. Neben Fachpanels zu Verhandlungsstrategien oder finanzieller Gesundheit war auch Business Angel Hansi Hansmann als Keynotespeaker auf der Bühne zu sehen.

„…, weil ich glaube, dass es unsere Welt besser macht“

Im Gespräch mit brutkasten nannte Hansmann seine Motivation für den Besuch: „Ich habe zwei kleine Töchter und ich möchte gerne, dass meine Töchter später im Leben irgendwann alles das machen können, was sie machen wollen, ohne dass ihr Geschlecht sie daran hindert.“ „Ich bin ein ganz, ganz großer Fan davon, dass es mehr Unternehmerinnen und mehr Investorinnen gibt. Überhaupt mehr Frauen an der Macht, weil ich glaube, dass es unsere Welt besser macht“, ergänzt er zu seinen Beweggründen.

Was seine Beteiligungen angeht, sieht der Investor und ehemalige Manager in Sachen Geschlechterverteilung ein klares Muster: „Ich habe in alles investiert: in rein männliche Teams natürlich viel mehr, aber auch rein weibliche und gemischte Teams. Am besten performen gemischte Teams aus meiner Erfahrung.“

Der Hebel gemischter Teams

Den Vorteil gemischter Teams sieht Hansmann im Zusammenspiel unterschiedlicher Stärken: Es gebe „unterschiedliche Eigenschaften und Skills zwischen Frauen und Männern, und die Mischung macht’s aus“.

Als Beispiel nennt er den Markteintritt: „Ein reines Männerteam geht mit dem Produkt raus, wenn es fertig ist. Nach dem Motto ’das können wir mal rausschieben in den Markt, probieren wir mal, schauen wir mal, ob es ankommt.’ Beim reinen Frauenteam, da muss das Produkt perfekt sein. Und das dauert natürlich fünf Monate länger, bis die auf den Markt gehen, und damit vergeht Zeit.“ Für ihn gilt: „Das gemischte Team, wo sozusagen alle Stimmen zu Wort kommen, ist das Ideale.“

Deutlicher Finanzierungs-Gap in H1/2026

Doch obwohl die Teamkonstellation am besten zu performen scheint, bestehen nach wie vor große Ungleichheiten in Sachen Startup-Finanzierung. Erst kürzlich zeigte der Female Start-up Funding Index H1/2026 von EY Österreich, Female Founders und Fund F das Ausmaß. Im ersten Halbjahr flossen 472 Mio. Euro Risikokapital in österreichische Startups, ein Plus von 329 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Rein männliche Teams erhielten davon 94,9 Prozent, gemischte Teams 4,8 Prozent und rein weibliche Teams 0,3 Prozent. Der Frauenanteil unter den analysierten Gründer:innen lag bei rund 13 Prozent. „Frauen dürfen gründen. Finanziert werden Männer“, brachte es Lisa-Marie Fassl, Managing Partner von Fund F, in der damaligen Aussendung auf den Punkt.

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