25.02.2025
ÜBERNAHME-DEAL

1.000 Kund:innen: Wiener vibe übernimmt Autoabo-Geschäft von Welser ocay

Das Wiener Autoabo-Scaleup vibe übernimmt das operative Geschäft des Welser Konkurrenten ocay. Das oberösterreichische Startup bleibt bestehen und richtet sich neu aus.
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v.l.n.r.: Martin Rada (CEO vibe moves you), Michael Rosenmayer (Head of Key Account vibe moves you), Stefan Leeb (CEO & Co-Founder ocay), Bernhard Aichinger (Co-Founder ocay) und Michael Raberger (Co-Founder ocay) | (c) vibe
v.l.n.r.: Martin Rada (CEO vibe moves you), Michael Rosenmayer (Head of Key Account vibe moves you), Stefan Leeb (CEO & Co-Founder ocay), Bernhard Aichinger (Co-Founder ocay) und Michael Raberger (Co-Founder ocay) | (c) vibe

Es ist ein durchaus kapitalintensives Geschäft: Wer ein Autoabo-Modell aufbauen will, braucht das nötige Kleingeld. Schon 2023 kündigte das Wiener Scaleup vibe an, 100 Millionen Euro in den Ausbau investieren zu wollen – brutkasten berichtete. Einige Monate zuvor hatte Konkurrent ocay aus Wels kommuniziert, zehn Millionen Euro in den Ausbau der Flotte um 200 Fahrzeuge zu stecken.

Größerer achtstelliger Deal? 1.000 Kund:innen wechseln Anbieter

Zwei Jahre später kommt es nun zur Konsolidierung am heimischen E-Autoabo-Markt. Vibe übernimmt das operative Geschäft von ocay, wie heute in einer Aussendung verkündet wurde. Dabei geht es um rund 1.000 Kund:innen, die durch die Übernahme Anbieter wechseln. Wie viel der Deal vibe gekostet hat, wurde nicht kommuniziert. Bei der Anzahl an Abos und damit Fahrzeugen ist aber von einer größeren achtstelligen Summe auszugehen.

ocay-CEO über vibe: „pflegen seit jeher eine respektvolle Geschäftsbeziehung“

„Wir freuen uns, dass wir diesen Schritt mit vibe umsetzen konnten. Unsere Unternehmen sind fast zeitgleich an den Start gegangen und pflegen seit jeher eine respektvolle Geschäftsbeziehung. Damit können wir sicherstellen, dass unsere Autoabonnenten in die Hände eines seriösen Partners gelegt werden“, kommentiert ocay-Geschäftsführer Stefan Leeb in einer Aussendung zur Übernahme.

ocay macht mit neuer Strategie weiter

Für das Welser Startup ist mit dem Übernahme-Deal nicht Schluss. Stattdessen folgt eine strategische Neuausrichtung. Man konzentriere sich künftig auf die „Entwicklung von innovativen Produkten am Automobilmarkt“, heißt es vom Startup. „Darunter stehen KI-gestützte Softwarelösungen für Autoabo-Anbieter, -Flotten und -Vermieter, sowie individuelle Flottenlösungen für Fuhrparks ab 50 Fahrzeugen zur Kurz- und Langzeitmiete auf der Agenda“, so ocay. Der Markt habe nach wie vor großes Potenzial, das mit der Weiterentwicklung des Leistungsspektrums und dem benötigten technischen Equipment weiter ausgeschöpft werden könne, meint Geschäftsführer Leeb.

vibe erwartet weiteres Wachstum

Bei vibe erwartet man ein weiteres Wachstum im Autoabo-Segment. „Die Verbindung von Elektromobilität und Autoabo ist das Kernthema der neuen Mobilität“, ist Martin Rada, Geschäftsführer von vibe, überzeugt. Ziel sei es auch, „gemeinsam mit Partnern wie ocay den Markt aktiv zu gestalten.“

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Celum
© Christian Huber Fotografie - (l.) Michael Kräftner, Celum-Gründer, Chairman und Chief Vision Officer, Mark Kaslatter ist neuer Chief Executive Officer bei Celum.

Im Februar des Vorjahres übernahm Christian Jüngling die Position des Chief Financial Officer (CFO) bei Celum, um neue Impulse für die Weiterentwicklung des Unternehmens zu setzen – brutkasten berichtete. Zudem bestellte das Management mit Bojan Bozic die neu geschaffene Position des Chief Services Officer (CSO). Nun gibt es auf höchster Ebene eine weitere Änderung.

Celum: Fokus auf Stärkung des Vertriebs

Mark Kaslatter übernimmt die Position des CEO und damit die Führung des Unternehmens. Sein Fokus soll auf der Stärkung des Vertriebs, des Partnerchannels und der weiteren nationalen und internationalen Expansion liegen. Celum-Gründer Michael J. Kräftner bleibt dem Unternehmen als „Chief Vision Officer“ erhalten und konzentriert sich künftig verstärkt auf die langfristige strategische Produktentwicklung.

Der gebürtige Tiroler Kaslatter verfügt über mehr als 20 Jahre Erfahrung als Unternehmer und Führungskraft in der Technologiebranche. 2004 gründete er etwa das auf CRM-Lösungen spezialisierte Unternehmen k.section, baute es ohne externe Investoren auf und verkaufte es später an die an der Euronext notierten Emakina Group.

Von 2019 bis 2022 war Kaslatter Managing Director von Emakina Central & Eastern Europe und wechselte danach ins Advisory Board der Belgier. Anschließend war er gemeinsam mit Benjamin Ruschin Mitgründer und Managing Partner von Big Cheese Ventures, einem Beratungs- und M&A-Unternehmen für Tech-Startups. Er studierte Software-Engineering am Campus Hagenberg der Fachhochschule Oberösterreich und absolvierte einen MBA in General Management an der Universität für Weiterbildung Krems.

„Celum verfügt über eine starke technologische Basis, langjährige Kundenbeziehungen und großes Potenzial im internationalen Markt. Jetzt geht es darum, diese Stärken noch konsequenter in nachhaltiges und skalierbares Wachstum zu übersetzen“, sagt Kaslatter. „Der Wechsel zu Celum ist für mich mehr als eine neue Aufgabe – er ist zugleich die Rückkehr ans Steuer eines Softwareunternehmens. Die Beratung von Startups war eine spannende und bereichernde Zeit. Gleichzeitig habe ich gemerkt, wie sehr mir das unmittelbare Gestalten, das operative Doing und die umfassende unternehmerische Verantwortung gefehlt haben.“

Und weiter: „Besonders vermisst habe ich das hohe Innovationstempo und den intensiven Austausch mit Entwickler:innen. Sie schaffen mit ihren Ideen nicht nur neue Produkte, Unternehmen und Geschäftsmodelle, sondern gestalten zunehmend auch unsere Wirtschaft und Gesellschaft. Genau dieses Umfeld, diese Denkweise und die Möglichkeit, gemeinsam etwas zu bewegen, begeistern mich an meiner neuen Aufgabe bei Celum.“

„Everybody is in Sales“

Kaslatters Leitgedanke lautet: „Everybody is in Sales.“ Damit sei jedoch nicht gemeint, dass jede und jeder im klassischen Sinne im Vertrieb tätig sein muss. Vielmehr trage jede Funktion im Unternehmen dazu bei, Mehrwert für die Kundinnen und Kunden zu schaffen. Diese gemeinsame Verantwortung für den Kundenerfolg und eine konsequente Marktorientierung möchte er bei Celum weiter stärken. Deshalb sollen die Bereiche Vertrieb, Marketing, Customer Success, Produktentwicklung und Organisation künftig noch enger auf die gemeinsamen Wachstumsziele ausgerichtet werden.

„Mark Kaslatter verbindet tiefes Technologieverständnis mit ausgeprägter Vertriebskompetenz und echter unternehmerischer Erfahrung“, kommentiert Michael J. Kräftner, Gründer von Celum, die neue Personalie. „Mit Mark gewinnt Celum einen CEO, der die Verantwortung mit einem klaren Fokus auf Kunden und Markt übernimmt. Die neue Rollenverteilung ermöglicht es mir gleichzeitig, noch stärker in den Bereichen Produktstrategie und technologische Innovation aktiv zu werden. Es war für mich immer klar, dass Celum ab einer bestimmten Größe jemanden als CEO haben wird, der viel mehr auf Wachstum und Organisation wirken kann als ich. So holen wir also zusätzliche unternehmerische und vertriebliche Expertise in die Führung und verbinden Kontinuität mit frischem unternehmerischem Drive.“

Knapp 20 Mio.-Euro Umsatz

Als Chief Vision Officer soll Kräftner die langfristige Produktvision weiter vorantreiben. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der Weiterentwicklung des Produktportfolios vor dem Hintergrund tiefgreifender Veränderungen durch Künstliche Intelligenz, neue Formen der Content-Nutzung und zunehmend automatisierte Content-Prozesse.

Das seit seiner Gründung eigenfinanzierte und unabhängige Softwareunternehmen steigerte seinen Umsatz von 12,5 Millionen Euro im Jahr 2021 auf 19,8 Millionen Euro im Jahr 2025. Heute beschäftigt Celum rund 130 Mitarbeitende aus 23 Nationen an den Standorten Linz, Wien und München.

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