11.02.2020

Ärger bei „2 Minuten 2 Millionen“-Jurorin Schneider: „Sind keine Bittsteller“

In der zweiten Folge von "2 Minuten 2 Millionen" ging es um den perfekten Ski, kostenlose Verkostung und um einen Paketsack. Zudem erzeugten eine Deal-Absage und"Liebesbekundungen" einer Gründerin an Hans Peter Haselsteiner ziemliche Verärgerung bei Leo Hillinger und Katharina Schneider.
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2 Minuten 2 Millionen, Martin Rohla, Leo Hillinger, Katharina Scheider, Hans Peter Haselsteiner, Florian Gschwandtner
(c) Puls 4/ Gerry Frank - Investorin Katharina Schneider (hier mit Martin Rohla) zeigte sich in der aktuellen Folge über die Absage eines Deal-Angebots verärgert.
kooperation

Den Anfang der zweiten Folge von „2 Minuten 2 Millionen“ machten Kristina Worseg und Matthias Kossek, Gründer von Hair Plus. Sie vertreiben ein Haarwuchsmittel-Set, das nur aus „Studien-belegten“ und natürlichen Wirkstoffen bestehe und forderten 60.000 Euro für zehn Prozent Anteile.

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Hair Plus: Mehr Haar im Haar

Das Produkt des Startups besteht aus drei verschiedenen Elementen: einem Serum, Kapseln und einem „Micro Needling Roller“ für die Kopfhaut. Tests des Wirkstoffs führten, eigenen Angaben nach, zu einem Anstieg von mindestens 10.000 bis zu 28.000 Haaren mehr am Kopf bei 84 Tagen Anwendung.

Der „schüttere“ Haselsteiner

Investor Hans Peter Haselsteiner verglich die beiden Gründer mit Miraculix, dem Druiden der Gallier und gab sich im Studio gleich als „Versuchskaninchen“ her. Er ließ sich, wie er betonte, die „erst“ schüttere Stelle an seinem Hinterkopf mit dem Roller massieren. Danach folgt die zweite Massage als das Serum, ebenfalls mit dem Rollgerät, auf der Kopfhaut verteilt wurde.

Startup-Ticket

Nach der Fragerunde, stieg Haselsteiner als erster aus – doch alsbald meldete sich Markus Kuntke. Der Innovationsmanager verteilt auch heuer wieder bei „2 Minuten 2 Millionen“ für BIPA, Merkur und BILLA “Startup-Tickets“ (maßgeschneidertes Coaching von Verkaufs- und Marketingprofis der REWE-Group). Er machte das Angebot, das Produkt in die Regale zu bringen, was die Frau von „Beauty-Doc“ Artur Worseg und ihr Partner Kossek natürlich annahmen.

Erstes Angebot

Kuntke rief daraufhin die Investoren auf, in das Startup zu investieren. Nicht half dieser Appell bei Ex-Runtastic-Gründer Florian Gschwandtner. Er ging als zweiter potentieller Investor. Bei Mediashop-Chefin Katharina Schneider jedoch war dies anders. Sie bot 50.000 Euro für 15 Prozent.

Zweites Angebot

Winzer Leo Hillinger meinte skeptisch, man müsse sehen, ob das Produkt, wie beschrieben, funktioniere, hängte sich aber als Investor bei Schneider an. Danach nahm Nachhaltigkeitsexperte Martin Rohla seine Brille ab. Und bot 100.000 Euro für 25,1 Prozent.

Drittes Angebot für Mediavolumen

Zwei Angebote von drei Investoren lagen am Tisch, doch das war nicht das Ende. Daniel Zech von Seven Ventures gesellte sich noch dazu und bot 400.000 Euro Medien-Budget für 20 Prozent.

2 Minuten 2 Millionen, Martin Rohla, Leo Hillinger, Katharina Scheider, Hans Peter Haselsteiner, Florian Gschwandtner
(c) Puls 4/ Gerry Frank – Hair Plus von Kristina Worseg und Matthias Kossek konnte gleich aus mehreren Angeboten auswählen.

„Eine Unverschämtheit“

Bei der Zusammenfassung der Angebote betonte daraufhin Schneider ihre Vorteile als mögliche Partnerin und erklärte warum sie ihr Angebot nicht nachbessere: Mit ihrem Netzwerk im Hintergrund wäre ihr Vorschlag dann schlussendlich ein besserer Deal als jener von Rohla. Der nannte diese Aussage lachend eine Unverschämtheit. Die Gründer gingen sich beraten.

Eine Entscheidung, die …

Während dieser Phase meinte Zech, der im Studio weiter über den TV-Apparat zugeschalten war, er könne von den geforderten 20 Prozent für 400.000 Euro auch auf 15 Prozent herunterschrauben. Dann würden die Gründer „bloß“ 30 Prozent Firmenanteile abgeben. Doch bevor es zu diesem Gespräch kam, lehnten die beiden Gründer alle Cash-Investments ab. Und wollten nur die 400.000 Euro von Zech. Dies rief Haselsteiner auf den Plan.

…Haselsteiner misstrauisch macht

Der Bau-Tycoon wollte ehrlich beantwortet wissen, ob die beiden Gründer von Anfang an diesen Plan hatten. „Bloß“ das REWE-Ticket und Zechs Medien-Budget zu ergattern. Diese Frage trug insofern Brisanz in sich, als das das Gründer-Duo während dem Pitch vorher erwähnt hatte, es wünsche sich einen starken Handelspartner und Werbezeit fürs TV.

Am liebsten mit dem „Bau-Tycoon“ im Team

Worseg erklärte Haselsteiner darauf, er selbst, Zech und Kuntke wären ihre Wunsch-Partner gewesen. Daraufhin fragte Schneider etwas angesäuert, ob Zech nicht (in der Beratungspause der Gründer) gemeint hätte, er würde seine 400.000 Euro nur innerhalb einer Kooperation mit ihr und Hillinger investieren.

„Dann soll es halt nicht sein“

Kuntke breitete sein obiges Angebot nochmal aus und appellierte an die Gründer, Schneider und Hillinger mit ihrem Cash-Investment mit ins Boot zu holen. Die angesprochenen Investoren zeigten sich nun jedoch genervt, und meinten, wenn man sie nicht dabei haben wolle, dann solle es nicht sein.

Deal-Rückzug

Worseg setzte zu einer Erklärung an, als Schneider das Wort ergriff und den zögerlichen Gründern die Entscheidung abnahm. Sie nahm sich mit den Worten „Wir sind doch keine Bittsteller“ aus dem Rennen. Zech solle sich nun entscheiden, ob er alleine einsteige.

Kalmierungsversuch

Die Gründerin versuchte daraufhin die Situation zu entspannen und meinte, ihr wäre mit dem Neu-Angebot, zweimal 15 Prozent für je 400.000 Medienbudget und 60.000 Euro Cash-Investment wohler, als vorher mit insgesamt 35 Prozent Firmenanteile, die zur Debatte standen. Es half nichts

400.000 Euro

Schneider antwortete, sie verstehe dies, aber da Haselsteiner der Wunsch-Financier der Founder wäre, zöge sie sich zurück. „Es ist okay so“, sagte sie abschließend, was Hillinger bejahte. Investoren draußen – Medienvolumen drinnen: Zech blieb bei seinem 400.000 Euro-Angebot. Deal.

Original+: Mit KI zum perfekten Ski

Der Zweite in der zweiten Folge der aktuellen Staffel  „2 Minuten 2 Millionen“ war Siegfried Rumpfhuber. Sein Startup Original+ hat 2016 begonnen einen Algorithmus auf Basis künstlicher Intelligenz zu entwickeln, welcher beim Skibau helfe, Zusammenhänge zwischen biometrischen Daten des Skifahrers und der Konstruktion des Skis zu erkennen, um daraus einen individuell angepassten Ski zu entwickeln. Er forderte für sein funktionelles „Customizing“-Konzept 200.000 Euro für zehn Prozent Anteile.

2 Minuten 2 Millionen, Martin Rohla, Leo Hillinger, Katharina Scheider, Hans Peter Haselsteiner, Florian Gschwandtner
(c) Puls 4/ Gerry Frank -Siegfried Rumpfhuber kämpft um die Veränderung der Skibranche.

1.800 Konfig-Kombinationen mit „Origo“

Der Gründer hat nach dem Bau der Prototypen den vorher geplanten Marktstart verschoben und erst 2019 gelauncht. Seitdem wurden 800 paar Ski (eine halbe Million Euro Umsatz in einem Jahr) verkauft. Es gebe auf seiner Plattform 1.800 Mögliche Kombinationen (etwa Skikonstruktion/-länge) sich seinen maßgefertigten Ski mittels der Konfigurations-Software „Origo“ zusammenzustellen. Dieser soll dann rund 100 Einsatztage halten, ohne die Spannung zu verlieren, da der Original+-Ski „Weltcup-Qualität“ habe, so der Gründer.

Weitere Business-Modelle?

Gschwandtner fragte nach Zukunftsplänen des Startups, ob etwa eine monatliche Pauschale angedacht sei, wo man Kunden bestimmte Service-Leistungen anbiete. Der Gründer erwähnte, dass es bereits ein Kundenservice-Center gebe, wo Fragen rund um Sommerlagerung der Ski und anderen Themen beantworten würden. Der Plan sei, auf jeden Fall dies auszubauen und damit auch Geld zu verdienen.

Branding möglich

Im gleichen Atemzug erwähnte der Gründer auch andere Möglichkeiten, den Original+-Ski zu gestalten. Neben dem Kern-Business wäre es auch möglich, Initialen und Firmen-Logos auf dem Ski anbringen zu lassen.

Gleich zwei Investoren interessiert

Der Gründer hatte im weiteren Verlauf auf jede Frage eine souveräne Antwort. Die Folge davon war, dass zwar Gast-Juror Heinrich Prokop ausstieg, aber Hillinger 200.000 für 25,1 Prozent bot. Rohla folgte mit einem Angebot und wollte zehn Prozent Beteiligung für 100.000 Euro haben.

„recurring revenue“ ausbauen

Gschwandtner, der sich währenddessen per Smartphone auf der Plattform flugs eigene Ski zusammengestellt hatte, klinkte sich in die Riege der Bieter ein. Er sprach vom „Ausbau des recurring revenue“ und bot für zehn Prozent 150.000 Euro. Damit gab es drei Angebote für Rumpfhuber, der nicht lange zögerte.

Deal mit Wunsch-Investor bei 2 Minuten 2 Millionen

Er meinte: das Stichwort Gschwandtners bezüglich wiederkehrender Einnahmen, sei ein großes Problem der Skibauer. Man würde ein einzelnes paar Ski verkaufen und den Kunden damit für etwa fünf Jahre verlieren. Das ganze Geschäftsmodell der Branche solle nun mit Original+ umgestellt und der Kunde ein Leben lang betreut werden. Deal mit Wunsch-Investor Gschwandtner!

Mein Paketsack: Paket verpasst?

Die nächsten auf der „2 Minuten 2 Millionen“-Show-Bühne waren Simon Baier und sein Schwiegervater Bruno Glaentzer. Die extra aus Deutschland angereiste Gründer-Familie (inklusive Mitgründerin Roxanne Baier hinter den Kulissen) hat einen Stahlkasten mit Kunststoffsack namens „mein Paketsack“ mit den Maßen 50 Mal 25 Zentimeter entwickelt, der mit einem Volumen von bis zu 220 Liter das leidige Abholen nicht zugestellter Pakete beenden soll.

Martin Rohla, Leo Hillinger, Katharina Scheider, Hans Peter Haselsteiner, Florian Gschwandtner
(c) Puls 4/ Gerry Frank – Ein Zahlenschloss soll das Paket im Paket-Sack vor Dieben schützen.

Zahlenschloss verschließt Sack

Das Besondere daran: Der anfänglich offene Paketsack kann sowohl an Wohnungs-, als auch an Haustüren montiert werden, halte aber auch an Hauswänden oder Zäunen. Ein Zusteller, der ein Paket abgeben will, muss den Stahldeckel öffnen und die Sendung in den darunter liegenden zusammengefalteten Sack legen. Im Anschluss wird der Deckel wieder zu gemacht und bleibt fortan mittels Zahlenschloss verschlossen, den nur ein vom Besitzer ausgewählter Code öffnen kann.

Falls es dazu kommen sollte, dass man als Kunde mehr als ein Paket am Tag bekommt, so lasse sich dieser Zahlencode für das Öffnen der Box mittels Adresszusatz auf der Website an die jeweiligen Lieferanten mitsenden.

„50 Prozent aller Zustellversuche erfolglos“

In Deutschland und Österreich seien 50 Prozent aller Zustellversuche erfolglos und der Weg zur Abholstelle manchmal ein langwieriger. Und das bequeme Online-Shopping wäre plötzlich weniger gemütlich, so Baier. Mit ihrem Lösungsansatz für dieses Problem hofften die Gründer auf 30.000 Euro für 20 Prozent Beteiligung.

Safety-Variante

Mein Paketsack sei auch in einer „Safety-Variante“ mit schnittsicherem und stahlverstärktem Nylon-Gewebe verfügbar, um Dieben vorzubeugen. Das Tür-Montage-Set, das ebenfalls über den Online-Shop verfügbar ist, soll eine beschädigungsfreie Anbringung ermöglichen.

Das Ästhetik-Problem

Bereits während der Vorführung der Funktionalität nannte Schneider das Produkt „eine kluge Idee“. Hillinger indes lobte zwar den Pitch und die Idee als sensationell, meinte aber, das Produkt würde ihm nicht gefallen. Er könne sich das nicht an einer Hausmauer oder Tür vorstellen.

Haselsteiner-Rede gegen Online-Giganten

Haselsteiner hielt daraufhin eine kleine Rede gegen Online-Giganten im Handel, die man nicht unterstützen sollte und stieg aus. Schneider warf ein, dass die Wertschöpfungs-Kette beim Versandhandel auch in Österreich sein kann und verwies dabei auf sich.

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„Zug abgefahren“

Dann kam es zu einer kleinen Diskussion zwischen Haselsteiner und Rohla. Zweiterer meinte bezüglich Online-Shopping „der Zug sei abgefahren“, da könne man nichts ändern. Haselsteiner erboste sich etwas darüber und kritisierte so eine „Attitüde“. Als wieder Ruhe einkehrte, stieg Rohla aus, dem das fehlende Patent des Startups ein Dorn im Auge war. Die Konkurrenz könne es im Ausland „billiger machen“.

Ja zu 30.000 Euro für 20 Prozent, aber…?

Schneider als letzte Hoffnung bot die gewünschte Summe und bekam nach kurzer Verwirrung den Deal. Der Gründer wollte sich anfänglich nochmal kurz mit seiner Frau beraten, ließ aber davon ab, als die Investorin fragend wiederholte: „Aber das ist euer Angebot?“ Es kam schlussendlich zum einem Ja der Gründer. Deal.

Tastery: Unbekanntes austesten

Tastery aus Wien ist ein Verkostungslokal, in dem der Besucher unverbindlich und kostenlos Produkte probieren kann. Gegründet wurde es von Andreas und Tanja Höllmüller. Ihr Pitch: Diverse Lebensmittel können vor Ort gekostet und bewertet werden. Produzenten würden von den erhobenen Testergebnissen profitieren und könnten Produkte, die es am Markt noch gar nicht gibt, an potentiellen Kunden testen. Zudem sei es auch möglich, alle Produkte aus dem Lokal über den eigenen Online-Shop zu erstehen. Andreas Höllmüller, der alleine im Studio um Kapital kämpfte, forderte 200.000 Euro für 20 Prozent Anteile.

40 Stände in Wien

Das Wiener Startup, so Höllmüller weiter, setze hauptsächlich auf regionale Produkte, hätte aber auch bekannte Marken im Sortiment. All das befindet sich im Lokal – im 7. Wiener Bezirk Neubau – auf insgesamt 40 kleinen Ständen stehend, die mit einer Informationstafel über den jeweiligen Produzenten und dessen Produkt bestückt sind. 30 weitere wären mit einem Investment möglich, wie Haselsteiner nachfragend herausfand.

Martin Rohla, Leo Hillinger, Katharina Scheider, Hans Peter Haselsteiner, Florian Gschwandtner
(c) Puls 4/ Gerry Frank – Andreas Höllmüller hatte mit „Tastery“ eine ungewöhnliche Geschäftsidee.

Monatliche Vermietgebühr

Geld macht Tastery damit, eine monatliche Gebühr zwischen 400 und 600 Euro von einem Produzenten für das Ausstellen des Produkts zu verlangen. Neben der Vermietung der Stände, führen die Gründer vor Ort auch ein „klassisches“ Kaffeehaus für Besucher.

Lob und Abschied

Der Familienvater erklärte gegen Ende, dass für einen guten Profit ein Franchise-System und der Rollout nach Deutschland nötig wären. Haselsteiner fand die Idee toll, wollte aber nicht investieren. Auch Gschwadtner nannte die Idee „zeitgeistig“, haderte aber mit der Bewertung. Er stieg „mit Bauchweh“ aus.

Eine ungewöhnlicher Vorschlag

Hillinger zeigte sich von der Ruhe des Gründers beeindruckt, stieg aber auch aus. Schneider sah im „Food-Bereich“ in sich die falsche Person und verwies auf ihren Sitznachbarn Rohla. Jener erkannte in der Idee nicht bloß ein Feedback-Instrument für Produzenten, sondern sah ein nützliches Marketing-Tool darin. Er wollte 26 Prozent und Einsicht in die Bilanz 2019 des Unternehmens.

Im Vorjahr machte Tastery 350.000 Euro Umsatz. Rohla wollte sein Investment vom Gewinn (Ergebnis) abhängig machen. Er würde bei zehn Prozent Ergebnis das Startup mit dem Jahresumsatz bewerten (in diesem Fall insgesamt 91.000 Euro). Sollte das Ergebnis 20 oder gar 30 Prozent betragen, würde er jeweils zu einer doppelten oder dreifachen Bewertung investieren. Dies stellte sich als Problem heraus.

Kein Ergebnis, kein 2 Minuten 2 Millionen-Deal

Höllmüller machte zu Zeiten der Aufzeichnung gar keinen Gewinn, da er das Geld sofort wieder ins Marketing reinvestiert hatte. Um dem Angebot Rohlas zu entsprechen, müsste der Gründer all seine Ausgaben „cutten“, was „wahnsinnig kontraproduktiv wäre“, wie er sagte. Er hatte ein Gegenangebot parat: 25 Prozent plus eine Stimme für 180.000 Euro. Das war dem Juror zuviel. Kein Deal.

Joysys: Halbe Million für zehn Prozent Beteiligung?

Den Abschluss der zweiten Folge der aktuellen Staffel „2 Minuten 2 Millionen“ bildete Thomas Hassler mit seinem Startup „Joysys“. Er entwickelte mit „VivaVita“ eine Fingersensor-Messung, die Anwender bei Behandlung kardiovaskulärer Krankheiten unterstützen soll. Für den kleinen mobilen „Health-Monitor“ wollte der Gründer, der von „Data Scientist“ Eva-Maria Ölweiner beim Pitch unterstützt wurde,  eine halbe Million Euro für zehn Prozent Anteile haben.

Der Vorteil seines Gerätes wäre, innerhalb weniger Sekunden ein EKG mittels Auflegen des Fingers auf dem Sensor erstellen zu können. Zudem ließen sich diverse Parameter berechnen und am Smartphone anzeigen.

Martin Rohla, Leo Hillinger, Katharina Scheider, Hans Peter Haselsteiner, Florian Gschwandtner
(c) Puls 4/ Gerry Frank – Gründer Thomas Hassler und „Data Scientist“ Eva-Maria Ölweiner hofften auf ein 500.000 Euro Investment.

Der Sportler im Winzer

Hobby-Sportler Hillinger und Haselsteiner probierten „VivaVita“ sofort aus. Es gab kleine technischen Pannen beim Bau-Tycoon, der zuerst das Gerät falsch herum hielt, dann auf der Anzeige keinen Blutdruck-Wert angezeigt bekam. Bei Hillinger dauerte die Anzeige etwas länger, zeigte aber den Sportler im Winzer.

Jenem war jedoch die Bewertung zu hoch, wiewohl er  die Erfindung aus Österreich „bemerkenswert“ fand. Schneider und Rohla stiegen als nächste aus, wobei die Investorin eine Kooperation in Aussicht stellte.

Gschwandtners anderes Empfinden bei Health-Tech

Gschwandtner empfand im Gegensatz zu seinen Kollegen die Bewertung als nicht zu hoch. Er selbst habe Erfahrung mit Hardware-Messung und anfallenden Lizenzgebühren und wisse, dass da ein großer Markt dahinterstehe. Er wollte einen detaillierten Blick auf Unterlagen des Unternehmens werfen, machte aber ebenfalls kein konkretes Angebot. Haselsteiner agierte ähnlich und wollte in Kontakt verbleiben. Kein Deal für Joysys.

Auch im Nachgang dürfte nichts weiter passiert sein. Im Jänner 2020 meldete Joysys Konkurs an, wie der brutkasten berichtete.


⇒ Hair Plus

⇒ Original+

⇒ mein Paketsack

⇒ Tastery

⇒ Joysys

⇒ Puls4/2min2mio

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USB-Stick Erfinder Dov Moran im Interview. (c) LinkedIn/Dov Moran

Mit der Gründung von M-Systems und der Erfindung des USB-Flash-Laufwerks sowie revolutionärer Speicherlösungen schrieb der israelische Halbleiter-Pionier Dov Moran Technologiegeschichte, bevor er sein Unternehmen für rund 1,6 Milliarden US-Dollar an SanDisk verkaufte. Heute lenkt er als Managing Partner beim Deep-Tech-Fonds Grove Ventures als einer der angesehensten Tech-Investoren Israels die Zukunft von KI, Halbleitern, Cloud-Infrastruktur und digitaler Gesundheit.

Der Tech-Pionier und Investor erklärt im Interview, dass im aktuellen KI-Boom vor allem die physische Infrastruktur entscheidend ist und sich Europa statt auf Defense-Tech auf Nischen wie Quantentechnologie konzentrieren sollte. Darüber hinaus empfiehlt er staatliche Unternehmensbeteiligungen nach taiwanesischem Vorbild sowie eine Kultur, die echten Gründergeist und Mut zum Risiko fördert.

brutkasten: Sie haben geholfen, mit dem USB-Flash-Laufwerk eine der am weitesten verbreiteten Technologien der Welt zu erfinden. Wenn Sie zurückblicken: Was unterscheidet bahnbrechende Innovationen von Technologien, die niemals skalieren?

Dov Moran: Zunächst einmal ist der USB-Stick heute ein totes Produkt. Nur noch sehr wenige Menschen benutzen ihn, aber genau das ist das Wesen von Technologie: Man baut etwas auf, und das dient dann als Fundament für etwas Fortschrittlicheres. Ich bin sehr stolz darauf, dass ich einen kleinen Teil zu dieser Infrastruktur beitragen konnte.

Bei M-Systems haben wir damals allerdings noch andere Dinge erfunden, die ich für fast noch wichtiger halte, auch wenn sie für Endkunden weniger sichtbar waren. Damals gab es zwei Arten von Flash-Speicher: NAND-Flash für reine Daten und NOR-Flash – dominiert von Intel und AMD –, um den Code für das Betriebssystem zu speichern. Das gesamte Marktkonzept sah vor, dass jedes System beide Komponenten benötigt. Wir haben damals eine technologische Lösung gefunden, um den NOR-Flash komplett zu eliminieren und den Code direkt in den NAND-Flash zu integrieren. Unser Weg, dieses Problem zu lösen, hat das NOR-Flash-Geschäft für Intel und AMD grundlegend verändert, aber gleichzeitig in jedem einzelnen Telefon auf der Welt den Platzbedarf reduziert und etwa drei Dollar pro Gerät gespart. Bei rund einer Milliarde produzierten Telefonen pro Jahr haben wir der Welt somit jährlich drei Milliarden Dollar eingespart.

Welche Technologie erinnert Sie heute am meisten an die Anfangstage des Flash-Speichers?

Ich denke, wir sehen derzeit eine grundlegende Wende auf dem Markt – weg von einer rein softwaregetriebenen Welt hin zu einer Welt der Infrastruktur. Marc Andreessen sagte einmal: „Software eats the world.“ Heute geht es jedoch vor allem darum, die richtige Hardware- und Infrastrukturbasis zu schaffen: Wir brauchen die richtigen CPUs, wir müssen das enorme Problem des Energieverbrauchs und der Kühlung lösen und wir müssen Rechenzentren bauen, die deutlich effizienter und effektiver sind.

Was heute an Infrastruktur existiert, kann die weltweite Nachfrage schlichtweg nicht bedienen, wenn bald jeder Mensch KI nutzt, forscht und eigene Agenten baut. Wenn auch nur zehn Prozent der Bevölkerung anfangen, intensiv KI-Agenten zu bauen und zu nutzen, würden unsere heutigen Systeme zusammenbrechen. Die Infrastruktur für Künstliche Intelligenz steht genau vor solchen fundamentalen technologischen Skalierungsaufgaben.

Alle sprechen über KI. Wo sehen Sie die größten Chancen jenseits der aktuellen KI-Welle beziehungsweise wo sollte sich Europa positionieren?

KI ist eine gewaltige Revolution, die das Leben aller Menschen beeinflussen wird – vom Reinigungspersonal bis hin zum Leiter einer Onkologie-Abteilung, dessen Diagnostik und Behandlungsweisen sich grundlegend verändern werden. Eine so große Transformation bringt natürlich für jeden enorme Chancen mit sich – für Einzelpersonen, Krankenhäuser, das Bildungswesen und für ganze Staaten.

Wenn ein Land wie Österreich entscheidet, in diesen Markt zu investieren, sollte der Fokus auf der Infrastrukturebene oder auf sehr gezielten Nischen liegen, nicht auf reinen Anwendungen. Ich glaube zum Beispiel nicht, dass Österreich versuchen sollte, im Bereich Defense Tech zu konkurrieren. Dieser Markt erfordert gewaltige Kapazitäten, riesige Budgets und spezifisches Know-how, wie es in den USA oder aufgrund ständiger Konflikte in Israel und der Ukraine existiert.

Man muss Nischen finden, in denen man wirkliche Wettbewerbsvorteile aufbauen kann. Das könnte zum Beispiel die Quantentechnologie sein, die Kombination aus Gesundheitswesen und KI oder hochentwickelte Sensorik für eine bessere medizinische Überwachung von zu Hause aus.

Israel bringt trotz seines relativ kleinen Marktes kontinuierlich globale Technologie-Champions hervor. Was erklärt diesen Erfolg und wie wird Unternehmertum dort gefördert?

Es gibt einen großen Unterschied zwischen Erfindern, Unternehmern und operativen Managern. Viele Erfinder kommen von Universitäten, aber selbst die beste Erfindung oder das beste Patent scheitert, wenn man nicht weiß, wie man ein Unternehmen führt und skaliert. Ich bin der festen Überzeugung, dass Unternehmertum und Innovation viel früher im Bildungssystem verankert werden müssen – spätestens an den weiterführenden Schulen.

Das Bildungssystem muss weg vom reinen Frontalunterricht und Auswendiglernen, hin zu echter Interaktion, Teamwork und praktischer Projektarbeit. Ich bin selbst Verwaltungsratsmitglied einer 150 Jahre alten jüdischen Schulkette namens ORT. Um den Schülern dieses Denken nahezubringen, habe ich ein Buch über Unternehmer geschrieben, das nach jedem Kapitel Diskussionsfragen aufwirft. Ich beginne darin mit Abraham als dem „ersten jüdischen Unternehmer“, der den Monotheismus erfunden hat.

Im Talmud gibt es die Geschichte, dass Abraham die Götzenstatuen im Laden seines Vaters zerstörte, weil er die Logik dahinter hinterfragte, und danach seine Heimat verließ, um ins Ungewisse nach Israel zu ziehen. Genau das passiert vielen Gründerinnen und Gründern: Sie haben eine Vision, jeder sagt ihnen, dass es unmöglich ist, und sie müssen bereit sein, ihre gewohnte Umgebung zu verlassen, um ihr Ziel zu erreichen. Schüler müssen lernen, solche kritischen Fragen zu diskutieren: Was bedeutet es, ins Ungewisse zu gehen? Ist Unternehmertum immer gut oder birgt es auch Risiken? Diese mentale Vorbereitung ist die Basis für eine Innovationskultur.

Was kann Europa und speziell ein Land wie Österreich von der israelischen Innovationskultur und anderen globalen Vorreitern lernen?

Zunächst einmal können auch wir viel von Europa lernen – zum Beispiel, wie man ein Land so lebenswert und friedlich gestaltet. Was die Förderung von Technologie betrifft, lohnt sich für Europa jedoch ein Blick nach Taiwan, speziell auf das ITRI-Institut (Industrial Technology Research Institute).

Der Staat dort verteilt nicht einfach nur passiv Fördergelder an Unternehmen, was oft nicht der klügste Weg ist. Stattdessen definieren kluge Köpfe alle paar Jahre strategische Zukunftsmärkte. So wurde vor Jahrzehnten entschieden, dass der Bau von Halbleiterwerken entscheidend sein wird, woraufhin man gezielt den Gründer von TSMC aus den USA zurückholte. Heute hängt die gesamte Weltwirtschaft von TSMC ab, was für Taiwan zugleich ein enorm starkes sicherheitspolitisches Instrument ist.

Ein weiterer entscheidender Punkt ist, wie Staaten investieren: Wenn staatliche Innovationsbehörden Unternehmen mit Kapital unterstützen, sollten sie dafür im Gegenzug auch Unternehmensanteile (Equity) erhalten, anstatt nur verlorene Zuschüsse zu verteilen. Der Staat sollte sich als stiller Gesellschafter beteiligen, sich nicht in das operative Tagesgeschäft einmischen, aber bei einem erfolgreichen Exit sein Geld inklusive Rendite zurückerhalten. So kann ein Staat mit Innovation tatsächlich Geld verdienen, das wieder in das Ökosystem zurückfließen kann.

Welchen Rat würden Sie Gründern geben, die heute in Europa Deep-Tech-Unternehmen aufbauen?

Schauen Sie sich genau an, wer in der aktuellen Marktphase wirklich Geld verdient. Im KI-Bereich verlieren viele Software- und Anwendungsunternehmen derzeit Milliarden, während diejenigen, die die Infrastruktur und Hardware bereitstellen – wie Nvidia oder TSMC als deren Auftragsfertiger –, enorm erfolgreich sind.

Wir erleben eine Wende: Es reicht nicht mehr aus, nur auf reine Software-Anwendungen zu setzen. Die wahren Deep-Tech-Chancen liegen heute in der Lösung fundamentaler physischer und technischer Probleme – sei es bei der Energieeffizienz, der Kühlung von Rechenzentren, fortschrittlichen Halbleitern oder auch in der Weltraumtechnologie (Space Tech). Wenn Sie ein Unternehmen aufbauen, fokussieren Sie sich auf diese harten Infrastruktur- und Technologieprobleme, die die Welt zwingend lösen muss.

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Den Anfang der zweiten Folge von „2 Minuten 2 Millionen“ machten Kristina Worseg und Matthias Kossek, Gründer von Hairplus, einem Haarwuchsmittel-Set. Es folgte ein Startup mit KI für Ski, einer neuen Idee bestellte Pakete zu empfangen und kostenlosem Testen von Nahrungsmittel. Abschließend wurde noch ein mobiler Health-Monitor präsentiert. Es gab Deals, Medienbudget, Wunsch- und erzürnte Investoren.

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