20.02.2019

Botium: Wiener Startup macht Chatbots klüger

Startup-Portrait. Botium wurde von Christoph Börner und Florian Treml gegründet. Das Duo möchte mit seinem Startup sicherstellen, dass die Chatbots ihrer B2B-Kunden intelligent agieren. Wir sprachen mit Gründer Börner über die Zukunftspläne des Startups und die Qualitätssicherung von "Conversational-Interfaces" in der IT-Industrie.
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Botium, Chatbots, AI, Bots, Selenium
(c) Botium GmbH: Das Botium-Team entwickelte automatisierte Tests und Trainings für Chatbots

Christoph Börner und Florian Treml spielen nicht nur gemeinsam in der Rockband „We used to be royal“, sondern haben mit Botium auch gemeinsam ein Startup gegründet. Ihr Ziel ist es, Chatbot-basierte Kommunikation zwischen Unternehmen und Kunden auf einen hohen qualitativen Standard zu heben.

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Mit Botium raus aus der „Chatbot-Kinderstube“

Chatbots sprießen wöchentlich aus dem Boden. Immer mehr Unternehmen setzen auf diese „Helfer“, um ihre Dienstleistungen kosteneffizienter an die Kunden zu bringen. Das Problem dabei: Viele der Chatbot-Anwendungen stecken noch im Anfangsstadium ihrer Entwicklung und agieren oftmals starr und unflexibel. Botium hat dennoch das Potential der Dialogsysteme erkannt und möchte mit seinem Testautomationsframework Chatbots intelligenter machen.

USA: mit Chatbots 23 Milliarden US-Dollar Gehaltskosten einsparen

Wer noch immer an der rasanten Entwicklung und zunehmenden Bedeutung von Chatbots zweifelt, dem sei der Bericht von „business insider“ ans Herz gelegt. Schätzungen zufolge werden in den USA in absehbarer Zeit rund 29 Prozent der Dienstleistungen im „Customer Service“ automatisiert. Dadurch sollen jährlich rund 23 Milliarden US-Dollar an Gehaltskosten eingespart werden.

Von der Plattform „Venture Beat“ lässt sich zudem entnehmen, dass sich bei einer Umfrage rund 51 Prozent der befragten Personen wünschen, dass Unternehmen und deren Kundendienste 24/7 erreichbar sein sollten.

Künstliche Maschinen trainieren

„AI, Machine Learning und Chatbots bewegen die IT-Industrie wie kaum ein anderes Thema. Amazons Alexa und Apples Siri sind nur zwei Beispiele rund um diesen Hype“, sagt Botium-Gründer Christoph Börner. „Obwohl Chatbots bereits fixer Bestandteil unseres Alltags sind, ist es um die Qualität der Antworten nicht immer gut bestellt. Allzu oft muss man sich mit Antworten wie ‚das verstehe ich nicht‘ herumschlagen. Um genau das zu vermeiden, müssen künstliche Maschinen – genauso wie Menschen – geschult & trainiert werden“.

Open-Source-Framework

„Wir haben ein Open-Source-Framework entwickelt, mit dessen Hilfe automatisiert und in Sekundenschnelle die Chatbots unzählige Tests durchlaufen, sie trainieren und damit verbessern“, erklärt er. „Derzeit müssen entsprechende Tests manuell oder sehr umständlich mit Selenium oder Appium umgesetzt werden. Die Integration in vorhandene Entwicklungsprozesse muss dann jeder Kunde selbst customizen“.

Unendliche Anzahl möglicher Testfälle

Um die Qualität im Chatbot-Umfeld zu verbessern, sei laut Börner daher vor allem die Quantität der Test- und Trainingsfälle ausschlaggebend. „Je mehr Szenarien trainiert werden, desto intelligenter ist am Ende auch der Chatbot. Die Frage nach ‚ausreichender Testabdeckung‘ ist noch schwieriger zu beantworten als üblich. User können einen Bot eigentlich alles fragen. Und das tun sie auch – zumindest in Form von einfachem Smalltalk. Die Anzahl möglicher Testfälle ist also unendlich“, erklärt Börner.

80 Prozent ähnliche Fragestellungen

Einnahmen macht das Unternehmen durch ihre vordefinierten Testsets. Die Praxis habe Botium gezeigt, dass die Testfälle ihrer Kunden in derselben Domäne zu einem sehr hohen Prozentsatz übereinstimmen. „Sprich, der Support-Bot von Telekom Unternehmen A muss zu 80 Prozent dieselben Fragen beantworten, wie der von Telekom-Unternehmen B oder C. Deshalb liefern wir diese 80 Prozent an Test- und Trainingsdaten gleich ‚out of the box‘ – und das für die meisten Chatbot-Domänen wie Banking, Telekom, Customer Support oder etwa Tourism“, so Börner über den USP von Botium. Die Kunden müssten bloß ihre jeweiligen individuellen Testfälle hinzufügen.

Botium-Box

„Daneben gibt es viele allgemeine Datasets, wie beispielsweise ein Smalltalk-Testset, Humanifaction-Testset, Security- und GDPR. Das ganze natürlich in verschiedenen Sprachen. Zudem finden User in der Botium-Box einen Quickstart Wizard, um Bots in wenigen Minuten zu verbinden und Test-Environments auszuwählen. Auch Testgeräte in Laborumgebungen, erweitertes Test-Reporting und CI/CD Integration sind darin enthalten“, sagt der Gründer.

Erklärvideo zur Botium-Box

„Waschechte Informatiker“

Sein Team und er selbst seien „waschechte“ Informatiker, so Börner. Ihnen liege „Coding“ wesentlich mehr „Marketing & Sales“, so Börner. Nichtsdestotrotz hat die Botium-Mannschaft gelernt, die Hürden in diesem Bereich zu meistern und vielfältige Lösungen zu entwickeln. „Da geht es um Social-Media-Präsenz, Blog-Artikel und SEO. Vor allem aber war der Aufbau einer Open-Source-Community rund um unser Automationsframework Botium essentiell. Zusätzlich konnten wir einen Marketing erfahrenen Investor mit ins Boot holen“, sagt Börner.

200.000 Euro Investment in Aussicht

Botium wurde im März 2018 gegründet und konnte im Vorjahr einen Umsatz von 200.000 Euro aufweisen. Wie uns Börner weiters erläutert, erwarte das bisher eigenfinanzierte Unternehmen für heuer ein Investment von ebenfalls 200.000 Euro und verfolge große Ziele: „Wir möchten Botium als festen Industriestandard für die Automation, das Testing und Training von Chatbots weiter etablieren. Zudem erweitern wir unser Geschäftsfeld gerade um das Thema Entwicklung von Chatbots. In Zukunft werden wir Chatbots nicht nur trainieren und testen – wir werden schon die Planung und Entwicklung übernehmen können“, sagt der Börner.


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A1 Group CEO Alejandro Plater und A1 Group CTO Alexander Kuchar | (c) A1 Group
A1 Group CEO Alejandro Plater und A1 Group CTO Alexander Kuchar | (c) A1 Group

„Als sich das Internet durchgesetzt hat, gab es ‚Greenfield-Unternehmen‘ wie Google, die keine Legacy hatten und etablierte Unternehmen wie Microsoft, die sich transformieren mussten. Jetzt sind wir in der gleichen Situation. Während OpenAI, Anthropic und Co. etwas komplett Neues aufbauen, müssen die bestehenden Player, wie etwa auch wir, die Transformation schaffen“, sagt Alejandro Plater, CEO der A1 Group, am Rande des A1 ICT Summit. Und er fügt an: „Microsoft ist diese Transformation damals sehr gut gelungen. Wir wollen wie Microsoft sein.“

ICT als entscheidender Wachstumsmarkt

Mehr noch als um die Herausforderungen, die KI innerhalb des Konzerns mit sich bringt, geht es für die Gruppe dabei darum, dem Markt zu liefern, was gebraucht wird. Das große Schlagwort lautet ICT mit umfassenden Cloud- und KI-basierten Angeboten für Unternehmen. Von 2021 auf 2025 wuchs der Gruppenumsatz in dem Bereich von 285 auf 573 Millionen Euro – eine durchschnittliche jährliche Wachstumsrate von 19 Prozent. Was das mit dem KI-Boom zu tun hat, bringt Plater auf den Punkt: „Wir sind groß und haben die Möglichkeiten, schnell auf alle Entwicklungen zu reagieren. Viele Unternehmen sind klein und haben diese Möglichkeiten nicht. Das ist eine große Chance für uns.“

„Souveränität heißt für uns in erster Linie: Du hast die Wahl.“

Eine Rolle spielt dabei natürlich auch das aktuell große Thema Digitale Souveränität. „Souveränität heißt für uns in erster Linie: Du hast die Wahl. Es gibt mehrere Alternativen und du kannst entscheiden“, erklärt Alexander Kuchar, CTO der A1 Group. Das trifft vor allem auf den Cloud-Bereich zu, wo man mit der Tochter Exoscale ein eigenes Angebot mit Data-Centern an zahlreichen europäischen Standorten hat, gleichzeitig aber auch Angebote der US-Hyperscaler vertreibt. „Es kommt hier immer auf die konkreten Kundenbedürfnisse an, welche Variante die sinnvollste ist“, sagt der CTO.

In Sachen KI setzt A1 dagegen primär auf Open-Source-Modelle, also einen genuin souveränen Ansatz. Dass diese technologisch nicht mit den Frontier-LLMs der US-Giganten mithalten können, sieht Kuchar wenig problematisch. Die Entwicklung verlaufe verschoben, aber parallel. „Was die Frontier-Modelle heute können, werden die Open-Source-Modelle in kurzer Zeit können“, so der CTO. Entscheidend seien die tatsächlichen Bedürfnisse der Unternehmenskunden – und hier spiele etwa auch die Abwägung zwischen Performance und Kosten eine große Rolle. Die Wahl falle daher oft bewusst auf schwächere Modelle, die den spezifischen Zweck aber – günstiger – erfüllen.

Strategie: Leute vor Ort

CEO Plater sieht das Thema aus der Vogelperspektive: „Es geht nicht primär um die Technologie. Es geht um das Leadership in den Unternehmen.“ Entscheidend sei, wie die Technologie operativ ankomme und es gelinge, die ganze Organisation mitzunehmen. A1 setzt dabei auf Präsenz in seinen Märkten. „Es ist überraschend, wie unterschiedlich unsere Märkte sind. Wenn ein US-Player kommt, und den Unternehmen erklären will, wie sie ihr Business zu führen haben, wird das nicht funktionieren“, sagt Alexander Kuchar. Und Plater ergänzt: „Das ist unsere Strategie: Wir haben Leute vor Ort, die die Sprache sprechen. Wir haben Callcenter und Techniker, die zu einem kommen. Bei den Hyperscalern erreichst du niemanden.“

Dass die besagten Callcenter schon in absehbarer Zeit nicht mehr mit Menschen, sondern mit KI-Agenten besetzt sein werden, ist für den CEO gleichzeitig eine Selbstverständlichkeit: „Die KI passt sich sogar an den spezifischen Dialekt der Anrufenden an. Menschen können es damit nicht aufnehmen“, meint er. Und ob aber Kund:innen nicht dennoch mit echten Menschen sprechen wollen? „Man wird nicht erkennen, dass es eine KI ist“, so Plater, „bloß, wenn die Regulatorik vorschreibt, das schon bei Gesprächsbeginn kenntlich zu machen.“

Generell sei die Regulatorik auch etwas, das ihn beschäftige, sagt der CEO, konkret die Unterschiede zwischen den Ländern bzw. den Großregionen: „So viel ist klar: Die weniger regulierten bewegen sich schneller – im Positiven wie im Negativen – und die stärker regulierten bewegen sich langsamer – im Positiven wie im Negativen.“

„Je weniger Systeme, Tools und Prozesse man hat, desto einfacher ist es zu kontrollieren.“

Ein großes damit verbundenes Thema ist die Sicherheit. „Wir arbeiten mit mehreren Strategien daran, die Cyber-Security stetig zu verbessern“, sagt dazu Plater. Erstens versuche man etwa, wo es gehe, zu vereinfachen. „Je weniger Systeme, Tools und Prozesse man hat und je simpler alles ist, desto einfacher ist es zu kontrollieren.“ Zweitens habe man eigene Teams, die ständig die neuesten Entwicklungen im Auge behielten und solche, die konstant Angriffe auf das eigene System simulieren, um Lücken zu finden. Auch hier sieht der CEO eine große Chance für die A1 Group, die CTO Kuchar benennt: „Wir bieten hier maßgeschneiderte Lösungen für KMU.“

Und wie sieht es mit den zuletzt vielfach kolportierten globalen Bedrohungsszenarien durch KI aus, die bis zur befürchteten Auslöschung der Menschheit gehen? „Ich bin nicht sehr fatalistisch bei dem Thema“, sagt Plater. Man müsse solche Szenarien schon in Perspektive setzen. „Was sind die tatsächlichen Möglichkeiten, die so drastisch sein könnten? Das ist für mich eher Science Fiction. Aber wer weiß, vielleicht irre ich mich.“

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