07.10.2016

Claire Haidar: „Roboter werden 90 % der Bürojobs übernehmen“

Humanoide Roboter, Virtual Reality oder Hologramme. Damit hat der "gemeine Bürger" längst nicht nur mehr Fernsehen zu tun. Im Gegenteil. Laut Produktivitäts-Expertin Claire Haidar wird der technologische Fortschritt die Arbeitswelt gehörig auf den Kopf stellen.
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„Die aktuelle Einstellung zur Arbeit stellt ein größeres Problem als Klimawandel, Armut oder Hunger dar", meint Claire Burge. (c) Screenshot claireburge.com

„Werden Roboter künftig meinen Job übernehmen?“ – geht es nach Claire Haidar, CEO von „This is Productivity“ sollten sich bereits sehr viele Menschen diese Frage stellen. Technologien wie Augmented und Virtual Reality haben mit der Eroberung der Bürowelt gerade erst begonnen. „90 Prozent der Tätigkeiten, die Menschen heutzutage verrichten, können automatisiert und von Robotern übernommen werden. Deshalb wollen wir Menschen beibringen wieder Menschen zu sein“, sagt Burge. Wir seien bereits so statisch wie Roboter – wie wir kommunizieren, wie wir Aufgaben angehen oder wie wir Dinge dokumentieren – meint die gebürtige Südafrikanerin weiters.

„Wir wollen Menschen beibringen wieder Menschen zu sein.“

Sich selbst neu erfinden

(c) Claire Burge Facebook
(c) Claire Haidar Facebook

Menschen stellen sich auf große Erfindungen und die einhergehenden Veränderungen ein. Manche früher und manche später, aber sie tun es. Claire Haidar prophezeit eine „Work-Revolution“ die keinen Stein auf dem anderen lassen wird. Die fortschreitende Digitalisierung macht nicht Halt, nur weil große Teile der Bevölkerung zu sehr an dem hängen was einmal war. „Wir müssen uns selbst, das Konzept von Arbeit und auch von Bildung komplett neu erfinden“, so Burge. Die Frage ist nicht, was Menschen ohne Jobs tun sollen, sondern wie sie es schaffen sich selbst neu zu erfinden, um sich von Maschinen zu unterscheiden.

+++Mehr zum Thema: Präsident Eisenhowers Matrix – So wird ein Prokrastinator produktiv+++

Teufelskreis „unglücklich arbeiten“

„Morgens genervt in die Arbeit gehen und hoffen, dass man bald wieder nach Hause gehen kann“ – so gehe es dem Großteil der arbeitenden Weltbevölkerung, zeigt sich Burge besorgt. Sie beschreibt die Situation als „international work-desaster“. Wer in seinem Job unglücklich ist, transportiert dieses Gefühl höchstwahrscheinlich an seine Kinder weiter. Kinder, die im Job höchstwahrscheinlich auch unglücklich sein werden, weil sie von klein auf lernen, dass das Leben außerhalb der Arbeit stattfindet. Und so schließt sich ein Teufelskreis. „Life should be work and work should be life“, lautet das Kredo von “This is Productivity”. Burge will damit nicht sagen, man solle keine Hobbies oder andere Interessen neben dem Job haben, doch Arbeit solle zumindest ebenso viel Spaß machen. „Die aktuelle Einstellung zur Arbeit stellt ein größeres Problem als Klimawandel, Armut oder Hunger dar. Vor allem, weil sich der Zyklus stetig erneuert“, meint die Wahl-Irin.

Wer in seinem Job unglücklich ist, transportiert dieses Gefühl höchstwahrscheinlich an seine Kinder weiter.

Vorbild Kinder

„Was VR und AR zurzeit versuchen zu erschaffen, ist in Wahrheit nichts anderes als was jeder Erwachsene verlernt hat. Die Welt mit Kinder-Augen zu sehen. Eine Welt erschaffen in der alles möglich ist“, erklärt Burge. Dieser Fakt allein sei Beweis genug dafür, dass die Menschheit für technologische Entwicklungen zugänglicher ist, als sie glaubt. Kinder sind unbeschwert und glücklich in dem was sie machen. Selbst wenn es für „Erwachsenen-Augen“ irrational wirken mag. Menschen suchen nach Anschluss, Purpose und der Möglichkeit eine bessere Version von sich selbst zu werden. Solange der Job das nicht ermöglicht werden wir unglücklich bleiben.


Claire Haidar wurde in Südafrika geboren, lebt jedoch seit einigen Jahren in Irland. Sie hat im Alter von 12 Jahren begonnen, in der Accounting-Firma ihres Vaters zu arbeiten. Von da an entwickelte sie eine Liebe für Zahlen, Finanzen und die Geschäftswelt. Im Zuge ihres „industrial psychology“-Studiums fing sie an sich mit Change Management zu befassen. „I love turning around (failing) companies“.


Claire Haidar bei TEDx

Mehr Info zu Claire Haidar findet ihr HIER

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A1 Group CEO Alejandro Plater und A1 Group CTO Alexander Kuchar | (c) A1 Group
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„Als sich das Internet durchgesetzt hat, gab es ‚Greenfield-Unternehmen‘ wie Google, die keine Legacy hatten und etablierte Unternehmen wie Microsoft, die sich transformieren mussten. Jetzt sind wir in der gleichen Situation. Während OpenAI, Anthropic und Co. etwas komplett Neues aufbauen, müssen die bestehenden Player, wie etwa auch wir, die Transformation schaffen“, sagt Alejandro Plater, CEO der A1 Group, am Rande des A1 ICT Summit. Und er fügt an: „Microsoft ist diese Transformation damals sehr gut gelungen. Wir wollen wie Microsoft sein.“

ICT als entscheidender Wachstumsmarkt

Mehr noch als um die Herausforderungen, die KI innerhalb des Konzerns mit sich bringt, geht es für die Gruppe dabei darum, dem Markt zu liefern, was gebraucht wird. Das große Schlagwort lautet ICT mit umfassenden Cloud- und KI-basierten Angeboten für Unternehmen. Von 2021 auf 2025 wuchs der Gruppenumsatz in dem Bereich von 285 auf 573 Millionen Euro – eine durchschnittliche jährliche Wachstumsrate von 19 Prozent. Was das mit dem KI-Boom zu tun hat, bringt Plater auf den Punkt: „Wir sind groß und haben die Möglichkeiten, schnell auf alle Entwicklungen zu reagieren. Viele Unternehmen sind klein und haben diese Möglichkeiten nicht. Das ist eine große Chance für uns.“

„Souveränität heißt für uns in erster Linie: Du hast die Wahl.“

Eine Rolle spielt dabei natürlich auch das aktuell große Thema Digitale Souveränität. „Souveränität heißt für uns in erster Linie: Du hast die Wahl. Es gibt mehrere Alternativen und du kannst entscheiden“, erklärt Alexander Kuchar, CTO der A1 Group. Das trifft vor allem auf den Cloud-Bereich zu, wo man mit der Tochter Exoscale ein eigenes Angebot mit Data-Centern an zahlreichen europäischen Standorten hat, gleichzeitig aber auch Angebote der US-Hyperscaler vertreibt. „Es kommt hier immer auf die konkreten Kundenbedürfnisse an, welche Variante die sinnvollste ist“, sagt der CTO.

In Sachen KI setzt A1 dagegen primär auf Open-Source-Modelle, also einen genuin souveränen Ansatz. Dass diese technologisch nicht mit den Frontier-LLMs der US-Giganten mithalten können, sieht Kuchar wenig problematisch. Die Entwicklung verlaufe verschoben, aber parallel. „Was die Frontier-Modelle heute können, werden die Open-Source-Modelle in kurzer Zeit können“, so der CTO. Entscheidend seien die tatsächlichen Bedürfnisse der Unternehmenskunden – und hier spiele etwa auch die Abwägung zwischen Performance und Kosten eine große Rolle. Die Wahl falle daher oft bewusst auf schwächere Modelle, die den spezifischen Zweck aber – günstiger – erfüllen.

Strategie: Leute vor Ort

CEO Plater sieht das Thema aus der Vogelperspektive: „Es geht nicht primär um die Technologie. Es geht um das Leadership in den Unternehmen.“ Entscheidend sei, wie die Technologie operativ ankomme und es gelinge, die ganze Organisation mitzunehmen. A1 setzt dabei auf Präsenz in seinen Märkten. „Es ist überraschend, wie unterschiedlich unsere Märkte sind. Wenn ein US-Player kommt, und den Unternehmen erklären will, wie sie ihr Business zu führen haben, wird das nicht funktionieren“, sagt Alexander Kuchar. Und Plater ergänzt: „Das ist unsere Strategie: Wir haben Leute vor Ort, die die Sprache sprechen. Wir haben Callcenter und Techniker, die zu einem kommen. Bei den Hyperscalern erreichst du niemanden.“

Dass die besagten Callcenter schon in absehbarer Zeit nicht mehr mit Menschen, sondern mit KI-Agenten besetzt sein werden, ist für den CEO gleichzeitig eine Selbstverständlichkeit: „Die KI passt sich sogar an den spezifischen Dialekt der Anrufenden an. Menschen können es damit nicht aufnehmen“, meint er. Und ob aber Kund:innen nicht dennoch mit echten Menschen sprechen wollen? „Man wird nicht erkennen, dass es eine KI ist“, so Plater, „bloß, wenn die Regulatorik vorschreibt, das schon bei Gesprächsbeginn kenntlich zu machen.“

Generell sei die Regulatorik auch etwas, das ihn beschäftige, sagt der CEO, konkret die Unterschiede zwischen den Ländern bzw. den Großregionen: „So viel ist klar: Die weniger regulierten bewegen sich schneller – im Positiven wie im Negativen – und die stärker regulierten bewegen sich langsamer – im Positiven wie im Negativen.“

„Je weniger Systeme, Tools und Prozesse man hat, desto einfacher ist es zu kontrollieren.“

Ein großes damit verbundenes Thema ist die Sicherheit. „Wir arbeiten mit mehreren Strategien daran, die Cyber-Security stetig zu verbessern“, sagt dazu Plater. Erstens versuche man etwa, wo es gehe, zu vereinfachen. „Je weniger Systeme, Tools und Prozesse man hat und je simpler alles ist, desto einfacher ist es zu kontrollieren.“ Zweitens habe man eigene Teams, die ständig die neuesten Entwicklungen im Auge behielten und solche, die konstant Angriffe auf das eigene System simulieren, um Lücken zu finden. Auch hier sieht der CEO eine große Chance für die A1 Group, die CTO Kuchar benennt: „Wir bieten hier maßgeschneiderte Lösungen für KMU.“

Und wie sieht es mit den zuletzt vielfach kolportierten globalen Bedrohungsszenarien durch KI aus, die bis zur befürchteten Auslöschung der Menschheit gehen? „Ich bin nicht sehr fatalistisch bei dem Thema“, sagt Plater. Man müsse solche Szenarien schon in Perspektive setzen. „Was sind die tatsächlichen Möglichkeiten, die so drastisch sein könnten? Das ist für mich eher Science Fiction. Aber wer weiß, vielleicht irre ich mich.“

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