02.02.2016

Watchmaster: 8 Mio Dollar für Luxusuhren-Startup aus Berlin

Die Online Plattform für gebrauchte und neue Luxusuhren wurde erst im Mai letzten Jahres gegründet. Nach einer Finanzierungsrunde in Millionenhöhe im Dezember, folgt jetzt bereits die nächste. Dem Brutkasten verrät Co-Gründer Stephan Heller wofür das Kapital gebraucht wird und welche Uhr er selbst trägt.
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(c) watchmaster: Das Team rund um die beiden Gründer Stephan Heller und Ronny Ahlswede.

Das Startup Watchmaster mit Sitz in Berlin arbeitet mit rund 1800 Partnern in Europa und Asien zusammen. Die Luxusuhren kommen von Privatpersonen und von professionellen Händlern. Das Unternehmen gegründet haben Stephan Heller und Ronny Ahlswede, beide haben zuvor bei Groupon gearbeitet – und kennen sich von dort.

„Die Idee zu Watchmaster kam, als ich mich nach einer neuen Uhr umgeschaut habe und feststellen musste, dass es keine zufriedenstellende Lösung im Internet gab“, erzählt Co-Founder Stephan Heller dem Brutkasten.

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8 Millionen für Watchmaster

Nun, nach nicht einmal einem Jahr geben die Gründer nun die zweite Finanzierungsrunde in Millionenhöhe bekannt: 8 Millionen US-Dollar investieren Cherry Ventures, dem Londoner VC Piton Capital, sowie die Zalando-Gründer Robert Gentz und David Schneider. „Unser Fokus liegt derzeit auf der Entwicklung des Europa-Geschäfts. Die neue Finanzierung werden wir außerdem für den Einstieg in nicht-europäische Märkte verwenden“, meint Heller zur aktuellen Kapitalspritze. Erst im Dezember letzten Jahres verkündete man die erste Finanzierungsrunde in der Höhe von 5,5 Millionen US-Dollar.

„Natürlich kannten ich und einige andere die Branche schon aus persönlicher Leidenschaft, aber es braucht für ein derartig großes professionelles Netzwerk mehr als das“

Gruender_CEO_Stephan Heller
(c) watchmaster: CEO Stephan Heller

Das frische Kapital soll für die Expansion verwendet werden. Watchmaster habe sich laut Heller schneller im Markt entwickelt, als man es erwartet habe. Der große Kundenstamm bereits so kurz nach dem Launch sei „eine Mischung aus persönlichen Beziehungen und harter Arbeit.“

Inzwischen arbeiten bei Watchmaster bereits über 70 Mitarbeiter. „Wir sind in den letzten Monaten sehr schnell gewachsen. Da wir mittlerweile neben dem europäischen Markt auch Uhren nach Asien und in die USA verkaufen, wächst auch unser Team kontinuierlich“, erklärt Heller.

Luxusuhren Ankauf

Möchte man als Privatperson seine Luxusuhr verkaufen, füllt man zunächst einen Fragebogen aus und bekommt ein Angebot. Ist man mit diesem einverstanden, muss der Wertgegenstand zunächst einen Authentizitätstest bestehen. Dafür wird die Uhr von Watchmaster abgeholt und geprüft. Nach wenigen Werktagen bekommt man – sofern alles in Ordnung ist – das Geld überwiesen.

Rückgaberecht

Auch wenn man mit dem Angebot von Watchmaster nicht zufrieden ist, kann man seine Uhr auf die Plattform stellen und auf einen Käufer hoffen. Jedenfalls bietet das Berliner Unternehmen seinen Kunden ein 30 Tage Rückgabegaberecht, einen Käuferschutz via Paypal und ein Rückkaufrecht. Sollte der Käufer die Uhr vor Übernahme ansehen wollen, kann er sie direkt in der Firma in Berlin abholen. Wer sich eine Luxusuhr nicht leisten kann, hat bei Watchmaster auch Finanzierungsmodelle – einstweilen allerdings nur für deutsche Käufer.

Schmälert eine günstige Rolex den Wert der Marke?

Die Uhren im Luxussegment, teils komplett neu, findet man auf Watchmaster zu vergnstigten Preisen. Den Wert der Marken soll dies nicht schmälern. „Rolex ist da ein gutes Beispiel, da bei vielen Modellen der Wert über Jahre hinweg steigt. Aber auch andere Marken sind gute Wertanlagen“, meint Heller. Netzwerk und Branchenkenntnissen seien ausschlaggebend dafür, den Kunden günstigere Preise anzubieten. „Dadurch wird nicht der Wert der Uhr geschmälert – ganz im Gegenteil – es entstehen für unsere Kunden zusätzliche Möglichkeiten von ihrem Kauf zu profitieren.“

Aktuell konzentriert man sich bei Watchmaster auf die Eröffnung der Büros in Hong Kong und in den USA. Welche Uhr trägt eigentlich der Gründer eines Luxusuhren-Startups selbst? – Es ist eine Breitling Chronograph aus dem Jahr 2002.

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Daniel Cracau Founding Director Outreach & Start-ups der IT:U | (c) brutkasten / Dervisevic
Daniel Cracau ist Founding Director Outreach & Start-ups der IT:U | (c) brutkasten / Dervisevic

Dieser Text ist zuerst im brutkasten-Printmagazin von August 2026 Aufbrechen erschienen. Eine Download-Möglichkeit des gesamten Magazins findet sich am Ende dieses Artikels.


Eigentlich, erzählt er, hatte er sich eine berufliche Auszeit vorgenommen, als die IT:U Anfang 2025 bei ihm angeklopft habe. Dort habe man einen „Macher, nicht nur einen Verwalter“ für die Schnittstelle zur Wirtschaft gesucht. „Ich habe mich mit einem radikalen Konzept beworben und gleich klargestellt, dass ich meinen eigenen Kopf habe und Unbequemes anspreche.“ Das Konzept wurde angenommen, Cracau trat im Sommer seinen Dienst an. „It’s my project. I love it, und seitdem bin ich all-in“, sagt er heute.

„Ein System, das sich permanent verändern kann“

Der Reiz der IT:U liege darin, dass sie als öffentliche Hochschule komplett neu errichtet werde, ohne verkrustete Legacy-Probleme. Ziel sei es, zu beweisen, dass man eine moderne Universität von Anfang an richtig konzipieren könne. Das bedeute vor allem auch Wandlungsfähigkeit: „Auf die Frage, wie die IT:U in 15 oder 20 Jahren aussehen wird, antworte ich: ‚Ich weiß es nicht, aber ich weiß, dass sie auf jeden Fall nicht so aussieht wie heute.‘ Ich glaube, das ist auch der Kern dieses ganzen Projekts: diese Fähigkeit, sich an die Realität der Welt anzupassen.“ IT-Fakultäten an etablierten Universitäten könnten diese Agilität in der vorhandenen Struktur nicht erreichen. „Und wenn wir jetzt kein System bauen, das sich permanent verändern kann, ist die IT:U in zehn Jahren auch veraltet“, so Cracau.

Dieses Umfeld ziehe auch „Rebels“ an, die Dinge neu denken wollen – sowohl bei den Lehrenden als auch bei den Studierenden. „Masterstudierende, die sich trauen, in ein Studium einzusteigen, das keine Referenz hat, haben dieses Pionier-Gen“, ist Cracau überzeugt. Und das brauche man auch für Spinoffs. Auch dass Englisch die offizielle Sprache an der IT:U ist, ziehe eine tendenziell gründungsaffine Zielgruppe an: „Die Ausgründungsrate bei internationalen Studierenden ist bis zu fünfmal höher“, so Cracau.

Gelernt wird an der IT:U projektbasiert in Kleingruppen direkt an Technologien wie Robotik und KI. Das Ziel sei die Verschmelzung von technischer Expertise und Future Skills. Dabei müsse man einem Problem erst interdisziplinär auf den Grund gehen, bevor man es lösen könne. Cracau: „Gründerinnen und Gründer suchen sich ihre Probleme, gehen mit offenen Augen durch die Welt und beißen sich dann an etwas fest, das sie wirklich interessiert.“ Dennoch dürfe man sich beim Thema Ausgründungen keinen Illusionen hingeben: „Die Vorstellung, dass man jede beliebige Forschende oder jeden beliebigen Forscher zu Gründerinnen und Gründern ausbilden kann, ist romantisch.“

Und aktuell befinde sich die IT:U auch noch in einer Bringschuld, die einen zentralen Punkt in der öffentlichen Spinoff-Debatte betrifft: „Wir arbeiten noch an unserer IP-Policy. Die wollen wir Schritt für Schritt aufbauen“, sagt Cracau. Das Ziel sei dabei klar: Sie soll „maximal gründungsfreundlich“ werden. Und er spricht auch das zweite Großthema rund um universitäre Ausgründungen an: den Zugang von Universitäten zu Unternehmensanteilen. „Wenn die Universität früh mit einem hohen Anteil – sagen wir: zehn Prozent – und Mitspracherecht reingeht, killt das die Erfolgschancen des Spinoffs“, warnt Cracau. Internationale Vorbilder wie die ETH Zürich und die TU München mit UnternehmerTUM würden zeigen, dass flache Beteiligungsstrukturen besser funktionieren. „Der Mehrwert kommt langfristig über erfolgreiche Alumni zurück, die das Ökosystem unterstützen“, so Cracau.

Kooperationen im Zentrum

Um angehende Gründer:innen ganz konkret zu fördern, setzt die IT:U auf Begleitung ab Tag eins bereits in der „Welcome Week“. Ausgründen sei „nicht nur eine Möglichkeit, sondern es wird proaktiv gefördert“. Neben dem Aufbau einer eigenen finanziellen Anschubförderung soll im nächsten Jahr ein „Startup Partner“ als erster Ansprechpartner an Bord kommen. „Diese Person muss echte Gründungserfahrung mitbringen, um ein authentischer und kompetenter Begleiter zu sein“, betont Cracau. Den entscheidenden Hebel sieht er letztlich in der Praxisnähe: „Der absolut größte Breaking Point ist Go-to-Market. Durch das projektbasierte Arbeiten an realen Industrieaufgaben ist die Basis für den Marktstart von vornherein viel besser.“ Diese Industriekooperation passiert etwa in einem kürzlich eröffneten gemeinsamen Labor mit Infineon Austria.

Als Vision skizziert Cracau ein noch größeres Ziel: „Letztlich soll der Mehrwert der IT:U darin bestehen, nicht nur Graduates hervorzubringen, die direkt in die Wirtschaft gehen, sondern auch als Anker im Ökosystem für eine Gründungswelle zu stehen und diese institutionell zu begleiten.“ Das könne aber nur mit einem breiten Schulterschluss gelingen – nicht nur mit anderen Unis, wie es etwa mit der „Schwester-Uni“ JKU bereits der Fall sei, sondern auch mit Wirtschaft und Industrie: „Wir müssen alle an einem Strang ziehen. Denn am Ende ist ganz Österreich nur ein kleines Ökosystem.“

Die Hochlauf- und Entwicklungskurve bleibe jedenfalls steil und anspruchsvoll. Als entscheidender Meilenstein für den weiteren Erfolg der IT:U gilt die anstehende Wahl der Universitätsführung Mitte 2027.

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