17.03.2026
STUDIE

Wettbewerbsfaktor KI: Studie zeigt raschen Return on Investment für heimische Unternehmen

Eine aktuelle Studie von Accenture, der Industriellenvereinigung und Economica analysiert den Status quo der Digitalisierung in Österreich. Die Daten zeigen messbare Effekte auf Umsatz und Produktivität durch die digitale Transformation und den Einsatz Künstlicher Intelligenz.
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v.l. Philipp Krabb, Research Lead Accenture Österreich, Michael Zettel, Country Managing Director Accenture Österreich, und Christian Helmenstein, Chefökonom IV sowie Leiter Economica | Foto: Christian Mikes

Die digitale Transformation der österreichischen Wirtschaft schreitet kontinuierlich voran. Zu diesem Ergebnis kommt die nunmehr fünfte Erhebung der Studie „Digitale Dividende 2025/26“, die den Fortschritt und die wirtschaftlichen Auswirkungen von Digitalisierungsmaßnahmen analysiert.

Die Entwicklung der Digitalisierungsstufen

Laut den Studiendaten hat sich der Anteil der sogenannten „digitalen Champions“ – also jener Unternehmen, die sich auf der höchsten Digitalisierungsstufe befinden – in den vergangenen fünf Jahren spürbar erhöht. Lag dieser Anteil im Jahr 2021 noch bei zwei bis drei Prozent, sind es in der aktuellen Erhebung mehr als fünf Prozent. Gleichzeitig verringerte sich die Gruppe der digitalen Nachzügler, die Informationstechnologie primär für die reine Informationsbereitstellung und Kommunikation verwenden, von 73 Prozent auf 65 Prozent.

„Die digitale Transformation der österreichischen Wirtschaft schreitet voran. Wir haben deutlich mehr digitale Champions, der Anteil ist auf über fünf Prozent gestiegen. Die wesentliche Botschaft ist: Wer bereits einen Vorsprung hat, behält diesen und kann ihn sogar einfacher ausbauen. Für Nachzügler wird es hingegen richtig schwierig aufzuholen“, so Michael Zettel, Country Managing Director von Accenture Österreich.

Die „Digitale Dividende“ in Zahlen

Die Studie quantifiziert zudem die wirtschaftlichen Effekte eines hohen Digitalisierungsgrades. Über die untersuchten Zeiträume verzeichneten die digitalen Vorreiter ein durchschnittliches Umsatzwachstum, das um 6,2 Prozentpunkte über jenem der Digitalisierungsnachzügler lag. Ein ähnliches Bild zeigt sich beim Produktivitätswachstum mit einer Differenz von 6,1 Prozentpunkten sowie beim Beschäftigungswachstum mit einem Plus von 1,2 Prozentpunkten zugunsten der Champions. Diese Vorreiterrolle nehmen vorwiegend Großunternehmen ein.

Künstliche Intelligenz im europäischen Vergleich

Ein zentraler Schwerpunkt der aktuellen Erhebung liegt auf der Implementierung von Künstlicher Intelligenz (KI). Österreich positioniert sich hierbei im europäischen Vergleich im oberen Mittelfeld. Während der EU-Durchschnitt bei der KI-Nutzung in Unternehmen 20 Prozent beträgt, liegt Österreich bei 30 Prozent. Führend in Europa sind Dänemark mit 42 Prozent und Finnland mit 38 Prozent.

Die technischen Voraussetzungen für eine Skalierung sind in Österreich weitgehend gegeben: 89 Prozent der befragten Unternehmen können Daten in ihren IT-Systemen bereitstellen und 86 Prozent verfügen über die notwendigen Schnittstellen. Generative KI (GenAI) ist in der Wirtschaft bereits angekommen: Etwa 57 Prozent der Unternehmen nutzen diese Technologie bereits oder planen den Einsatz für die nähere Zukunft. Am häufigsten nutzen Unternehmen GenAI zu Zwecken der Übersetzung (75 Prozent). Weitere 59 Prozent lassen sich Texte zusammenfassen, während 53 Prozent die Technologie für die Generierung von Texten verwenden.

Effizienz und Qualität durch GenAI

Die Auswirkungen von GenAI werden in der Erhebung detailliert aufgeschlüsselt. Der Einsatz der Technologie entspricht laut den Berechnungen einem arbeitsvermehrenden technischen Fortschritt, der das Potenzial hat, die eigene Arbeitskraft um 32,4 Prozent zu erhöhen. In der Praxis führt dies bereits heute zu einer durchschnittlichen Zeitersparnis von 1,25 Stunden pro Arbeitstag. Neben der Quantität wird auch die Qualität der Arbeitsergebnisse beeinflusst: 58 Prozent der Anwender:innen geben an, dass sich die inhaltliche Qualität von Texten und Inhalten verbessert hat.

Rentabilität der Investitionen

Abschließend beleuchtet die Studie die finanzielle Rentabilität der Technologie. Obwohl es sich um ein vergleichsweise junges Anwendungsfeld handelt, berichten bereits 39 Prozent der Unternehmen, die in GenAI investiert haben, von deutlich positiven Investitionsrückflüssen. Bei 10 Prozent der Unternehmen liegt dieser Wert sogar bei über 10 bis 25 Prozent. „Wir sehen, dass es einen relativ kurzfristigen Return on Investment gibt. Die Investition in Künstliche Intelligenz zahlt sich aus. Das sind insgesamt sehr gute Nachrichten für die heimische Wirtschaft“, so Zettel.

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Impression vom VERBUND Venture Day 2026 | (c) VERBUND / elephant and porcelaine
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„Von der Innovation zur Skalierung und von der Skalierung zu einem stärkeren Europa“ mit diesem einen Satz könne man das große Ziel für den europäischen Energiesektor zusammenfassen, sagt VERBUND-X-Geschäftsführer Franz Zöchbauer in seinen einführenden Worten zum VERBUND Venture Day 2026, der erstmals beim neuen Energy-Launchpad-Partner WU Wien stattfand. „Wir haben die Lösungen, aber es dauert zu lange, bis sie am Markt sind. Wir müssen skalieren, aber kein Player kann das alleine. Es braucht ein Ökosystem und hier zählen die Menschen“, so Zöchbauer.

Franz Zöchbauer | (c) VERBUND / elephant and porcelaine
Franz Zöchbauer | (c) VERBUND / elephant and porcelaine

Die Zusammenarbeit im Ökosystem als Motto beim VERBUND Venture Day ist nicht neu, der Diskurs, in den das Motto dieses Jahr eingebettet ist, durchaus: Auch hier dominiert das große Thema europäische Souveränität. Der Titel des diesjährigen Events lautet „Scaling Beyond Borders“.

10,25 Billionen Euro für die Energiewende

Zöchbauer drückt die Ambition hinter der eingeforderten Skalierung in Zahlen aus: Es brauche Schätzungen zufolge 10,25 Billionen Euro, um das Energiesystem Europas bis 2040 zu transformieren. „Das ist 70 mal das Volumen des Marshallplans oder das Volumen von 25 Jahren globale VC-Investments“, so der VERBUND-X-Geschäftsführer. Es handle sich also um eine epochale Investment-Chance. Doch er erinnert: „Zahlen ändern die Welt nicht. Menschen tun es.“

Achim Kaspar | (c) VERBUND / elephant and porcelaine
Achim Kaspar | (c) VERBUND / elephant and porcelaine

Dabei sei die Energiewende keineswegs nur ein Wunsch, sondern eine Notwendigkeit, betont VERBUND-COO Achim Kaspar in einer Panel-Diskussion unter dem Titel „Owning the Future“: „Wir sind an einem Wendepunkt. Man liest jeden Tag von Problemen beim Transport fossiler Energieträger. Wir müssen auf erneuerbare umsteigen.“ Für VERBUND sei dabei schon lange klar: „Wir wollen nicht das nächste Kodak werden.“

„Es laufen mehrere Energiewenden parallel“

Diese europäische Sicht auf die Energiewende setzt Angela Wilkinson, CEO des World Energy Council, im Panel und bei ihrer Keynote in die globale Perspektive: „Es laufen mehrere Energiewenden parallel. In Europa geht es um den hundertprozentigen Umstieg auf erneuerbare Energieträger. Im nahen Osten etwa geht es um Technologien, um den CO2-Ausstoß auch mit fossilen Energieträgern auf Null zu bringen.“

Angela Wilkinson | (c) VERBUND / elephant and porcelaine
Angela Wilkinson | (c) VERBUND / elephant and porcelaine

Bei der Souveränität gehe es letztlich um die Möglichkeit, sich seine Abhängigkeiten auszusuchen, „nicht um teuren Isolationismus“, meint Wilkinson. Was ihr insgesamt fehle, sei eine kollektive Vision für eine bessere Zukunft. „Wir haben klare Ziele bei der CO2-Reduktion, aber keine gemeinsame positive Perspektive. Wir haben die Energiewende zwar an die Wall Street gebracht, aber nicht auf die Hauptstraße, wo die Menschen sind.“

Konsequenter Fokus auf die Kund:innen

Darum, wie die Transformation direkt zu den Menschen gebracht werden kann, ging es in einem Talk von VERBUND-CEO Michael Strugl und Greg Jackson, Gründer von Octopus Energy. Strugl sieht das britischen Unternehmen dabei als Vorbild: „Octopus ist ein echter Champion, wenn es um Kundenservice geht.“ Als er Jackson zum ersten Mal nach dessen Geschäftsmodell gefragt habe, sei die Antwort denkbar simpel gewesen: „Ich will den Kunden weniger verrechnen.“ Dieser konsequente Fokus auf die Kund:innen sei der Schlüssel, sagt Strugl.

Michael Strugl | (c) VERBUND / elephant and porcelaine
Michael Strugl | (c) VERBUND / elephant and porcelaine

Viele Energieunternehmen würden Kund:innen bisher nur als reine Abnehmer verstehen, meint Jackson. Octopus setze stattdessen auf radikale Vereinfachung und digitale Flexibilität: „Statt schwer lesbarer, regulierter PDFs nutzen wir einfache E-Mails, auf die man direkt antworten kann.“ Diese Kundennähe gepaart mit intelligenter Steuerung – etwa beim Laden von Elektrofahrzeugen – sei der Treiber für das rasante Wachstum des Unternehmens. Für Strugl ist das eine klare Orientierung für die gesamte Branche: „Innovatoren und Disruptoren helfen uns dabei, das gesamte System in ein erneuerbares, dezentrales und digitalisiertes Energiesystem zu verwandeln.“

Tragende Rolle für Gründer:innen – Unis entscheidend

Es sind also nicht nur Politiker:innen und Verantwortliche in Energiekonzernen, sondern auch Gründer:innen, die bei der Energiewende eine tragende Rollen spielen. Hier wiederum sind die Universitäten entscheidende Akteure, wie Franz Zöchbauer am Panel gemeinsam mit WU-Wien-Rektor Rupert Sausgruber und TU-Wien-Rektor Jens Schneider erläutert. „Es gibt im Energiesektor so viel Potenzial, aber man braucht nicht nur viel Geld sondern auch die Ideen“, bringt es Schneider auf den Punkt.

Jens Schneider (l.) und Rubert Sausgruber (r.) | (c) VERBUND / elephant and porcelaine

„Starke Gründer:innen, aber viele Hindernisse am Weg“

Dass natürlich auch die Politik ihren Beitrag leisten muss, um die Skalierung über die Grenzen hinaus zu ermöglichen, erörtert Startup-Staatssekretärin Elisabeth Zehetner in ihrer Keynote. Man müsse die Herausforderung angehen, Startups in Europa zu halten. „Wir haben starke Gründer:innen, aber viele Hindernisse am Weg“, sagt Zehetner und spricht nicht nur das bekannte Thema Wachstumskapital, sondern unter anderem auch die Ausgründungsbedingungen für universitäre Spinoffs an.

Elisabeth Zehetner | (c) VERBUND / elephant and porcelaine
Elisabeth Zehetner | (c) VERBUND / elephant and porcelaine

Als konkrete Maßnahmen – teils auf europäischer, teils auf nationaler Ebene – nennt die Staatssekretärin etwa den European Scaleup Fund und den heimischen Dachfonds und die Notwendigkeiten, die europäische Kapitalmarktunion zu stärken und die Mitarbeiter:innenbeteiligung auch durch steuerliche Anreize weiter zu verbessern. Denn letztlich sei das Ziel – ganz getreu dem Motto des Venture Days – klar: „Erfinde dein Produkt hier, bau dein Unternehmen hier und skaliere hier, aber verkaufe dein Produkt in die ganze Welt.“

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