09.03.2026
RAUM

Lagerless: Grazer Startup möchte per Marktplatz Platzprobleme lösen

Zu wenig Stauraum ist für viele Menschen Alltag – besonders in Städten. Während Wohnungen kleiner werden, bleiben Keller, Garagen oder Grundstücke in unmittelbarer Nähe oft ungenutzt. Das Grazer Startup Lagerless will diese Lücke schließen.
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Lagerless, Stauraum Raum, Platz
© Lueflight - Gründer Marko Zivanic (l.) wird von Science Park Graz-Geschäftsführer Martin Mössler unterstützt.

Es ist die typische Geschichte. Man rutscht ins Elterntum und mit der Geburt des eigenen Kindes beginnt der Kampf um jeden Quadratmeter Platz. So geschehen bei Marko Zivanic. „Ich habe im Keller zum wiederholten Mal versucht, Kisten wie bei Tetris neu zu stapeln – in dem Wissen, dass direkt nebenan ein Abteil fast leer steht“, sagt er. Der Gedanke ließ ihn nicht los und er fragte sich, warum wird Raum gehortet, während er wenige Meter weiter dringend gebraucht wird? So entstand die Idee zu Lagerless.

Lagerless als Vermittler

Aus der Alltagssituation entwickelte sich dann eine Geschäftsidee: Mit seinem Grazer Startup hat Zivanic schlussendlich einen Online-Marktplatz geschaffen, der ungenutzte Flächen sichtbar macht und lokal vermittelt. Privatpersonen und Unternehmen können mit Lagerless freie Keller, Garagen, Parkplätze oder Grundstücke anbieten. Das Unternehmen übernimmt die Vermittlung, regelt Buchung und Zahlungsabwicklung und stellt den vertraglichen Rahmen bereit.

Der Mietpreis ist transparent ausgewiesen, eine Servicegebühr verbleibt bei der Plattform, der Rest geht an den Raum-Anbieter. „Uns war wichtig, dass beide Seiten möglichst wenig Aufwand haben. Niemand soll Verträge aufsetzen oder Zahlungsflüsse organisieren müssen“, sagt Zivanic. Aktuell ist die Plattform in der Steiermark aktiv, mehr als 30 Anbieter stellen bereits unterschiedlichste Flächen zur Verfügung – von klassischen Kellerräumen bis hin zu Außenflächen.

Technologisch setzt das Startup dabei auf automatisierte Sicherheitsmechanismen, Betrugserkennung und datenbasierte Auswertungen von Angebot und Nachfrage. Ziel ist es, regionale Bedarfe frühzeitig zu erkennen und das Angebot entsprechend weiterzuentwickeln.

Science Park Graz unterstützt Lagerless

„Wir wollen verstehen, wo Platz fehlt – und wo er vorhanden ist“, erklärt der Gründer. Von bereits etablierten Branchengrößen grenzt sich Zivanic bewusst ab. „Wir sind kein anonymer Lageranbieter. Unsere Stärke liegt in der wechselseitigen Vernetzung auf lokaler Ebene“, sagt er. Intelligente Algorithmen würden dabei helfen, passende Vorschläge zu machen – entscheidend sei aber die Nähe: „Menschen lagern bei Menschen. Genau darin liegt unser Pluspunkt.“

Begleitet wird Lagerless vom Science Park Graz, der dem Gründer nicht nur Infrastruktur, sondern vor allem Zugang zu Netzwerk und Know-how bietet. Geschäftsführer Martin Mössler sieht in Lagerless ein typisches Beispiel für alltagsnahe Innovation: „Hier wird kein künstlicher Bedarf geschaffen, sondern ein reales Problem gelöst. Aus einer persönlichen Beobachtung entsteht ein skalierbares Geschäftsmodell – genau solche Projekte wollen wir im Science Park Graz unterstützen.“

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Fünf der RBI Global FinTech Scouts gaben uns Einblicke in die aktuellen globalen FinTech-Trends (vl.): Vel Vasic, Aditi Subbarao, Ken Thomas, Scarlett Sieber und Nnanna Ijezie | (c) brutkasten / Dervisevic
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„Die große Stärke des Programms ist Neugier. Es geht darum, das Beste aus der ganzen Welt zusammenzutragen und dann zu nutzen“, sagt Aditi Subbarao, Enterprise Account Director beim US-AI-Data-Cloud-Anbieter Snowflake, im Gespräch mit brutkasten. Sie spricht über das Global FinTech-Scouts Program der Raiffeisen Bank International (RBI), für das sie seit dem Start vergangenes Jahr als Expertin fungiert. Ziel ist es, die wichtigsten Erkenntnisse im FinTech-Bereich von globalen Top-Expert:innen zusammenzutragen und für die gesamte RBI-Gruppe – und damit im ganzen CEE-Raum – nutzbar zu machen.

Im Mai holte die RBI ihre „Scouts“ wieder nach Wien. Brutkasten war vor Ort und bat fünf der Expert:innen, darunter auch Subbarao um ihre Einschätzung zu den aktuell wichtigsten FinTech-Trends.

1. KI-Agenten und die notwendige Datenstrategie

KI-Agenten seien aktuell wenig überraschend das dominierende Thema in den Führungsetagen der Finanzwelt, erklärt Aditi Subbarao. Dabei gehe es um die effiziente und sichere Umsetzung. Und diese sei an strenge technologische Voraussetzungen geknüpft: „Ohne eine solide Datenstrategie gibt es keine KI-Strategie. Unternehmen werden von KI-Agenten nicht profitieren, solange ihre zugrunde liegenden Daten nicht robust und KI-fähig sind“.

Zusätzlich zur Datenqualität sei die Sicherheit der Systeme entscheidend. Subbarao warnt vor unregulierten Modellen: „Selbst bei einer optimalen Datenbasis können ohne sichere, regulierte KI-Agenten mit angemessenen Leitplanken nicht die zuverlässigen und richtlinienkonformen Ergebnisse erzielt werden, die man für seine Kunden will“.

2. Web3 und Payments wachsen zusammen

Ein grundlegender Wandel vollzieht sich auch in der Infrastruktur digitaler Transaktionen, erklärt Vel Vasic, CEO des in Singapur ansässigen FinTech-Venture-Studios OTLRS. Er beobachtet eine zunehmende Verschmelzung etablierter Systeme: „Wir erleben derzeit, wie der traditionelle Zahlungsverkehr und Web3, die früher völlig getrennte Welten waren, konvergieren“.

Die Integration gehe dabei in beide Richtungen. „Zahlreiche Anbieter digitaler Vermögenswerte betrachten den Zahlungsverkehr mittlerweile als zentralen Bestandteil der Customer Journey“, führt Vasic aus. Er prognostiziert für die Branche eine weitreichende Veränderung: „In den kommenden zehn Jahren wird sich dies in Kombination mit künstlicher Intelligenz zu einem nahtlosen Omnichannel-Erlebnis für digitale Zahlungen entwickeln“.

3. Identitätsprüfung im Zeitalter von KI-Betrug

Die schnelle Verbreitung von künstlicher Intelligenz bringt auch neue Herausforderungen im Bereich der Cybersicherheit mit sich. Für Scarlett Sieber, Chief Strategy and Growth Officer beim New Yorker FinTech-Konferenzveranstalter Money20/20, rücken defensive Strategien in den Fokus. „Mein Hauptinteresse gilt der Rolle von Betrug und Identitätsprüfung im Kontext von künstlicher Intelligenz“, erklärt Sieber.

Sie sieht dabei einen direkten Zusammenhang zwischen technologischer Entwicklung und Cyber-Kriminalität: „Mit dem Aufstieg der KI verzeichnen wir einen deutlichen Anstieg von Betrugsfällen. Infolgedessen spielt die eindeutige Identitätsfeststellung eine wichtigere Rolle als jemals zuvor“.

4. Hyperpersonalisierung durch „Context Pulling“

Im Bereich der Kundenbindung verändert sich die Art und Weise, wie Finanzprodukte angeboten werden, erklärt Ken Thomas, Principal beim Londoner VC BackFuture. Er identifiziert einen Wandel in der Kundenansprache: „Der übergreifende Trend, den ich derzeit beobachte, ist die Hyperpersonalisierung und deren Wechselwirkung mit Banking“.

Die Strategie wandelt sich von traditionellen Marketingmethoden hin zu einer situativen Ansprache: „Wir nennen das ‚Context Pulling‘ anstelle von ‚Product Push‘. Anstatt eine statische Menge an Rewards anzubieten, geht es nun vielmehr darum, den Kunden die richtigen Rewards zur exakt richtigen Zeit zukommen zu lassen, um so die Interaktion und das Engagement zu steigern“.

5. Besserer Zugang zum US-Dollar

Nnanna Ijezie, Product Manager bei Booking.com in Amsterdam, sieht eine starke Nachfrage im Fremdwährungsbereich: „Wir beobachten weltweit einen wachsenden Zugang zum US-Dollar“.
Dieser Trend wird maßgeblich von neuen Marktteilnehmern getrieben. „Startups, FinTechs und Banken arbeiten daran, immer mehr Menschen einen einfacheren, schnelleren und kostengünstigeren Zugang zu dieser Währung zu ermöglichen“, so Ijezie.

Dabei kommen auch neue Technologien zum Einsatz: „Eine der populärsten Methoden, über die derzeit alle sprechen, sind Stablecoins, doch das zugrunde liegende Bedürfnis bleibt, der breiten Masse einen effizienteren Zugang zum US-Dollar zu verschaffen“.

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