31.10.2025
BLUEPRINT

Warum Bitpanda-Gründer Demuth mit Kim Kardashian und Paris Hilton in ein Startup investiert

Longevity-Ikone Bryan Johnson holt sich 60 Millionen US-Dollar für sein Startup Blueprint. Unter den 48 teils sehr prominenten Investor:innen findet sich auch Bitpanda-Gründer Eric Demuth.
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vl.: Longevity-Unternehmer Bryan Johnson und Bitpanda-Gründer Eric Demuth | Foto: Eric Demuth via LinkedIn
vl.: Longevity-Unternehmer Bryan Johnson und Bitpanda-Gründer Eric Demuth | Foto: Eric Demuth via LinkedIn

„Don’t die“ – so lautet der Titel eines Buchs von und einer Netflix-Serie über den US-Unternehmer Bryan Johnson. Und es ist sein Lebensmotto. Der 48-Jährige, der 2013 mit einem 800-Millionen-Dollar-Exit seines FinTechs an Paypal zum Multimillionär wurde, hat sich voll und ganz dem Longevity-Trend verschrieben. So weit, dass er tatsächlich das Ziel ausgegeben hat, ewig zu leben. Nicht weniger als zwei Millionen US-Dollar investiert er jährlich in seine Gesundheit – und sorgt damit für eine andauernde Kontroverse.

Kardashian, Hilton, Aoki, Hormozi, Winklevoss, Demuth

Mit seinem Startup Blueprint will Johnson sein Longevity-Wissen auch weitergeben und vermarkten – brutkasten berichtete bereits. Und hierfür holte der Unternehmer sich nun 60 Millionen US-Dollar Investment. Das Geld kommt dabei nicht von VC-Fonds, sondern von insgesamt 48 Einzelpersonen. Und darunter sind einige denkbar klingende Namen: Promis wie Kim Kardashian, Paris Hilton und Steve Aoki ebenso wie Persönlichkeiten aus dem US-Investor:innen-Umfeld wie Alex Hormozi oder Tyler Winklevoss. Mitten darunter: Eric Demuth, Gründer des Wiener Krypto-Unicorns Bitpanda.

Demuth: „Gesundheit auf eine sehr positive Weise als System betrachten“

Und warum? Nach zehn Jahren ohne Sport und mit schlechter Ernährung und Angewohnheiten habe er vor zwei Jahren beschlossen, sich zu ändern, schreibt Demuth auf LinkedIn. So sei er auf Longevity und im Speziellen auf Bryan Johnson mit Blueprint gekommen. „Was mich am meisten fasziniert hat, war die Philosophie, Gesundheit auf eine sehr positive Weise als System zu betrachten. Messen, lernen, verbessern und für alle zugänglich machen“, so Demuth.

Ein Blick auf die anderen Investor:innen dieser Finanzierungsrunde zeige, wie weit diese Bewegung bereits gekommen sei. „Es handelt sich nicht mehr um eine Nische, sondern um einen globalen Wandel hin zu Energie, Gesundheit und Selbstoptimierung“, so der Bitpanda-Gründer weiter.

Viele offene Stellen bei Blueprint

Dabei steht Blueprint als Startup noch relativ am Anfang. In einem X-Posting zur Kapitalrunde schreibt Bryan Johnson über die Vision und konkrete Pläne und gibt dabei unter anderem eine Auflistung der aktuell gesuchten Positionen aus: Chief Technology Officer, Chief Product Officer, Chief Medical Officer, Chief Marketing Officer, „Engineers of all types“ und noch einige mehr.

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A1 Group CEO Alejandro Plater und A1 Group CTO Alexander Kuchar | (c) A1 Group
A1 Group CEO Alejandro Plater und A1 Group CTO Alexander Kuchar | (c) A1 Group

„Als sich das Internet durchgesetzt hat, gab es ‚Greenfield-Unternehmen‘ wie Google, die keine Legacy hatten und etablierte Unternehmen wie Microsoft, die sich transformieren mussten. Jetzt sind wir in der gleichen Situation. Während OpenAI, Anthropic und Co. etwas komplett Neues aufbauen, müssen die bestehenden Player, wie etwa auch wir, die Transformation schaffen“, sagt Alejandro Plater, CEO der A1 Group, am Rande des A1 ICT Summit. Und er fügt an: „Microsoft ist diese Transformation damals sehr gut gelungen. Wir wollen wie Microsoft sein.“

ICT als entscheidender Wachstumsmarkt

Mehr noch als um die Herausforderungen, die KI innerhalb des Konzerns mit sich bringt, geht es für die Gruppe dabei darum, dem Markt zu liefern, was gebraucht wird. Das große Schlagwort lautet ICT mit umfassenden Cloud- und KI-basierten Angeboten für Unternehmen. Von 2021 auf 2025 wuchs der Gruppenumsatz in dem Bereich von 285 auf 573 Millionen Euro – eine durchschnittliche jährliche Wachstumsrate von 19 Prozent. Was das mit dem KI-Boom zu tun hat, bringt Plater auf den Punkt: „Wir sind groß und haben die Möglichkeiten, schnell auf alle Entwicklungen zu reagieren. Viele Unternehmen sind klein und haben diese Möglichkeiten nicht. Das ist eine große Chance für uns.“

„Souveränität heißt für uns in erster Linie: Du hast die Wahl.“

Eine Rolle spielt dabei natürlich auch das aktuell große Thema Digitale Souveränität. „Souveränität heißt für uns in erster Linie: Du hast die Wahl. Es gibt mehrere Alternativen und du kannst entscheiden“, erklärt Alexander Kuchar, CTO der A1 Group. Das trifft vor allem auf den Cloud-Bereich zu, wo man mit der Tochter Exoscale ein eigenes Angebot mit Data-Centern an zahlreichen europäischen Standorten hat, gleichzeitig aber auch Angebote der US-Hyperscaler vertreibt. „Es kommt hier immer auf die konkreten Kundenbedürfnisse an, welche Variante die sinnvollste ist“, sagt der CTO.

In Sachen KI setzt A1 dagegen primär auf Open-Source-Modelle, also einen genuin souveränen Ansatz. Dass diese technologisch nicht mit den Frontier-LLMs der US-Giganten mithalten können, sieht Kuchar wenig problematisch. Die Entwicklung verlaufe verschoben, aber parallel. „Was die Frontier-Modelle heute können, werden die Open-Source-Modelle in kurzer Zeit können“, so der CTO. Entscheidend seien die tatsächlichen Bedürfnisse der Unternehmenskunden – und hier spiele etwa auch die Abwägung zwischen Performance und Kosten eine große Rolle. Die Wahl falle daher oft bewusst auf schwächere Modelle, die den spezifischen Zweck aber – günstiger – erfüllen.

Strategie: Leute vor Ort

CEO Plater sieht das Thema aus der Vogelperspektive: „Es geht nicht primär um die Technologie. Es geht um das Leadership in den Unternehmen.“ Entscheidend sei, wie die Technologie operativ ankomme und es gelinge, die ganze Organisation mitzunehmen. A1 setzt dabei auf Präsenz in seinen Märkten. „Es ist überraschend, wie unterschiedlich unsere Märkte sind. Wenn ein US-Player kommt, und den Unternehmen erklären will, wie sie ihr Business zu führen haben, wird das nicht funktionieren“, sagt Alexander Kuchar. Und Plater ergänzt: „Das ist unsere Strategie: Wir haben Leute vor Ort, die die Sprache sprechen. Wir haben Callcenter und Techniker, die zu einem kommen. Bei den Hyperscalern erreichst du niemanden.“

Dass die besagten Callcenter schon in absehbarer Zeit nicht mehr mit Menschen, sondern mit KI-Agenten besetzt sein werden, ist für den CEO gleichzeitig eine Selbstverständlichkeit: „Die KI passt sich sogar an den spezifischen Dialekt der Anrufenden an. Menschen können es damit nicht aufnehmen“, meint er. Und ob aber Kund:innen nicht dennoch mit echten Menschen sprechen wollen? „Man wird nicht erkennen, dass es eine KI ist“, so Plater, „bloß, wenn die Regulatorik vorschreibt, das schon bei Gesprächsbeginn kenntlich zu machen.“

Generell sei die Regulatorik auch etwas, das ihn beschäftige, sagt der CEO, konkret die Unterschiede zwischen den Ländern bzw. den Großregionen: „So viel ist klar: Die weniger regulierten bewegen sich schneller – im Positiven wie im Negativen – und die stärker regulierten bewegen sich langsamer – im Positiven wie im Negativen.“

„Je weniger Systeme, Tools und Prozesse man hat, desto einfacher ist es zu kontrollieren.“

Ein großes damit verbundenes Thema ist die Sicherheit. „Wir arbeiten mit mehreren Strategien daran, die Cyber-Security stetig zu verbessern“, sagt dazu Plater. Erstens versuche man etwa, wo es gehe, zu vereinfachen. „Je weniger Systeme, Tools und Prozesse man hat und je simpler alles ist, desto einfacher ist es zu kontrollieren.“ Zweitens habe man eigene Teams, die ständig die neuesten Entwicklungen im Auge behielten und solche, die konstant Angriffe auf das eigene System simulieren, um Lücken zu finden. Auch hier sieht der CEO eine große Chance für die A1 Group, die CTO Kuchar benennt: „Wir bieten hier maßgeschneiderte Lösungen für KMU.“

Und wie sieht es mit den zuletzt vielfach kolportierten globalen Bedrohungsszenarien durch KI aus, die bis zur befürchteten Auslöschung der Menschheit gehen? „Ich bin nicht sehr fatalistisch bei dem Thema“, sagt Plater. Man müsse solche Szenarien schon in Perspektive setzen. „Was sind die tatsächlichen Möglichkeiten, die so drastisch sein könnten? Das ist für mich eher Science Fiction. Aber wer weiß, vielleicht irre ich mich.“

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